Dunkelelfen sind keine Hamster

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Mizrae
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Registriert: 12 Mär 2020, 12:38

Dunkelelfen sind keine Hamster

Beitrag von Mizrae »

“Nur noch ein Probelauf am nächsten Testsubjekt, ehe das Narbondel den schwarzen Tod stirbt”. Dachte sich Lirdlil Xiltiirn, als er einen Blick in das gläserne Gefängnis des armen Hamsters hineinwarf. Hinter dem Terrarium des Hamsters sah man unzählige Einmachgläser mit diversen Kreaturen in konservierenden Flüssigkeiten. Man musste kein Fachmann sein, um zu erkennen, dass die mutierten, entstellten und teilweise präparierten Geschöpfe Opfer grausamer Experimente waren. 
 Lirdlil Xiltriin war der Meister der Sorcere, der oberste Ausbilder der Magier in der Stadt der Spinne. Seine Leidenschaft war das Heranzüchten magischer Plagen, die auf unterschiedlichste Art und Weise ihre Wirkungen entfalteten.
Inspiration fand er an Giften in der Natur, welche verheerende Wirkung durch einen Biss, eine Berührung oder durch ihren Konsum hervorrufen. Die Gifte aus der Natur hatten einen Nachteil; ihr Gift musste irgendwie in physischen Kontakt des Opfers geraten. Auch wenn Dunkelelfen weniger empfänglich für Pathogene waren, wusste man von dem Mysterium, dass sich Krankheit auf unsichtbare Art und Weise verbreiten konnte. Es kursierte die These des “Miasmas”, schlechter Luft, die Ursache für die Verbreitung von Plagen war. 
Der Nachteil an Krankheit war, dass es häufig ein langsamer Prozess war und meist Zeit zum Auskurieren gab. Auch konnte man auf ein Repertoire an heilenden Zaubern zurückgreifen. Ein Gift hingegen wirkte wesentlich rascher, um mit seiner Wirkung Opfer auszuschalten. 
Dies war die Mission des Meisters der Sorcere, um seine Position als namhaftes Männchen zu festigen; ein Gift, dass keinen Kontakt benötigt und tückischer war, als jeder Assassine der Drow sein konnte. 
Die Wahl der Wirkweise der Giftart fiel auf ein zersetzendes Gift. Hierbei war der Vorteil, dass Schäden durch solche Gifte nahezu immer irreversibel waren. Das liquidierte Fleisch seiner Opfer war eine Hommage an die Entropie; das Chaos, mit dem die Spinnenkönigin große Freude hatte. 
Lähmendes oder einfach nur herzstoppendes Gift hatten auch seine Schönheit in den Augen des Magiers. Doch erst einmal war nur ein Resultat wichtig. Über Variationen konnte sich der Meister der Sorcere später einmal Gedanken machen. 
 Die Methode des Magiers zum Entwerfen der magischen Plage war recht überschaubar und las sich wie ein Rezept für einen Kuchen:
  • Eine Kristallphiole, vom Volumen zwei Daumen gleich wird gefüllt mit:
  • Einem Fingerhut mit Sputum oder von einem kranken Sklaven (vorzugsweise von einem Menschen) 
  • Ein Fingerhut mit Blut des gleichen Sklaven
  • Ein Tropfen des Giftes, mit der gewünschten Giftwirkung
 Verschlossen mit einem guten Verschluss werden die Flüssigkeiten zur Mixtur geschüttelt. Das Ganze musste in der Gegenwart des Kranken getan werden, um das Miasma zugleich einzufangen. 
Im Anschluss wird die Phiole mit der Mixtur in einem Faerzress-Nexus “gebacken”. Mindestens einhundert Narbondelzyklen. 

Diesen Prozess hatte der Magier unzählige Male durchgeführt. Irgendwann, so hoffte Lirdril, musste das Faerzress und seine wilde Magie doch seinen Wunscheffekt hervorrufen. 
Das Feenfeuer, das das Narbondel illuminierte begann schon zu flimmern und zu flackern - wie eine Kerze, deren Docht kein Wachs mehr zur Nahrung fand. Der Magier setzte die Phiole in das gläsernen Gefängnis, welches er danach gut versiegelte. 
“Lar Alu Har’dro” sprach Lirdlil als Worte der Macht um einen Telekinese-Zauber zum Effekt zu führen. Natürlich gelang es dem Meister der Sorcere problemlos mit diesem Zauber den Verschluss der Phiole zu öffnen. Gebannt starrten die drowtypischen Augen mit der roten Iris auf den Hamster, der sich in aller Ruhe in der anderen Ecke des Terrariums putzte. Lirdlil wartete und wartete. Doch der Hamster starb nicht. Das Einzige was starb, war das Feenfeuer des Narbondels, was den Ende des Dunkelelfentages einläutete. Ein Faustschlag voller Wut auf den Tisch folgte und lies den munteren Hamster panisch umher wuseln. 
 “Die Göttin prüft meine Geduld!” nuschelte er mit aufeinander gebissenen Zähnen und rief dann im Anschluss zu seinem Assistenten im Nebenzimmer: “Wir sind für diesen Narbondelzyklus fertig, räume das Labor auf. Ich ziehe mich zur Meditation zurück.” 
Der Assistent machte sich an die Arbeit nachdem der Meister der Sorcere sich zurückzog. Phiolen, organische Proben und Utensilien wurden beseitigt oder gereinigt und für die Studien am nächsten Narbondelzyklus vorbereitet. 
Auch der Hamster, der ja noch Tauglichkeit für weitere Experimente aufwies wurde aus dem versiegelten Glasbehältnis genommen um ihn zurück in seinen Käfig zu setzen. 
Doch der Assistent hatte keine Ahnung, welches Übel dem Hamster anhaftete. Kaum war der Hamster sorgsam aus dem Terrarium genommen worden, riss der Assistent seine Augen auf, als er merkte, dass plötzlich seine Nase zu bluten begann. Herzschläge später fiel der Assistent schon zu Boden um röchelnd von einem raschen Tod ereilt zu werden. Der Hamster landete auf allen Vieren und wuselte davon. 
Er hinterließ auf einer Erkundungstour durch die Akademien der Sorcere, der Melee Magthere und der Arach Tinilith eine Spur aus unerklärlichen Toden. Niemand blieb verschont, weder Lehrer noch Schüler. 
Es dauerte nicht lange, bis die Kunde den Meister der Sorcere ereilte. Er ahnte direkt, was die Ursache für dieses Phänomen war. 
Lirdlil Xiltiirn ordnete durch seine Autorität als Meister der Akademie eine Quarantäne der Akademien an - was auch bei den verfügbaren Priesterinnen der Arach Tinilith Zustimmung fand. Unter seiner Leitung befahl er die Erschaffung einer schützenden Kuppel aus einem Energie-Wall rund um die Akademien. Auf dass das Nagetier als Träger des giftigen Pathogens nicht seinen Pesthauch in der Stadt verbreitete. Lirdil verschwieg jedoch, dass dies alles sein Werk war und somit auch die Existenz des Seuchenhamsters …
 
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