Ankunft: Die neue Welt

Rollenspielforum für Geschichten.
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Aanatus
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Eine 'Lady' und viele, viele Damen

Beitrag von Aanatus »

Aanatus blickte Ruuwena lange noch hinterher. Erstarrt, aber in positivem Sinn – sein Lächeln war noch immer wie festgefroren und immer noch zeichnete sich eine leichte Rötung auf der sonnengebräunten Haut seines Gesichtes ab. Aufgrund ihrer überraschenden Verabschiedung hatte er nur freudig lächelnd und irgendetwas Unbeholfenes in ihre Richtung stammeln können, was ihm nun – einen Moment später, als sie schon weggehuscht war –  etwas peinlich war. „Nicht auf den Mund gefallen“, das mochte sie an ihm, hatte sie mal gesagt. Nun…an diesem Abend war das ja wohl nicht der Fall gewesen. Kurz musste Aanatus über sich selbst lachen und dabei den Kopf schütteln. „Diese ‚Lady‘…“, murmelte er lächelnd zu sich. Lange noch stand er verträumt da, sein Hund Wulf an seiner Seite, der geduldig das seltsame Gebaren seines Herrchens ertrug. Dann besann er sich jedoch, sein Herbergszimmer aufzusuchen und seine Notizen durchzulesen. Immerhin würde er am nächsten Tag ein wichtiges Treffen mit Sorsha haben, worauf er sich akribisch vorbereitet hatte, indem er alle Wünsche und Ansichten, welche Davind zur aktuellen ‚Situation‘ hatte, niedergeschrieben hatte. Glücklicherweise stimmten Davinds Ideen und Meinungen vollständig mit den seinen überein, er hatte also ein gutes Gefühl bei der Sache.

Am nächsten Tag war es dann soweit. Er ließ für den hohen Besuch die Diskussionsrunde zur neuen Insel ausfallen und wartete am Marktplatz Nebelhafens auf Soryia und Sorsha. Soryia war so nett, das Treffen zu vermitteln und war glücklicherweise auch nicht böse, dass Aanatus ein Gespräch mit Sorsha unter vier Augen anstrebte. Das Thema war nun mal brisant, es ging da weniger um Geheimniskrämerei, als darum, in der wenigen Zeit, die für Gespräche bereitstand, möglichst viel an unverfälschtem Inhalt zu übermitteln. Und es wurde ein produktives, sogar ein sehr angenehmes Gespräch. Anfangs erinnerte sich Aanatus an das Kennenlernen von Sorsha und ihm auf der Schiffbruchsinsel und man schmunzelte etwas über die alte Anekdote. Bald schon wandte man sich den ernsten Themen zu: Freudig erfuhr Aanatus, dass Sorsha die interimistische Führungsrolle des Reiches innehatte. Erfreut war er deshalb, weil er ihre Vernunft und  ihr Auftreten schätzte und natürlich deshalb, weil er klarerweise mit der höchstrangigen Person sprechen wollte. Passend zu den wunderbaren Neuigkeiten, zu denen Aanatus Sorsha herzlich gratulierte, überreichte er ihr eines der 10 Exemplare der 1. Auflage seiner Landkarte. Als Zeichen der in Zukunft – hoffentlich friedlichen – Verbundenheit. Sorsha nahm das Geschenk dankend entgegen und versprach, der Wandlandkarte einen angemessenen Ort zu widmen, sobald die verlassene Stadt renoviert sei und sich dafür ein Ort offenbaren würde. Aanatus lächelte geehrt und wandte sich dann dem schwierigsten Thema des Abends zu, den Übergriffen auf Händler und Handwerker des Bundes und seiner Freunde. Vorweg erklärte Sorsha ihm dazu die Situation und Zusammensetzung des Reiches und Aanatus verstand aus ihren Worten, dass dieses Konglomerat natürlich ein schwierig zu führender Haufen war. Nebelhafen zeigte ja auch oft auf, was Diversität im Guten und auch im Schwierigen sein konnte. Auch ein Rückblick in die Vergangenheit wurde geworfen, mit der Kritik der Handelsunterstützung des Handwerkerbundes für die Orks, als diese im Krieg mit der dunklen Fraktion waren. Auch da verstand Aanatus die Altlasten und räumte offen ein, dass wohl die düstersten Abgründe einer neutralen Fraktion wie des Handwerkerbundes der sei, dass Handel und Handwerk durch Krieg immer florieren würde. Doch betonte er auch, dass es von Handelsunterstützung im Kriegsfalle zur aktiven Kriegstreiberei ein langer Weg sei – und eben diesen Weg in der Gegenwart und Zukunft zu begehen, sollte verhindert werden. „Spannungen gab es und gibt es, Eskalation muss aber vermieden werden.“ Aanatus blieb hinsichtlich der Eskalation bei seiner aktuellen Beurteilung, dass derzeit nur einzelne Individuen Öl ins Feuer gießen würden. Beide Seiten – auch er selbst – mussten mit Wort und Tat aufpassen, beide Seiten hatten schon Fehler gemacht und würden auch wieder Fehler machen. Aber beide Seiten sollten sich zumindest mit Respekt begegnen, sich nicht nach Leib und Leben trachten und den Handel aufrechterhalten. Er betonte dabei, dass der Handwerkerbund die friedliche Neutralität als höchstes Ziel habe, merkte aber auch an, dass man sich nicht alles gefallen lassen könne und würde, besonders nicht, wenn die Schwächeren der Gemeinschaft attackiert werden. Und wehrhaft sei der Handwerkerbund auch, was bei einer Eskalation nur zu einem noch größeren Schaden an allen Beteiligten führen würde. Das galt es zu verhindern und da waren sich beide einig. Aanatus erhoffte sich vom Gildentreffen des Bundes, welches bald stattfinden würde, dass der Mut zur Contenance dort ausgesprochen und gestärkt werden würde. Er hoffte auch, dass Sorsha diese Einstellung gleichfalls ihren Leuten vermitteln konnte. Man würde sehen, was die Zukunft bringt. Abschließend untermauerte Aanatus den Versuch einer Annäherung zwischen beiden Seiten mit der Unterbreitung des Vorschlages, dass der Handwerkerbund bei der Renovierung und dem Wiederaufbau von städtischen Gebäuden der verlassenen Stadt behilflich sein könnte. Sorshas Reaktion war überrascht und freundlich. Aanatus hatte mit mehr Ablehnung gerechnet und lächelte zufrieden, auch wenn Sorsha natürlich hinzufügte, dass dieses Angebot erst mal den Ihren unterbreitet und akzeptiert werden müsse, was ein sehr großer Schritt wäre und demnach eine große Chance hatte, nie umgesetzt werden zu können. Aanatus nickte bestätigend und meinte dazu schelmisch lächelnd: „Im ‚schlimmsten‘ Fall wird dieses Hilfsangebot ein nicht angenommener, aber positiv bemerkter, Versuch einer freundschaftlichen Annäherung sein. Im besten Fall werdet Ihr mich irgendwann einmal schwitzend mit Werkzeuggurt dabei sehen, Mauerlöcher Eurer Stadt zu stopfen.“
Sie schmunzelte kurz und dann war es Zeit, Abschied zu nehmen. Aanatus ging einen Schritt auf Sorsha zu, streckte zackig seine Hand zum Gruß, wartete bis sie etwas zögerlich annahm, drückte ihre Hand angemessen fest und meinte, ihr in die Augen blickend: „Auf eine hoffentlich friedliche Zukunft!“.

Zufrieden blickte Aanatus der werten Sorsha hinterher und ging dann seinerseits in Richtung des Bankhauses, um Davind über das Treffen auszuklären. Als dies geschehen war, kam es zu einem weiteren - überraschenden - Treffen, denn die Kaiserin der Amazonen stand in Begleitung einer ihrer Mitstreiterinnen in der Bank. Aanatus fasste sich ein Herz und entschloss sich, die Kaiserin höflich anzusprechen. Er wollte ihr - so wie den anderen Führunspersönlichkeiten der Insel - auch eine Landkarte überreichen. Doch seine Beziehungen zu den Amazonen hatten holprig begonnen, also war er diesbezüglich zögerlich gewesen. An diesem Tag aber war es soweit und er konnte sein Geschenk überreichen. Zufrieden bemerkte Aanatus nicht ohne Stolz, dass sein Werk geschätzt wurde und als Niriel meinte, dass die Stadt der Amazonen noch nicht verzeichnet sei, bemerkte Aanatus, dass es ja irgendwann einmal eine Zweitauflage geben würde und - sofern es die Umstände erlaubten - ja auch graue Flecken getilgt werden würden. Die Zeit für eine Erfassung der Amazonenstadt sei noch nicht gekommen, meinte Niriel, zu viel sei noch im Aufbau. Aber Interesse bestünde, auch wenn sie anmerkte, dass Männer wie er natürlich nicht so gern in der Stadt gesehen sind. Auch das verstand Aanatus, lächelte aber zufrieden, denn dies war wohl ein guter Schritt zu einem gesunden Verhältnis zu dem Amazonenvolk.

Als Aanatus dann eigentlich schon schlafen gehen wollte, erreichte ihn noch eine Brieftaube. Aithera, die Magierin, die nach einer Rüstung suchte und der Aanatus in dieser Sache auch helfen wollte, meldete sich, ob er denn Zeit hätte, ihr bei der Lederbeschaffung zu helfen. Natürlich wollte er das, immerhin hatte er bei der Magievorlesung bemerkt, dass die Magiekundige wohl ein helles Köpfchen sei. Und einen klugen Kopf sollte man ja schützen. Dafür brauchte es an Dämonenleder und so motivierte er auch noch Marneus. Zu dritt zogen sie los und kämpften sich erfolgreich durch die Dämonenhöhlen. Das Leder spendierten die beiden Herren am Ende Aithera. Sie würde sich dann bei Davind zum Zerschneiden melden und in weiterer Folge dann auch ihre Rüstung bekommen. Ein erfolgreicher Tag.
 
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Aanatus
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Blitz und Donner

Beitrag von Aanatus »

Die Wolken wirkten noch unruhiger als sonst, wurden hin und her gerissen, durch einen Wind, den man auch in Bodennähe noch stark spüren konnte. Die aufgetürmten Wolkentürme waren tiefgrau, dazwischen wallten weiße flachere Wolken hin und her, die fast schon wie Nebelschwaden aussahen. Die roten Blitze erstrahlten noch heller und eine seltsame Anspannung lag in der Luft. Aanatus beobachtete das ganze aus sicherer Entfernung und machte sich Notizen, dazu wie immer ein Skizze.

Unwetter.jpg

Er hatte das Phänomen schon früh nach der Ankunft auf der Insel entdeckt, aber heute schien es, als würde sich die Intensität der Entladungen, des Windes und auch des Wolkenbaus deutlich erhöht zu haben. Was mochte das sein?
Während er zeichnete, seufzte er kurz. Er hatte Mitte der Woche ja nicht bei der Veranstaltung rund um das Phänomen der Verlassenheit dieser Insel mitmachen können, da er ein wichtiges Treffen mit Sorsha gehabt hatte, dem er höchste Priorität zuschrieb. Als er dann mit dem Treffen fertig gewesen war, war er zwar eiligst zu der Taverne geeilt, doch war es schon spät gewesen und so musste er sich zu diesem Zeitpunkt eingestehen, nicht mehr empfänglich für Späße und Witzeleien darüber zu sein, was seiner Ansicht nach eventuell einen düsteren Hintergrund hatte.
Genau dieser Ort, wo er nun stand, war eigentlich der Ausgangspunkt seiner These, was zur Verlassenheit dieser Insel geführt haben könnte. Er hatte nämlich bei seinen Kartographiearbeiten beobachtet, dass die landschaftlichen Begegebenheiten der Insel gewisse Auffälligkeiten beinhalteten. Die Bergzüge zum Beispiel: Die südliche Hemisphäre der Insel war zum Großteil von einem Gebirgszug durchtrennt, der von Nord nach Süd verlief. Erstaunlich daran war, dass im östlichen Bereich - also nahe des Anlegestegs und seinem Gewitter - fruchtbare Landen waren. Westlich des Gebirges jedoch erstreckte sich die trockene Prärie und die noch trockenere Wüste. Die Ausnahme war das direkte Umland von Solgard, welches allerdings aufgrund seiner Meerlage keine Gebirgsbarriere in seinem Osten hatte.
Die nördliche Hemisphäre wurde durch einen Gebirgszug durchzogen, der von Ost nach West verlief: Von der eisigen Schneelandschaft bis zum Hochplateau. Dies stellte in Richtung der Wüste eine erneute Barriere zum Meer dar. Das und die Beobachtung, dass es oft ein Ostwind gab, ließ Aanatus darauf schließen, dass das Wetterphänomen am Landesteg eventuell für das gesamte Wetter und auch Klima der Insel verantwortlich war. Seiner Idee nach gingen von dem Unwetter des Landestegs die Winde der Insel aus, welche die Barriere des Drachengebirges nicht gegen Westen überwinden konnten und dadurch Prärie und Wüste entstehen ließen. Ein arides Gebiet also. Der dem Gebirge vorgelagerte Osten jedoch war fruchtbar mit humiden Klima. Selbiges galt für Nebelhafen, das Gebiet der Elfen und das Hochplateau, auch sie waren eindeutig humide. Seiner Meinung nach führte das Auftreffen der Winde, die vom Landesteg aus auf die Schneelandschaft  trafen, dazu, dass dort Wolken abregneten und deren Überbleibsel durch ihr leichteres Gewicht die Berge der nordwestlichen Schneelandschaft in Richtung Nordwest und Nordnordwesten überwinden konnten, um damit Nebelhafen + Umland und in weiterer Folge das gesamte Nordwestgebiet der Insel, das Elfengebiet zum Beispiel, mit Regen versorgen konnten. Dem Hochplateau mit seinem Dschungel schrieb Aanatus seine eigene Klimazone aufgrund der Höhenlage und der Vegetation zu. Vermutlich würde es in kleinerem Rahmen als das Unwetter am Landesteg auch dazu beitragen, sich und das nächste Umland mit Regenwasser zu versorgen, so dachte er. Er markierte die Winde von seiner Quelle aus mit gelben Strichen, dort wo sie aufstiegen und Gebirge überwinden konnten, mit orangen.


Wetterkarte.jpg


Seine These beruhte darauf, dass irgendetwas oder irgendjemand diese Quelle an Winden und Feuchtigkeit beeinflusst haben könnte. Das konnten viele Dinge gewesen sein: Es wäre zum Beispiel möglich, dass das Wetterphänomen von einer Wetterhexe verursacht wurde und diese durch irgendwen verärgert wurde und ihre Unwetter verstärkte oder abschwächte. Auch konnte es sein, dass fragile, humide Randgebiete, welche Flüssigkeit wohl durch üppigen Baumbestand speicherten und verteilten, man denke an das Hochplateau oder den Schlangenhain, zu stark gerodet wurden und dadurch eine Ausbreitung der ariden Gebiete bewirkt wurde, was zu einer Lebensraumverknappung und damit Krieg und Auslöschung führte. Die "überlebenden" Monster dieser Apokalypse müssten natürlich von den jahrhundertelangen schlechten Lebensbedingungen gestählt worden sein - und ja: Das waren sie ja auch, die Monster dieser Welt! Wie er es aber drehte und wendete, er blieb dabei, dass das Wetterphänomen für das Klima der Insel wichtig war.
Zu schade, dass der Diskussionsabend schon vorbei war, aber eventuell war es besser, Noa und Mara davon zu schreiben...
 
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Aanatus
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Gildentreffen und diplomatische Versuche

Beitrag von Aanatus »

Das Gildentreffen des Handwerkerbundes verlief produktiv: Man entschloss sich, einen Schlussstrich unter die vergangenen Geschehnisse – auch die der allerjüngsten Tage -  zu ziehen und darauf zu hoffen, dass der Dialog zwischen dem Handwerkerbund und Sorsha dazu führen würde, einen friedlichen Neustart mit dem Reich zu beginnen. Natürlich fiel das „Vergeben und Vergessen“ den einen leichter als den anderen, aber am Ende verständigte man sich darauf, dass man in der Gegenwart und Zukunft leben wolle: Man würde sich in Zurückhaltung üben, sich nicht provozieren lassen – aber keinerlei Übergriffe tolerieren. So, wie es Aanatus mit Sorsha besprochen hatte. Natürlich waren sich alle im Klaren, dass man sich nicht zu 100% darauf einstellen konnte, dass nun alles „gut sei“. Selbst Sorsha ließ ja durchblicken, wie schwierig es war, einen Konsens unter den Ihren zu finden. Man war deshalb auch für den „Fall der Fälle“ gewappnet, immerhin wurde Elnora beauftragt, weiterhin an der Wehrfähigkeit des Handwerkerbundes zu arbeiten, eine Schutzmaßnahme, die hoffentlich nicht notwendig werden würde. Aanatus wurde hingegen von Davind beauftragt, als diplomatische Vertretung mit dem Reich in Verbindung zu bleiben – eine Aufgabe, welche er liebend gerne annahm. Gleich am selben Tag schrieb er also Sorsha eine Nachricht und unterrichtete sie von den – seiner Meinung nach erfreulichen – Ergebnissen des Gildentreffens.
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Aanatus
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Am Feuer

Beitrag von Aanatus »

Bedall hatte eine gemeinsame Jagd organisiert, er war noch immer auf der Suche nach Knochen für seine Rüstung. So fand man sich bald in den Drachenhöhlen ein, um ein bisschen Beute zu machen. Aanatus nahm dies auch zum Anlass, um seine Bögen zu testen. Er hatte nicht nur für sich, sondern auch für Elnora geschnitzt und wollte sichergehen, dass er für die Kriegerin die richtigen Bögen hergestellt hat. Beide waren in Blau gehalten, passend zu ihrer Rüstung. Der eine groß, mit Lebensraub, der andere klein und…gemein. Schon nach den ersten Gegner war er zufrieden: Es würde ein gutes Geschenk werden.

Ziemlich schnell besiegte man die Drachenhorde mit Pfeil, Schwert und Zauber. Gegen Ende merkte Aanatus jedoch, dass Ruweena erschöpft wirkte. Er wusste zwar, dass das Wirken von arkaner Magie anstrengend war, aber diesmal wirkte sie „anders“ als sonst. Nach dem Absatteln in Nebelhafen musste sie sich sogar bei ihm einhängen. So erreichte man gemeinsam auch das Lagerfeuer. Beim Aufteilen der Beute beteiligte sich Aanatus noch weniger als sonst und beobachtete stattdessen besorgt, wie es Ruweena ging. Als sich dann die Gruppe langsam auflöste und nur noch die beiden am Feuer saßen, sah er, wie ein Feuerfaden vom Lagerfeuer zu Ruweena verlief – wie eine Verbindung. Gerade als er fragte, was das denn sei, erschien auch Soryia und gesellte sich zu den beiden. Gemeinsam erzählten Ruweena und Soryia davon, wie sich der Konvent um Rus Problem annahm. Aanatus, der bisher am Feuer stand und das Essen aufwärmte, bemerkte nun, dass er bei all den düsteren Erzählungen die Speisen versehentlich verkohlen hat lassen. Er setzte sich neben Ruweena und drückte sich beruhigend an sich, während die beiden Damen weitere Details zu diesem…“Problem“… erzählten. Schließlich gesellte sich auch noch Elnora zur Gruppe und auch sie brachte Impulse, wie man die Sache lösen konnte. Aanatus hielt sich vornehm mit Ratschlägen zurück: Er hatte nämlich bemerkt, wie aufgewühlt Ruweena war. Leicht gereizt. Manchmal ein rotes Glimmen in den Augen. Stattdessen strich er ihr beruhigend über ihren Oberarm und hielt sie sanft zu sich gedrückt. Einzig bei der Anmerkung, sie sollte weniger zaubern und sich damit schonen, stimmte er zu und das mit Nachdruck.
Irgendwann entschloss sich Aanatus, den Damen eine Freude zu bereiten, sprang auf und rannte Richtung Bank. Vollbepackt mit zwei Bögen und einem Haufen Tabak kam er zurück. Er verteilte den Tabak und die Damen begannen zu qualmen. Die Bögen rückte er stillschweigend zu Soryia rüber, welche sogleich ihrer Elnora strahlend unterbreitete, dass sie ein Geschenk für sie habe. Aufgeregt blickte auch Aanatus rüber, die Reaktion Elnora genau beobachtend. Bei ihrer begeisterten Reaktion fühlte er sich fast erleichtert und als in Soryia bat, die Bauweise der Bögen zu erklären, holte er in seinem Stolz weit aus und erklärte jedes Detail zu den beiden Bögen. Elnora schien mehr als nur glücklich und wenn jemand mit ihrer Fachkunde so urteilt, konnte Aanatus zufrieden sein. So endete der Abend freudiger als erwartet, als Elnora und Soryia sich verabschiedeten und scherzten, dass sie sich nun mit zwei Bögen ein Bett teilen mussten.

Ruweena und Aanatus blieben noch am Feuer, doch auch er war schon müde und fragte sie deshalb, ob er sie wieder zu ihrer Übernachtungsmöglichkeit bringen sollte. Sie grinste frech und meinte, dass sie heute vielleicht lieber in der Taverne bei ihm übernachten wolle. Aanatus ließ sich seine innere Aufregung nicht anmerken, immerhin hatte er so etwas ganz und gar nicht erwartet, und meinte nur, dass sein Zimmer in der Falkenrast unaufgeräumt sei. Sie blickte schmunzelnd darüber hinweg und so gingen sie los. Er öffnete das Zimmer, ließ ihr den Vortritt und räumte noch schnell ein paar Wandkarten zur Seite, die im Zimmer verteilt waren. Etwas nervös zog er Mantel und Umhang aus, legte beides sorgsam zusammen. Als sie anmerkte, kein Nachtgewand bei sich zu haben, reichte er ihr Hose und Hemd, drehte sich brav um und ließ sie sich in Ruhe umziehen. Dann gingen sie zu Bett, er griff noch nach ihrer Hand, blickte sie einen Moment noch verträumt an und wünschte ihr schöne Träume. Als er am Morgen aufwachte, sah er Ruweenas friedliches Gesicht schlafend neben sich. Solange er konnte – er musste nach Solgard zu einem Handelspartner – verharrte er ruhig, sie bewundernd anblickend. Dann jedoch musste er gehen und da er sie nicht wecken wollte, hinterließ er ihr eine Nachricht und einen Zimmerschlüssel. Er strich ihr noch einmal übers Haar und verließ leise das Zimmer.
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Aanatus
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Von unhöflichen Söldnermagierinnen, Dunkelelfen und einem Lehrling

Beitrag von Aanatus »

Aanatus verabschiedete sich von Ruweena und überließ ihr das Bett in seinem Tavernenzimmer für sie alleine. Er müsse ohnehin eine Reise antreten und werde erst am morgigen Tag wiederkehren, sie habe also das Bett für sich, genauso besitze sie ja den Zweitschlüssel für das Zimmer, meinte er und fügte hinzu, dass sie sich wirklich ausruhen und erholen sollte und deswegen auch nicht an seinen Wunsch nach einer alchemistischen Meisterprüfung denken sollte. Das habe Zeit, meinte er und verabschiedete sich mit einem liebevollen Kuss auf ihre Stirn, die ihr nach den arkanen Zaubern, die sie gegen die Trolle wirkte, weh tat.

Er blickte ihr noch nach und machte sich daran, in die Nebelhafner Bank zu gehen, um seine Reiseausrüstung zusammenzurichten. Gerade als er durch die Tür schritt, nahm er direkt hinter sich eine Reiterin wahr, die den Aufgang zur Banktür hinaufritt und direkt vor der Tür ihr PFerd abstellte. Eine Söldnerin, dem Umhang nach zu urteilen. Er ignorierte das, hatte er doch andere Sorgen und schlenderte nach hinten zum Gildenlager. Auf dem Weg dorthin, mitten in der Tür, rannte die kleine Gestalt von hinten auf ihn zu, rempelte ihn dabei zur Seite und stellte sich wortlos vor ihm zur Söldnerkiste. Interessant, was so eine halbe Portion sich zutraute, dachte sich Aanatus und musterte die Dame, die er dann als diejenige erkannte, die mehr ohnmächtig als bei Sinnen zusammen mit Apina durch die Drachenhöhlen getaumelt war. Einmal musste er sogar helfend eingreifen und auch damals kam kein Wort über die Lippen der werten Dame, welche Apina als "Feuerhexe" oder ähnlich bezeichnete. Auch diesmal schwieg sie, weshalb Aanatus mit einem Schmunzeln zu ihr sprach: "Wenn du mir über die Füße rennst, könnte es sein, dass du irgendwann mal stolperst". Die Söldnermagierin reagierte nicht und rannte an ihm vorbei aus dem Lager raus. Als sie längst draußen war, gab Aanatus einen süffisanten Kommentar zur auch anwesenden Gwen ab, welcher die Stummheit der Dame beschrieb. Diese tauchte plötzlich wieder auf - musste wohl gute Ohren haben - und stellte Aanatus zur Rede. Amüsiert lauschte dieser den Worten, welche beschrieben, dass er - Aanatus - wohl nerve. Daraufhin erwiderte er schlicht, dass nicht er jemanden über den Haufen gerannt habe und nebenher auch das PFerdchen sehr ungünstig im Eingang der Bank stehe. Das Nerven sei wohl ungleich verteilt, meinte er schmunzelnd und blieb in der Tür des Lagers stehen, darauf hinweisend, dass auch er "nerven" könne, indem er einen Platz verstelle. Rel Por, dazu ein Geruch von Blutmoos und Alraune, welche dem Alchemisten klarerweise bekannt waren, und schon teleportierte sie sich mit einer spitzen Bemerkung in den Raum. Zaubern in der Stadt also. Das bemerkte Gwen auch, aber auch ihre Ansage dazu fand keine lauschenden Ohren, ganz im Gegenteil: Nach eine kurzen Gespräch im Hinterraum, ging die Dame vor die Banktür, Kal Xen war zu hören….und schon wurde der nächste Zauber im Stadtgebiet gesprochen. Als selbige Magierin dann auch noch mehrmals mit ihrem Pferd den Anwesenden zu nahe kam, sie musste aufmerksamkeitshaschend vor der Bank – ziemlich orientierungslos, aber immer darauf bedacht, möglichst nahe an Soryia und Aanatus zu reiten – herumtraben, entschloss sich Aanatus, Apina darauf anzusprechen. Er würde mit ihr darüber reden und auf Einsicht und Einwirken hoffen, ansonsten werde er Anzeige beim Bürgermeister erstatten – anders, so schien es ihm, würde diesem unhöflichen Subjekt wohl nicht zu helfen sein.

Bei all dem Trubel kam es auch noch dazu, dass die werte Ilharess Mizrae Aanatus zu sich bat  und einen neuen Wunsch formulierte. Ein Wunsch nach einer neuen Landkarte, welcher Aanatus sehr suspekt erschien. Aber was machte es denn für einen Sinn, einer so hochrangigen Dunkelelfin vorweg einen Wunsch abzuschlagen, der vermutlich ohnehin daran scheitern würde, dass er keinen Zugang zu den Gebieten bekommen würde, die sich gerne kartographiert hätte. Er machte gute Miene zum bösen Spiel, sich bewusst seiend, sich ziemlich in einer Zwickmühle zu befinden.

Aber er musste nun wirklich aufbrechen, also ging er nach diesem Gespräch in Richtung Bank, um endlich sein Reisegepäck zu richten. Dort traf er auf Aurelya, welche ihn daran erinnerte, dass er versprochen hatte, dass er ihren Bogen fertigbauen würde. Seufzend nahm er den Bogenkorpus, ging aus der Bank raus zu der kleinen Werkbank und legte los. Da er den Bogen nicht fertigstellen konnte, da Aurelya eine unübliche Schnitzweise verwendet hatte, welche er noch verstehen lernen wollte, ging er in die Bank zurück und holte einen seiner Langbögen. Er schenkte das rote Meisterwerk Aurelya. Willa, welche sich etwas vorher zu ihnen gesellt hatte und scheinbar auch mit dem Bognern vertraut war, bestaunte den Bogen und Aanatus nahm ihr Kompliment geschmeichelt auf. Als sie ihn dann fragte, ob er sie in die Lehre nehmen würde, konnte er trotz seiner umfangreichen Aufgaben nicht „Nein“ sagen und stimmte sofort zu. Sein erster Lehrling. Wie stolz würde sein alter Meister Dietrich sein…wäre er doch hier. Wobei…vermutlich würde er nur schmunzelnd anmerken, dass ein Lehrmeister im Bognern kein Lehrmeister im engen Sinn sei, denn als Lehrmeister müsse man mehr als nur ein Handwerk meisterlich beherrschen. Nun ja…die Alchemie…Sofort musste er an Ru denken, entschloss sich aber, sein Versprechen zu halten und sie ruhig schlafen zu lassen und nicht nach ihr zu sehen. Dennoch ging er nach seiner Verabschiedung von Aurelya und Willa zur Taverne und bat Rosalinde, ein kräftigendes Frühstück für Lady Shire am nächsten Morgen bereitzuhalten.
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Erste Lehreinheiten

Beitrag von Aanatus »

Als Aanatus nach Nebelhafen zurückkehrte, traf er im Bankhaus auf Willa, die vor zwei Tagen angefragt hatte, bei ihm in die Bognerlehre gehen zu dürfen. Er hatte ihr eine Aufgabe gestellt, sie sollte sich über das Trollleder im Bogenbau schlau machen, und nun war sie bereit, dieses Thema abzuarbeiten. Moragon und Darius, die beide auch im Bankhaus standen, hörten interessiert zu und schlossen sich den beiden an, als es in Richtung Lagerfeuer ging. Als dann auch noch Aurelya, Aithera und Bedall dazustießen, war die 1. Lehreinheit zu einer größeren Veranstaltung angewachsen, als erwartet.

Lehrstunde.jpg

Aanatus begann mit einer allgemeinen Einleitung und erklärte, wie viele Ledersorten und in welcher Menge von Lederstreifen an einem effektiven Standardbogen verarbeitbar sind. Dabei wurde sowohl auf die Art der Bespannung, die Effizienz der Aktivierung von Lederattributen und auch die Farbgebung des Bogens eingegangen. Dass Trollleder vampirisch ist, also einen Lebensraub eines Bogens bewirken konnte, war schnell geklärt. Auch dass dies wohl aufgrund der Eigenschaften des Trolls, welcher ja über Regenerationsfähigkeiten verfügte, wár schnell besprochen. Die Frage allerdings, wie es zustande komme, dass das Leder eines getöteten Wesens und dessen vormalige Eigenschaften einem Schützen dienlich werden konnte, wurde länger diskutiert. Aanatus legte seine These dar, also dass die Energie, welche durch den Abschuss eines Pfeiles aktiviert wurde, dem Leder quasi für einen Moment "Leben einhauchte" und über die Kontaktpunkte - den Händen der Schützin - selbiger die Eigenschaft des ehemals lebenden Trolls zukommen ließ. Aanatus stellte natürlich klar, dass es eine von vielen guten Theorien ist, er sie aber deshalb am besten fand, da sie ohne eine Gotteserklärung oder sonstiger für ihn abstrakter Dinge, wie dem arkanen Gewebe, auskam. Aurelya brachte noch ihre eigene Theorie dar, welche in Grundzügen der Aanatus glich. Am Ende besprach man noch, wie die nächste Lehreinheit aussehen sollte und einigte sich darauf, sämtliche Ledersorten durchzubesprechen. Moragon wllte wieder als Zuhörer mit dabei sein und Willa bekam die Aufgabe, sich Gedanken über das Bärenleder zu machen.
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Am See

Beitrag von Aanatus »

Am Abend nach der Lehreinheit blickte Aanatus nur kurz in sein Tavernenzimmer. Als er Ruweena dort nicht antraf, beschloss er, wieder mal an seinem Lieblingsort, dem Gebirgssee in dem kleinen Tal südsüdwestlich des Schlangenhais zu übernachten. Seit dort der Turm des Erzmagiers Thalador aufgetaucht war, hatte er dort nicht mehr übernachtet, auch wenn er beim Magier vorstellig wurde und ihm - nach Kauf einer Rune - verlegen fragte, ob er denn in diesem Tal stören würde, sollte er wieder mal sein Lagerfeuer am See entzünden, um mit seinem Hund in Ruhe in der Natur übernachten zu können. Wie Magier nun mal so sind, war die Antwort zweideutig - Aanatus interpretierte jedoch, dass er bloß keinen Lärm machen solle, da der werte Magier wohl auch nachts ab und an seinen Studien nach ging. Das würde nicht vorkommen, meinte Aanatus damals - er sei ja dort immer dann zur Übernachtung gewesen, eben gerade um die Ruhe zu genießen. Mehr Sorgen machte er sich eher um die vermehrten Reisenden, die nun das Tal aufgrund des Erzmagiers und seines Magieladens besuchten. Aber hoffentlich nicht in der Nacht, da sollten ja auch irgendwann mal die Ladentüren geschlossen werden. So entschloss sich Aanatus also, die letzten Lichtstrahlen der Dämmerung zu nutzen, um seinen Hund abzuholen, einen kleinen Kessel in die Satteltasche des Pferdes zu geben, dazu ein paar Reagenzien und Schlafsack, wie auch Proviant für einen Abend. Eiligst ritt er los, Wulf neben sich laufend.
Am See angekommen, entfachte er eiligst ein Feuer, breitete ein Fell am Boden aus und ließ das Pferd wie gewohnt frei grasen. Der Hund legte sich - wachend in Richtung Taleingang blickend - auf das Fell und Aanatus schickte sich an, den Kessel über das Feuer zu hängen. Er wollte die beginnende Dunkelheit dazu nutzen, etwas mit Spinnenseide und Henkerskappen zu experimentieren, also die Nachtsicht in Tränken zu erforschen. Er mörserte also eiligst los, befüllte den Kessel mit Wasser aus dem Gebirgssee und bald schon war der erste Trank zur Verkostung bereit. Aanatus roch daran, schwenkte ihn im Licht des Feuers und trank dann - mit einem Schulterzucken - einen kleinen Schluck. Seine Pupillen weiteten sich in Sekunden. Der Dunkelheit wich eine Helligkeit, an die sich seine Augen erst gewöhnen musste. Während er versuchte, sich den neuen Begebenheiten anzupassen, hörte er ein Rauschen im Wasser. Kleine Wellen entstanden im See, welche sich kreisrund von seiner Mitte zum Ufer hin ausbreiteten. Dann war ein Gemurmle zu hören. Kurz knurrte Wulf kehlig. Sein Blick war wie der von Aanatus auf den See gerichtet. Erkennen konnten wohl beide nichts, nur einen unruhigen See. Dazu ein Rauschen und im Hintergrund eine Stimme. Wirre Worte. Waren sie real? War es der Trank? Dann eine Leere...ein tiefer Schlaf.
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Aanatus
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Jagd- und Forschungstage

Beitrag von Aanatus »

Als Aanatus aus einem tiefen Schlaf voller wirrer Träume erwachte, wusste er nicht, was genau geschehen war. Sein Kopf pochte und er überlegte, ob er bei seinem Trank etwas falsch gemacht hatte, was zu all dem Spektakel hätte führen können. Der See lag nun ruhig vor ihm, die seltsame Frauenstimme war nicht mehr zu hören, auch kein Wasserrauschen. Beruhigt atmete er aus und streichelte seinen Hund, der scheinbar all das auch unbeschadet überstanden hatte. Was hatte ihm die Stimme zugeraunt? Er konnte sich nur erinnern, dass sie ihn "Aanatus vom See" nannte. Wenig hilfreich, er wusste selbst, dass er an einem See sein Lager aufgeschlagen hatte. "Wirre Träume, vielleicht eine alchemistische Verunreinigung, was meinst du, Wulf?", murmelte er grinsend und sein Hund wedelte als Reaktion scheinbar vergnügt. Er wischte die Gedanken beiseite, packte sein Hab und Gut, überprüfte die erloschene Glut des Lagerfeuer und machte sich auf den Heimweg nach Nebelhafen. Er wollte vor der heutigen Drachenjagd noch Forschung in der Alchemie betreiben, hatte ihm doch Ruweena gesagt, er müsse sich für seine Meisterprüfung mit Manatränken auseinandersetzen. So führte ihn sein Weg direkt ans Feuer, dort wo der Kessel hing, und eifrig nutzte er die ruhigen Stunden des Vormittags, um neue Tränke zu erforschen. Eifrig notierte er erste Ergebnisse, rührte den Kessel und nahm immer wieder kleine Proben. Zufrieden erkannte er nach Stunden, welche Zutaten er für einen guten Manatrank brauchte und hoffte, dass dies auch Ruweena überzeugen würde.

Nach einer kurzen Pause musste er sich schon bereitmachen: Der Handwerkerbund hatte sich zur Drachenjagd versammelt, wie zumeist war Bedall mit dabei, diesmal hatten sich auch noch Aithera und Moragon angeschlossen. Die große Gruppe kämpfte sich problemlos durch die Reihen der Drachen und Aanatus, der oft das Schlusslicht einnahm, um für Ordnung zu Sorgen, war schon gar nicht mehr richtig bei der Sache, so leicht ging es von der Hand. Doch plötzlich hörte er von hinten Worte der Macht - einer Stimme entstammend, die er niemandem der Gruppe zuordnen konnte. Dann sah er auch schon den goldgelben Umhang der Söldner und wie ein Dejavu von vor einigen Tagen, schien - von hinten zu kommend - die kleine Söldnermagierin wieder wortlos an der Gruppe vorbeilaufen zu wollen. Diesmal nicht, dachte sich Aanatus, und rief ein lautes "HE DA!". Da blieb Ailheen stehen und meinte nur provozierend: "Schätzchen, ich habe dich gar nicht erkannt ohne Tür vor dem Gesicht".  Die Anspielung auf ihr Verhalten in der Bank ignorierend meinte Aanatus nur, dass er erstaunt sei, dass sie doch zu Sprachfähigkeiten gefunden hätte und es diesmal kein Vorbeirennen gebe, da die Gruppe die Höhle bereits bejagte. Das kam wohl nicht so gut an, weswegen die Magierin vor allen Leuten unverblümt eine Morddrohung gegen Aanatus ausstieß: "Ich hadere damit, dich zu ignorieren oder umzubringen."  Interessante Idee, dachte sich Aanatus in Anbetracht der vielen Augenpaare, welche auf Ailheen gerichtet waren und meinte nur: "Hadere alleine weiter..." Damit ging die Gruppe weiter und die Magierin folgte ihnen - wie ein unerwünschter, eitriger Wurmfortsatz - noch einige Minuten wort- und tatenlos hinterher. Eigentlich traurig, dachte sich Aanatus, im Augenwinkel immer die sich seltsam im Nachlaufen übende Frau im Blick behaltend.

Als sie dann - den Wurmfortsatz lange schon loshabend - endlich am Ziel angekommen waren, zeigte Aanatus Aithera noch den Ort der Macht mit seinem Altar, den sie noch nicht kannte, war sie doch zum ersten Mal hier. Auch wollte sie noch das große Drachenungetüm besiegen, doch selbiges war ausgeflogen, weshalb sich die Grupppe von der Brücke abseilte und zum Aufteilen der Beute nach Nebelhafen ritt. Alle waren mit den Schätzen zufrieden - nur Aanatus war noch immer etwas grummelig ob der unerfreulichen Geschehnisse rund um die Söldnermagierin und ging deshalb schnurstraks in die Taverne, um mit etwas Bier auf andere Gedanken zu kommen. Dort sah er ein vollbesetztes Haus: Amazonen, Nebelhafner, Fremde, ...  Kurz in den Raum grüßend ging er ohne viel herumzuschauen zur Theke und bestellte mürrisch ein Bier. Etwas später hörte er in seinem Rücken. "Bist du heute ein Brummbär?".   Schon bevor Aanatus sich umdrehte, musste er lächeln, war es doch Ruweenas Stimme. Betont zurückhaltend drehte er sich um, wollte er doch nicht gleich wieder strahlend wie gewohnt zu ihr blicken. Schon fragte sie ihn, was geschehen war und er erzählte davon. Aanatus sah einen Anflug an Düsterheit in Ruweenas Gesicht, als sie meinte, die Söldnermagierin solle wohl besser nicht auf falsche Ideen kommen. Außerdem, fügte sie hinzu, gäbe es sehr viele Menschen außer ihr selbst, die Aanatus gerne lebend sehen. Er musste schmunzeln und meinte, sie solle sich den Abend nicht damit verderben und zu ihrer Gesellschaft, den Amazonen zurückkehren. Sie drückte im einen Kuss auf die Wange und lud ihn ein mitzukommen, was Aanatus ablehnte, da er heute keine allzu soziale Ader in sich verspürte. Als er dann jedoch den schlafenden Moragon im Eck erblickte, verabschiedete er sich von Ruweena, die nach draußen auf die Veranda ging, und weckte den Magier mit einem Leichtbier in der Hand auf. Beide tranken und philosophierten für Stunden - bis Ruweena von draußen zurückkam. Kurz nur, dann ging sie vor ins Bett, wo Aanatus sie wie einen Stein schlafend auffand. Er deckte sie zu...nicht mal das hatte sie mehr ganz geschafft, küsste ihr leise auf die Stirn und legte sich neben sie.
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Schlaflos

Beitrag von Aanatus »

Zu erkennen, wie einem hilflos die Hände gebunden sind, jemandem zu helfen, der so wichtig im eigenen Leben ist, das ist eine unschöne Erfahrung. Aanatus blickte aus todmüden Augen ins erste Sonnenlicht, das zum Fenster herein fiel. Die andere Bettseite war leer – ein ungewohntes Bild. Er hatte nur immer für kurze Momente einschlafen können, zu aufgewühlt war er wegen der Geschehnisse, welche sich rund um Ruweena und ihr…Problem…abgespielt hatten.  Die Vorzeichen zu diesem Anfall, wie Soryia es nannte, hatte er übersehen. Das musste er sich eingestehen. Er dachte schlichtweg, dass Ruweena auch mal Spuren von Eifersucht zeigte, als sie ihn mit fremd klingender Stimme und scharfen Unterton zu den Damen befragte, mit welchen er in letzter Zeit „Kontakt“ hatte. Das wäre ja nichts Ungewöhnliches gewesen, denn er musste sich eingestehen, dass es doch die eine oder andere Dame gab, welche ihm trotz seiner Uninteressiertheit schöne Augen machte. Aber es war nicht Eifersucht gewesen – es war das, was tief in ihrem Inneren rumorte. Und er, der arkanen Magie nicht kundig, konnte ihr nicht dabei helfen, als das Problem sich immer offensichtlicher zu Wort meldete und Ruweena schlussendlich fast in die Knie zwang. Zum Glück war Soryia zur Stelle. Sie konnte helfen. Sie nahm auch Ruweena mit sich, um in der Nacht über sie zu wachen. Er selbst verharrte schlaflos und voller Sorge. Wie ein Traumwandler kämpfte er sich durch den darauffolgenden Tag. Müde und abgekämpft. Er erledigte seine Aufgaben fast mechanisch – ohne zu denken, ohne viel zu empfinden. Sein Kopf war nur bei ihr, in der Hoffnung, dass es Ruweena schon besser ging. Gegen Abend dann ereignete sich dann ein überraschendes Treffen: Soryia hatte wohl die Maestra in dem Fall kontaktiert und lud Aanatus ein, bei der Besprechung dabei zu sein. Was konnte er schon beitragen, dachte er sich und ging resigniert mit. Immerhin konnte er die Geschehnisse nacherzählen, Informationen an die Maestra weitergeben – das war aber auch schon alles. Später stieß auch Ruweena zu ihnen. Erleichtert sah Aanatus, dass sie sich etwas erholen konnte. Doch auch in ihrem Gesicht, tief unter der Kapuze versteckt, waren die Spuren des letzten Tages klar zu sehen. Es wurde besprochen, Rat gegeben – das weitere Vorgehen geplant. Einiges verstand Aanatus nicht, vieles gab ihm jedoch Hoffnung.
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Palisadenbau an der Reichsgrenze Suroms

Beitrag von Aanatus »

Im Wald nahe dem Drachengebirge war von etwas weiter entfernt – besser gesagt dem Asterntal, der schmalen Talenge in Richtung des Südostens der Insel - Hämmern und Klopfen zu hören. Aanatus befand sich gerade beim Holzarbeiten und lauschte nachdenklich. Wurde etwas die zerstörte Drachenbrücke renoviert? Das wäre ja was, dachte er sich und entschloss sich nachzusehen, ob er vielleicht etwas dabei helfen konnte. Er hängte also das Holzbeil in den Werkzeuggürtel, sattelte auf und ritt gemächlich in Richtung Asterntal. Kurz vor dessen Eingang sah er einen Reiter stehen, wachend in seine Richtung schauend. Aanatus hob die Hand zum Gruß, lächelte abwartend und als der werte Herr am Pferd ihn zurückgrüßte und sonst keinerlei Anstalten machte, etwas zu sagen oder zu tun, ritt Aanatus langsam an ihm vorbei. Kurz vor der Drachenbrücke inmitten der Talenge wurde das Hämmern lauter und schon sah er eine große Menge an Personen stehen. Besser gesagt: Die meisten saßen auf ihren Reittieren. Kaum in Sichtweite wurde schon aus einigen Kehlen Dinge wie „He da!“, „Halt!“ und sonstiges gerufen – Bewegung kam in die statische Zuschauermenge (was auch immer sie davor beobachteten) und Aanatus wurde umringt. Irritiert schaute er von seinem Pferd hinter sich, wo gleich mal mehrere Reiter vorsorglich einen möglichen Rückzugsweg abschnitten und dann wieder nach vorne. Durcheinanderredend, scheinbar in heller Aufregung ob seines Auftauchens, verstand Aanatus nicht so ganz, was vor sich ging. Bis es endlich ein Mann schaffte, sich als Rädelsführer zu etablieren und Aanatus die Frage zu stellen: „Seid Ihr für uns oder gegen uns?“.
Gute Frage, dachte sich Aanatus, der sich zwar einigen bekannten Gesichtern gewahr wurde, allerdings ja nicht wusste, was hier vor sich ging. So meinte er also sachlich und ruhig, dass er zumindest nicht gegen die Anwesenden sein konnte, da selbige ja bisher auch nichts Negatives gegen ihn unternommen hatten. Ob er dafür sei, könne er jedoch nicht beantworten, sei aber neugierig, welches Unternehmen hier eigentlich zugange sei.  Ihm wurde erklärt, dass hier eine Palisade aufgebaut werden sollte. Für Surom. Aanatus blickte durch die Reihen der Leute und sah eine Menge an Robenträger, Magi, wie er vermutet. Die meisten saßen auf ihren Reittieren, die Roben glänzten und schienen noch nie einen Holzspan gesehen zu haben. Überhaupt gab es scheinbar nur zwei Personen, die für das Unternehmen „Palisadenbau“ Hand anzulegen schienen: Eine davon versuchte Schilder an der Felswand zu beschaffen, die andere brachte gerade Holz herbei, welche wohl für die Palisadenwand gedacht sei. Ein kurzer Blick von Aanatus auf die Stämme und er bemerkte zwar, dass selbige gut geschlagen, allerdings wäre wohl Eichenholz besser gewesen als dieser Mischmasch an unterschiedlichen Holzsorten. Ungehärtet auch noch, keine Werkbank weit und breit. Etwas mitleidig musterte Aanatus die Robenträger. Bevor deren Palisade irgendwem noch auf den Kopf fallen würde, sofern sie jemals den vertikalen Zustand erreichen würde,  entschloss er sich, seine Hilfe anzubieten. Ein neuer Tumult unterbrach seinen Arbeitsbeginn und man sagte ihm, seine „Freundin“ sei am Talende. Aanatus schaute nach und sah Elnora, welche ihrerseits besorgt zu ihm schaute und fragte, ob er Hilfe benötige und alles gut sei. Er nickte beruhigend zu ihr und meinte, er würde sich später bei ihr melden.

Palisadenbau.jpg

Nun wollte er sich ans Werk machen. Zwar war Aanatus nicht so begeistert, immer Jungchen genannt zu werden, doch erbat er sich vom Bauleiter des Bauvorhabens, der sich mit Logan vorstellte, etwas Werkzeug und fragte in die Runde, ob es denn jemand gäbe, der mit Schaufel oder Axt umgehen könne. Schweigen – wie erwartet. Wortlos beobachteten Aanatus stattdessen ein Haufen an Augenpaare und schon wollte er sich allein ans Werk machen, als er einen Tumult von der anderen Seite des Tales hörte. Dort ergab es sich nämlich, dass die Zwillinge Frida und Freke vom Ernten am verlassenen Bauernhof zurückkehrten und somit auch in die Szenerie involviert wurden. Auch sie wurden mit denselben Fragen konfrontiert und scheinbar hat insbesondere Freke keine große Lust auf dieses Verhör und wurde zunehmend unwilliger. Aanatus griff verbal ein und bat die beiden höflich, ihm doch aus seiner Misere zu helfen, hier alleine bauen zu müssen, verwies flüsternd auf die handwerkliche Unfähigkeit der Anwesenden, zwinkerte mehrmals aufmunternd und meinte abschließend zu den beiden, dass es immerhin wieder mal ein Vergnügen sei, ein kleines Bauprojekt durchzuführen, wenngleich eine Palisade nicht gerade das spannendste architektonische Meisterwerk sei. Scheinbar reichte dies, um die Schwestern zur Mithilfe zu überreden und schon legten die Drei los, um Stück für Stück den Palisadenwall aufzubauen. Als sie irgendwann mal fertig waren, schien man zufrieden mit ihrem Werk: Der Verantwortliche bot ihnen an, sich bei der Statthalterin Sorsha zu melden, um als Dank eventuell Einreiserecht in das Kerngebiet Suroms, welches scheinbar hinter der Palisade begann, zu bekommen. Auf die Aanatus Frage, was denn dann der Schlangenhain für ein Gebiet sei, wenn daran das Kerngebiet Suroms grenze, bekam er nur als Antwort, dass er dies später erfahren würde. Zu einer Beantwortung kam es nie und somit verabschiedeten sich die Drei in Richtung Nebelhafen. Schon im Schlangenhain brach Elnora leise aus dem Unterholz: Besorgt hatte sie nahe der Grenze gewartet. Dankbar lächelnd grüßte Aanatus sie, er wusste zu schätzen, sich immer auf sie verlassen zu können. Sie erzählte ihm sogleich, dass sie belauschte, dass zwei Reiter Suroms offen darüber sprachen, dass die Reichsgrenze nun hier sei, bald aber schon weit im Westen sein sollte. Expansionsgedanken also. Aanatus seufzte. Das galt es zu berichten, war man doch unmittelbarer Nachbar Suroms. So ritten sie nach Nebelhafen und berichteten Davind von dem Geschehen. Auch Soryia schloss sich an. Man beschloss, allen Fraktionen Nebelhafens und deren Freunde Bericht abzulegen. Untätig konnte man nämlich nicht sei, so viel stand fest.
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