Ankunft: Die neue Welt

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Aanatus
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Ein Gespräch mit Sorsha

Beitrag von Aanatus »

Der Abend näherte sich Nebelhafen, als Aanatus im Bankhaus auf sein Treffen wartete. Etwas verspätete kam die Reichsverwalterin Sorsha dann an und nach einem kurzen Gespräch im Bankhausraum ging man zusammen ein paar Schritte und entschloss sich, das gemeinsame Gespräch, welches vertraulich sein sollte, am Nebelhafner Strand zu führen. Den Hütehund an der Seite gingen sie wortlos nach Nordosten, fanden sich am Strand ein, wo sich Sorsha auf einen Baumstamm niederließ, während Aanatus ein Lagerfeuer vorbereitete. Als selbiges entzündet war und munter vor sich hinbrannte, bot er noch Speis und Trank an, um sich dann ein Fell auf den Boden zu legen, welches ihm als Sitzplatz dienen sollte.

Gespräche.jpg

Man kam schnell zur Sache: Zuallererst wollte sich Aanatus erkundigen, ob die Anmerkung von Herrn Logan Bellamy, er könne um ein Zutrittsprivileg ins Reich Surom anfragen, eine reale Möglichkeit sei. Nicht, dass er dies als „Bezahlung“ für seine Mithilfe am Palisadenbau wünsche, er hatte schlichtweg Interesse an der Möglichkeit selbst. Sorsha sagte ihm zu, bei der nächsten Versammlung seine Bitte vorzubringen und stellte von ihrer Seite aus klar, dass dieses Privileg an ihr nicht scheitern sollte. Aanatus nickt dankend – er würde sich gedulden. Dann wandte man sich schwierigeren Themen zu: Es gab einige Wünsche und Fragen von Seiten des Handwerkerbundes, was die Reichsgrenze Suroms betraf, das diplomatische Verhältnis im Allgemeinen etc. Wie schon beim letzten Treffen wurde auch diesmal schnell klar, dass es wohl kein Leichtes für die Reichsverwalterin war, die unterschiedlichen Charaktere in ihren Reihen in einheitliche Linie zu bringen. Aanatus merkte allerdings an, dass sich zumindest Teile der „Probleme“ etwas entspannt zu haben scheinen und erwähnte dabei „besagte Bundmagierin“. Er fügte hinzu, dass er selbst – auf seine Person bezogen – nichts Negatives über sie berichten könne und deshalb froh sei, dass scheinbar etwas Intensität aus diesem schwelenden Konflikt genommen wurde. So führte das Gespräch schlussendlich zum Sturmrufer. Aanatus meinte nüchtern, dass er Balthasar als einzige potentielle Störquelle etwaiger Entspannungsdiplomatie ausmache. Ein Einzelfall, wenngleich ein mächtiger. Ziemlich direkt meinte er dann in Richtung Sorsha, dass er um ein Treffen mit dem Sturmrufer bitte – er wolle sich anhören und verstehen, was dessen zugrundeliegendes Gedankenkonstrukt ist, das nun mal zu Irritationen und Übergriffen führte. Die Reichsverwalterin goutierte seinen Vorstoß mit Anerkennung, stellte jedoch auch fest, dass sie zwar seinen Wunsch übermitteln könne, jedoch nicht vorhersagen konnte, ob ein Treffen zustande käme. Auf Sorshas Frage, was er denn „anbieten könne“, um Balthasar ein Treffen schmackhaft zu machen, antwortete Aanatus – mit Schmunzeln an die ‚eingeschränkten‘ Handwerkskünste Suroms beim Palisadenbau verweisend – dass es wohl Bedarf an baulicher Leitung und Umsetzung gebe und er sich zur Verfügung stelle, bei friedlichen Bauprojekten, welche sich im Kernland Suroms und nicht außerhalb befinden würden, seine Expertise zur Verfügung zu stellen. Sorsha nickte und  meinte, das dieses Angebot ein gutes sei und eventuell zu etwas führen könne. Zufrieden schaute Aanatus ins Feuer. Dieses Thema musste abgehakt werden, wie auch immer – erst dann könnte man weiterführende Planungen machen. Abschließend sprach man noch über die Grenzziehung und das Kartenwerk, welches Aanatus offen als missverständlich und latent angriffig kritisierte. Sorsha stimmte ihm zu und verwies auf die Bruderschaft, welche scheinbar als treibende Kraft hinter all dem stand. Wie dem auch sei, so stellte Aanatus nüchtern fest, werde die Grenze selbst und noch mehr etwaige, dem Kartenwerk mitschwingende, Expansionsgedanken in Nebelhafen durchaus wahrgenommen und sicherlich nicht übersehen: Speziell der Status quo des Schlangenhains sei nicht diskutierbar. Ohne dies als Drohung zu formulieren und nicht ins Detail zu gehen, stellte er damit recht deutlich klar, dass die nachbarschaftlichen Beziehungen aufgrund dessen – diplomatisch gesagt – auf wackligen Beinen stünden. Kurz verhärtete sich Sorshas Blick zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend, keine direkte Antwort zum Thema abgebend. Aanatus seufzte und dachte sich „Schritt für Schritt“.
Kurz ließ man das Gespräch mit einem entspannteren Thema ausklingen. Mit einem Schmunzeln verwies Aanatus darauf, dass er am heutigen Abend lange genug Sorshas Anblick vor sich hatte, um die lange schon angedachte Zeichnung von ihr – aus dem Kopf heraus – umsetzen zu können. Sofern es sein Zeitplan erlaube und seine Hände das Malen nicht inzwischen verlernt hätten. Sie lächelte kurz und erwiderte, dass sie schon auf das Ergebnis gespannt sei. Damit erhob sie sich und gab das Stichwort zum Aufbruch. Aanatus begleitete Sorsha noch bis zum Marktplatz Nebelhafens, wo er sie verabschiedete und seinerseits ins Bankhaus ging.
Drinnen im Raum schnappte er beim Eintreten das Gespräch zwischen dem lichten Paladin, welcher ihm in Solgard als Gogi bekannt wurde, und Soryia und Ruweena auf. Der Inhalt war ihm nach dem eben geführten Gespräch etwas zu martialisch – es wurde offen über das Abreißen der Palisade nachgedacht, das Wort „Ketzer“ fiel, was so nebenher angemerkt, kein erwünschtes Vokabular innerhalb Nebelhafens war. So konnte Aanatus es sich nicht verkneifen, seinerseits anzumerken, dass unbedachte Worte und Taten wohl als erstes den direkten Nachbarn Suroms – also Nebelhafen und seine Bewohnerinnen und Bewohner – treffen würden und nicht Solgard, etliche Meilen entfernt liegend. Die Reaktion des Paladins war wie erwartet und als Aanatus von Soryia erklärt wurde, dass Gogi schon einen langen Kampf gegen die Dunklen ausfechte, erwiderte Aanatus ungewöhnlich direkt, dass dies die einfach Bäuerin oder den fleißigen Holzhacker im Grenzgebiet Suroms nicht interessiere, wenn sie oder er den Kollateralschaden dieses ‚heiligen‘ Kampfes ausbade. Dass es ihn persönlich ebenso wenig interessiere, welchen abstrakten Zielen beide Seiten hinterherliefen, ließ er unausgesprochen und wandte sich stattdessen Ruweena zu, die zu ihm getreten war und ihm beruhigend zuflüsterte, dass man sich am Feuer treffe. Aanatus antwortete ihr, dass er nachkommen werde, er müsse vorher mit Janu sprechen, welche vor der Bank bei den Pferden stand.
Aanatus ging schnurstracks zu seinem „Bogenzwilling“ und flüsterte ihr nach einer kurzen Begrüßung zu, dass sie doch bitte Esme ausrichten möge, dass der Handwerkerbund die Zeichen der Zeit erkannte und sich darum bemühte, eine Einheit unter den örtlichen Gilden und BewohnerInnen Nebelhafens zu schaffen. Man müsse an einem Strang ziehen. Was den Aufbau der Stadt, die Sicherheit und vieles mehr betraf. Janu versprach, seine Nachricht weiterzuleiten und da ihr Gespräch so lange dauerte, dass die Runde am Feuer schon wieder vorbei war, kam es dazu, dass Ruweena zur gemeinsamen Jagd motivierte: Da das Gebiet Suroms – zumindest in Moment – nicht in Frage kam, reisten Ruweena, Janu und Aanatus zu den Dämonenhöhlen. Sie wolle sich abreagieren, meinte Ruweena. Und das tat sie – und die anderen beiden – auch. Bis zur Erschöpfung Ruweenas, welche nach der erfolgreichen Dämonenjagd atemlos an der Steinmauer lehnte, weswegen ihr Aanatus ausredete, ein Elementarpferd herbeizurufen und ihr stattdessen zur Schonung sein Pferd zur Rückreise gab. Er würde die ungeliebte Reiserune nehmen. So fand man sich irgendwann in Nebelhafen ein, wo in Beisein eines einsamen Orkes und Soryia, welche auch zu ihnen stieß, die Beute aufgeteilt wurde.
Bald schon verabschiedete sich der müde Aanatus, um schon auf dem Weg zur Taverne die nächsten Gerüchte zu hören: Die Palisade Suroms sei abgebrannt worden. Angeblich gab es einen Disput rund um Nagrons Expedition. Na das kann ja heiter werden… Mürrisch entschloss er sich schlafen zu gehen und am nächsten Morgen das Grenzland zu besuchen.

 
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Aanatus
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Frauenkleider

Beitrag von Aanatus »

Lange hat er nach Seide gesucht und auch einiges an Handel betrieben - er konnte immer noch nicht verstehen, wie verrückt die Leute nach dieser Ressource waren – bis er endlich genug Rohseide bei sich hatte, um zu Gwendolyn zu gehen, die ihm alles in meisterlichen Handgriffen zu Seidenlaken verarbeitete. Vorsichtig hielt er die zartweichen Stoffbänder, ungefärbt und unverarbeitet, in der Hand und bekam für einen Moment eine Idee davon, was andere an diesem Material so unwiderstehlich fanden. Schnell wischte Aanatus diesen Gedanken beiseite und erinnerte sich an die Alpträume, die ihn schon heimgesucht hatten, nur deshalb, weil diese verrückte Seide anscheinend jeder haben wollte.  Schlaflose Nächte, aber…aus gutem, sehr gutem, Grund.
Als Soryia, seine Helferin in dieser Sache, heimlich, still und leise bei Ruweena nicht nur deren Kleidermaße, sondern auch deren Garderobe, überprüft hatte und feststand, was der Elementarmagierin ‚noch so fehlte‘ und wonach ihr Herz begehrte, machte sich Soryia ans Werk, die edlen Seidenstoffe zu verarbeiten: Es sollte ein wunderschönes, festliches Kleid werden. Dazu ein Mieder. Oben eng geschnitten und figurbetont, abwärts der Hüfte in ausfallenden Stoffwellen, wie ein sanfter Seegang, zu einem prunkvollen Ende kommend. Diese Vorstellung versuchte Aanatus der erfahrenen Schneiderin in unbeholfenen Sätzen zu vermitteln und wäre damit wohl nicht weit gekommen, hätte sich Soryia – und später auch Aurelya – nicht dazu erbarmt, ihm all diese seltsamen Frauenkleidungsstücke vorzuführen. Lange Stunden für einen Mann, der selbst nicht viel mehr als einen Mantel, einen Kilt und ein Arbeitshemd besaß.
Doch die Motivation, seiner Dame ein besonderes Geschenk zu machen, überwog und am Ende kam man zu einer Entscheidung: Ein prunkvolles Seidenkleid mit edlem Mieder, eine Stola noch dazu, um Ruweenas Rücken zu verdecken, etwas, was ihr auf jedem Fest Sicherheit geben würde und unerlässlich schien. Die Farbe? Violett natürlich. Doch welcher Violettton? Diese Entscheidung fiel Aanatus, der ja kein ungeübter Maler war und mit Farben gut und gerne arbeitete, leichter. Das Mieder sollte etwas dunkler als der Rest sein, damit die prunkvollen Wellen des Kleides umso mehr hervorstachen und zusammen mit der gleichfarbigen Stola so den Oberkörper malerisch umrahmten, um schlussendlich ausfallend zu Boden zu gleiten.
 Während sich Soryia ein paar Tage Zeit erbat, die Kleidung zu schneidern, kümmerte sich Aanatus um die Farben, welche ihm Davind schon beim ersten Versuch mit Perfektion und haargenau den Farbton treffend mischte. Als dann die Kleidungsstücke fertig waren, sah Aanatus schon in ihrem ungefärbten Zustand, in welch edler Qualität sie hergestellt wurden. Das Färben würde nur noch der letzte Schritt zur Perfektion sein, da war er sich sicher. Soryia und er legten die edlen Stücke in die Farbwannen, ließen sie einziehen, walgten sie danach aus und ließen sie lichtgeschützt für viele Stunden trocknen. Jegliche Ungeduld war unangebracht, auch wenn die Suche nach der Seide schon so lange dauerte und nun auch noch die Fertigstellung der Kleider viel Zeit in Anspruch nahm.
Doch all das hatte auch Vorteile: Gerade an dem Tag, als die Kleider endlich aufgetrocknet und fertig waren, erfuhr Aanatus von einem festlichen Anlass, der wohl bald stattfinden würde. Der perfekte Anlass für eine – hoffentlich – perfekte Abendgarderobe! Noch am selben Abend entschloss er sich, Ruweena zu beschenken und lockte sie, unter dem Vorwand hungrig zu sein, in die Taverne. Zum Glück war diese menschenleer und so bat Ruweena Rosalinde, ob sie nicht die Tavernenküche nutzen durften. Die Tavernenbesitzerin stimmte zu und schon begannen Ruweena und Aanatus, gemeinsam Empanadilla vorzubereiten. Aanatus kannte weder das Gericht selbst, noch war er generell ein geübter Koch, doch half er bei den Hilfsdiensten so gut es ging. Ansonsten schaute er Ruweena staunend zu und als die herrliche Speise, die im Backofen lag, immer mehr den Tavernenraum in einen herrlichen Duft umhüllte, wurde der Hunger groß.
 Endlich fertig, durfte Aanatus das gefüllte Teiggericht in Stücke schneiden und bat Ruweena, sich schon mal zu setzen. Er servierte erst die Speisen und brachte dann eine Karaffe Rotwein. Bei Kerzenlicht genossen sie das herrliche Abendmahl und es wurde richtig spät, sodass Aanatus seine Geschenkübergabe schon verschieben wollte, doch…die Vorfreude war zu groß. Mit einem liebevollen Blick und Worten der Zuneigung überreichte er Ruweena eine Schatulle und wartete neugierig ab. Viel zu lange für den sichtlich nervösen Aanatus druckste sie herum und wagte scheinbar nicht, das Behältnis zu öffnen, doch dann tat sie es endlich und beim Anheben des Deckels hielt Aanatus die Luft an. Atemlos und wortlos blickte er zu ihr. Wie würde ihre Reaktion sein? Ruweena schaute erstmal lange mit großen Augen – fast ungläubig. Dann strich sie über den gefalteten Stoff und murmelte ein leises „Für mich?“. Mit einem unsicheren Lächeln und einem Nicken bestätigte Aanatus dies und so zog Ruweena mit etwas Mut das erste Kleidungsstück hervor. Dann staunend das zweite. Dann das dritte. Sprachlos blickte sie von ihrem Geschenk zu Aanatus und zurück. Dann sprang sie nahezu zu dem noch Sitzenden, umarmte ihn, gab Aanatus sich zu ihm runterbeugend einen aufgeregten Kuss, und verschwand mit einem „Ich will es gleich anprobieren“ in Richtung des gemeinsamen Tavernenzimmers. Erleichtert, aber noch immer nicht beruhigt, da das Gewand ja erst passen musste, blickte  Aanatus ihr nach und stand etwas zappelig auf, den Blick immer in Richtung der Treppe lassend. Viel zu viel Zeit verging, doch dann kam Ruweena die Stufen herunterstolziert.

Abendkleid.jpg
Abendkleid.jpg (14.88 KiB) 625 mal betrachtet

Aanatus klappte der Unterkiefer nach unten und das obligatorische Pfeifen durch die Zähne blieb ihm im Hals stecken. Mit großen Augen beobachtete er, wie sie  langsam herunterschritt, mit einem zarten Lächeln auf den Lippen, sich dann zwei  Meter vor ihm in die Mitte des Raumes stellte und sich einmal behände um die eigene Achse drehte. Das mehr als bodenlange Kleid hob sich sanft wie der Wind, während ihr rotes Haar feurig durch die Luft flog. Was für ein Anblick… Aanatus wäre wohl noch Stunden regungslos und voll liebevoller Bewunderung dagestanden, wäre Ruweena nicht lächelnd zu ihm getreten, um ihm nach einem zärtlichen Kuss zuzuflüstern, wie sehr sie sich über dieses Geschenk freue. Aanatus erwiderte leise und etwas stotternd, wie umwerfend sie doch aussehe und er der glücklichste Mann des nächsten Festes sein werde. Als Ruweena ihm antwortete, dass sie schon jetzt die glücklichste Frau der Insel sei und ihn erneut küsste, war der Abend für Aanatus perfekt.


 
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Aanatus
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Ein Portrait und einiges an Papierkram

Beitrag von Aanatus »

Zufrieden strich Aanatus über die Leinwand, wohl so groß, dass man damit mit einem netten Bilderrahmen wohl ein gutes Stück Wand eines Raumes befüllen konnte. Er blickte lange auf die Konturen des Frauengesichtes. Der Mund hatte ihm Probleme bereitet, dieser Ausdruck darauf - wohl ein Hauch von Schwermut vielleicht? Doch gleichzeitig voll eleganter Schönheit, etwas Arroganz eventuell - aber eine, die vermutlich auf viele anziehend wirkte. Eine wohlgeformte Nase, graublaue Augen - sofern er, der bei den förmlichen Treffen selten den direkten Blickkontakt zu ihr gewagt hatte, es richtig in Erinnerung hatte. Die Wangenknochen. fein gezeichnet unter blasser Haut. Dunkle Haare, wie er es ansatzweise unter der Kapuze etwas erkennen konnte, eventuell leicht gewellt, vermutete er. Aanatus erinnerte sich an das letzte Treffen am Lagerfeuer am Meer, Sorsha saß ihm seitlich gegenüber - so fiel die Wahl, ihr Profil zu zeichnen. Ohne Kapuze, ohne Robe...freier Rücken, bedeckt durch langes Haar. Ein gewagtes Bildnis. 

Sorsha von Schwarzenfels.png

Er löste seinen Blick von seiner Malerei, packte alle Skizzen zusammen und verstaute sie in dem Chaos, welches er Ordnung nannte. Dann rollte er die Leinwand sorgsam zusammen, packte sie in eine schützende Rolle und ließ - mit freudiger Aufgeregtheit - das Geschenk sogleich nach Surom bringen. Die üblichen Stunden, Tage....wer weiß wie lange....würden nun beginnen, in denen er sich ausmalte, wie gut oder schlecht sein Bild denn bei seiner Besitzerin angekommen sei. Vernichtendes Urteil oder gar Freude?

Er wischte die Gedanken beiseite und kümmerte sich um ein paar formelle Briefe, die er aufzusetzen hatte. Ganz oben auf der Liste stand der an Rashka, ein Treffen, welches Noa zu arrangieren bat und auf welches er sich jetzt schon freute. Dann ein Brief an den Bürgermeister, die Steinbarriere betreffend. Mal sehen...wann und was man von der Stadtleitung zu hören bekommen würde.
Und am Ende noch ein Briefchen an die Familie Bellamy, welches er gleichfalls in Eile, aber mit höchster Gründlichkeit aufsetzte und abschickte.

 
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Aanatus
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Vom Zeichnen und anderem

Beitrag von Aanatus »

Einige Sonnenauf und  -untergänge zogen ins Land und Aanatus‘ Sorgen wurden nicht kleiner, auch wenn er wusste, dass alles seine Zeit brauchte – und Ruweena, so hoffte er, bei bester Gesundheit war. Aber Geduld bei eigener Untätigkeit war nicht seine Stärke und so flüchtete er sich in die Arbeit.  In einem sentimentalen Moment schnitzte er sich einen neuen Bogen und färbten ihn Violett. „Mhm“, murmelte er und musste selbst über sich schmunzeln. Das würde nicht gut zu seinem Grün passen, aber für den Moment half es ihm ein bisschen, seine Laune zu heben. An einem anderen Tag widmete er sich der Alchemie und füllte die Bestände des Handwerkerbundes auf. Auch ein paar Vorbereitungen für die künftige Expedition galt es zu tätigen, worauf er besonderes Augenmerk legte, immerhin hatte Rashka dem Vorhaben zugestimmt. Diesbezüglich begann Aanatus auch schon, eine ExpeditionsteilnehmerInnenliste zusammenzustellen. Elnora und Soryia waren die ersten beiden, die er fragte und die sofort zustimmten, danach hängte er im Handwerkerbund einen Aushang auf, welcher um Mithilfe bei der Expedition ins Schneeland warb.
Und dann war da noch der besondere Wunsch, den Ruweena äußerte, bevor sie sich zu ihren Studien zurückzog: Ein Bild von ihr. So wie Aanatus sie sah – am besten wie an jenem Abend, als er ihr die festliche Kleidung schenkte - aber auch ihren ‚Makel‘ sollte er nicht vergessen, meinte Ruweena. Er wusste noch genau, was er darauf antwortete: Dass dies die Angst der meisten Künstler sei, etwas Geliebtes auf Pergament bringen zu müssen – etwas, was von der Wahrnehmung bis hin zum Gedankenbild im eigenen Kopf unvergleichlich und wunderbar ist. Wie konnten zwei  fehlbare Hände das jemals gleichwertig auf eine Leinwand bringen? Doch konnte er Ruweenas Wunsch natürlich nicht abschlagen, schon gar nicht, als er bemerkte, dass sie diesen ungewohnt schüchtern äußerte. So begann er sogleich mit den ersten Skizzen. Die meisten davon landeten im Kaminfeuer. Häufig hörte man es aus seinem Zimmer fluchen. Wie konnte er bloß ihren Blick einfangen? Ihr Lächeln, aber auch diese Ernsthaftigkeit? Skizze für Skizze wurde verworfen – Scheitern lag in der Luft.
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Aanatus
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Eine vergilbte Skizze

Beitrag von Aanatus »

Sein Blick fiel auf ein vergilbtes Stück Pergament, welches scheinbar am Außenrand des Kamins gelegen hatte und nun, als das Feuer im Morgengrauen bereits erloschen war, beim Zusammenkehren der Asche und Kohlestücke zum Vorschein kam.

vergilbte Skizze.png

Es war wohl eine der vielen Skizzen für das Portrait Ruweenas, welche er im Laufe seiner bisher fruchtlosen Bemühungen ‚feurig‘ entsorgt hatte. Schon wollte er es in den Aschekübel kehren, doch dann runzelte er die Stirn. Die angesengten Überreste zeigte eine Silhouette von Ruweena, welche sofort ein Lächeln in sein Gesicht zauberte. Der Winkel – die Perspektive des Betrachters – ließ in Aanatus Geist sofort ein Bild von ihr entstehen, welches er mit den schönsten gemeinsamen Momenten verband. Obwohl es nur kärgliche Überreste waren, konnte er sich ihren Blick vorstellen, der oft diese neugierige Aufmerksamkeit in sich trug, ihre Mundpartie mit einem kaum wahrnehmbaren Lächeln, die elegant gezeichneten Wangenknochen…fast schon hektisch nahm er ganz vorsichtig die Pergamentreste, legte sie auf den kleinen Schreibtisch und suchte das dünnste Schreibmaterial, das er finden konnte. Langsam begann er die Überreste abzupausen.
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Aanatus
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Die Schneewand

Beitrag von Aanatus »

Aanatus stand mit prüfendem Blick vor der riesigen Schneewand, die sich vor ihm auftürmte. Die Felswände links und rechts davon zeugten davon, dass es wohl ein Taleingang war, zumindest ein Einschnitt im Gebirge, welcher nun durch diese meterhohe Barriere versperrt war. Er nahm seinen Speer und prüfte die Beschaffenheit: Kompakt gepresster Schnee. Vermutlich schon eine ganze Weile in diesem Zustand, worauf auch eine komplette Vereisung der Oberfläche hindeutete. Darunter gepresster Schnee, grobkörnig, Firn also. Auch das ließ auf einen langen Zeitraum schließen, in der die Eisbarriere hier schon lag. Sein Blick wanderte nach Westen, dann nach Osten. Er nahm mit dem Auge Maß und schätzte den Westgipfel wohl als höher als den Ostgipfel ein. Als er dann etwas von der Schneewand weg ritt, um sich einen Überblick zu verschaffen, bestätigte sich diese Schätzung. Auch vermutete er anhand der Ausformungen der Barriere, dass wohl eine Schneelawine vom Westgipfel nach Osten verlaufend dieses Ungetüm erschaffen hatte. Spekulationen, aber dennoch nicht unwichtig, denn man wollte ja einen Weg durch die Schneemassen finden. Und Aanatus‘ Ansicht nach schien der ungefährlichere Bereich der Ostteil der Barriere zu sein, allein schon deshalb, weil der daneben liegende Gipfel sanfter war und von dort eine erneute Lawine unwahrscheinlich erschien. Vermutlich wäre eine Sprengung oder ein Abschmelzen in diesem Bereich eine Möglichkeit, sich das mühselige Abschaufeln zu ersparen. Er begann mit einer Skizze der örtlichen Begebenheiten und entschloss sich, sobald wie möglich mit dem Brauen etwaiger Tränke zu beginnen.

Schneelawine.jpg
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Das Portrait

Beitrag von Aanatus »

Aanatus strich über die Leinwand und lächelte auf sein Werk hinab. Die Tage waren vergessen, wo Versuch um Versuch im Kaminfeuer in Flammen aufgegangen war. Nun war er sich sicher, dass er sie in diesem Moment, als er nur staunend zu ihr blicken konnte, eingefangen hatte: Der Ansatz eines – schüchternen – Lächelns, als sie zu ihm blickte, kurz bevor sie sich mit dem von ihm geschenkten Kleid einmal um die Achse drehte. Der aufmerksame Blick damals auf ihm ruhend. Wohl auch prüfend, wie er wohl auf sie reagierte. Gleichzeitig jedoch dieser fast schon majestätische, ernste Gesichtsausdruck, betont von ihrer Wangenpartie und dem feurigen Haar, das sanft gewellt ihr Gesicht umrahmte. Die schwierigste Aufgabe für viele Künstler lag vor ihm. Und als er sich dabei ertappte, Ruweenas Portrait schon viel zu lange angeschaut zu haben, mit einem ständigen Lächeln im Gesicht, wusste er, dass er die Schwierigkeit, ein geliebtes Wesen auf Papier zu bringen, wohl ganz gut gemeistert hatte.
Aanatus‘ Blick blieb wieder an ihren Augen hängen. Dieser rote Kreis…wenn er nicht wüsste, was dahinter steckt, selbst ihn würde er verehren. Die Pupillen darin, die blaue Iris drum herum – sie strahlten diese Wärme, das Gegenteil davon, aus. Gedankenverloren strich er einmal über die Malerei, als sei sie in Fleisch und Blut bei ihm. Hoffentlich hat sie bald ihre Studien beendet, dachte er sich seufzend, stellte die Leinwand auf und blickte gedankenverloren das Portrait an.

Ruweena.png
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