Zweifel

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Dervyn
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Zweifel

Beitrag von Dervyn »

Als er an diesem Morgen aufwachte, hoffte er sich freier oder klarer zu fühlen. Stattdessen plagten ihn noch immer die selben Zweifel, die ihn seit gestern plagten.
Sie waren für ihn nichts Neues, auch die Wochen davor gab es Momente und Personen, die Zweifel in ihm weckten. Die kürzlichen Ergebnisse der Wahlen und viel mehr noch das Gespräch welches er in Nebelhafen führte, verwirrten ihn jedoch noch mehr. 
Nicht in der Lage Klarheit zu bekommen, begann er schon früh an diesem Tag zu einer Flasche zu greifen. Und so saß er da an der Theke seiner neuen Küche, vor sich ein Glas welches mit Schnaps gefüllt wurde. Die Finger kreisten den Rand des Glases entlang, während sein Gesicht sich in Falten legte.

War es die Niederlage bei den Wahlen die ihn zweifeln ließen? Zweifeln woran eigentlich?
An Solgard, den Menschen die er unterstützt hatte und dessen Unterstützung er sich erhoffte? 
War er wütend? Und wenn ja, was machte ihn wütend?
War es der Fakt gegen wen er verlor?

Das erste Glas war schnell geleert.

Was hatte er erwartet? So entschied sich die Wahl zwischen einem einfachen Krieger und einem Jungspund im Namen des Herrn.
Ein Mann mit Unterstützung des Ordens und der Unitatis, die größten Organisationen Solgards. Dagegen stand ein einfacher Mann ohne besondere Kräfte, alleine mit dem Wunsch der Stadt Ruhe und Frieden zu bringen. Nicht im Namen des Herrn sondern im Namen aller Bürger, ob nun gläubig oder nicht.

Seine geballte Faust hieb auf die Platte der Theke, kurz darauf folgte der zweite Schnaps.

Wieso konnte er sich nicht freuen und weiterhin seinen Dienste in der Wache nachgehen, ohne diese Wut in der Brust?
Bereits seit einiger Zeit eckte er immer wieder mit dem Orden an, verließ er doch die Unitatis, weil sie sich langsam zu einem Orden des Glaubens formte.
Eine Streiterei die zwischen ihm und dem Heerführer ausbrach, als sich dieser seines Ordensranges wegen, über ihn als Wache setze um Personen, die gegen das Gesetz verstießen vor Strafe zu freien? Die Dame die nur wenige Monde später einen Reichsbann wegen ihrer Zugehörigkeit zu Surom erhielt? Dann tauchten Voheras und seine Dämonenscharen auf. Viele Solgarder Soldaten fanden ihr Ende, viele Bürger. Und doch erschien erst als die ganze Stadt drohte unterzugehen, ein Engel um einem der seinen beizustehen. Was war mit den armen Seelen der einfachen Wachen? Waren sie dem Herrn weniger wert? Genauso der Spalt am Himmel. Wieso kam dort keine Hilfe?
Sind wir dem Herrn egal? Vermutlich würde er in der Stunde der Not nur seinen Anbetern Schutz bieten.

Das alles waren Dinge die ihn zweifeln ließen. Aber warum eigentlich auf einmal? Schließlich liebte er Solgard und seine Einwohner doch!
Möglicherweise lag es an dem Gespräch, welches er am gestrigen Tage in Nebelhafen geführt hatte?
Noch nie spürte er solche Wut, vielleicht sogar Hass? Und damit konnte er nicht so recht umgehen.
Erzürnt über sich selbst wischte er mit der Handfläche das Glas vom Tisch, es fiel zu Boden und zersprang.

Wie konnte er gegen einen achtzehnjährigen Jungen verlieren?
Hatte er was gegen ihn? Eigentlich nicht. Eigentlich!
Aber je länger er drüber nachsinnte, und je näher er sich dem Boden der Flasche näherte, desto klarer wurde es ihm.
Ein machthungriger Jungspund ist er!
Praefectus im Heer, Leiter der Heilerstube, Stellvertreter des Ordens und nun Hauptmann der Stadtwache.
All das in jungen Jahren, dabei war er nicht mal ein Mann der Tugenden. Eher ein kleiner Junge der seinen Herrn nach Macht anbettelte.
Schwer war das zu verstehen, denn wann immer er Männer wie die Brüder Darez sah, Jaster und Amarius, war er sich sicher sie würden immer im Namen der Bürger handeln, die Stadt schützen. Aber dann war da noch er, der Jungspund. 
Klar, wo immer Licht war, folgte Schatten und in Solgard war das Licht größer denn je!
Die Stadt sprudelte vor Paladinen und jede mögliche höhere Position war nun besetzt vom Orden. Die Kirche war in dieser Stadt nunmehr an der kompletten Macht.
Männer die sich mit ihrer Verbindung zum Herrn über uns einfache Bürger stellten. Nicht alle! Beim besten Willen waren es nicht alle! Aber es gab sie, schwarze Schafe oder viel mehr eine goldene Schlange, die den Glauben als Schleier der Tarnung trug?
Da fiel ihm wieder der Jungspund ein. Hatte er ihn je in Uniform gesehen? Hatte er jemals Hilfe geboten, als wir ohne richtigen Hauptmann waren? Hatte er jemals Dienst gestanden während der Zeit? Und war er da als wir unsere Stadt vor den Minotauren schützen wollten, Barrikaden errichteten? Die Antwort auf all diese Fragen war nein!
War es rechtschaffend einem beinahe unwichtigen Duell beizuwohnen, anstatt seine Heimat zu verstärken vor kommenden Angriffen? Hatte er Opferbereitschaft geboten und hielt seine Ruhmsucht zurück um der Verteidigung zu helfen? Wieder ein nein! War es gerecht oder mitfühlend seinem stellvertretenden Hauptmann keine Unterstützung anzubieten, sondern auf den Moment des Schwächelns zu warten und nach seinem Posten zu gieren? War es ehrenhaft? Nein, er war die Schlange die sich hinter den Tugenden windet um seinem Herrn zu gefallen, erhört zu werden.

Der Hass auf sich selbst, an diese Zweifel, machten ihn nur noch zorniger. Nicht lange nachdem die Flasche geleert war, flog sie gegen die Wand.
Es war klar, dass in seinem Inneren ein Kampf tobte. Einen Kampf gegen seinen eigenen Schatten, gegen seinen Zorn.

Aber weiter zu grübeln würde ihn nicht weiter bringen, erst einmal brauchte er einen klaren Kopf.
Und so trat er gerüstet aus seinem Haus. Einen tiefen Atemzug später machte er sich auf den Weg.
Das Lächeln, welches der sonst so frohe Krieger auf den Lippen trug, war verschwunden.
Es wich einem schier emotionslosem Blick der Leere. Möglicherweise konnte man ihm auch ansehen, dass er mit etwas zu kämpfen hatte.
Einen Kampf den er tief in sich drin mit sich selber ausfechten musste.
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Demraya
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Re: Zweifel

Beitrag von Demraya »

Der Geruch traf sie zuerst.
Schwer, süßlich, scharf – Schnaps, der sich mit kalter Morgenluft mischte.
Er hing noch in der Küche, wie ein Schatten, der nicht weichen wollte.

 
Sie blieb im Türrahmen stehen.
Das Licht fiel schräg durch das Fenster und brach sich in den Scherben auf dem Boden.
Ein Glas war zersprungen, der Rest einer Flasche lag daneben, leer, stumm, besiegt.
Es war, als hätte die Nacht selbst hier stattgefunden – mitten auf den Fliesen.


Langsam trat sie näher.
Unter ihren Schritten knackte es leise, wie ein Echo seines Zorns.
Die Luft war still, aber sie konnte ihn noch spüren – die Unruhe, die Verzweiflung, die in diesem Raum geblieben war.
Auf der Theke glänzte ein feuchter Ring, dort, wo das Glas gestanden hatte.
Daneben die Spur seiner Hand, verwischt, unruhig.

 
Sie legte die Finger auf die kalte Platte, fühlte den Rest der Wärme, die längst verschwunden war.
Er war fort, aber sein Kampf war geblieben.
Dieser Kampf gegen etwas, das sie nicht sehen konnte – gegen sich selbst vielleicht, gegen den Glauben, gegen die Welt.

 
Einen Moment lang schloss sie die Augen.
Sie wünschte, sie könnte die Luft reinigen, den Schmerz aus den Wänden nehmen, den Alkoholgeruch mit dem Duft von Brot und Kaffee vertreiben.
Aber alles, was sie tun konnte, war zu atmen.
Leise. Langsam. Behutsam.


Sie seufzte.
serifDann bückte sie sich, hob die Scherben auf, eine nach der anderen und legte sie in den Eimer.
Das Licht darin flackerte wie kleine Erinnerungen.







 
Dervyn
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Re: Zweifel

Beitrag von Dervyn »

Zuhause angekommen, befreite er sich aus seiner Rüstung und liess sich vor den Kamin in den Stuhl fallen. Dieser Tag hätte eigentlich ein guter werden sollen, einen den er gebraucht hätte, auf den er sich freute. Nur wie oft laufen die Dinge so wie man sie plant?

Es war ihm nicht möglich sie zu retten, nicht möglich zu ihr durchzudringen, sie aus ihrer Trance zu reißen. Und ehe er sich versah, stand er alleine vor den Toren Solgards.
Von der Stadthalterin keine Spur, hatte er sie dort zurückgelassen, bei der Wilden Jagd, wo sie ihm doch eigentlich helfen wollte.

Sein Blick lag wie gebannt auf dem Feuer im Kamin.

Eben waren sie noch zusammen unterwegs um sich eine Auszeit zu nehmen, im nächsten stand Tonya auf der Seite der Wilden Jagd, ihre Augen glommen grün, ihr Blick der noch vor einem Moment so freundlich und vertraut wirkte, nun kalt und leer. Wie konnte er dass nur zulassen, wo er sich geschworen hatte sie zu schützen?
Er sah von der Flamme auf, lehnte sich zum Tisch rüber und griff zur Feder. Doch der Versuch einen Bericht zu verfassen scheiterte, zu zittrig war seine Hand, aus Zorn und Bitterkeit. So entschied er sich fürs Erste ein Bad zu nehmen, es sollte ihm Erholung verschaffen und ihn beruhigen, aber auch danach brachte er es nicht zustande, den Bericht zu fertigen.

Und so fand er sich wieder vor dem Kamin, in die Flamme starrend, grübelnd, darüber was er hätte besser machen können.
Hätte er seine Ausrüstung dabei gehabt, hätte man ihn nicht zu Boden gedrückt. Hätte er etwas ändern können, wenn er stärker gewesen wäre?
Seine Wut wuchs mit jeder Minute an, er hätte stärker sein müssen! Er dachte an den Moment in der sie auf dem Nachtmahr aufsetze, er reichte ihr die Hand, wo Worte kein Gehör fanden wollte er ihr zeigen, dass sie nicht alleine ist. Doch mit jedem Schritt den er auf sie zutrat, wirkte es als entferne sie sich immer weiter von ihm. Bis sie irgendwann nicht mehr zu sehen war. Das war der Moment in dem ihm ihre Worte wieder einfielen. "Verräter", so nannte sie ihn als sie mitsamt des Geisterzuges vor Solgard auftauchte. Dieses Wort, diese Bezeichnung aus ihrem Munde, traf ihn härter als es der Bolzen je hätte tun können. Und so verharrte er beinahe die ganze Nacht am Kamin.

Am nächsten Morgen, wenn er auch nicht viel Schlaf genoss, wirkte er verändert. Verzweiflung wich der Zuversicht.
Sie bezeichnete sich selbst als ein Werkzeug, welches benutzt wurde um anderen zu schaden, nur um dann weggeworfen zu werden.
Noch bevor er ihr das Gegenteil klarmachen konnte, tauchte die Wilde Jagd auf, aber genau deswegen musste er ihr nun mehr denn je zeigen, dass sie kein Werkzeug war was andere benutzen konnten, schon gar nicht wegwerfen. Und so schwor er sich an diesem Tag erst wieder zu ruhen, wenn sie sicher heimgekehrt war.
Dervyn
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Dankbarkeit

Beitrag von Dervyn »

An diesem morgen war Dervyn bereits früh wach, machte sich auf dem Weg zum Hafen, zur Echidna.
Angekommen, betrat er das Schiff, ein kurzer Blick hoch zum Krähennest, dann trat er an die Backbordseite heran, die Hände ruhten auf der Reling.
Von dort ließ er den Blick über das offene Meer schweifen, ein Anblick der nachdenklich machte und ihn einmal mehr daran erinnert, was ihnen auf dieser Fahrt, auf der Insel die sie ansteuerten erwarten könnte, sei es der Tod, Erlösung oder doch Frieden?
Er war sich seiner zunächst unsicher, könnten sie Siegreich hervorgehen oder würde er mit ansehen müssen wie die Menschen die ihm wichtig sind sterben werden?
Für ihn waren die wichtigsten Dinge immer klar, Familie, Liebe und die Freundschaft. So dachte er an das vergangene Jahr zurück.

Sein erster Gedanke dabei galt seiner Familie;
nach dem Verlust seiner Mutter und dem Aufbruch in neue Länder hätte Dervyn sich niemals erträumen können auf einen Schlag eine neue Familie zu gewinnen.
Wer hätte ahnen können, dass ein Schiffsunglück ihn ins Glück führen würde? Denn auf dieser Insel fand er nicht nur eine neue Familie, er wurde Bruder, Schwager und Onkel, dass alles in nur einem Jahr! Und es gilt noch soviel mehr zu erleben, sollten Aleidiz und Franny die schwierige Anfangsphase der Elternschaft überstanden haben, so war er sich sicher, würde man sie öfter wieder zu Gesicht bekommen, insbesondere da man nun Nachbar war, bald schon würde die kleine Rahlea die Herzen der Bürger zum schmelzen bringen! So war also klar was er zu verlieren drohte, sollten sie scheitern, was er natürlich umso mehr zu verhindern versucht.

Sein zweiter Gedanke galt einer Frau;
die wohl stürmischer als jede See und unbändig wie das Meer selbst war. Eine Frau die viele Narben zu tragen vermochte, seien es äußerliche oder innere.
Eine die sich dadurch aber keineswegs aus der Bahn werfen ließ und sich unweigerlich auf die nächsten Aufgaben stürzte.
Über das letzte Jahr verteilt, hatte er sie immer näher kennenlernen dürfen und so wuchs aus Respekt, Bewunderung und daraus schließlich mehr...
Und dabei spielte es keine Rolle ob es die Toten selber waren die sich dazwischen stellten, denn so fest wie sie in seinem Herzen verankert war konnte ihn dass nicht aufhalten nach ihr zu suchen und erst aufzuhören als sie wieder sicher war, daheim. Noch ein Grund mehr ein Versagen zu verhindern, denn wer würde ihm sonst das Tanzen beibringen? Mit wem würde er um die Wette eifern, bei Rum und guter Gesellschaft, Pfeile auf eine Scheibe werfen, wobei das Ergebnis eh immer unwichtiger war als die Zeit die sie verbrachten. Schließlich dachte er auch an dem Ausblick vom Turm aus, sei es Sonnenauf- oder Untergang, mit niemanden säße er lieber dort und würde Kirschen futtern und einfach den Moment genießen.

Dann sein dritter Gedanke;
er galt seinen Freunden, die er über das letzte Jahr hat kennenlernen dürfen, seien es die, welche zurzeit weniger da waren oder eben die, welche er täglich sah, dass spielte dabei keine Rolle für ihn. Egal ob es mal wieder Gespräche über komplizierte Magie oder gar Maschinerien waren von denen er nicht mal die hälfte verstand, oder ob sie mit experimentellen Tränken, die Katzen in der Nachbarschaft erschreckten, ob man am Straßenrand stand und heißen Kakao schlürfte oder einfach nur ein Gespräch über den Tag führte. Auch die Paladine und Priester seien erwähnt, mit welchen er öfter aneinander geriet, die ihm jedoch halfen die Dunkelheit in den Griff zu bekommen. Er war ihnen allen dankbar jedem Bürger Solgard's, letztlich war dies seine neue Heimat und er sah jeden mit der Zeit als seine Freunde und Familie an.

Der letzte Gedanke;
sein Pflichtgefühl, als Heerführer hatte er geschworen König, Stadt und Land zu verteidigen.
Aber auch ohne diesen Schwur hätte er es getan, denn alles in allem war Solgard nun seine Familie und um diese zu schützen verlangt es keinen Schwur!

Es folgte eine längere Pause, in der er einfach nur aufs Meer starrte, den Wind auf seinem Gesicht spürte und einfach nur ausharrte.
Wichtig war es jetzt sich auf diese Reise zu konzentrieren, für Fehler war kein Platz und nach erfolgreicher Rückkehr kann er damit beginnen Pläne für die Zukunft zu schmieden, Pläne um das Leben ins Solgard zu einem noch besseren zu machen. Er war Solgard jetzt schon eins: Dankbar!
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