Haldron, der Zornbringer

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Haldron
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Re: Haldron, der Zornbringer

Beitrag von Haldron »

Der Überfall


Die Jagd führte Haldron und die seinen tief unter die Erde.
In einer alten Drachhöhle im Reich der Suromer, fern von Himmel und Tageslicht, stellten sie mehrere Drachen, deren unterschiedliche Elemente die Enge des Felsens erfüllten: Hitze, beißender Dampf, kalte Atemzüge und das stetige Tropfen von Wasser auf Stein. Die Dunkelheit war dicht, der Boden rutschig von Blut und Feuchtigkeit – ein Ort der Prüfung.

Während die Jagd noch andauerte, wurden sie heimgesucht.

Aus einem der Seitengänge traten die Solgarder Paladine in die Höhle. Zunächst wurde gesprochen. Den Solgardern wurde eine sichere Rückkehr zugesagt, ohne Beute, ohne Einmischung. Doch die Paladine hielten sich nicht daran. Sie begannen, Raum zu beanspruchen, mischten sich in den Kampf ein und erhoben schließlich Ansprüche.

Worte wurden scharf.
Hände legten sich an Waffen.

Als Stahl gezogen wurde, gab es kein Zurück mehr.

Der Kampf entbrannte mitten in der Höhle, zwischen Drachenleibern und Fels. Ordnung zerbrach an der Enge des Ortes, während die Barbaren den Raum nutzten, wie sie es aus zahllosen Schlachten kannten. Am Ende waren es die Solgarder, die geschlagen zurückwichen. Die zugesagte sichere Rückkehr wurde eingehalten – verwundet, ohne Beute, aber lebend verließen sie die Höhle. Doch der Bruch war vollzogen.


Die Vision


Erst nach der Jagd, fern von der Höhle, kam die Nacht über den Stamm.
Kein großes Lagerfeuer wurde entzündet, nur Glut, niedrig und rauchend. Der Geruch von Blut, nassem Stein und Drachen hing noch an ihnen.

Haldron saß schweigend am Rand des Feuers. Er rief die Ahnen nicht mit lauten Worten, er forderte keine Zeichen. Und doch kam es.

Die Glut begann unruhig zu flackern. Schatten lösten sich vom Boden, zogen sich in die Länge, verschwammen wieder. Keine klare Gestalt zeigte sich, kein Gesicht, kein Name. Nur Eindrücke, überlagernde Bilder, schwer zu fassen wie Rauch.

Er sah die Drachhöhle – leer.
Dann sah er Wege, Banner und Rüstungen, die kein Licht trugen, sondern es kalt zurückwarfen. Daneben erschienen Gestalten ohne feste Form: Krieger, Jäger, Ahnen. Keine stand höher als die andere. Keine kniete. Keine herrschte.
 
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Kein Zorn lag in der Vision.
Keine Gnade.

Nur ein altes Gesetz, wortlos, aber unmissverständlich:

Gleich tritt gegen Gleich.
Wer in eine Prüfung greift, wird selbst zur Prüfung.
Wer jagt, kann gejagt werden.


Die Bilder lösten sich auf, als hätte es sie nie gegeben. Zurück blieb keine klare Prophezeiung – sondern Gewissheit.


Die Weisung


Haldron sprach zu den Seinen.
Nicht von Göttern. Nicht von Schuld oder Unschuld.

Er sprach von Gleichgewicht.

Die Solgarder hatten sich selbst auf eine Stufe gestellt – nicht als Richter, nicht als Bewahrer, sondern als jene, die in eine laufende Jagd eingegriffen, Anspruch erhoben und Stahl gezogen hatten. Damit hatten sie sich als Gegner erklärt.

Von diesem Tag an galt die Weisung der Ahnen:
So wie die Solgarder die Barbaren in der Jagd heimgesucht hatten, würden die Barbaren sie heimsuchen.

So wie sie Beute beansprucht hatten, würde man ihnen nehmen, was sie zu schützen glaubten.
Nicht aus blinder Rachsucht.

Sondern, weil Gleiches nur durch Gleiches beantwortet werden kann.

Haldron fasste es schlicht zusammen:

Se wolln Jägar sej
Nu weden se gjagt!


Und so begann es.
Eine Jagd, getragen von der Weisung der Ahnen.
 
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Haldron
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Re: Haldron, der Zornbringer

Beitrag von Haldron »

Mit der Kraft der Barbaren

Die Überfahrt stand unter einem schweren Zeichen. Der Nebel lag dicht auf dem Meer, nahm dem Blick die Weite und ließ selbst erfahrene Seefahrer an sich zweifeln. Als das Geisterschiff aus dem Grau auftauchte, war es ein Prüfstein – nicht nur für Waffen, sondern für den Willen. Es wurde zurückgeschlagen, und für Haldron war dies weniger ein Sieg über einen Feind als ein erstes stilles Urteil der Ahnen.
 
Die Anlandung forderte ihren Tribut. Die Schlacht gegen die Orphidiane war hart und ungeordnet, ein Ringen im Sand, bei dem rohe Kraft, Ausdauer und Entschlossenheit zählten. Viele standen dort Seite an Seite: Krieger, Magier, Kämpfer unterschiedlicher Herkunft, Dunkelelfen ebenso wie Bewohner Suroms. Jeder trug auf seine Weise zum Überleben des Augenblicks bei. Doch nicht jede Tat wog für Haldron gleich schwer.
 
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Nach dem Kampf wurde das Lager errichtet, Zelte aufgeschlagen, Feuer entzündet. Es war ein notwendiger Schritt, aber kein Zeichen von Sicherheit. Die folgenden Tage führten tief in den Dschungel, wo Hitze, Feuchtigkeit und ständiger Widerstand die Nerven zermürbten. Die Schlangenbestien wichen nur langsam zurück, gezwungen durch stetigen Druck und unbeirrtes Vorrücken.

Auch hier wirkten viele Hände: Klingen, Zauber, Pfeile und Schutzrituale. Haldron erkannte ihren Nutzen, stellte ihn nicht offen infrage. Doch in seinem Inneren war der Maßstab ein anderer. Entscheidend waren jene, die vorangingen, wenn der Weg unsicher war. Die standen, wenn der Angriff stockte. Die weiterkämpften, wenn Erschöpfung jeden Schritt schwer machte. Für Haldron waren es diese Taten – meist barbarischer Natur, stets getragen von Härte und Opferbereitschaft, die den Ausschlag gaben.

So glaubte er, dass sich in diesen Tagen die Gunst der Ahnen formte. Still, unbeobachtet von vielen, aber unmissverständlich für jene, die gelernt hatten, auf solche Zeichen zu achten. Nicht Herkunft, nicht Wissen oder Macht allein entschieden darüber, sondern das Durchhalten im Blut und im Druck des Kampfes.
Und so stehen sie nun im fremden Land: viele Völker, viele Fähigkeiten – doch in Haldrons Augen ein klarer Kern, auf dem all dies ruht.
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Haldron
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Re: Haldron, der Zornbringer

Beitrag von Haldron »

Was nach dem Nebel blieb

Die Insel im Nebel wurde bezwungen.
 
Das Übel, das dort geherrscht hatte, wurde erschlagen, sein Einfluss gebrochen. Der Nebel wich, und mit ihm verschwand eine Bedrohung, die den Stamm gebunden und aufgehalten hatte. Doch was blieb, war kein Sieg – sondern Klarheit.
 
Denn mit dem Tod dieser Macht war nicht alles beendet.
Etwas war gelöst worden.
 
Die Kräfte, die dort wirkten, hatten nicht aus sich selbst heraus bestanden. Sie waren Teil eines größeren Gefüges gewesen, eines alten Gleichgewichts, das nun ins Wanken geraten war. Wo zuvor Fesseln lagen, war nun Raum. Wo Stille geherrscht hatte, begann Bewegung.
 
Haldron spürte es deutlich.
 
Nicht als Vision, nicht als Befehl der Ahnen – sondern als Gewissheit, die sich nicht mehr verdrängen ließ. Die kommenden Gefahren würden nicht plötzlich über den Stamm hereinbrechen. Sie würden wachsen. Sich sammeln. Beobachten.
 
Satsujinshar war frei.
 
Nicht als unmittelbarer Feind, der Feuer vom Himmel regnen ließ, sondern als uralte Präsenz, die nun wieder handeln konnte. Ein Drache, dessen Wirken nicht im Sturm begann, sondern in der Vorbereitung. In Geduld. In dem Wissen, dass Zeit auf seiner Seite stand.
Und Satsujinshar war nicht allein.
Die Drachen, alte Feinde des Stammes, waren nie wirklich verschwunden gewesen. Sie hatten gewartet. Nun gab es wieder Anlass, sich zu regen. Neue Bündnisse, neue Feindschaften, neue Prüfungen würden folgen – und nicht alle würden klar als solche erkennbar sein.
 
Haldron wusste, was dies bedeutete.
 
Der Stamm durfte nicht erst reagieren, wenn der Himmel brannte.
Er musste vorbereitet werden.
Nicht durch Hoffnung. Nicht durch fremde Versprechen. Sondern durch Härte, Disziplin und die Bereitschaft, Opfer zu bringen. Die Zeit der reinen Reaktion war vorbei. Was kommen würde, verlangte Weitsicht – und die Kraft, Entscheidungen zu treffen, die nicht jeder verstehen würde.
 
Bjornars Tod stand dabei wie ein stilles Mahnmal.
 
Er war kein einzelnes Opfer in einem abgeschlossenen Kampf gewesen. Er war das erste Zeichen einer kommenden Reihe. Wenn der Stamm überleben wollte, durfte sein Tod nicht vergebens gewesen sein.

Haldron begann, den Blick nach vorn zu richten.
 
Prüfungen würden kommen.
Nicht alle würden sie bestehen.
Doch jene, die blieben, würden gebraucht werden.
 
Denn was sich nun erhob, würde nicht mit Worten zu bezwingen sein.
Und Blut würde Antworten bringen, lange bevor der erste Drache sich zeigte.
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Haldron
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Re: Haldron, der Zornbringer

Beitrag von Haldron »

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Haldron steht am Rand und blickt hinab.
Er wacht über Fjellgat und über das, was sich nicht zeigt.
Die Ruhe liegt zu schwer.
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Tarabasch
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Re: Haldron, der Zornbringer

Beitrag von Tarabasch »

Der Skilt stand weit draußen am Fjord Fjellgat's, die frische Morgenluft tief einatmend. Die Ruhe genießend, hockt er sich nieder und betrachtete sein Antlitz im stillen, spiegelglatten Wasser. Thrymm'tack war müßig geworden, ein Winterschlaf der länger anhielt als es ihm lieb war. Es war nun schon einige Monde her, dass der Forsjaman das Dorf verlassen hatte. Seitdem war der Stamm einer zunehmenden Trägheit verfallen. Allen voran der Johtar und Tarabasch selbst. Er strich mit der Handfläche über die Wasseroberfläche, ehe er den Arm in die Tiefe gleiten ließ. 

Thrymm'tack hatte viel erdulden müssen, die frevelhafte Blutttat an Grimlas Spross, der Verlust Bjornars und der Abschied von Freyja. Als Skilt und Berserker trug er erhebliche Mitschuld an all diesen schweren Niederlagen und gerade deshalb lag es an ihm, dem Stamm neuen Mut zuzusprechen. Ynge und Tyra taten als Soeker ihr Möglichstes um den Stamm zu versorgen, aber auch ihre Kräfte würden früher oder später schwinden. Ragnar und ein junger Sjaman Namens Serkr kümmerten sich um das Seelenheil des Nordvolkes und dennoch war es, als ob die Kraft der stolzen Barbaren zunehmends schwand. Haldron war fort, Thjondar wart kaum noch zu sehen und auch die junge Hathran Tarsnjor war ein seltener Gast im Dorf geworden. Würde das einst tobende, laut brüllende Thrymm'tack verstummen und schlussendlich dahin schwinden um in Vergessenheit zu geraten?

Ein Zeichen der Ahnen oder ein gesprochenes Wort Halvard's im Namen des Urvaters und das Feuer Thrymm'tacks würde erneut entfacht werden,... aber vielleicht war auch ein kleineres Zeichen der Hoffnung bereits genug. Die Heimkehr eines alten Freundes,...

Tarabasch zog den Arm aus dem Wasser und erhob sich, er ballte die Hand entschlossen zu einer Faust und dann, als ob eine Stimme ihn rief, glitt sein Blick die Flanke des Barskbjerges empor und es schien ihm, der Avatar des Winters selbst sehe herab um ihn zu segnen...


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ᚠᛟᚱ ᛞᛖᚾ ᚢᚱᚠᚨᚱ ᛋᚨᚱᛗᚨᛏᛁᛃᚨᛋᚲ ᛟᚷ ᛏᚺᚱᛃᛗᛗᛏᚨᚲ
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Haldron
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Re: Haldron, der Zornbringer

Beitrag von Haldron »

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Die Glut stirbt.
Der Weg liegt offen.
Fjellgat wartet.
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