[Orks] Morloch, der Ork

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Morloch
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[Orks] Morloch, der Ork

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Kapitel I: Thron aus Dreck

*Ein Orkhorn ertönt!* 
Das konnte ein jeder in der groben Umgebung deutlich hören. Was aber das geschulte Spitzohr hören konnte, sofern im Stammesalltag nicht zur Verdrossenheit erzogen, war die Rückkehr der Wolfreiter und Späher. Und außerdem, dass dieses Orkhorn nicht zum ersten Mal behelfsweise neu zusammengebunden worden und jede Haltbarkeitsprognose unterirdischer war, als ein zwergisches Grab.
    
Wie jemand, dem man die Konzentration geraubt hatte, öffnete Morloch die Augen. Er drückte sich von seinem "Thron", der nicht mehr war als ein Haufen Dreck und Knochen. Er hätte gefaucht und geflucht, wäre er nicht allein gewesen - wenn auch nur zur Selbstdarstellung. Stattdessen zog er mit Ruhe und gleichmäßigen Bewegungen den Opferdolch aus der Stirn des Totenschädels, der bei dem letzten Ritual der älteren Schamanen für ihn abgefallen war und jetzt, auf der Suche nach Abgeschiedenheit, mit Bedacht als Fixpunkt seiner Gedanken auf einer Standarte vor ihm platziert war. Während auch das Blut wieder seinen Gang in die lange still verharrenden Körperteile nahm, tapfte er los in Richtung des großen Lagerfeuers. Schließlich hoffte er, es gäbe wenigstens etwas zu sehen, zu haben - wenn schon nicht die Einsamkeit mit der Zwietracht der eigenen Gedanken. Oder auch nur was zu fressen.. dem Leben müde genug, oder dämlich, sich in die Orklande zu "verirren".

Zurück innerhalb des Orkforts schmissen die Reiter ab, welche Beute sie beizubringen hatten. Darunter ausblutendes Wild und Geweihe, Gedärm, Nachtschattengewächs und eine ungewöhnlich große Molchskröte, die zweifelsohne Neugier und Vergnügen eines der Orkschamanen auf sich zog und kurzum in eine Hütte verbracht wurde. Einer der Reitwölfe warf die Rückenlast gleich selber ab, und seinen Reiter in den Morast. So konnte er immerhin hastig ein Maulvoll mehr für sich selbst aus der Beute reißen, bevor ihn einer der nachzügelnden Späher mit dem Speer gängelte. Ein anderer Wolf, der von den noch warmen Körpern stehlen wollte, hatte weniger Glück. Eine Axt krachte ihm als letzte Dressurmaßnahme ins Genick. Die Speisekarte füllte sich weiter.

Die Späher kehrten mit Lebendigem zurück, für den Moment jedenfalls: ein verletzter Alter, selber auf der Jagd, und das, was von seinem erwachsenen Sohn übrig geblieben ist, nachdem die Orks ihn mit ihrem typischen Charm aus den Bäumen gebeten hatten. 
 
„I-Ich bit-... bitte lasst m-mir mein Leben! Bei Kerissar, mein Sohn ist tot! Lasst mir mein Leben! Ich bin alt!"
 
Der Mensch haderte mit seinem Schicksal.
Es heißt, hohes Alter hätte schon einmal aus den Fängen der Orks befreit. Es heißt aber auch, die wenigen Geschichten darüber sprechen für die geringe Zahl an Zeitzeugen.
 
Regen prasselte auf die Knochenhauerberge. Die Feuer im Fort fraßen sich weiter in die noch graue Nacht, wenn sie sich nicht unter der einfallenden Nässe wunden. Einzig dem Lagerfeuer blieb der Regen gleich; ein paar Orks zogen sich unter den Holzbauten ins Trockene zurück und wieder andere blieben mit der Beute beschäftigt. Der Großteil Orks beteiligte sich mit Lautbarungen von Spott und Blutlust am Geschehen und schaukelte sich gegenseitig hoch. Auch in dieser Nacht würde es wohl keinen Zeugen geben.
Morlochs Fratze erhellte sich neu mit jeder Fackel, an der er vorbeizog: ein durchschnittlich großer Ork mit fahlgrüner Haut, langes Haar das als hässliche Strähnen ins Gesicht fällt, gelbgraue Augen und eine Portion unmissverständliche Ambition dahinter. In der einen Hand der Dolch, in der anderen ominöse Rituszeichen und Attitüde. Zunächst hieß es heute nicht leer auszugehen. 

Gerade hatte er lauthals damit begonnen, in den aufgeregten Lärm seiner Brüder miteinzustimmen, da rollte ihm der bärtige Menschenkopf entgegen. Er stoppte ihn mit dem Fuß und den knöchernden Gliedern zwischen Ohr und Scheitel. Interessant genug, ihn nicht mehr aus den Händen zu geben, ohne sich seine Zeit damit zu lassen. Die vielen Stunden mit sich selbst hatten den Ork jedoch ohne Zweifel hungrig gemacht.. so galt es, sich noch gegen seine Brüder durchzusetzen. Eine Halbchance. Denn bisweilen war es Faustkampf, nicht die Attitüde allein, der ihm zu einem vollen Magen verhalf. Der Jungschamane stand noch am Anfang - raue Sitte.
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Morloch
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Re: [Orks] Morloch, der Ork

Beitrag von Morloch »

Kapitel II: Teufelsmund
 
Primitive Trommelrhythmen schlugen sich bereits in den fahllichtigen Morgenstunden am Fuß des Orkgebirges durch die Schluchten. Sie begleiteten den wandernden Nebel und verhängte Wolken, unter denen die Luft sich so schwer und klamm anfühlte, dass man sie hätte greifen können. Die Orks hatten sich in einer Schar versammelt und schenkten ihrem Häuptling Gehör, der neben Kriegskunst auch für Kriegsrede früher mehrere Kerben im Stammesbrett hatte. Trächtig mit Selbstgefallen und anheizenden Schwüren ergab der Ork sich aber auch in taktischem Geplänkel für kommende Tagwenden – und so verband sich der verherrlichte Wille der Orkgötter wieder mit der gelebten Realität.

Kehliger, innbrünstiger Zuspruch voller Auftrieb und gelegentlich einstimmendes Wolfsgeheule. Das war es, das den Klang der Trommel in regelmäßiger Einheit nun immer wieder überbrach, während Äxte, Hämmer und Schwerter dem kaum sichtbaren Himmel entgegengestreckt wurden. Auch die Schamanen wohnten dem Geschehen bei, wenngleich es normalerweise sie selbst waren, die sie vorzogen von holzverschlagenen Vorsprüngen reden zu hören. An diesem Tag standen zwei von ihnen nur halbschräg in zweiter Reihe, sodass zumindest der Ausblick auf die Orkschar nur unwesentlichen Unterschied im Winkel nahm.

Gerade hatte Morloch nochmal die Reihen vor seinen Augen zu seiner Zufriedenheit mit seinem Blick begangen, als dem Häuptling wiederum tosende Zustimmung entgegenschmetterte – und ehe die Lautstärke wieder aus dem Gebirge entwich, surrte der Bolzen eines orkischen Kriegsgeräts unweit des eigenen Kopfes in den hölzernen Stützpfahl, neben dem er stand. Ohne dem Geschehen abzutragen, sah man, wie vereinzelte Blicke sich hoch zu den beiden Schamanen drehten. Sie bleckten ihre hässlichen Zähne und Hauer in Missbilligung für den jungen Späher, dessen Armbrustsehne sich im Jubel versehentlich gelöst hatte und somit beinahe sein unfreiwilliges aber gewisses Todesurteil besiegelte.
Andere Orks in der Menge ermahnten mit beherztem Schubsen und Schlägen, die dem sich so plötzlich in Ungnade wiedergefundenen Ork bestenfalls vorweg genommen hätten, was der aufstrebende Schamane wusste, sich im versammelten Beisein nicht vorwegnehmen lassen zu können. Was folgen würde, war zu ahnen – davon hatten sich die übrigen Orks in den vergangenen Wochen ein lebhaftes, und für Feinde nicht selten tödliches Bild machen können: ein Feuerball regnete unter seltsamer Geste und gesprochener Aura in die grobe Richtung des Schützen herab und versengte dabei, was ihm in die Quere kam. Teile von Haar, Haut und Wams später konnte man sich scheinbar kompromissbereit darauf einigen, dass dieser Tag ein Glückstag für den Schützen sein musste. Aber der Zorn der anderen, deren Schultern unweigerlich spurvoll gebrandmarkt wurden, war dem Jungork weiter gewiss – und so setzte Morloch sich fauchend seine Knochenfratze aufs Gesicht, hinter der er sich ungesehen in Zufriedenheit an der Anzahl derer, die seine Fähigkeiten einmal mehr bezeugt hatten, ergötzen konnte.
  
Morloch hatte unter seinen Stammesbrüdern zuletzt einige gute Hiebe setzen können. Solche, die Spuren hinterließen. Aber auch sinnbildlich, was sich für ihn als förderlich in der Hackordnung der Orks erweisen sollte. Er nutzte die Gelegenheiten die sich ihm geboten hatten, um mit Nachdruck und List, Feuer und niederen Zaubern glaubhaft zu machen, eine feste Verbindung zu Agrazh und seinen gefallenen Dienern im Totenreich zu pflegen, die sich zu bewähren galt. Erfolgreiche Jagden und eine Zahl an Raubzügen, bei denen die Orks ihr selbstverkündetes Bodenrecht durchsetzten, hatten sich zu ihren Gunsten entscheiden lassen. Auch seine Eigenheit, stundenlang abgeschieden zwischen den Kluften des Gebirges mit Schädeln zu hantieren oder scheinbar tatenlos am Schrein zu sitzen, löste sich unter den Orks vermehrt zu stillschweigender Akzeptanz schamanistischer Unergründbarkeiten und Wohlgefallen auf - zu seiner Zufriedenheit, wachsendem Ego und einem hässlichen Beinamen. Draratûl – so hatten ihn die Krieger hinterrücks halb spottend, halb anerkennend getauft. Teufelsmund.
  
 
 
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Vom Podest aus, über die Köpfe der Scharen hinweg, zeigte sich der Rest des Orkforts in Gänze und gab der andauernden Szenerie einen lebhaften Hintergrund. Wer sich vom Geschehen weiter in Richtung der Berge entfernte, konnte den wiederkehrenden Aufruhr der Versammlung für sich in dumpfem aber beständigem Schall bändigen. Im Gegenzug dafür standen hier der Geruch von Stahl und Feuer in der Luft, dem der auf werdende Metalle niederklimpernde Hammer eines schier riesigen Orks Drall gab. Die Gestalt war übersäht mit drangsalierten Hautstellen und Narben, wohin auch immer man sehen würde. Von den großen, knolligen Gliedern, von Arm zu Auge. Dem Anschein nach Wunden alter Tage – und darunter vermeintlich eine Vielzahl, die von Glut und heißem Eisen rührten. Tulatsch, Mez'Drasdech und Urgestein des Tryl'hi-Stamms. Ein Handwerker und in seiner Gewichtsklasse eine Erscheinung, selbst unter den Orks.

Morloch überblickte die Masse. Er kannte das Lager. Und er erkannte besondere Momente in der Mache. Der Häuptling donnerte unter dem vielen orktypischen und schmuckhaften Geplänkel nicht ungehört von dem Dreck, der sich weiter östlich, über den Fluss hinaus, vor langer Zeit niedergeschlagen hatte. Gemeint war die Ettinfestung in den Bergen, die man im Auge behalten und immer wieder gestört hatte. Noch mehr meinte er aber den Anführer der Zweiköpfe.
Zunehmend und Stück um Stück setzte sich für den Jungschamanen zusammen, was die Geschehnisse der letzten Tage ankündigten. Was den träge gewordenen Orkhäuptling dazu bewegen konnte, wie in neu gefundenem Tatendrang die Versammlung auszurufen und selbst voller Innbrunst das Wort zu führen, ohne den Schamanen die "Palavararbeit" aufzuhalsen. Und schließlich dämmerte ihm auch, was die ungewöhnlich groß ausfallenden Kettenfesseln in den arbeitenden Händen des fähigsten Drasdech verheißen sollten. Der Häuptling war heute beseelt von einer Idee, die sich entweder bald in mehr Aufruhr und Taten manifestierte, oder morgen schon wieder zwischen ihm und dem durchgesessenen Thron ersticken würde...
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Morloch
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Re: [Orks] Morloch, der Ork

Beitrag von Morloch »

Kapitel III: Zahn um Auge
  
Leise knisterten die Feuerschalen und das brennende Gebinde einer einsamen Fackel in einer Seitenschlucht. Die Felswand zieren eine Vielzahl von Rituszeichen und blutigen Nachspuren. Mit Seil und dicken Ästen sind Gebeine und zu unheilvoller Dekoration geschlagener Stein in der Schlucht befestigt. Im Mittelpunkt, etwas näher am Fuß des Felsens selbst, steht ein Abbild Agrazhs – und an den Wänden, noch größer, wabert durch das Feuerlicht sein beklemmendes Schattenbild.
  
Morloch verharrte in ehrerbietender Haltung, die Augen geschlossen. Das fahle, strähnige Haar fiel von seinem Haupt vor seine dämonische Fratze und an ihren Seiten herab. Ein Gefühl für Zeit und ihre Vergänglichkeit hatte er vergessen. Oder er entschied sich willentlich, ihr keinen Gedankenschlag einzuräumen. Der Jungschamane alterte. Äußerlich – so war der Kreislauf des Fleisches. Im Inneren rung der Geist mit andersweltlichen Dingen. Freund und Frevel. Ungewiss war bloß, wie lange er hier schon saß und kniete. Wie lange er schon in Aura zu sich, vor sich her... mit wem oder was er sprach oder schwieg.
  
Wie gewöhnlich waren seine kralligen Füße nackt. Er schätzte die Spürbarkeit von Dingen, war er doch so oft, vielleicht zu oft, losgelöst vom Geerdetsein, verloren in vielem, verloren im Nichts. Die Beine bedeckt mit einem Verschlag aus blutgetränktem Leder und dullen Metallen. Der Oberkörper mit Zierknochen und Fellstücken behangen. Unter ihm ein Strohgeflecht. Neben ihm, auf einem Stein im Dreck, sein Opferdolch. In der Nähe sein kauernder schwarzbrauner Reitwolf, der ihm den Rücken von unerwünschten Gästen freihalten würde..
  
 ~
 Olorgh,
 Sht'uuur-bulûrz...
 Y'shik sht'uuur-gal!
 Matat-za em wor.
 Y'shik-tuur gital..
 ..
 K'antschal,
 Sht'uuur-bulûrz...
 Y'shik sht'uuur-gal!
 Matat-za em wor.
 Y'shik-tuur gital..
 ~
  
Leise Worte entrinnten dem Ork wie ein Mantra. Die Intonation ließ vermuten, dass er sie bereits eine Weile wiederholte. Er hatte länger nicht gefressen. Wasser sah er auch schon länger nicht. Sein Mund war beinahe trocken geworden und hätte gestört, wäre die Hingebung geringer. Die anderen Orks sahen ihn zuletzt am großen Feuer, von wo er sich vielsagend zurückgezogen hatte. Sie wussten, dem Schamanen seinen Raum zu lassen. Er war mindestens so eigenbrödlerisch, wie er anderer Tage zu 'Scherzen' nach Orkmanier aufgelegt war – doch auch das wurde weniger und er ernster. Irgendwann früher, noch vor Einbruch der Nacht, sahen ihn Gar'thok und der Spähtrupp schon regungslos am Schrein fristen. Auch sie sprachen nicht zu ihm, höchstens über ihn.. immer dann, wenn er es nicht hörte.
  
~
Bild 
 Matat-za em wor.
 Y'shik-tuur gital..
 ..
 Zha!
 ~
  
Im Einklang mit den Worten, so scheint es, bewegten sich die Flammen. Der Ork wie in einer meditativen Trance. Sein Ritual war lange noch nicht vollendet. Auch diese Nacht würde er weder fressen noch trinken. Doch was war es, das ihn vermeintlich so urplötzlich dazu bewegt hatte, mit den Geistern zu verhandeln? Er versuchte sich zu erinnern. Das bereits Gesehene noch einmal zu sehen. Es besser zu verstehen. Zu ergünden, oder herauszufordern? Die Trance und ein leeres Fläschchen Rauschmittel ebneten den Weg zurück...
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