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Fennas Pfad - zwischen Äxten und Blüten
Verfasst: 16 Apr 2024, 12:01
von Fenna Felsenschild
„Ob das jemals funktioniert?“
Fenna saß auf einen Baumstumpf und baumelte mit ihren Beinen. Ihren Stecken neben sich abgelegt, betrachtet sie einige Gesteinsblättchen in der Hand. Sie waren flach gehauen, wie aus Schiefer und beinahe so dünn wie Papier. Ein Kettenglied hielt zu zusammen, damit sie wohl nicht verloren gingen. Runen waren auf den Blättchen niedergeschrieben und das in einer Farbe, die im Sonnenlicht silbern glitzerte.
Sie fuhr mit den Fingern über die Schriftzeichen, die so alt und staubig waren wie ein längst vergessenes Bergwerk. Sie formte die Worte mit ihren Lippen, nickte dann manchmal wie zu sich. Gebete an Grunna. Gebete an ihre Herrin.
Ihre Ankunft in diesen Landen war zu einem holprig, aber auch mit viel Hilfe geschehen. Kratt, ein Bruder ihres Volkes, hatte ihr die ersten wichtige Orte dieser Lande gezeigt und ob er es wusste oder nicht, mit seinen vielen kleinen Hinweisen ihr Leben enorm erleichtert.
Zwar wurde sie zum Teil einer Mission, um die Stadt im Berg für ihr Volk zu gewinnen, die ohne ihre Brüder wohl schrecklich schief gegangen wäre. Aber es war auch ein mutiges Beispiel, dass Grunna sie wohl unbewusst zu wichtigen Ereignissen schickte.
Der fleißige Dawi Angrath, der sich Ihrer annahm, auf der Suche nach Farbe und einen Stecken und natürlich derjenige, der ihr den Reitkäfer Zirix überließ. Der Käfer aß zwar gleich für drei Dawi, aber auch ein echter Freund.
Wie oft hatte Zirix sie schon in Sicherheit davongetragen als:
Ein riesiger, brennender Ameisenmann mit weit aufgeklappten Mandibeln auf sie zustürmte, und dass nur, weil sie von einer Ruinenmauer etwas Gold abgebrochen hatte.
Ein Rudel wilder schwarzer Katzen sie mit einem Happen verwechselte, und das nur, weil sie etwas Wild verscheucht und in Sicherheit gebracht hatte.
Ein kluger, staubig rollender Felsen ihr überall hin folgte und drohte, sie zu zermalmen, und dass nur, weil sie so einen hässlichen, einäugigen Monster, etwas Vorräte abgeluchst hatte.
Der alte Mensch der Natur, Radesvald, hatte ihr Eigenheiten der Elementarmonster der Vulkanebene näher gebracht und ihr gezeigt, wie er mit diesen düster-magischen Gefahren umging. Nun lag es an ihr, diese alten Runen besser zu verstehen und für ihre Brüder und Schwestern im Berg eine wirkliche Hilfe zu werden.
Re: Fennas Pfad - zwischen Äxten und Blüten
Verfasst: 30 Mai 2024, 23:02
von Fenna Felsenschild
Der Verteidiger aus dem Eis
Eisiger Wind zog über die Küste, die im Schnee an den Bergen lag. Fenna schritt mit ihrem schweren Mantel das Ufer entlang und lauschte dem leisen Säuseln des Windes.
„Hättest du das erwartet?“, fragte sie unbestimmt. Doch niemand war bei ihr.
Das Land war mit weißen und blauen Farben betüpfelt. Die Bäume schwer beladen von dickem Schnee. Ihre Schritte machten kaum ein Geräusch, während sie ihren Pfad zurück verfolgte.
Vor wenigen Stunden hatte sie Nagron verabschiedet, mit dem sie ein sonderbares Erlebnis geteilt hatte. Sie war einer Vision im Traum gefolgt und hatte ihn gebeten, sie zu begleiten. Er hatte nicht gewusst, warum sie zu den Frost Ogern ging. Es war schließlich nur ein Traum, der verschwommen von dieser Ebene vor den Bergen handelte. Doch er war bereitwillig gefolgt, wie der namenlose Begleiter in ihrem Traum.
Sie und ein Wolf, an den Ufern der verschneiten Küste. Oder waren es sogar zwei Wölfe? Warum konnte sie sich nur nicht erinnern?
„Wolltest du, dass ich dich finde?“, fragte sie wieder, als sie den Ort erreichte, an dem sie sich mit dem Ritual an Grunna gewandt hatte. Grunna, edle Erdmutter. Wächterin des Gleichgewichts zwischen feurigen Zorn Kazaks und dem freundlichem Boden.
Sie und Nagron hatten sich der Gefahr gestellt. Frost-Oger.
Wilde und zornige Monstren. Und in einem Moment der Pause, der Stille, griff sie plötzlich ein weißer Wolf an.
„Genauso wie im Traum“, sinnierte sie.
Nagron konnte den Wolf direkt abwehren, und etwas später, betrauern, indem er ihn mit Efeublättern bedeckte.
Doch Fenna spürte, dass hier mehr am Werk wahr.
Weitere Frost-Oger näherten sich. Angelockt von ihren Worten.
Sie bat Nagron, sie für eine kleine Weile zu verteidigen, während sie ein Ritual vollführte. Während im Hintergrund seine Klinge klirrte, übergab sie den jungen, gestorbenen Körper des Wolfes der Erde. Wurzeln reckten sich nach ihm.
Sie sprach alte Worte, alte Runen von Grunna, die ein Echo des Wolfes von seinem Körper trennen. Ein Seelenbegleiter. In einer Art geisterhaften Licht erschien der Körper des Wolfes erneut. Gut sichbar, als wäre er tatsächlich lebendig.
„Du bist Loxox, der Verteidiger aus dem Eis.“
Kurz darauf erfasste die Kreatur ein Windstoß und zerstreute sie, wie eine Figur aus Nebelschwaden.
Was Nagron davon hielt? Sie war froh, dass er diese Situation sehr gefasst aufgenommen hatte. Ihr war es ein wenig unangenehm gewesen, ihn hineinzuziehen, und gleichzeitig war sie froh, es nicht alleine erlebt zu haben.
„Hättest du das erwartet?“, fragte sie. Aus einem bestimmten Winkel betrachtet, sah man, dass im Zwielicht einer verschneiten Tanne, dort, wo die Sonne nicht den Schnee glitzern ließ, ihr etwas folgte.
Der Umriss eines weißen Wolfes war kurz zu sehen gewesen, oder hatte man es sich doch nur eingebildet?
Was immer sie auch erlebt hatte, oder welche Bedeutung das auch hatte. Ihre Göttin Grunna hatte ihr etwas mehr Vertrauen entgegen gebracht, dem war sie sich sicher.
Re: Fennas Pfad - zwischen Äxten und Blüten
Verfasst: 16 Aug 2024, 08:16
von Fenna Felsenschild
Macht erblüht langsam, wie ein Gewächs im Dämmerlicht
Fenna hinterließ tiefe Fußabdrücke im Schnee, während der eisige Wind über ihre Kutte blies. Die letzten Monate waren ereignisreich und gleichzeitig auch zäh gewesen. Sie war praktisch veranlagt, wie alle Zwerge ihres Volkes. Dieses ständige Lernen über die Zusammenhänge des Lebens, über die Verbundenheit von Fels und Wald. Sie verstand diese Dinge intuitiv, so wie sie es in dem Klostergebäude des Klerus Grunnas gelernt hatte, doch konnte sie es nur schwer zu Papier bringen.
„Das wird schon“, sagte sie sich selbst, während sie durch die verschneite Landschaft stapfte. Das Volk aus dem Norden hatte sich ein Dorf erschlossen, gleich hinter den gefährlichen Felsen der Vogelfrauen.
Sie hielt inne, als sie die ersten unheilvollen Rufe der Bestien hörte.
„Ruuuaaattthh“, schrie eine der Harphien. Fenna glaubte, die Bedeutung inzwischen entschlüsselt zu haben. Die Späher des Harphienvolkes riefen das, es bedeutete so etwas wie „Warmes Fleisch!“.
Ein bisschen wie der warnende Ruf eines Eichelhähers, nur dass die Harphienschwestern gleich zum Verspeisen eingeladen wurden.
Bald würde sie sich an ihnen vorbei schleichen, um das Nordvolk besuchen. Sie wollte bei all den Spitzohren nicht am Treffen teilnehmen – trotzdem arbeiteten sie zusammen.
Fenna trat seitlich an das zugefrorene Ufer. Sie hatte sich in den Norden zurückgezogen, seitdem die Wälder hinter dem Dschungel solch massive Schäden genommen hatten. Mit der Gabe Grunnas hatte sie zumindest etwas versucht, den Wachstum zu beschleunigen – aber die Spitzohren, und auch bewaffnete Orks, rannten durch diese Gefilde, wie besessen, einen Schuldigen zu finden. Sie hatte ja die Spitzohren aus dem Unterreich in Verdacht, aber wer wusste das schon? Ihr war es dann zu gefährlich gewesen.
Sie hielt sich daher an Nagron und Radesvald. Offenbar planten sie eine Hochzeit – nein, nicht untereinander, kam es ihr kichernd in den Sinn. Die Babys von den beiden hätten sicher einen Bart – nein, Nagrons Hochzeit. Aber viel wichtiger war, dass sie einen Zirkel, der die Natur schützte, etablieren wollten. Etwas, dass sie gerne unterstützen wollte.
Außerdem wollte sie gern Dawi Angrath besuchen. Sie wusste noch, wie er sich ins Zeug legte, um ihr vor Monaten einen Wanderstab anzufertigen. Dieser Stab, war mit einem wirklich sehr unheimlichen, und wahrscheinlich geheimen Ritual, von dem Mantelmann Radesvald, zu einem Gegenstand gewisser Macht aufgestiegen. Sie packte den Stab, drehte ihn in der Hand. „Unzerstörbar“, lachte sie leise.
Sie würde sich so gut es ging wieder ihren Expeditionen anschließen. Denn Macht wuchs nur langsam, wie eine Pflanze zwischen moosigen Felsen.
Re: Fennas Pfad - zwischen Äxten und Blüten
Verfasst: 23 Jul 2025, 19:16
von Fenna Felsenschild
Zeit war vergangen. Für Menschen? Viel Zeit.
Für Zwerginnen? Kaum nennenswert. Und doch hatte sich Fennas Leben grundlegend verändert.
Sie hob ihre Hand an ein Schiefertäfelchen. Zahlreich hingen sie an einem schweren Goldreif. Seltsame Runen waren darin eingraviert. Erinnerungen. Gebete. Wünsche. Mit der anderen Hand drehte sie etwas die Finger.
Der Felsen vor ihr gab ein knirschendes Geräusch von sich.
Ein Felsen, nicht stumm, sondern leise grollend, als hätte er eine Botschaft für sie.
In ihren grünen Augen funkelte es kurz auf, als sie die Konzentration verlor.
Es funktionierte nicht. Oder sie verstand nicht, was der Fels ihr sagen wollte.
Konnte der Fels ihr etwas sagen? Hatte er ihr etwas zu sagen?
Erneut streckte sie die Hand aus. Die knirschende Reaktion? Verhaltener. Enttäuschter.
Felsen waren manchmal wie ein empfindliches Pflänzchen. Wer das nicht glaubte, sollte sich mit einem Bergmann unterhalten, dessen Stollen von einer Wasserader geflutet wurde.
Felsen waren geduldig. Je nachdem wie sehr das Blut der Erde in ihnen brodelte, konnten sie aber auch entsetzliche Gegner werden.
Fenna seufzte. Hob den Kopf und sah zur Abenddämmerung. Der Wind brachte kühle Luft von der nahen Oase mit sich. Die Wüste vor Solgard würde sich schon bald abkühlen.
»Graaaaaben ... Heeerrin?«, donnerte eine Stimme hinter ihr. Fenna zuckte zusammen. Der Eisengolem ließ seinen Blick aus schwach funkelnden Augen über die Felsen gleiten. Es sah so aus, als suchte er nach Feinden. Nach Gefahren. Nach jemanden, den er zerstampfen konnte.
Die Gedanken dieser Golems waren fahrig. Sie konnte sie nur über eine Verbindung über Grunna Segen greifen. Aber sie war kein Magier, sondern vom Klerus. Es war ein bisschen, als würde man einen Heuballen auf einen Hügel anschubsen und hoffen, dass er am richtigen Ort einschlug.
Hatte sie so etwas schon einmal gemacht?
Vielleicht.
Ein kleines Dawimädchen in der Nähe eines Menschendorfes.
Freunde unter den Menschen verschwanden schnell, andere blieben und gewannen bedeutend an Macht und Einflussnahme. Es fiel ihr schwer mitzuhalten, wie ihre Gedanken und Ideen herumflogen. Eprahem. Es kam ihr wie gestern vor, als sie gemeinsam mit Alaric Dunkelmoor vor den Ameisenkriegern flohen. Jetzt flohen mächtige Kreaturen vor den beiden, während letzter genannter in verbotenen Landstrich verloren ging.
Hörensagen aus Nebelhafen.
Die Strukturen innerhalb der Dawi änderten sich dagegen nur langsam. Die Stadt gedieh langsam, aber sie war viel zu selten dort. Seit ein paar Tagen gab es offenbar Probleme in der Untertagewelt.
»Graaaben ... Heeerrin?«, grollte es erneut. Sie drehte sich zu dem Ungetüm um. Geduldig war er ja. Das mochte sie. Hatte sie ihm gerade für eine halbe Weile nicht geantwortet?
»Ich danke dir, aber es wird Zeit zu gehen. Bevor dich noch jemand sieht.«
Die Silhouette des Golems zerfaserte und glitzernder Staub fiel langsam zu Boden.
Re: Fennas Pfad - zwischen Äxten und Blüten
Verfasst: 06 Aug 2025, 20:49
von Fenna Felsenschild
Wieder die Wüste. Warmer Wind trug feinen Sand heran, der sich in ihrem roten Haar verfing. Fenna seufzte, schaute kurz hinter sich zum Golem, der mit quietschendem Geräusch den Kopf drehte.
»Wir ... sind ... sicher...«, raunte er nur.
Fenna prüfte mit ihren Stab das Felsgestein, welches die Wüste eingrenzte. Wenn sie den Stab auflegte, konnte sie manchmal ein Fragment, einen eingefrorenen Gedanken des Felsens aufgreifen. Das war dann ein verzerrtes Bild einer Szenerie. Die meist keinen bestimmten Zeitpunkt hatten. Ein verzerrtes Bild von einer Gazelle, die verendete, und deren Hufe im letzten Augenblick ihres Lebens den Fels berührt hatten.
Oder auch der Kopf eines längst vergessenen Feindes.
Oder die Körper Liebender.
Fenna löste den Stab, und schüttelte sich. Alles musste man sich ja nicht ansehen.
»Niemand ... hier«, raunte der Golem erneut. Es schien beinahe, als wäre er enttäuscht.
Sie sah kurz zum Riesen hinüber.
Sie hatte sich Radesvald anvertraut. Das ihre Golems nicht vollständig auf sie hörten, lag zum einen in ihrer Natur. Zum anderen daran, wie sie diese erschuf. Ein Wille ihrer Göttin und ein Fragment aus der Natur. Hinzu kam, die Umgebung, welche Auswirkung auf ihr Gemüt hatte. Und auch sie selbst. Ihre Unsicherheiten könnten sich auch auf die erschaffene Kreatur übertragen.
Es gab einfach so viel zu beachten. Aber die eisernen Riesen gaben ihr Sicherheit, wenn sie alleine gefährliches Terrain erkundete.
Wenn es ihr in einer fernen Zukunft gelang, einen Erdgeist für sich zu gewinnen. Vielleicht in Form eines kleineren Erdgolems, dann wäre es sicherlich leichter.
Vor ein paar Wochen war sie mit einer Kämpferin bei den Ameisenhügeln unterwegs gewesen. Sie konnte es sich nicht erklären, aber ihrem Gefühl nach, hatten die gefährlichen Insekten ein wenig ihr Verhalten verändert.
Sie reagierten auf eine Gefahr. Und das waren nicht die Menschen, Elfen, oder Zwerge, die sie jagten. Nein sie regierten auf etwas in der Erde. An dem Ort, an den sie sich eigentlich sicher fühlen sollten, in den engen Tunneln unter der Erde. Dort ging offenbar etwas vor sich. Nur die Ameisenkreaturen wussten, wie tief ihre Tunnel in die Erde reichten.
Als Klerikerin Grunnas war sie seltener unter Tage als ihre Brüder und Schwestern. Aber vielleicht, war es Zeit, sich einmal dort umzusehen.
Sie hatte von der Beisetzung eines Bruders gehört, und es hatte sie traurig gestimmt. Wer weiß, wie viele Dutzend Jahrzehnte er noch vor sich gehabt hätte, wäre er im Tunnel anders abgebogen.