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Reise ins Ungewisse

Verfasst: 09 Jan 2026, 12:02
von Van De Mork
Am Abend vor der Reise

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Der Abend senkte sich langsam über Solgard, als Van die Fensterläden seiner Unterkunft schloss. Die letzten Strahlen der Sonne blieben noch einen Augenblick auf den Kanten der Möbel liegen, als wollten sie sich weigern zu gehen, bevor schließlich das warme Flackern der Kerzen den Raum erfüllte. Der Duft von Wachs, Pergament und getrockneten Kräutern lag in der Luft. Auf dem Tisch waren seine Vorbereitungen ausgebreitet, ordentlich und ohne Hast angeordnet. Stoffbeutel lagen gefaltet nebeneinander, Phiolen standen in einer Reihe, jedes Glas war beschriftet und sicher verschlossen. Daneben das Ersatzgewand, fest zusammengerollt. Es würde sicher bald gebraucht. Van ging die Vorräte noch einmal durch. Getrocknetes Brot, Hartkäse und gepökeltes Fleisch, schlicht aber haltbar. Keine Speisen für Genuss, sondern für Ausdauer. Daneben Salz, einfache Heilmittel und frische Kerzendochte. Dinge ohne Schönheit, aber mit verlässlichem Wert. Dinge, die auf See nicht auffielen, bis man sie dringend brauchte. Sein Blick blieb an einem kleinen Lederbeutel hängen. Darin lagen die Reagenzien. Es war keine große Menge, aber bewusst gewählt. 
 
Er setzte sich an den Tisch, das Holz gab leise nach unter seinem Gewicht. Während er dort saß, ließ er den Blick durch den Raum schweifen. Morgen würde er Solgard verlassen. Die schönen Straßen, die wehenden Banner der Gläubigen, das regelmäßige Läuten der Glocken, das selbst der Dunkelheit eine Ordnung gab. All das würde bald hinter ihm liegen. An seine Stelle würden das Knarren von Planken treten, der salzige Geruch des Meeres und das stetige Rollen der Wellen. Was ihn erwarten mochte, ließ sich nicht greifen. Die Ophidianer galten als fremd, nicht nur in ihrem Äußeren, scheinbar auch in ihrer Art zu denken. Er erhob sich und trat zum Regal. Dort lag ein schlichter Lederriemen mit einem kleinen Amulett. Es war unauffällig, alt und vertraut. Ein Artefakt … Van nahm es kurz in die Hand, spürte das kühle Material und betrachtete den Stein in der Mitte. Dann legte er es um den Hals. Es war gut, etwas bei sich zu haben, das nichts verlangte und nur gab. Von draußen drangen gedämpfte Geräusche herein. Schritte auf dem Pflaster, entferntes Lachen, das Anschlagen eines Fensterladens im Wind. Solgard lebte weiter, ohne innezuhalten, ohne Rücksicht auf die Reise eines einzelnen Magiers.
 
Van ließ die Kerzen noch eine Weile brennen. Das Licht warf ruhige, lange Schatten an die Wände und ließ den Raum größer wirken, als er war. Dies war kein Abschied voller Worte. Es war ein stilles Anerkennen dessen, dass jeder bewusst gewählte Weg Spuren hinterließ. Als die Kerze schließlich niedergebrannt war, legte er sich zur Ruhe. Der Raum lag im Halbdunkel, nur das fahle Licht des Mondes fiel durch einen schmalen Spalt zwischen den Läden und zeichnete helle Linien auf den Boden. Der Rucksack stand neben der Tür, sichtbar selbst aus dem Bett heraus. Der Schlaf kam, aber er blieb flach und unruhig. Bilder tauchten auf und zerfielen wieder. Wasser ohne Ufer … endloses, Bewegungen ohne klare Form … und Stimmen … die keine Worte trugen.

Ein Geräusch ließ ihn aufschrecken. Holz arbeitete im Wind, irgendwo im Gebäude knarrte es leise. Van hielt den Atem an und lauschte, bis die Stille zurückkehrte. Die Nacht von Solgard hatte ihren eigenen Rhythmus, und er war Teil davon. Er schlief wieder ein, nur um später erneut aufzuwachen, als das gedämpfte Läuten einer Glocke durch die Dunkelheit drang. Fern und kaum greifbar, vielleicht ein Nachtgebet, vielleicht eine Wache. Die Zeit ließ sich nicht zählen, nur fühlen. Der Wind nahm zu und strich durch die Gassen. Ein Fensterladen schlug an, einmal, dann noch einmal. Van öffnete kurz die Augen. Der Mond war weitergezogen, die Schatten im Raum hatten ihre Plätze gewechselt. Gedanken kamen, leise und ungeordnet.

Das Schiff. Das Meer. Die Ophidianer. Bewegungen, die nicht menschlich waren. Stimmen mit fremder Klangfarbe. Er ließ die Bilder kommen und gehen, ohne sie festzuhalten. Der Schlaf kehrte schließlich zurück, tiefer und ruhiger. Als Van erwachte, lag noch immer Nacht über Solgard, doch sie fühlte sich leichter an, als hätte sie getan, was sie sollte. Der kommende Tag war noch unsichtbar, aber nah. Er blieb einen Moment liegen und atmete ruhig.

Dann wusste er: Es war Zeit.

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Re: Am Abend vor der Reise

Verfasst: 09 Jan 2026, 18:34
von Van De Mork
Am Morgen danach...


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Der Morgen kam leise über Solgard. Zuerst war es nur ein Wechsel im Licht, kaum wahrnehmbar. Das fahle Grau der Nacht wich langsam einem kühleren Blau, das durch den Spalt der Fensterläden fiel. Van öffnete die Augen, noch bevor die Stadt erwachte, und blieb einen Moment liegen. Die Geräusche hatten sich verändert. Weniger Wind. Mehr Ruhe. Als würde Solgard kurz innehalten. Er richtete sich auf und setzte die Füße auf den Boden. Die Kühle kroch durch die Sohlen, war aber klar und belebend. Der Rucksack stand noch immer neben der Tür. Unverändert. Bereit... sagte er zu sich selbst.

Van zog sich an und öffnete schließlich die Fensterläden. Frische Morgenluft strömte herein. Sie roch nach Stein, nach Tau, nach einem neuen Tag. Der Vormittag verging mit Wegen durch die Stadt. Van bewegte sich durch bekannte Straßen, vorbei an Werkstätten und Lagern, an Ständen, die gerade erst öffneten. Händler rollten Planen zurück, Stimmen wurden lauter, das Leben kehrte zurück. Er sammelte, was er für die Reise vorgesehen hatte. Rohstoffe, sorgfältig ausgewählt. Erden, Kristalle, gebündelte Kräuter, Stoffe und Leder. Nichts Überflüssiges. Aber genug, um vorbereitet zu sein. Die Kisten wurden schwerer mit jedem Gang. Holz knarrte, als sie geschlossen wurden. Sie trugen keine Zeichen von Eile, nur von Zweck. Van ließ sie zum Hafen bringen, eine nach der anderen. Jede fand ihren Platz an Bord. Verstaut, gesichert, bereit für das Meer.
 
Die Stunden flossen dahin. Mittagslicht lag warm auf den Dächern Solgards, später wurde es weicher, länger. Schatten wanderten über Mauern und Plätze. Van aß wenig, trank ausreichend und ruhte sich kurz aus, als der Tag seinen höchsten Punkt überschritten hatte. Gedanken kamen, aber sie drängten sich nicht auf. Alles war bereits entschieden. Am späten Nachmittag kehrte er noch einmal in seine Unterkunft zurück. Er prüfte ein letztes Mal, ob etwas zurückgeblieben war. Der Raum wirkte anders als noch am Vorabend, aber nicht fremd. Er nahm nichts mehr hinzu.

Es war genug. Als er wieder auf die Straße trat, stand die Sonne bereits tiefer. Das Licht färbte die Steine goldener, die Luft war milder. Der Hafen kam ihm nun vertrauter vor, obwohl sich alles auf den Aufbruch ausrichtete. Mitbürger flitzten eilig von Ort zu Ort. Jeder war im Gedanken, scheinbar mit seinen eigenen Vorbereitungen beschäftigt. Lydia kam noch vorbei und wünschte mir alles Gute und sprach mir einen Segen aus. Das empfand ich als sehr aufmerksam und freute mich sehr. Seeleute prüften Taue. Stimmen wurden klarer. Befehle kürzer. Das Schiff lag ruhig im Wasser, als wüsste es, dass seine Zeit nahte.
 
Die zwanzigste Abendstunde rückte näher. Van blieb noch einen Moment am Kai stehen. Die Reisekisten waren verstaut. Alles war vorbereitet. Noch ein Stundenlauf. Zeit genug, um zu atmen. Zeit genug, um die Stadt ein letztes Mal auf sich wirken zu lassen. Solgard lag hinter ihm. Das Meer vor ihm. Er wusste, der nächste Schritt würde ihn forttragen. Doch noch war er hier. Noch hielt der Boden. Noch blieb die Welt, wie sie war.


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Re: Reise ins Ungewisse

Verfasst: 09 Jan 2026, 21:32
von Van De Mork
die Zeit ist da... Es geht Los


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Die Menschen sammelten sich an der Echidna, bereits weit vor der anvisierten 20ten Abendstunde. Die Landungsbrücke war erfüllt von Stimmen und Gemurmel. Das Knarren der Planken und der dumpfe Klang bewegter Kisten. Fackeln und Laternen warfen unruhiges Licht auf Holz und Tauwerk. Die Abendluft war bereits kühl und eine leichte salzige Brise brachte das Meer. Barthor stand nahe der Planke und empfing die Mitreisenden. Streiter gegen die Gefahr, von der noch niemand erahnen mag, wie groß sie ist.  In der Hand hielt er die Listen, die er ruhig und gewissenhaft prüfte. Namen wurden genannt, bestätigt, gestrichen. Anweisungen folgten ohne Hast, aber mit klarer Stimme. Die Passagiere wurden den Schiffen zugeteilt, Wege gewiesen, letzte Fragen beantwortet. Nach kurzer Zeit war die Ordnung hergestellt. Die Echidna lag bereit, flankiert von ihren beiden Begleitschiffen, der Trithemius und der Nenmiah. Gemeinsam bildeten sie einen stillen Verband im Wasser, verbunden durch Zweck und Ziel.
 
Dann trat der König vor. Seine Worte trugen über das Deck, getragen von der Stille der Zuhörenden. Er sprach von Pflicht und Zusammenhalt, von Solgard und seinen Bürgern, von den Verbündeten des Reiches. Alle machten diese Reise möglich. Kein langer Vortrag, sondern eine klare Ansprache. Anerkennend und den Zusammenhalt festigend. Ich hörte zu, ohne jedes Wort festzuhalten. Der Ton genügte. Währenddessen herrschte an Bord bereits reges Treiben, was ich nebenher genau beobachtete. Matrosen bewegten sich routiniert über das Deck. Taue wurden geprüft und gesichert. Segel gelöst und bereit gemacht. Planken eingezogen. Jeder Handgriff saß, jeder Schritt hatte seinen Platz. Das Schiff begann zu leben, noch bevor es sich bewegte.
 
Am Heck auf dem Steuerdeck hatte die Priesterschaft einen kleinen geweihten Ort eingerichtet. Die Geistlichen sammelten sich zum Gebet, Stimmen senkten sich, Worte wurden leiser. Für einen Moment schien der Lärm des Hafens weiter entfernt. Van zog sich zurück, suchte seinen Platz an Bord. Im Unterdeck fand er eine Kajüte, schlicht, aber überraschend komfortabel. Zwei Hängematten hingen übereinander. Alles war sauber befestigt und hatte seinen Charme. Wenig Raum, aber ausreichend. Bald darauf traf Radesvald ein. Ein kurzes Wort, ein knappes Nicken. Ohne viele Worte war klar, dass sie sich die Kajüte teilen würden. Ich legte meine Sachen ab und ließ den Raum auf mich wirken. Holz, leicht nach Salz riechend. Gedämpftes Licht. Das leise Arbeiten des Schiffes unter den Füßen. Ich legte mich auf die obere Matte und ließ den Tag ausklingen. Das Treiben auf dem Oberdeck klang rhythmisch und das Schiff knarzte, Die Planken schienen die Last der Arbeit im Gespräch wiederzugeben.
 
Wir waren unterwegs und Solgard blieb zurück.

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Re: Reise ins Ungewisse

Verfasst: 10 Jan 2026, 14:39
von Van De Mork
Die erste Nacht an Bord kam ohne Ankündigung.

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Kein klarer Übergang, kein Moment des Innehaltens. Die Echidna hatte Solgard bereits hinter sich gelassen, als das Licht an Deck schwächer wurde und der Himmel sich verdunkelte. Die Küstenlichter verschwanden eines nach dem anderen, bis nur noch das gleichmäßige Atmen des Meeres blieb. Der Schein des Leuchtturmes zeichnete sich rhythmisch durch das kleine Luk zur Kajüte ab, wurde aber zunehmend schwächer. Im Unterdeck war es ruhig, aber nicht still. Das Schiff arbeitete unaufhörlich. Holz dehnte sich, Seile spannten sich, irgendwo klang das leise Klopfen einer Welle gegen den Rumpf. Van lag in seiner Hängematte und ließ sich vom Rhythmus tragen. Es war kein Schlaf, wie er ihn von festen Mauern kannte. Mehr ein Treiben zwischen Wachsein und Ruhe. Radesvald war bereits eingeschlafen. Sein Atem ging ruhig und gleichmäßig. Van hörte ihm eine Weile zu, dann verlor sich sein Blick im schwachen Licht der Laterne, die gedämpft durch den Gang fiel. Gedanken kamen, aber sie drängten sich nicht auf. Das Meer nahm ihnen die Schärfe, es war neu. Ein leiser Ruf von oben war zu vernehmen. Schritte auf dem Deck. Dann wieder nur das seichte Schaukeln des Schiffes. Die Nacht auf See war anders, irgendwie tiefer und weiter. Sie hatte keine Ränder und keinen Halt. Van schlief schließlich ein.

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 Er wachte kurz auf, als eine stärkere Bewegung durch das Schiff ging. Vielleicht eine Welle. Vielleicht eine Kurskorrektur. Er lauschte angestrengt, erkannte aber nichts Bedrohliches und ließ sich wieder sinken. Der Schlaf kam nun fester und gleichmäßiger. Als er erneut die Augen öffnete, hatte sich das Licht verändert. Ein fahler Schimmer drang durch die Luken. Der Morgen kündigte sich an, noch vorsichtig, noch kühl. Das Schiff lag ruhiger im Wasser, mit gewohnt gleichmäßigem Rhythmus. Van löste sich aus der Hängematte und machte sich frisch, bevor er an Deck trat. Die Luft war frisch und klar. Das Meer lag offen vor ihnen, weit und ohne sichtbares Ende. Die Sonne stieg langsam aus dem Horizont, färbte Wasser und Himmel in gedämpften Farben. Kein Hafen … Kein Land … Nur Bewegung. Einige Matrosen waren bereits bei der Arbeit. Leise Stimmen, geübte Handgriffe. Der Tag begann, wie er sollte. Unaufgeregt. Zielgerichtet. Van lehnte sich an die Reling und ließ den Blick schweifen. Die Echidna glitt stetig voran. Die Begleitschiffe waren als dunkle Formen in versetzter Position achtern auszumachen. Alles war in Bewegung, und doch wirkte nichts hastig. Für einen Moment schloss er die Augen. Das Meer unter ihm. Der Himmel über ihm. Der Weg vor ihm. Die Reise hatte begonnen.


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Re: Reise ins Ungewisse

Verfasst: 10 Jan 2026, 22:15
von Van De Mork
Der Tag entfaltete sich ruhig auf der Echidna.

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Nach dem einfachen Frühstück, welches mehr der Gewohnheit als dem Genuss diente, begann das Schiff seinen gleichmäßigen Tagesrhythmus. Es gab keinen sichtbaren Anfang und kein klares Ende der Arbeiten an Bord. Alles ging irgendwie ineinander über. Van bewegte sich über das Deck mit keinem klaren Ziel, er schlenderte einfach umher. Er ließ den Blick wandern, nahm das Schiff in sich auf. Die Planken waren vom Salz stumpf geworden, doch sie wirkten gepflegt. Taue lagen sauber aufgerollt. Irgendwie schien nichts dem Zufall überlassen. Die Matrosen arbeiteten ruhig und konzentriert. Einer prüfte die Spannung der Segel, ein anderer war mit dem Ausbessern eines Seils beschäftigt. Kurze Worte wurden gewechselt. Manche zeigten einfach kurze Gesten, diese schienen aber zu genügen. Ein jeder hier wusste, was zu tun war.

Van folgte einem der Niedergänge und erkundete das Schiff weiter. Den Laderaum ... die Mannschaftsquartiere ... schmale Gänge, in denen sich Stimmen und Schritte vermischten. Überall war Bewegung, doch sie blieb kontrolliert. Die Echidna war kein Ort der Hast, sondern der stetigen Wiederholung. Später trat er wieder an Deck und blickte hinüber zu den Begleitschiffen. Die Trithemius und die Nenamiah hielten Kurs, als wären sie fest mit der Echidna verbunden. Schlanke Rümpfe mit niedrigem Aufbau lagen sie neben uns. Wie ein Hund, der am Fuß läuft … Wendig und wachsam hielten sie Fahrt. Auch dort war reges Treiben zu erkennen. Scheinbar wurden die Segel nachjustiert. Ein Ausguck hielt mit Rufen zum Rudergäner die Positionen immer gleich. Die Seewelpenklasse zeigte ihre Stärke nicht durch Größe, sondern durch Verlässlichkeit. Der Tag verging ohne besondere Vorkommnisse. Gespräche entstanden und endeten wieder. Van hörte zu, sprach wenig und merkte, wie sich langsam ein Gefühl für das Leben an Bord einstellte. Das Schiff wurde vertrauter, nicht durch Besitz, sondern durch seine schiere Präsenz. 
 
Als der Abend in vollen Zügen eingeläutet war, sammelten sich Besatzung und Passagiere an Deck. Barthor trat vor und hielt die Messe ab. Seine Stimme war klar, getragen vom Wind und der offenen Weite des Meeres. Er dankte allen Begleitern für ihren Dienst und ihre Bereitschaft, dem Bösen entgegenzutreten. Dann sprach er von den Gefahren, die vor allen Anwesenden lagen. Von der Verantwortung und von Wachsamkeit, die immer vorherrschen soll. Klare und ehrliche Worte vom Leben und vom Tod. Ba’thal sprach im Anschluss, ruhig und bestimmt. Seine Rede war kurz, doch sie trug einiges an Gewicht. Er erinnerte an die Aufgaben, die alle hier verbanden und an die Bedeutung was vor ihnen lag. Auch die Stadthalterin Tonya richtete einige Worte an die Versammelten. Sie sprach von Vertrauen, das uns Menschen entgegengebracht wird. Auch von Zusammenhalt und davon, dass Solgard hinter ihnen stand. Gleichwohl diese unsere schöne Stadt längst außer Sicht geraten war. Nach dem offiziellen Teil löste sich die Versammlung langsam auf.

Stimmen wurden wieder lauter, Gruppen bildeten sich. Van nutzte die Gelegenheit und trat zu Ba’thal und seiner Gruppe von den Bewahrern. Van erwähnte die Zeitschrift der Gilde, die er ins Leben gerufen hatte, Nicht ganz uneigennützig sprach Van davon, dass Berichte aus allen Teilen der Welt willkommen seien. Erfahrungen, Beobachtungen, Gedanken. Alles hatte seinen Wert. Ba’thal hörte aufmerksam zu, stellte Fragen um dann wiederum verständnisvoll beizupflichten. Das Gespräch blieb sachlich, aber offen. Als die Nacht das Meer dunkel färbte, zog Van sich zurück. Er stieg hinab ins Unterdeck und erreichte die Kajüte, die er sich mit Radesvald teilte. Der Raum wirkte nun vertrauter als am Vorabend. Er legte seine Sachen ab, setzte sich einen Moment und lauschte dem leisen Arbeiten des Schiffes.
 
Der erste volle Tag auf See war vorüber. Die Reise hatte ihren eigenen Takt gefunden.


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Re: Reise ins Ungewisse

Verfasst: 11 Jan 2026, 22:58
von Van De Mork
Ein neuer Tag erwacht

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Van schlief tief in dieser Nacht. Kein unruhiges Treiben, keine flüchtigen Bilder. Das gleichmäßige Schaukeln der Echidna hatte seinen Geist getragen, bis Gedanken und Wachsamkeit gleichermaßen losließen. Als er erwachte, fühlte er sich sehr erholt und ausgeruht. Von oben drangen bereits Geräusche herab. Schritte auf den Planken, wirres Gemurmel im Zusammenspiel mit dem Knarren von Tauwerk. Der Tag war längst in Bewegung. Van löste sich aus der Hängematte und blickte zur unteren. Sie war leer. Radesvald war offenbar schon auf und nicht mehr in der Kajüte. Er wusch sich gründlich. Das Wasser war kühl und half, die letzten Spuren der Nacht abzulegen. Danach zog er frische Kleidung an und ordnete seine Sachen. Erst dann verließ er die Kajüte mit leisen, ja schon fast schleichenden Schritten. An Deck lag bereits volles Tageslicht. Die Sonne stand hoch genug, um Segel und Planken hell zu zeichnen. Seine Augen brauchten einen Moment, sich daran zu gewöhnen. Wie am Tag zuvor waren die Matrosen mit ihren Arbeiten beschäftigt. Gewohnt ruhig und eingespielt, wie ich anerkennend feststellen musste. Das Schiff lebte, ohne laut zu sein und wankte sich durch die See. 

Van hielt sich zunächst im Hintergrund, ließ den Blick über das offene Meer schweifen. Später kam er ins Gespräch. Es waren ungezwungene Unterhaltungen mit anderen Mitreisenden. Worte über die Reise, über das Meer, über Erwartungen. Manche erzählten von früheren Fahrten, andere hörten nur zu. Der Tag verging gleichmäßig. Zwischendurch zog Van sich zurück, stand an der Reling oder suchte schattige Stellen an Deck. Er beobachtete das Spiel von Licht und Wasser, das stetige Gleiten der Echidna durch die Wellen. An den Seiten hielten die Begleitschiffe Kurs, vertraute Formen im wechselnden Licht. Am Nachmittag wurde die Luft wärmer, ohne schwer zu werden. Gespräche ebbten ab, flammten wieder auf. Lachen mischte sich unter das Arbeiten der Matrosen. Das Schiff trug all das im Fort ohne sich daran zu stören. Als der Tag sich dem Abend neigte, veränderte sich das Licht. Die Sonne stand tiefer, Farben wurden irgendwie weicher und die Schatten länger. Die Arbeiten an Deck wurden weniger, Bewegungen langsamer. Van spürte eine ruhige Wachheit. Der Tag hatte ihn nicht erschöpft, sondern in unzähligen Miteinander getragen. Er blieb an Deck, während der Abend näherkam.

Die Echidna glitt weiter über das Meer, stetig und unbeirrbar.


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Re: Reise ins Ungewisse

Verfasst: 11 Jan 2026, 23:26
von Van De Mork
Seemannsgarn oder Wirklichkeit

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Der Abend legte sich ruhig über die Echidna. An Deck hatten sich kleine Grüppchen gebildet. Am Bug standen einige beisammen, sprachen leise und blickten hinaus auf das dunkler werdende Meer. Auf dem Mitteldeck saßen andere auf Kisten oder an der Reling, einfache Gespräche, gelegentliches Lachen. Auch am Achterdeck hatte sich Leben gesammelt. Kein festes Programm ohne Zwang, nur gemeinsames Unterwegssein. Van hielt sich eine Zeit lang am Bug auf. Die Stimmen um ihn herum mischten sich mit dem Rauschen der Wellen. Gespräche entstanden und endeten wieder. Der Abend war mild und das Meer ruhig. Dann kam der Schlag... Dumpf und schwer traf etwas den Rumpf der Echidna. Das Schiff erzitterte spürbar. Gespräche brachen ab, Köpfe hoben sich. Für einen Augenblick herrschte Stille doch dann rege Bewegung. Stimmen wurden lauter. Jemand rief etwas vom Mitteldeck. Sofort wurde das Unterdeck überprüft. Die Vermutung lag nahe, dass sich eine Kanone gelöst hatte.

Doch alles war an seinem Platz. Keine verrutschten Güter oder Waffen. Keine Schäden zu entdecken. Kaum war diese Entwarnung ausgesprochen, folgte der nächste Einschlag. Härter und deutlicher als zuvor. Ein Schatten glitt durch das Wasser an Backbord. Groß und unnatürlich lang. Einen Augenblick später eine Gischt an Steuerbord. Dann brach die Oberfläche auf. Eine gewaltige Seeschlange tauchte auf. Ihr Leib wand sich neben dem Schiff, Wasser peitschte hoch. Rufe ertönten. Befehle wurden gegeben, hastiges Treiben entstand. Magier traten vor und schleuderten Feuer auf das Tier, das nun deutlich an Steuerbord zu sehen war. Flammen zischten auf die nasse und schuppige Haut. Vereinzelte Dampfwölkchen stiegen auf. Das Ungeheuer reagierte mit roher Kraft. Es schlug mit seinem Körper gegen das Wasser und ließ es aufwallen. Das Schiff schwankte. Menschen verloren den Halt. Mehrere stürzten über Bord. Schreie durchbrachen den Lärm des Meeres. Sofort wurde ein Beiboot klargemacht. Seile wurden ausgebracht, vor allem am Bug. Hände griffen nach Händen. Stimmen riefen Anweisungen. Trotz der Gefahr blieb die Ordnung bestehen.

Die Seeschlange tauchte erneut auf, dieses Mal viel näher am Rumpf. Es rammte das Schiff und das Holz ächzte, aber hielt stand. Im selben Moment hatte sich unter Deck eine Gruppe formiert. Die Kanonen wurden bemannt. Ohne Zögern feuerten sie eine Breitseite auf das Ungeheuer ab. Der Einschlag zeigte Wirkung. Die Bewegungen der Kreatur wurden langsamer. Ihr Leib verlor an Spannung. Noch einmal wand sie sich, dann glitt sie zurück ins Wasser. Der Schatten entfernte sich, wurde schwächer und verschwand schließlich ganz. Zurück blieb das schwere Atmen der Menschen an Bord. Die Echidna hatte keinen Schaden genommen. Keine Lecks, keine gebrochenen Planken. Einige trugen Platzwunden, Abschürfungen und blaue Flecken.

Die Kanoniere wirkten benommen, das Gehör vom Donner der Geschütze wohl stark beeinträchtigt. Die Überbordgegangenen bibberten am ganzen Körper unter der Kälte. Alle wurden schnell umsorgt und versorgt. Doch niemand war ernsthaft zu Schaden gekommen. Langsam kehrte Ruhe ein. Der Schreck saß scheinbar tief. Nach und nach schien aber dieser nachzulassen. Stimmen wurden wieder leiser. Das Meer nahm erneut seinen gleichmäßigen Rhythmus auf, als sei nichts geschehen. Van zog sich schließlich zurück. In der Kajüte setzte er sich und begann, den Tagesbericht niederzuschreiben. Worte fanden ihren Weg aufs Pergament. Erst sehr stockend, doch dann fließender. Der Rausch des Schreckens ebbte ab und nun kam die Müdigkeit. 

Irgendwann sank seine Hand herab. Der Bericht blieb unvollendet. Van war eingeschlafen.


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Re: Reise ins Ungewisse

Verfasst: 12 Jan 2026, 23:57
von Van De Mork
Der neue Tag begann gedämpft.

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Bereits gestern hatte sich der Nebel angekündigt. Zunächst nur als feiner Schleier über dem Wasser, kaum mehr als ein leises Versprechen von Veränderung. Über die Stunden hinweg war er dichter geworden, hatte Farben verschluckt und Konturen weichgezeichnet. Still und beharrlich irgendwie allgegenwärtig, ein Hauch von Undurchsichtigkeit. Über den Tag hinweg verlor die Welt mehr und mehr an Tiefe. Die Sonne war nur noch ein diffuser und farbloser Fleck am Himmel. Das Meer wirkte glatt und unbewegt, als würde es auch den Atem anhalten. Stimmen trugen einen gedämpften Klang. Am Abend war die Sicht bereits stark eingeschränkt. Die Begleitschiffe ließen sich nur noch erahnen, dunkle Formen im grauen Nichts. Über Nacht verdichtete sich der Schleier weiter, legte sich schwer auf das Wasser und blieb auch im Morgengrauen bestehen. Van wurde von einem klaren, metallischen Klang geweckt.

... Eine Glocke ...

Kurz darauf folgten zwei Schläge aus dem Nebel zur Backbordseite. Dann etwas zeitversetzt, wiederum drei von Steuerbord. Die Antwort kam ruhig und geordnet in immer gleichen Abständen. Offenbar hielt man so Verbindung, wo die Augen versagten. Van richtete sich auf, lauschte noch einen Moment und dann zog er sich an. Gemächlich und fast schon schleichend ging er an Deck.
 
Der Nebel war dichter, als er erwartet hatte. Er stand wie eine Wand um das Schiff. Die Begleitschiffe waren nur noch schemenhaft zu erahnen. Wie dunkle Schatten, die auftauchten und wieder verschwanden. Das Meer und der Himmel gingen ineinander über und keine klare Grenze konnte Van ausmachen. Er beobachtete die Matrosen. Sie arbeiteten, als wäre nichts anders als sonst. Bewegungen waren etwas vorsichtiger und Wege vielleicht genauer. Aber niemand wirkte verunsichert oder gar aufgeregt. Befehle wurden ruhig gegeben, die Glocke erklang in regelmäßigen Abständen. Alles folgte einem eingeübten Ablauf. 

Van begab sich zum Ruderdeck und stellte sich an die Reling. Er blickte über die Echidna, doch der Nebel nahm ihm jede Weitsicht. Selbst die Aufbauten am Bug, wo die Elfen ihren Platz hatten, waren kaum auszumachen. Das Schiff schien allein zu sein, eingeschlossen in einem Grau in Grau. Der Tag verlief still und unaufgeregt. Kaum jemand hielt sich an Deck auf. Die meisten von uns blieben in ihren Kajüten. War es die Suche nach Schutz vor der feuchten Kälte und der Enge der Sicht? Gespräche waren selten. Ab und an gedämpfte Schritte wie ein dumpfes Pochen im Nichts. Das Schiff bewegte sich weiter … stetig und unbeirrbar, geführt von Klang und Erfahrung statt von Blicken. Am späten Nachmittag hatte sich daran noch immer nichts geändert. Der Nebel hielt an, schwer und gleichförmig. Die Glocken erklangen weiterhin in ihrem ruhigen Wechselspiel, ein unsichtbares Band zwischen den Schiffen.
 
Die Echidna glitt weiter durch das Grau. 


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Re: Reise ins Ungewisse

Verfasst: 13 Jan 2026, 00:34
von Van De Mork
Ruhe vor dem Sturm

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Nach dem Abendessen lag noch immer der Nebel um die Echidna. Er wirkte dichter als zuvor, schwer und unbeweglich. Das Schiff glitt durch ihn, geführt von Klängen und Gewohnheiten. Es schien, als habe uns die Welt jenseits des Graus vergessen. Dann kam der Schlag. Kein Aufprall, sondern ein abruptes Ende. Die Echidna glitt aus dem Nebel, als hätte jemand einen Vorhang beiseitegezogen. Das Grau blieb zurück. Scharf begrenzt und wie eine Wand, stand es plötzlich hinter dem Schiff. Vor ihnen lag klare Luft und die Sonne war am untergehen.
 
„Land in Sicht!“
 
Der Ruf des Ausgucks auf der obersten Plattform, durchschnitt die Stille. Für einen Augenblick herrschte Unglauben. Dann erwachte das Schiff. Türen und Vorhänge öffneten sich. Schritte eilten über Planken. Wie Ameisen nach dem Regen strömten die Abenteurer aus ihren Kajüten an Deck. Stimmen überschlugen sich, Finger zeigten nach vorn. Die Insel kam näher. Zunächst nur eine dunkle Linie, dann aber Formen. Mit dem Fernglas ließ sich ein Strand ausmachen, hell gegen das Grün des Dschungels dahinter. Der Kapitän zögerte keinen Moment und gab Befehle weiter. Sichtlich wurde der Kurs angepasst. Die Echidna steuerte direkt auf die Küste zu. Mit der Nähe wurden auch die Ophidianer sichtbar. Viele von ihnen. Sie bewegten sich entlang des Strandes, und sicherten ihn.

 Die Echidna ging quer ab, wohl zum Schutz der Anlandung. Dann donnerte eine Breitseite vom Schiff in Richtung Strand. Der Einschlag riss Lücken in die Reihen am Strand. Körper wurden durch die Luft geschleudert. Zerfetzte Leiber, fortgerissen von Rauch und Sand. Der Widerhall lag noch über dem Wasser, als bereits die nächsten Befehle folgten. Die Abenteurer rüsteten sich und ergriffen die Waffen. Magier sprachen magische Worte und Priester den Segen. Die Gruppe war entschlossen. Landungsboote wurden zu Wasser gelassen. Ohne Zögern bestiegen sie die Boote, einer nach dem anderen. Van folgte ruhig, der Geist scharf.
 
Die Anlandung war hart. Die Boote schrammten über den Sand, noch bevor sie ganz zum Stehen kamen. Die Männer und Frauen sprangen ins flache Wasser und wateten vor. Hier und da ... stolperten sie, um sich sogleich wieder aufzurichten. Kaum hatten die ersten festen Boden unter den Füßen, stürmten die Ophidianer heran. Es war ein Ansturm ohne Zögern. Van betrachtete die Masse und kurz schien ihn der Mut zu verlassen. Aber es gab kein Zurück, nur ein Vorwärts. Meuten von ihnen warfen sich in den Kampf. Kampfschreie hörte man und Waffen klirrten aufeinander. Magie und Feuer schlugen auf Schuppen und Klingen trafen auf Fleisch. Die Ophidianer schienen nicht nachzulassen. Fiel einer, folgte der nächste. Dann noch einer. Es gab kein sichtbares Ende. Der Strand wurde zum Schlachtfeld. Sand färbte sich rot von Blut und Rauch hing in der Luft.

Befehle wurden geschrien, gingen unter, wurden neu gegeben. Van kämpfte, trat zurück. Dann wieder vor und abermals zurück. Zeit verlor ihre Bedeutung. Es gab nur Bewegung und Widerstand. Bis die Dunkelheit kam. Als schließlich kein weiterer Ansturm mehr folgte, atmete die Truppe kurz durch. Die für diesen Augenblick siegreiche Truppe begann, den Strand systematisch zu sichern. Wachposten wurden eingeteilt und das unmittelbare Umland geprüft. Als der Strand offenbar gesichert war, entstand ein Behelfslager. Nur ein schlichtes Zelt, aber zweckmäßig. Verwundete wurden versorgt, Waffen gereinigt, Kräfte gesammelt. Die gefallenen Ophidianer trug man zusammen, häufte sie am Rand des Strandes auf und entzündete sie wie auf einem Scheiterhaufen. Flammen loderten auf, Rauch stieg schwer in den Nachthimmel. Niemand jubelte. Es war getan, weil es getan werden musste. Der Strand war gesichert. Für diesen Moment.

Ruhig und erschöpft ging es in die Nacht


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Re: Reise ins Ungewisse

Verfasst: 13 Jan 2026, 15:26
von Van De Mork
Der nächste Morgen begann anders als die Tage zuvor.

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Nicht mit dem gleichmäßigen Rhythmus des Schiffes und nicht mit Blick auf das offene Wasser. Van erwachte mit dem dumpfen Geräusch von Regen, welches auf das Holz der Deckplanken fiel. Ein beständiges Trommeln, ohne Pausen und ohne Unterlass. Das Lager war bereits wach, doch es wirkte gedämpft, als würde der Regen jedes Geräusch sofort verschlucken. Der Himmel hing tief über dem Strand. Schwere graue Wolken lagen wie eine Decke über der Insel. Der Regen fiel dicht und unaufhörlich. Er bildete schräge Bahnen, vom Wind getrieben. Wasser sammelte sich in Mulden, rann zwischen Steinen hindurch. Dieses Schauspiel verwandelte den Sand in schweren und dunklen Grund. Alles roch nach Nässe, gemischt mit Salz und kalter Erde. Das Lager war inzwischen gut eingerichtet. Mehrere Zelte standen in Reihen, geringem Abstand zueinander. Sie waren durch schmale Wege verbunden. Kisten dienten als Ablagen, Planen als zusätzlicher Schutz. Feuerstellen waren erhöht angelegt, damit sie nicht sofort erloschen. Es war kein komfortabler Ort, aber ein funktionaler, solange es nötig war. Der Vormittag verging mit kleinen Aufgaben. Wachen wurden eingeteilt. Die Ausrüstung geprüft und geölt. Die Vorräte gesichtet und gut verstaut. Gespräche blieben kurz. Der Regen ließ kaum jemanden lange im Freien verweilen.
 
Am Nachmittag zog es Van an den Rand des Lagers. Er nahm eine Angel und setzte sich an eine geschützte Stelle nahe dem Wasser. Der Regen machte keinen Unterschied zwischen Meer und Land. Er fiel gleichmäßig auf alles herab. Van blieb lange dort sitzen, die Gedanken ruhig und fast nachdenklich. Jede Bewegung sparsam und durchdacht. Erst als seine Kleidung schwer und kalt geworden war, kehrte er zurück. Mühsam richtete er sich auf und er war vollständig durchnässt. Später dann, frisch gewaschen und in trockener Kleidung, suchte er den Bugraum auf. Dort hatte man eine Art Aufenthalts- und Essensraum eingerichtet. Der Ofen brannte, doch bei der Kühle und der feuchten Luft mussten immer wieder Holzscheite nachgelegt werden. Das Feuer knisterte leise, spendete Wärme und einen Hauch von Behaglichkeit. Dort traf er auf Alira. Der Katzenmensch hatte sich erst jetzt gezeigt. Van setzte sich zu ihr, und sie kamen ins Gespräch. Er erzählte ruhig, was bisher geschehen war. Vom Nebel. Von der Ankunft und von der Schlacht am Strand. Alira hörte aufmerksam zu, stellte Fragen, ließ ihn ausreden. Das Gespräch zog sich hin, getragen vom gleichmäßigen Prasseln des Regens und der Wärme des Feuers. Am Nachmittag zog Van sich zurück. Er nutzte seine wohlbekannte Kajüte. Er setzte sich nieder und begann, sein Tagebuch weiterzuführen. Worte fanden ihren Platz auf dem Pergament, ruhig und bedacht.
 
Draußen regnete es weiter.


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