Reise ins Ungewisse
Verfasst: 09 Jan 2026, 12:02
Am Abend vor der Reise
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Der Abend senkte sich langsam über Solgard, als Van die Fensterläden seiner Unterkunft schloss. Die letzten Strahlen der Sonne blieben noch einen Augenblick auf den Kanten der Möbel liegen, als wollten sie sich weigern zu gehen, bevor schließlich das warme Flackern der Kerzen den Raum erfüllte. Der Duft von Wachs, Pergament und getrockneten Kräutern lag in der Luft. Auf dem Tisch waren seine Vorbereitungen ausgebreitet, ordentlich und ohne Hast angeordnet. Stoffbeutel lagen gefaltet nebeneinander, Phiolen standen in einer Reihe, jedes Glas war beschriftet und sicher verschlossen. Daneben das Ersatzgewand, fest zusammengerollt. Es würde sicher bald gebraucht. Van ging die Vorräte noch einmal durch. Getrocknetes Brot, Hartkäse und gepökeltes Fleisch, schlicht aber haltbar. Keine Speisen für Genuss, sondern für Ausdauer. Daneben Salz, einfache Heilmittel und frische Kerzendochte. Dinge ohne Schönheit, aber mit verlässlichem Wert. Dinge, die auf See nicht auffielen, bis man sie dringend brauchte. Sein Blick blieb an einem kleinen Lederbeutel hängen. Darin lagen die Reagenzien. Es war keine große Menge, aber bewusst gewählt.
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Der Abend senkte sich langsam über Solgard, als Van die Fensterläden seiner Unterkunft schloss. Die letzten Strahlen der Sonne blieben noch einen Augenblick auf den Kanten der Möbel liegen, als wollten sie sich weigern zu gehen, bevor schließlich das warme Flackern der Kerzen den Raum erfüllte. Der Duft von Wachs, Pergament und getrockneten Kräutern lag in der Luft. Auf dem Tisch waren seine Vorbereitungen ausgebreitet, ordentlich und ohne Hast angeordnet. Stoffbeutel lagen gefaltet nebeneinander, Phiolen standen in einer Reihe, jedes Glas war beschriftet und sicher verschlossen. Daneben das Ersatzgewand, fest zusammengerollt. Es würde sicher bald gebraucht. Van ging die Vorräte noch einmal durch. Getrocknetes Brot, Hartkäse und gepökeltes Fleisch, schlicht aber haltbar. Keine Speisen für Genuss, sondern für Ausdauer. Daneben Salz, einfache Heilmittel und frische Kerzendochte. Dinge ohne Schönheit, aber mit verlässlichem Wert. Dinge, die auf See nicht auffielen, bis man sie dringend brauchte. Sein Blick blieb an einem kleinen Lederbeutel hängen. Darin lagen die Reagenzien. Es war keine große Menge, aber bewusst gewählt.
Er setzte sich an den Tisch, das Holz gab leise nach unter seinem Gewicht. Während er dort saß, ließ er den Blick durch den Raum schweifen. Morgen würde er Solgard verlassen. Die schönen Straßen, die wehenden Banner der Gläubigen, das regelmäßige Läuten der Glocken, das selbst der Dunkelheit eine Ordnung gab. All das würde bald hinter ihm liegen. An seine Stelle würden das Knarren von Planken treten, der salzige Geruch des Meeres und das stetige Rollen der Wellen. Was ihn erwarten mochte, ließ sich nicht greifen. Die Ophidianer galten als fremd, nicht nur in ihrem Äußeren, scheinbar auch in ihrer Art zu denken. Er erhob sich und trat zum Regal. Dort lag ein schlichter Lederriemen mit einem kleinen Amulett. Es war unauffällig, alt und vertraut. Ein Artefakt … Van nahm es kurz in die Hand, spürte das kühle Material und betrachtete den Stein in der Mitte. Dann legte er es um den Hals. Es war gut, etwas bei sich zu haben, das nichts verlangte und nur gab. Von draußen drangen gedämpfte Geräusche herein. Schritte auf dem Pflaster, entferntes Lachen, das Anschlagen eines Fensterladens im Wind. Solgard lebte weiter, ohne innezuhalten, ohne Rücksicht auf die Reise eines einzelnen Magiers.
Van ließ die Kerzen noch eine Weile brennen. Das Licht warf ruhige, lange Schatten an die Wände und ließ den Raum größer wirken, als er war. Dies war kein Abschied voller Worte. Es war ein stilles Anerkennen dessen, dass jeder bewusst gewählte Weg Spuren hinterließ. Als die Kerze schließlich niedergebrannt war, legte er sich zur Ruhe. Der Raum lag im Halbdunkel, nur das fahle Licht des Mondes fiel durch einen schmalen Spalt zwischen den Läden und zeichnete helle Linien auf den Boden. Der Rucksack stand neben der Tür, sichtbar selbst aus dem Bett heraus. Der Schlaf kam, aber er blieb flach und unruhig. Bilder tauchten auf und zerfielen wieder. Wasser ohne Ufer … endloses, Bewegungen ohne klare Form … und Stimmen … die keine Worte trugen.
Ein Geräusch ließ ihn aufschrecken. Holz arbeitete im Wind, irgendwo im Gebäude knarrte es leise. Van hielt den Atem an und lauschte, bis die Stille zurückkehrte. Die Nacht von Solgard hatte ihren eigenen Rhythmus, und er war Teil davon. Er schlief wieder ein, nur um später erneut aufzuwachen, als das gedämpfte Läuten einer Glocke durch die Dunkelheit drang. Fern und kaum greifbar, vielleicht ein Nachtgebet, vielleicht eine Wache. Die Zeit ließ sich nicht zählen, nur fühlen. Der Wind nahm zu und strich durch die Gassen. Ein Fensterladen schlug an, einmal, dann noch einmal. Van öffnete kurz die Augen. Der Mond war weitergezogen, die Schatten im Raum hatten ihre Plätze gewechselt. Gedanken kamen, leise und ungeordnet.
Das Schiff. Das Meer. Die Ophidianer. Bewegungen, die nicht menschlich waren. Stimmen mit fremder Klangfarbe. Er ließ die Bilder kommen und gehen, ohne sie festzuhalten. Der Schlaf kehrte schließlich zurück, tiefer und ruhiger. Als Van erwachte, lag noch immer Nacht über Solgard, doch sie fühlte sich leichter an, als hätte sie getan, was sie sollte. Der kommende Tag war noch unsichtbar, aber nah. Er blieb einen Moment liegen und atmete ruhig.
Dann wusste er: Es war Zeit.
Ein Geräusch ließ ihn aufschrecken. Holz arbeitete im Wind, irgendwo im Gebäude knarrte es leise. Van hielt den Atem an und lauschte, bis die Stille zurückkehrte. Die Nacht von Solgard hatte ihren eigenen Rhythmus, und er war Teil davon. Er schlief wieder ein, nur um später erneut aufzuwachen, als das gedämpfte Läuten einer Glocke durch die Dunkelheit drang. Fern und kaum greifbar, vielleicht ein Nachtgebet, vielleicht eine Wache. Die Zeit ließ sich nicht zählen, nur fühlen. Der Wind nahm zu und strich durch die Gassen. Ein Fensterladen schlug an, einmal, dann noch einmal. Van öffnete kurz die Augen. Der Mond war weitergezogen, die Schatten im Raum hatten ihre Plätze gewechselt. Gedanken kamen, leise und ungeordnet.
Das Schiff. Das Meer. Die Ophidianer. Bewegungen, die nicht menschlich waren. Stimmen mit fremder Klangfarbe. Er ließ die Bilder kommen und gehen, ohne sie festzuhalten. Der Schlaf kehrte schließlich zurück, tiefer und ruhiger. Als Van erwachte, lag noch immer Nacht über Solgard, doch sie fühlte sich leichter an, als hätte sie getan, was sie sollte. Der kommende Tag war noch unsichtbar, aber nah. Er blieb einen Moment liegen und atmete ruhig.
Dann wusste er: Es war Zeit.
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