Vor dem Mond
Verfasst: 16 Jan 2026, 20:38
Taede kam nicht mit großen Erwartungen nach Solgard.
Sie kam mit einem Schiff, zusammen mit Waren, Matrosen und Menschen, die hofften, in der Stadt etwas zu finden, das sie anderswo verloren hatten. Der Hafen roch nach Salz, Teer und nassem Holz. Stimmen mischten sich mit dem Kreischen der Möwen, und für einen kurzen Moment blieb Taede stehen und sah zu, wie das Schiff wieder ablegte, das sie hergebracht hatte.
Sie sah ihm nicht lange nach.
Solgard war laut, eng und voller Bewegung. Genau das hatte sie gesucht. Eine Stadt, in der niemand fragte, woher man kam, solange man wusste, wohin man ging. Taede wusste es zunächst selbst nicht. Also ging sie einfach los.
Die ersten Tage lebte sie von dem, was sie tragen konnte. Kleine Arbeiten, Botengänge für Händler, Laufdienste zwischen Tavernen und Lagerhäusern. Solgard war ein Netz aus Wegen, Abkürzungen und Gassen, und Taede lernte schnell, sich darin zu bewegen. Sie merkte sich, welche Straßen nachts belebt blieben und welche man besser mied. Welche Türen sich leicht öffnen ließen und welche besser geschlossen blieben.
Sie stellte keine Fragen. Sie beantwortete sie auch nicht gern.
Als Botin war sie zuverlässig. Nicht auffällig, nicht langsam. Sie hörte zu, ohne zuzuhören, und vergaß Dinge, die nicht für sie bestimmt waren. Das sprach sich herum. Bald hatte sie feste Auftraggeber, kleine Siegelringe, an denen man sie erkannte, und einen abgewetzten Beutel, in dem sich mehr Zettel als Münzen sammelten.
Ihr Alltag folgte einem einfachen Rhythmus.
Morgens kurze Wege, eilige Nachrichten. Mittags das Gedränge der Märkte, der Geruch von Brot, Gewürzen und gebratenem Fleisch. Abends längere Wege, diskretere Aufträge. Und nachts die Stadt, wie sie wirklich war, gedämpft, wachsam, voller unausgesprochener Abmachungen.
Taede mochte diese Stunden. Die Stadt schien ehrlicher, wenn sie müde war.
Sie verdiente genug, um zu bleiben. Ein Bett in einer schlichten Herberge, warmes Essen, ab und zu ein Becher Bier. Kein Luxus, aber Stabilität. Sie begann, Solgard nicht mehr als Durchgangsort zu sehen, sondern als etwas, das man kennen konnte.
Vielleicht sogar als Zuhause.
Sie dachte nicht viel über die Zukunft nach. Das hatte sie sich abgewöhnt. Wichtig war, dass sie sich bewegen konnte. Dass sie nicht festgebunden war. Dass sie ihren eigenen Weg ging, Schritt für Schritt, Auftrag für Auftrag.
Der Mond spielte dabei keine Rolle.
Er war da, natürlich. Über den Dächern, über den Türmen, über den schiefen Gassen. Aber Taede war kein Mensch, der in den Himmel sah, wenn er lief. Sie achtete auf den Boden, auf Geräusche, auf Bewegung. Der Mond war für Träumer.
Und sie hatte keine Zeit zu träumen.
Sie kam mit einem Schiff, zusammen mit Waren, Matrosen und Menschen, die hofften, in der Stadt etwas zu finden, das sie anderswo verloren hatten. Der Hafen roch nach Salz, Teer und nassem Holz. Stimmen mischten sich mit dem Kreischen der Möwen, und für einen kurzen Moment blieb Taede stehen und sah zu, wie das Schiff wieder ablegte, das sie hergebracht hatte.
Sie sah ihm nicht lange nach.
Solgard war laut, eng und voller Bewegung. Genau das hatte sie gesucht. Eine Stadt, in der niemand fragte, woher man kam, solange man wusste, wohin man ging. Taede wusste es zunächst selbst nicht. Also ging sie einfach los.
Die ersten Tage lebte sie von dem, was sie tragen konnte. Kleine Arbeiten, Botengänge für Händler, Laufdienste zwischen Tavernen und Lagerhäusern. Solgard war ein Netz aus Wegen, Abkürzungen und Gassen, und Taede lernte schnell, sich darin zu bewegen. Sie merkte sich, welche Straßen nachts belebt blieben und welche man besser mied. Welche Türen sich leicht öffnen ließen und welche besser geschlossen blieben.
Sie stellte keine Fragen. Sie beantwortete sie auch nicht gern.
Als Botin war sie zuverlässig. Nicht auffällig, nicht langsam. Sie hörte zu, ohne zuzuhören, und vergaß Dinge, die nicht für sie bestimmt waren. Das sprach sich herum. Bald hatte sie feste Auftraggeber, kleine Siegelringe, an denen man sie erkannte, und einen abgewetzten Beutel, in dem sich mehr Zettel als Münzen sammelten.
Ihr Alltag folgte einem einfachen Rhythmus.
Morgens kurze Wege, eilige Nachrichten. Mittags das Gedränge der Märkte, der Geruch von Brot, Gewürzen und gebratenem Fleisch. Abends längere Wege, diskretere Aufträge. Und nachts die Stadt, wie sie wirklich war, gedämpft, wachsam, voller unausgesprochener Abmachungen.
Taede mochte diese Stunden. Die Stadt schien ehrlicher, wenn sie müde war.
Sie verdiente genug, um zu bleiben. Ein Bett in einer schlichten Herberge, warmes Essen, ab und zu ein Becher Bier. Kein Luxus, aber Stabilität. Sie begann, Solgard nicht mehr als Durchgangsort zu sehen, sondern als etwas, das man kennen konnte.
Vielleicht sogar als Zuhause.
Sie dachte nicht viel über die Zukunft nach. Das hatte sie sich abgewöhnt. Wichtig war, dass sie sich bewegen konnte. Dass sie nicht festgebunden war. Dass sie ihren eigenen Weg ging, Schritt für Schritt, Auftrag für Auftrag.
Der Mond spielte dabei keine Rolle.
Er war da, natürlich. Über den Dächern, über den Türmen, über den schiefen Gassen. Aber Taede war kein Mensch, der in den Himmel sah, wenn er lief. Sie achtete auf den Boden, auf Geräusche, auf Bewegung. Der Mond war für Träumer.
Und sie hatte keine Zeit zu träumen.