Von Feuer bewacht

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Aissia Tzyntares
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Von Feuer bewacht

Beitrag von Aissia Tzyntares »

„Sorgt dafür, dass es nicht auskühlt, ja?“ 
Hallten die Worte der Rennleitung Kali noch immer in Aissias Gedanken wider, während sie das noch warme Ei vorsichtig in ihrem Rucksack durch die nächtlichen Straßen von Surom trug. 
 
Noch erschöpft vom Steppenrennen folgte ihr Rappe Obsidian mit trägem Schritt. Trotz der Müdigkeit spürte Aissia die stetige Wärme und kaum hörbare Geräusche, die aus dem Ei drangen, fast so, als würde darin ein glühendes Herz schlagen. 
 
Kaum hatte sie ihr Haus erreicht, machte sie sich an die Arbeit. 
 
Sie schleppte alte Kohleschalen auf den Vorplatz, füllte sie mit glühender Kohle und stellte sie kreisförmig um eine freie Stelle aus dunklem Stein. Dazwischen platzierte sie schwere Lavabrocken, damit diese die Hitze speicherten und langsam wieder abgaben. Dank des Elementarzaubers, der sie vor Verbrennungen schützte, konnte sie die heißen Steine immer wieder verschieben, die Abstände korrigieren und die Wärme nach ihrem Gefühl ausbalancieren. 
 
Erst nach langer Zeit trat sie einen Schritt zurück und betrachtete zufrieden ihre äußerst improvisierte Brutstätte. 
Vorsichtig nahm sie das Ei aus dem Rucksack und setzte es in die Mitte des glühenden Kreises. 
Im flackernden Licht der Kohlen schimmerte seine Oberfläche in einem tiefen Rot. Feine Linien zogen sich an der Schale entlang, die hin und wieder schwach aufzuleuchten schienen. 
 
Ob seine Farbe etwas über das Wesen darin verriet? 
 
Aissia wandelte bereits seit Jahrzehnten durch die Schatten dieser Welt. Sie hatte Kriege, uralte Magie und Kreaturen erlebt, die viele nur aus vergessenen Legenden kannten. Doch bei all den Schrecken und Wundern, denen sie begegnet war, hatte sie niemals zuvor über das Leben eines unbekannten Wesens gewacht, das still in einem warmen Ei schlummerte. 
 
„Was bist du nur …?“, hauchte sie leise vor sich her. 
 
„Ein Drachenjunges?“ 
 
Sie musterte die glühenden Linien auf der Schale. 
 
„Ein Phönix...? Falls solche Wesen überhaupt aus Eiern schlüpfen …“ 
 
Ihr Blick wurde nachdenklich. 
 
„Oder etwas sehr viel Älteres?“ 
 
Fragen über Fragen kreisten in ihren Gedanken. Schon bald würde sie die Akademie von Surom aufsuchen um nach möglicher Literatur zu suchen. 
Über eines jedoch war sie sich bereits sicher: Sollte sich in diesem Ei tatsächlich ein Geschöpf des Feuers verbergen, hätte es kaum einen besseren Ort finden können als die Obhut einer Elementaristin.
 
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Aleya Bellamy
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die neugierige Nachbarin

Beitrag von Aleya Bellamy »

„Mhmm.. na, du..?“ fing sie schon an noch bevor sie sich dicht am Eisengitter hinkniete, die Arme locker zwischen die Stäbe geschoben,
als würde sie prüfen, ob das Ganze überhaupt wirklich wahr war und natürlich auch, ob sie nicht einfach danach greifen könnte,
doch ist das Ei glücklicherweise weit genug vom Gitter entfernt und damit sicher vor Aleya.
„Schon irgendwie seltsam, weißt du? Ich hab schon vieles gesehen.. aber dich.. mh.. dich noch nicht.“

Ihr Gesicht quetschte sich halb durch die eisernen Stäbe während ihr Blick ruhig auf dem Ei lag, dieses große, fremde Ding,
das zwischen den Kohlebecken ruhte und ihr Interesse bereits vor dem Steppenrennen weckte.

„Du bist ziemlich still..“ mit einem recht schiefen Lächeln in ihrem Gesicht.
„..aber ich glaub nicht, dass du leer bist, ich hör da doch was, auch wenn es nur ganz leise ist zwischen dem ganzen Geknister.“

Sie sackte ein kleines Stück ab, die Stirn nur noch sacht an die kühlen Stäbe gelegt.

„Ich frag mich ja.. ob du mich hören kannst. Also.. ob das eher so ist wie bei mir damals.. mh.. dass man alles mitbekommt,
aber nicht antworten kann.“

Ein leises Ausatmen, fast ein kleines Seufzen.

„Wenn das so ist.. dann bist du nicht allein, ja? Ich red einfach ein bisschen. Das hilft. Hat’s zumindest bei mir.“

Ihre Finger zuckten leicht, als würden sie erneut nach dem Ei greifen wollen, dann heben sich nur ihre Hände passend beschwichtigen wollend.

„Da draußen ist’s gar nicht so schlimm, wie es manchmal klingt. Viel Wind, ja.. und manchmal zu viel Sturm.. aber auch warmes Essen und..
mh.. Menschen, ich meine.. Wesen, die lieben und.. manches Mal auch etwas länger bleiben.“

Sie schmunzelte leise vor sich hin.

„Und wenn du rauskommst, dann.. naja.. dann erklär ich dir gerne das alles einfach. Schritt für Schritt. Nicht zu schnell, keine Sorge.“

Ein kurzer Moment Stille, dann hob sie den Kopf ein kleines bisschen, als hätte sie eine Entscheidung getroffen.

„Mh.. weißt du was? Ich hab da was.“

Ihre Stimme wurde weicher und sanfter, nur noch ein Hauchen.

„Ich hab ein Lied geschrieben.. nicht für dich, eigentlich.. aber.. vielleicht passt es trotzdem.“

Sie räusperte sich leise, zog die Hände ein kleines Stück zurück, nur um sie gleich wieder entspannt in die Gitter zu legen,
als bräuchte sie einfach diesen Halt.

Dann begann sie zu singen.. zuerst nur leise, fast tastend, als müsste sie prüfen, ob die Worte noch tragen.

Ihre Stimme schmiegte sich in die Umgebung, legte sich zwischen Glut und Metall, das Ei umschmeicheln wollend.
Möglichst leise und nicht drängend - eher wie etwas, das bleiben darf, wenn es möchte.

Und während die Melodie langsam Form annahm, saß sie einfach da, mit einem kleinen, warmen Lächeln,
als wäre dieses Ei nicht etwas Fremdes, sondern jemand, der nur noch nicht sprechen konnte.
Das Leben ist ein Traum, aus dem wir erst erwachen müssen, um wieder träumen zu können.
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RPG Rakh Hednar
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Vom Druiden beobachtet

Beitrag von RPG Rakh Hednar »

Das mysteriöse Ei
 
Die Nacht lag schwer und still über der Stadt, nur durchbrochen vom leisen Knistern der glühenden Kohlen. Hinter dem kalten, schmiedeeisernen Zaun stand Hednar reglos, sein leuchtender Blick fest auf das Ei gerichtet. Das fahle Mondlicht spiegelte sich in den feinen Rissen der Schale, als würde darin etwas atmen… oder warten.
Neben ihm schlich Mòrkral unruhig auf und ab. Sein wurzelartiges Fell bewegte sich wie lebendig im Wind, und aus seinen glühenden Augen sprach ein instinktives Misstrauen. Dieses Ei gehörte nicht hierher. Nicht hinter einen Zaun. Nicht zwischen kaltem Metall und gezähmter Erde.
Hednar hingegen spürte mehr als nur Zweifel.
Neugier.
Ein Flüstern in seinem Inneren.
„Was bist du…?“ murmelte er leise, fast ehrfürchtig.

Bild
 
Die Hitze, die von den Lavabrocken ausging, war unnatürlich konstant. Kein Feuer, das er kannte, verhielt sich so ruhig. Und doch… etwas daran wirkte falsch. Zu kontrolliert. Zu… gewollt.
Mòrkral knurrte leise.
Hednar legte eine Hand auf den Zaun. Kaltes Metall. Trennung. Grenze.
Ein Druide, selbst ein Chaosdruide, wusste: Leben ließ sich nicht einsperren, ohne dass es sich veränderte. Oder zerbrach.
Sein Blick wurde nachdenklicher.
„Vielleicht… gehört es nicht hierher,“ flüsterte er mehr zu sich selbst als zu seinem Gefährten.
Ein leises Knacken ging durch die Schale des Eis.
Beide erstarrten.
Hednars Entscheidung wuchs in diesem Augenblick wie eine Wurzel in dunkler Erde:
Wenn etwas in diesem Ei lebte, dann sollte es seinen ersten Atemzug nicht hinter einem Zaun tun.
Mòrkral trat näher, als hätte er denselben Gedanken gefasst.
Und irgendwo zwischen Neugier und Verantwortung wusste Hednar:
Diese Nächte würden nicht enden, ohne dass er eingreift.
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Aissia Tzyntares
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Re: Von Feuer bewacht

Beitrag von Aissia Tzyntares »

Als Aleyas Gesang an ihr Ohr drang, hob die alte Vampirin den Blick aus ihren Büchern. Fast augenblicklich schnellte sie ans Fenster und ließ den Blick hinaus auf ihren Vorplatz auf die Kohlebecken und das Ei gleiten, welches ruhig in der Glut ruhte.

Für einen langen Moment blieb Aissia regungslos stehen und beobachtete Aleya hinter dem eisernen Zaun, ehe sich ein seichtes lächeln auf ihren Lippen legte.
Die meisten Gestalten, die sich in den vergangenen Tagen zu nah an ihr Haus gewagt hatten, betrachteten das Ei mit unverhohlener Gier. Aissia kannte diese Blicke nur zu gut. Manche sahen darin Reichtum, andere Macht oder eine seltene Kreatur, die man verkaufen, kontrollieren oder gegen Feinde einsetzen konnte.

Sie war alt genug, um zu wissen, dass einige bereits Pläne schmiedeten, wie sie sich des Eis bemächtigen könnten.
Vielleicht sollte sie weitere Schutzzauber über das Grundstück legen. Nur für den Fall, dass jemand töricht genug wurde, ihre Grenzen zu überschreiten.

Aleya jedoch war anders. In ihren Augen lag keine Habgier. Nur ehrliche Neugier... und etwas beinahe Zärtliches.
Sie sang für das Wesen im Inneren, als wolle sie ihm die Angst vor der Welt nehmen, noch bevor es überhaupt geschlüpft war.

Aissia lehnte sich leicht gegen den Fensterrahmen und beobachtete schweigend die Szene.
Vielleicht war es bloße Einbildung, doch sie hätte schwören können, dass die feinen, glühenden Linien auf der Schale kräftiger pulsierten als zuvor, als würde das Wesen im Inneren dem Gesang lauschen... und gefallen daran finden.

Der Blick der Vampirin ruhte nachdenklich auf Aleya.
Was auch immer sich in diesem seltsamen roten Ei verbarg… vielleicht würde sie ihrer liebsten Nachbarin eines Tages erlauben, darauf aufzupassen.
Vielleicht sogar mehr als das. Eine Art Patin für ein Wesen, das noch nicht einmal geboren war.
 
Und bei diesem Gedanken wurde das seichte Lächeln auf Aissias Lippen ein kleines bisschen wärmer.
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