Kahlhäuptig und schweigend. Die Haut seines Körpers von unzähligen Runen gezeichnet, manche gestochen, manche eingebrannt, andere wie alte Narben in das Fleisch geschnitten. Seine bloßen Füße glitten beinahe lautlos über den nassen Stein, während er ein zusammengerolltes Pergament dicht an seiner Brust hielt.
Vor den Tavernen verweilten Gespräche nur für einen Augenblick. Händler schwiegen. Selbst jene, die dem Glauben fern standen, sahen ihm mit jener sonderbaren Mischung aus Furcht und Ehrfurcht hinterher, die seine Gegenwart stets mit sich brachte.
Er sprach nie und er verlangte nie etwas.
Schließlich erreichte er das Schwarze Brett nahe des zentralen Platzes am Rathaus. Langsam entrollte er das Schreiben und befestigte es sorgfältig am Holz. Danach trat er einen Schritt zurück und verharrte regungslos im Regen, als würde er darüber wachen, dass die Worte ihren Weg zu den Augen der Menschen fanden.
Erst dann wandte er sich schweigend ab und verschwand wieder zwischen den Mauern Suroms.
An die Gläubigen des Entfesselten,
an die Diener des Glaubens,
an jene, die im Schatten Erkenntnis suchen.
Nach bestandener Prüfung wird Virelith Xalithra im Tempel des Entfesselten die Weihe zur Priesterin empfangen.
Am zweiten Tage der Woche, zur achten Abendstunde, sollen die Tore des Tempels geöffnet sein für jene, die diesem bedeutenden Schritt beiwohnen wollen.
Die Weihe einer Stimme ist nicht allein ein Schritt für die Erwählte selbst. Sie ist ein Zeichen dafür, dass der Glaube fortbesteht, selbst in Zeiten der Zweifel und der Dunkelheit.
Mögen jene erscheinen, die Zeugen dieses Augenblickes sein wollen.
Treue und Unterwerfung dem EINEN.
Nighean
Stimme des Zirkels

