[WQ] Staub und Stille

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Erzähler
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Erzähler »

In dem Moment, als ihr den Tempel betratet, begannen sich die gefundenen Erinnerungsfragmente zu regen. Ein sanftes, kaum wahrnehmbares Vibrieren machte auf sich aufmerksam.

Helles Kinderlachen… das Erste, was in euren Geist eindringt.
„Fang mich, fang mich!“ rufen zwei Jungen, die über eine sonnendurchflutete Wiese laufen…
Dann flackert das Bild, ein Szenenwechsel der den Betrachter offenbart wird.

„… und die Wahl ist gefallen. Ihr seid nun der Monarch Arcantos“
Die Worte hallen feierlich nach während sie mit Jubel und Applaus untermauert wurden.
„Glückwunsch, Bruder“ ehrliche, warme Worte die an den Monarchen gerichtet wurden.

Unsanft werdet ihr in andere Erinnerungen geworfen, ein sehr bekannter Schlachtenort im Dschungel den jene zu gut kennen die auf dieser Insel kämpfen… überall Soldaten… Befehle werden gebrüllt, Magie zischt durch den Dschungel.
„Weiter, Bruder! Der Tempel ist nicht mehr weit!“
„Die Zeit läuft uns davon!“

Dann wird eure Gefühlswelt schwer… belastend als sich neue Erinnerungen vordrängen…
Tote Soldaten liegen im Tempel verstreut…
Einige in hellen, güldenen Rüstungen, andere in finsteren schwarzen, in blutigen Teichen liegen sie vor dem großen Ophidianer dessen rötliche Schuppen leicht funkelten im Fackelschein.
Zwei Magier stehen nur noch alleine im Tempel… der Monarch und sein Bruder während sie mit letzter Kraft magische Geschosse abwehrten.
Dann ertönt die Stimme des Ophidianers
„ZzZzzz… euer Kampf ist vergebens. Euer Unterfangen gescheitert. Schließt euch uns an…“

Verzweifelt sah sich der Monarch um, über jene Toten mit denen er kürzlich noch stritt. Jenen Toten wo er manche seit vielen Jahren kannte.. Freunde.

„Vielleicht… vielleicht sollten wir uns diesem Schicksal fügen“ hauchte der Monarch leise
„Bruder, nein! Das wäre Wahnsinn!“ protestiert sein Bruder fassungslos.
„Es ist vorbei… unsere Macht sichern wir an der Seite der Sieger“
„ZzzZZzz… töte ihn…“ zischelte die Schlange leise in das Ohr des Monarchen
„Bruder, tu das nicht!“
Dann ein greller Blitz der die Erinnerungen durchzog! Ein lauter Knall.
Leblos fällt der Körper des Magiers auf dem Boden.

„MhhzzzZzz… gut gemacht… zZZzz…“ zischelte die Schlange leise mit gespaltener Zunge.

Die mächtige Klaue wird von den Ophidianer erhoben, als sie diese über den Körper des toten Magiers hielt, in der anderen Klaue die Saat des Ersten.

Das noch glühende, verkohlte Fleisch löst sich von den Knochen des Toten und fällt knisternd zu Boden und plötzlich richtete sich die Gestalt auf...

„Was tust du da?!“ entfährt es dem Monarchen mit schockierten Blick zu der Schlange

Der untote Magier hebt eine Hand und zeigt auf den Monarchen – die Bewegungen grotesk, unwirklich.
Freudig hielt sich die Schlange im Hintergrund als es das Schauspiel der beiden Magier beobachtete.

Plötzlich röchelte der Monarch… ein quälendes langes Röcheln… kaum scheint er noch Luft zu bekommen als er auf die Knie sinkt. Auch sein Fleisch begann sich abzulösen… Stück für Stück… dunkle Schatten sprießen hervor wie Unkraut… Ketten die sich um sein Laib legten… und ihn in die Form zwingen unter den manche ihn bereits erblickten.

„ZzzZZz du bist der stärkere... jener dessen Potenzial geboren wurde... du wirst jener sein....der den Willen nach draußen trägt... gehe hinaus... ZIRON“
Lange hallen diese Erinnerungen noch nach bevor diese in sich zusammenbricht.

Manch einer mag am Baum noch in eine Erinnerung blicken können..
Die Tempel der Ophidianer… in dessen Mitte der prächtige Baum steht. Im Schatten des Baumes räkeln sich die Jungen, während sanfte Sonnenstrahlen in das innere des Tempels dringen.
Die Blätter singen unter der Anleitung des Windes ein Lied von Unbeschwertheit und Frieden. Der Wind wird zum Sturm, das Bild kippt und da, wo die Sonne Trost gespendet hatte beklagt tiefer Mondschein das Klagelied der gefallenen Ophidianer.
Ein Tempel in Ruin, entweihter Baum.
Pein. Leid. Tod
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Tonya Darez
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Tonya Darez »

An beide anderen Lager wird durch eine Solgarder Wache ein Brief überreicht. Dieser Brief ist weder gesiegelt noch irgendwie schmuckvoll.
Er ist schlicht, das Pergament ein wenig knittrig vom Regen, die Tinte ist hier und da durch einzelne tropfen ein wenig verwischt, aber immer noch lesbar.
 In beiden Briefen wird der gleiche Inhalt stehen:
  
  
  
 
Krone und Reich zur Ehr, Bewohner Nebelhafens, Bewohner Suroms – und Verbündete
 
 
 
Ich denke, wir haben alle am gestrigen Abend die Visionen vernommen, den Baum gesehen und den Brudermord sowie das daraus folgende Schicksal der Brüder erkannt.
Wir haben alle erkannt das Ziron einer der Brüder war und das er erschaffen wurde von dem Rotgeschuppten.
Ziron war ein sehr mächtiger Untoter, der damals nur mit Hilfe der Armeen beider Reiche und den Avataren in Form von A'groniam und dem König vernichtet werden konnte.
Es wäre beinahe missglückt.
Die Zeit der Ernte rückt näher, und wir sind die Ähren, die geschlagen werden sollen.
Wir alle!
Ich hoffe, dass dieses Mal keiner davor die Augen verschließt.
Wir sind noch immer in der Lage zu siegen – wobei Sieg bedeutet, Lebend von dieser Insel zu kommen.
Was anschließend passiert, wird sich zeigen.
Alle werden in alte Muster fallen, die Geschehnisse werden irgendwann in den hintersten Teil des Verstandes rücken und das Blut wird sicher wieder fließen.
Soll es so sein.
Solange wir uns in nur einem einzigen Punkt einig sein können, dieser Punkt bleibt hier auf der Insel und von meiner Seite aus können wir am Ende so tun, als wäre dieser Punkt nie existent gewesen.

Unser aller Ziel sollte der Rotgeschuppte sein.
Er darf diesen Zyklus nicht überleben.
Er ist der Erschaffer von Ziron. Er ist sicherlich noch Mächtiger als der Nekromant.
Und genau deswegen sollte er unser aller Ziel sein.
 
 
Tonya Darez
 
 
 
 
 
  
  
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Rahouwa Se'lassi
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Rahouwa Se'lassi »

Nachdem Tonyas Schreiben in Nebelhafen einging und Rou es las, dann wandte sich die farbige Kriegerin ab und man sah sie in der Kajüte schreiben.

Dem Nebel zur Ehr,

denn unser Norden ist weit weg. Ich stimme Tonya zu, dass wir scheinbar alle das selbe Ziel verfolgen. Ob dies zusammen möglich ist, wage ich zu bezweifeln. Doch vielleicht kann man für diese Insel hier - oder nur diesen Krieg eine Waffenruhe aushandeln. Wenngleich Nebelhafen sich weder Surom noch Solgard verpflichtet fühlt und weder Ärger mit der einen noch mit der anderen Seite sucht, ist uns daran gelegen, keine Messer im Rücken zu erwarten, die vielleicht gar nicht für uns bestimmt waren.
Als gute Geste bieten wir unser Lager als Austauschort an. Bewohner unserer gemeinsamen Heimat werden von den Wachen eingelassen. Schwarzfels will kein Ärger in seinem Lager, also gelten die selben Regeln wie in der Heimat. Wir bleiben dabei, dass wir Wissen weiterhin nach außen offen teilen. Ansprechperson dafür ist unsere Heilerin Gwendolyn.

Rou

Kurz darauf war sie bei Schwarzfels und hinterlegte ihm beide Schreiben, sowie einen knappen Bericht über den aktuellen Fortschritt und auch am schwarzen Brett waren für alle beide Schreiben zu lesen. Dann verließ sie selbst das Lager und brachte ein Schreiben zunächst zum Lager nach Surom und das Zweite dann nach Solgard. Zuhänden der Stadthalterinnen.
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Cataleya
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Cataleya »

Nachtwache

Der Regen hämmerte auf die Zelte im Lager noch immer unaufhörlich,
als Cataleya vor dem Hauptzelt Suroms stehen blieb.

Ein Pfiff dann ein Handzeichen, schließlich traten die Klingenwachen heran.

Nächtlicher befehl.png


Sie sprach ohne Umweg, die Stimme hart wie Stahl.

"In Vertretung der Säule des Krieges, Valleron Gadomar,
Ab sofort übernehmt ihr die Nachtwache. Eure Posten sind dichter eure Wechsel eng.
Alles was aus dem Dschungel kommt oder fremd vom Strand wird ohne Zögern gemeldet und bekämpft."

Ihr Blick schnitt über die Reihen.

"Morgen ziehen wir ausgeruht. Das Heilzelt doppelt sichern.
Priesterinnenbereich streng. Unbekannte werden gestellt und enthauptet, es gibt keine neuen Gesichter im Lager."

Sie hob das Pergament, trat an den Zeltpfosten und schlug es mit einem Nagel fest.

"Gefallene bergen und verbrennen. Die Asche sichern. Keine Gebeine bleiben ganz.
Kein Untoter erhebt sich gegen Surom, gegen seine Verbündeten"

Ein Schritt zurück, kurz prüfte sie.

"Treue und Unterwerfung dem Kettensprenger."

Dann ging sie.

Nachtwache.png
Versteckt:Versteckten Text anzeigen

In Vertretung der Säule des Krieges, Valleron Gadomar,
ergeht folgender Befehl an die Klingen Suroms.

Mit sofortiger Wirkung übernehmen die Klingen die Wacheordnung der Nacht im Lager.
Die Posten werden verdichtet, die Wechsel eng geführt
und jede Annäherung aus Dschungel und Strand ist ohne Zögern zu melden und zu bekämpfen.

Das Bündnis zieht morgen ausgeruht in die Schlacht; wer schläft wird gedeckt, wer wacht, wacht hart.

Das Heilzelt erhält besondere Sicherung.
Verwundete sind zu schützen, als trügen sie bereits den morgigen Sieg in sich.

Achtet auf den Bereich der Priesterinnen.
Wer nicht bekannt ist, wird gestellt und umgehend enthauptet,
wir haben keine weiteren Gesichter im Lager zu erwarten, alle sind vom Schiff bekannt.

Die Gefallenen sind umgehend zu bergen und zu verbrennen,
Asche wird gesichert.
Keine Leiche bleibt liegen. Keine Gebeine bleiben ganz.
Es darf sich kein Untoter gegen unser Lager erheben.

Treue und Unterwerfung dem Kettensprenger
Cataleya Rho'en
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Varyariel
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Varyariel »

Der Nebel hatte sie freigegeben, seine Bilder blieben.
Ungebeten, unerwünscht, unheilvoll.
Wie ein inneres Zittern, tief im Geist, während der Leib längst wieder zu festerem Stand fand. Jedes Wesen trug es ein wenig anders, manche offener, andere nur für sich. Stille und Rastlosigkeit. Das Einzige, was noch immer unerschütterlich und beständig anhielt, für Varyariel fast wie ein Anker der den Sog des inneren Chaos' schwächte, war der Regen. plip… plip… plip… …plok. Beinahe konnte man den eigenen Herzschlag danach ausrichten, rhythmisches plip... plip... plip... wenn die Tropfen auf die Zeltwände fanden. Ihnen folgend ein dumpferes ...plok.. wenn die gesammelten Tropfen wieder einmal von einem Vordach im kleinen Schwall zu Boden gossen. Doch in dieser Nacht nicht beruhigend genug, dass sie zu Schlaf finden würde. So setzte sie sich in den nassen Sand in der Mitte des Lagers Solgards, gab dem Regen mehr, woran er erklingen könnte.
Tok... tok.. tok... jeder kleine und große Tropfen der das gezierte Holz der Laute traf fügte sich in die Melodie seiner wässernen Geschwister ein. Und wurde ebenso bis auf wenige Schritte von ihnen wieder verschluckt.
Die Saiten folgten dem Rhythmus der Natur. Und zwischen Flüstern und Summen sang sie, für sich selbst… und für jene, deren Augen in dieser Nacht ebenfalls offen blieben und deren Ohren nah genug waren:


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Aanatus
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Von Grauen, Regen und Nebel

Beitrag von Aanatus »

Als Sorsha endlich die Augen öffnete, kurz blinzelte, ihre Umgebung für einen Moment wahrnahm, war die Erleichterung bei Aanatus groß. Nach Tagen der Bewusstlosigkeit, wo sie keine Regung von sich gab, schien nun eine Besserung in Sicht. Aanatus sah, wie sich kurz tonlos ihre Lippen bewegten, als sie zu ihm hochblickte. Kurz wollte er sie fast schon fragen, was denn geschehen sei, doch er schwieg und lächelte nur wortlos, beruhigend zu ihr runter. Statt zu reden nahm er ein frisches Tuch und wischte ihr erneut den Schweiß von der Stirn. Als sie erneut tonlos versuchte, zu einem Reden anzusetzen, flüsterte er beschwichtigend ein „Langsam“. Vorsichtig versuchte er stattdessen die Zeit zu nutzen, in der sie bei Bewusstsein war, um ihr einen stärkenden Sud einzuflößen. Etwas widerwillig nahm sie ein paar Schlucke, dann schloss sie erneut ihre Augen, um Erholung zu finden. Aanatus seufzte erleichtert – es schien eine Genesung…von was auch immer…langsam voranzuschreiten und er hoffte, bald Roreks Angebot, ihm helfend zur Seite zu stehen, annehmen zu können. Bisher war entweder der Zustand der Dahindämmernden zu schlecht gewesen oder das Lager Suroms musste sich den Herausforderungen dieser verfluchten Insel stellen. Allgegenwärtig: Sorgen und Regen.


Am Krankenbett II.png


Knapp über fünf Tage schon war Aanatus Tagesablauf einzig darauf beschränkt, kaum zu schlafen und hinter dem durch Vorhänge abgeteilten Krankenlager an Sorshas Seite zu wachen. Raus ging er nur, wenn die Säule des Krieges zum Aufbruch der Truppen rief. Das veränderte nur eines: Das Klopfen des Regens, der von außen auf die Zeltplanen fiel, spielte nun seine Musik an der Kettenhaube, um dann stetig über die Augen, das Gesicht, hinab zu rinnen. Jeder Kampf gegen diese Inselbewohner war auch ein Kampf gegen die Widrigkeiten der Natur. Schützen und Regen? Schützen und Nebel? Kein Potential für eine große Liebe… Doch mit den Gedanken zumeist bei seiner Herrin versuchte er einfach nur, nicht durch einen Fehler zu Tode zu kommen, nicht im Schlamm auszurutschen, im Nebel sein Ziel zu verfehlen oder einfach nur zu resignieren, als Visionen die Todeskämpfe seiner Nächsten immer und immer wieder zeigten. Als er an diesem Abend, aus einer Parallelwelt eines brennenden Suroms, ins Lager am Strand zurückkehrte, musste er sich eingestehen, dass er nicht mehr viel an Reserven übrighatte. Es hatte wenig gebracht, den Schild vor sein Gesicht zu halten, um dem Anblick dieses Grauens zu entgehen, denn dann wisperten Stimmen zu ihm: „Dein letzter Auftrag- versage bloß nicht, Jungchen.“  Hämisches Kichern, dazwischen die Todesschreie all der Suromer, die immer und immer wieder durch die Hand der Inselwesen zu Tode kam. Manchmal, so schien es ihm, auch durch Gewaltexzesse aneinander. Ein knöcherner Drache als Sinnbild dieses Albtraums untermalte das wahnsinnige Szenario…

Zurück im Lager am Strand hatte nichts mehr zu sagen, zu all dem, was die vielen Anwesenden besprachen – selbst das Zuhören fiel ihm schwer, als sei nun dieser Nebel der Insel in seinem Kopf angekommen. Er verabschiedete sich mit einem Murmeln, dass er nach Sorsha sehen müsse, hörte noch, wie Cataleya im Namen Vallerons die Wachen neu ausrichtete und zur Erholung für den morgigen Feldzug riet. Aanatus wusste in diesem Moment nicht, wie er am nächsten Tage die Kraft dazu finden sollte, nach einer vermutlich erneut schlaflosen Nacht sein tödliches Handwerk auszuüben. Doch die schwindende Zahl seines einst gewaltigen Pfeilvorrates und die vielen durchlöcherten Gegner sprachen dafür, alles aufzuwenden, um erneut seinen Beitrag leisten zu können. Am heutigen Abend war jedoch schon der kurze Weg zum Zelt ein schwieriger Auftrag: Fast wie willenlos und von fremden Händen gelenkt stapfte er zum Lagerplatz des Zirkels, in der Hoffnung, vom Anblick einer Sorsha bei Bewusstsein beschenkt zu werden.  
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Sorsha von S.
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Zurück in der Realität...

Beitrag von Sorsha von S. »

Stechende Augen, wabernder Nebel und dieses alles überlagernde, stetige Tok, Tok – ein Geräusch, das mal schneller, mal langsamer hämmerte, aber nie ganz verschwand.
Dann war da lange Zeit nichts. Schwärze. Bis schließlich ein Paar blauer Augen vor ihr auftauchte: Aanatus. Er war eine der wenigen Konstanten in den wirren letzten Wochen gewesen.

Ihre letzte klare Erinnerung war das Gefühl von Freiheit gewesen, hoch oben, mit dem weiten Blick über die Insel … und dann der tiefe Sturz zurück in die Dunkelheit.
Doch diesmal war der Schlaf anders. Er war friedlich, fast freiwillig, und ließ die Unwägbarkeiten der vergangenen Tage endlich verblassen.

Als sie versuchte, die steifen Glieder zu regen, antwortete ihr Körper mit einer Welle aus Schmerz. Ihre Muskeln waren so verkrampft,
dass jeder Atemzug einem kleinen Verrat gleichkam. Tok, tok. Es war immer noch da.

Sie presste die Lippen zusammen, ordnete die Scherben ihrer Gedanken, als plötzlich ein Lichtspalt die Dämmerung des Zeltes zerriss.

Der schwere Vorhang, die einzige Barriere zwischen der wohligen Wärme ihres Zufluchtsorts und der unwirtlichen Atmosphäre da draußen, wurde zur Seite gerafft.

Dort stand er. Das Licht fiel auf sein Gesicht – ein Gesicht, das sie so gut kannte und das doch von den Strapazen verhärmt und gezeichnet war.
Ihr Beschützer war zurück, und in seinem Blick lag eine Schwere, die mehr verriet als jedes Wort....
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Tonya Darez
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Tonya Darez »

Die Schafe auf der Schlachtbank.
Geplant in die Falle gelaufen die Bereitwilligkeit, Neugier, Heldenmut und Pflichtgefühl als leitende Vorwände.
Letztlich hatte es so kommen müssen.
Wenn große Mächte um die Vorherrschaft ringen, sind wir nichts als Ameisen in meinem kleinen Haufen, welche zugucken können.
Stark ja, aber unfähig die Welt zu verändern.
Zumindest fühlte es sich so an. Das der rote Ophidianer nur ein weiterer, mächtiger Spielball war, war den Solgardern schon lange bekannt.
Darauf hatten sie sich eingestellt, das schlimmste erwartet.
Die Angst mit Ehre und Liebe verdrängt, mit Mut und Starrsinn klein gehalten.
Sie wussten, wer hinter der eigentlichen Macht steckte.
Aber das es so werden würde?
Den eigenen Tod, immer und immer wieder, in allen erdenklichen Grausamen Arten und Weisen zu erleben, hatte sich tief in jedermanns Verstand gegraben.
Trotz der Tatsache, das die Realität sagte, das alle der Gruppe noch am Leben und noch bei bestem körperlichen Wohlbefinden waren, blieb der Verstand an den Trugbildern hängen.
Alle hatte es getroffen, alle waren bleich, alle waren Schockiert.

Amarius kniete sich zu meiner Leiche, sprach ein Gebet der Trauer, schloß die Augen meiner Leiche und bekreuzigte sich und mich.
Fühlten sich so Geister, die nach dem Tod des Körpers noch eine Aufgabe hatten? Die, die Ruhelos und Rastlos sind?
Werde ich ein solcher werden?
Oder werde ich alle meine Taten vollbringen können, ehe ich das zeitliche Segne?
Der Klos in meinem Hals ist kaum mehr herunter zu würgen, als Amarius, Tränen in den Augen, aufsteht und einfach stumm weiter macht.
Bis sich unsere Blicke treffen und er nickt. Ich nicke auch.
Wir sind einig.

Elira, die zarte Seele, sie hat es schwer getroffen. Manchmal glaube ich, sie ist ein kleiner Setzling eines riesigen Baumes. Sie hat tiefe Wurzeln, und sie ist stark, auch wenn von den Ereignissen hin und her gewogen. Manchmal braucht es keine Worte, und manchmal braucht es einfach nur die Bestätigung der Realität.
Ich legte eine Hand auf ihre Schulter.


Angst verdrängt oft den Mut, den es braucht, Dinge zu tun.
Aber der Mut kann die Angst zerschlagen, sie wie einen Pokal auf den Boden werfen, so das sie in tausend Scherben bricht.
Viele Gesichter waren unkenntlich, durch Magie, durch Rüstung, durch den Weg, den sie zu ihren eigenen Abbild-Leichen von mir weg trieben. Und doch war mir in diesem Moment klar wie nie, das wir alle das gleiche fühlten.
Erschütterung, Verständnislosigkeit, Angst, Verwirrung.
In diesem Moment waren wir so voneinander zerstreut, das wir wirkten, als wäre die Formation, die Einheit, verloren gegangen. 
Schwarzer Nebel zieht auf, ein Ende in Sicht.
Diese Erfahrung wird Narben in sanften Seelen hinterlassen. Und auch ich, wobei ich mich nie als zarte Seele bezeichnen würde, werde diese Narben tragen.
Liebe hält alles zusammen. Liebe in der Familie, Liebe den Freunden gegenüber, Liebe Zwischenmenschlich.
Sieht man alles dies zerbrechen, vergehen, sterben, kann das nicht spurlos an einem vorbei gehen.
Irgendwas bleibt.
Die Frage ist nur was, und wie es sich entwickelt.
 
Nicht genug dieser Erlebnisse, wurde die Kunde weit, das am folgenden Tag der Rote gesichtet wurde.
Natürlich ließ sich der König es sich nicht nehmen, eine Rede der Motivation zu halten. Gemeinsam für Solgard, für den Herren und für das Licht.
Er spornte uns an, das konnte er gut.
Sigarda bat ich leise, auf den König aufzupassen, ihn nie alleine zu lassen. Drei Gestalten konnte ich wahrlich nicht im Blick halten, und mein Vertrauen auf die, mir so gegensätzliche, Legatin war unerschütterlich und tief.
Sie nickte nur, stumm verharrten wir.

Keiner wusste von dem Abkommen, das Llamiryl und ich in Heimlichkeit geschlossen hatten.
Ich nahm es ernst.
Ba'thal und Livius im Blick halten, im Zweifelsfalle einzuschreiten.

Ba'thal, alleine durch seine Existenz, die schon, wer weiß wie lange geht, ein Wesen, welches dem Roten aufgefallen war. Macht ist nicht immer das, was zerstörerisch geprahlt wird.
Macht ist mehr als schiere Zerstörungskraft.
Macht steckt in vielen Dingen, sie müssen nicht mal groß sein. Es muss nicht immer Magie sein.

Magie, der zweite, auf den ich ein Auge hatte war Livius. Sein Wissen würde, so er jemals, ganz gleich warum, uns alle vernichten können. Ich hatte freundschaftlichen Respekt für ihn, er hatte immerhin eingewilligt, mein Mentor zu sein.
Ich wusste, das die Bewahrer immer ein Auge auf die ihren haben würden, nichts desto trotz war es eine Sammlung von Wissen und Magie und Kampfkraft, welche sich dort als Gemeinschaft bündelte.

So blieb ich in der Nähe des Bewahrertrupps.
Beobachtete.

Die Höhle, in die wir vordrangen, war alt. Staubig, und dennoch leuchteten die Feuerbecken, die Fackeln, als wäre alles geplant gewesen.
Schafe und Schlachtbank, da war dieses Gefühl schon wieder.
Knochen – so viele Knochen. Das knirschen und knacken wenn jemand schwer gepanzertes auf sie trat, hallte durch die Höhlen, warf sich an den Wänden wieder zurück und machten jeden Schritt zu einem moralischen Tanz.
Der komplette Orden hatte sich um den König gescharrt, so war diesbezüglich meine Sorge....nein!
Es beruhigte mich, aber ich wusste, das der König es sich nicht nehmen lassen würde, voran zu stürmen.
Er WÜRDE es tun. Ein Anführer zu sein, heißt, jegliche Konsequenz auf sich zu nehmen um die zu schützen, die ihn unterstellt sind.
Ich würde es tun.
Nicht aus Todessehnsucht, sondern um zu versuchen, die anderen zu schützen. Solgard wieder vollständig nach Hause zu bringen.
Die zu Schützen, die ich liebe.
Das Ende der Höhle war ein Schlangenkopf? Ein Drachenkopf? Ich hatte wenig Blick für meine Umgebung, nur dieses unendlich tiefe dunkle Loch im Boden, und der Rotgeschuppte.
Hier szzzind szzzie, Meisssszzzter, befreit unszzzz nun, wir haben getan waszzzz verlangt war


 Schafe – Schlachtbank - !
Jetzt fiel es auch den Suromern auf, das der Rote nicht das Ende der Nahrungskette war. Zumindest in einigen Gesichtern konnte man erstaunen, oder Verwunderung sehen.
A'groniam, Machtbesessen wie alle die auf unserer Gegenseite standen, tötete den roten und wollte die Macht an sich reißen.
Dann entbrannte ein Kampf, zwischen beiden Avataren. A'groniam voller Hass und Zorn und Serafim voller Licht und Mitgefühl.
Es konnte nicht gut enden.
Ich stand umringt von 4 Plattenträgern, in der Mitte nahe dem Loch. Unfähig der Regung, gebannt im verfolgen des Kampfes.
Bis die eigentliche Macht sich Raum in den Köpfen der Anwesenden verschaffte. Die Macht, die weitaus größer ist, als das was wir aufbieten konnten.
Der Erbe verleibte sich beide Avatare und ihre Macht ein.
  
Wir hatten den Zyklus gebrochen, aber zu welchem Preis?
Wir hatten ihn befreit, in dem wir willige Schafe waren.
Der Erbe hatte kein Interesse mehr an uns, seine Gier war für den Moment gestillt.
Aber er würde wiederkommen.
Er würde ernten
Denn vor dem Tod sind wir alle gleich, wir nehmen nichts mit außer unserer Seele.
Die Seele, das wertvollste was ein Wesen besitzen kann.
Knochen und Fleisch verrotteten, aber die Seele, sie kann bestehen.
Und wenn der Erbe erneut auftritt, wird es Seelen zerreißen vor Qual, sie wieder neu zusammen setzen, nur um die Folter und den Missbrauch fortzusetzen.
Alle lebenden Lebewesen sollten gewarnt sein.
Der Tod holt uns alle ein.
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
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Shira'niryn
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Shira'niryn »


Sie hatte kaum geschlafen. Fast die ganze Nacht lag sie einfach nur in den Armen des Drachenmagiers, lauschte dessen Atem, lauschte den Atmungen der anderen Bewahrer. Unruhiges Gemurmel im Schlaf, sich wälzende Körper. Da war diese nicht greifbare Angst, dass die Illusionen Realität werden würden, würde sie die Augen schließen... das da Träume sein würden, wenn sie dem Schlaf nachgeben würde. Es wäre unerträglich gewesen auch nur einen der Bewahrer zu verlieren. Selbst Fel.

Selten hatte sie sich so schrecklich gefühlt und schuldig.

Schuldig das sie selbst so schwach gewesen war, dass sie keine Stütze für Elira oder den anderen hatte sein können. Dabei wäre es in ihrer Verantwortung gewesen zu schützen, zu halten, zu bewahren. Aber alle was sie tun konnte, war am Boden zu kauern, als wäre da in ihrem Inneren der Instinkt eines Tieres, das sich vor einem wesentlich mächtigeren unterwarf. Sie konnte nichts gegen dieses Gefühl tun, als sie sich der Präsenz des Erben, des anderen Drachen gewahr wurde, als würde alles auf ihre Sinne drücken und sie sich zwingen, sich zu beugen, als wäre die Rangfolge in ihr Blut geschrieben.

Und auch jetzt, wo die ersten Sonnenstrahlen wieder über die Insel strichen und der Morgen nach der 'Schlacht' hereinbrach, konnte sie dieses ungute Gefühl irgendwie verloren zu haben nicht loswerden. Da war nur bedingt Trauer über den König, nicht mehr als sie einen anderen Solgarder hätte zukommen lassen. Aber Satsujinshar war aus seinem Zyklus befreit, ein Erbe des Ältesten Tod und ihr war nicht bekannt, ob irgendwo in diesem Universum ein entsprechender Gegenpart noch existierte. Alles musste ein Gegenstück haben. Gleichgewicht war wichtig und sie fühlte die Waage gefährlich zu einer Seite kippen.

Auf der Echidna waren drei Setzlinge die sie mitgenommen hatten und jene würden nun ihre neue Bestimmmung finden.

Einer davon würde in Erinnerung an die versklavten und geschändeten Ophidianer gepflanzt werden, sie hatten es nicht verdient über Jahrtausende so zu leiden.

Der Zweite würde für den König, Serafim, gepflanzt werden. Eine Erinnerung für sein Opfer.

Und der dritte Setzling würde schließlich als Symbol des Neuanfangs, als Hoffnungsträger des Lebens seinen Platz finden.

Es waren nur symbolische Handlungen, aber sie würden vielleicht ein wenig Trost bringen.

Bild
» Bewahrer, Bewahrer - hebt die Gläser hoch, auf Fehler, auf Freundschaft, auf „trotzdem doch“.
Wir retten nicht alles, wir retten uns selbst und manchmal reicht das - für diese Welt.«


»Backstreet Bewahrer Boys«

»Ich bin Shira!«
Dervyn
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Dervyn »

Als sie die Reise antraten waren sie noch voller Hoffnung und guten Gewissens, sie trugen Mut und Glauben im Herzen, doch neben der holprigen Reise zur Insel, über die Armeen von Ophidianern hinweg bis hin zu den Ereignissen der letzten drei Tage, wurde so einiges davon auf die Probe gestellt.
Die letzten drei Tage auf dieser Insel vermochten Hoffnungen und Moral zu zerstören, den Glauben zu erschüttern und die Zukunft in Dunkelheit zu hüllen.

Zwei Tage vor dem Aufbruch von der Insel erwachte Dervyn spät abends zum Wachdienst.
Statt aber im Lager anzukommen wurde er von schwarzem Nebel umhüllt um kurz darauf vor den Toren Solgards zu stehen. Ein Solgard anders als in seinen Erinnerungen, die Stadt stand in Flammen, lag in Schutt und Asche, schreie hallten durch die Luft von innerhalb der Stadt. Der Anblick vor den Toren war nicht besser, er sah die Leichen als seiner Kameraden am Boden, auch seine eigene!? Wie aber konnte das möglich sein... die Streiter Solgards standen wohlauf neben ihm und schauten gebannt auf Szenerie, aber gleichzeitig lagen sie vor ihm...Tot. Lange blieb ihn jedoch nicht um zu trauern oder zu verstehen, da erhob sich ein Drachengebilde aus Knochen, er riss die Streiter aus ihrer Trance und lieferte einen harten und erschöpfenden Kampf. Letztendlich aber besiegten sie ihn und als er zu Boden fiel galt die Aufmerksamkeit wieder den Leichen, ihren toten Ebenbildern. Dervyn behielt seinen Helm trotz der Hitze auf, er kam ihm grade recht um sein blasses Gesicht zu verdecken und zu verbergen wie sehr ihn der Anblick mitnahm. Freunde lagen leblos auf den Boden verstreut, Priester versprachen ihnen die letzte Ruhe. Ein Moment der tiefe Wunden in die Seele des Kriegers schlug. Und als wäre das nicht schon genug, erhob sich der Drache aus den Gebeinen der Toten erneut. Ein Monster geschaffen aus unseren liebsten, aus uns selbst.
Nach einem weiteren harten Kampf gewannen die Streiter auch dieses mal, was danach aber folgte war die eigentliche Qual. Immer und immer wieder war man gezwungen zu sehen wie sie starben. Eine Folter, ein anhaltender Alptraum der sich immer wiederholte... bis der Nebel sie irgendwann erlöste und zurück ins Lager brachte.
Doch das minderte nicht im geringsten dass erlebte, die angeschlagenen, blassen und schockierten Gesichter waren auch lange nach der Illusion noch zu sehen.
Einzig dem König gelang es nach einer Inspirierenden Rede die Moral der Streiter wieder ein wenig zu heben. Für Dervyn war es die Hand der Frau die ihm an diesen Abend ruhe brachte, zumindest genug um noch etwas schlaf finden zu können. Zuvor noch am selben Abend stand Dervyn an der Reeling der Echidna und blickte über das Lager. War das die Zukunft oder sollte das bloß ein Streich Zaron's gewesen sein.
Er dachte an dem Abend noch lange darüber nach.

Der letzte Tag vor dem Aufbruch war eindeutig der schlimmste, der gesamten Reise.
Späher brachten die Kunde dass der Anführer der Ophidianer Zaron gesichtet wurde, ganz in der Nähe.
Und so dauerte es nicht lange bis der König und die Streiter sich versammelten, gerüstet und vorbereitet. Letztendlich sollte ihnen aber das Gegenteil vor Augen geführt werden... Rasch machte sich der König auf zum Steinkreis, begleitet vom Orden, die Streiter dicht dahinter. Am Steinkreis trafen sie auf die Gruppe der Greifen aus Nebelhafen, gute Leute, Dervyn war froh dass sie es waren und nicht Surom. Gemeinsam machten sie sich auf einen Abstieg in die Tiefen einer überwucherten Höhle bereit. Eine Höhle die zunächst nichts außergewöhnliches Versprach, bis sich wieder der Nebel zeigte, nicht um sie wieder in eine Illusion zu ziehen, sondern um ihnen einen Weg zu offenbaren, tiefer in das Unterreich der Insel. Zum Zögern war keine Zeit und so Schritt König und Gefolge den Gang entlang. Knochen über Knochen, Überreste verschiedenster Rassen gestapelt an den Wänden bis zur Decke, ein groteskes Bild offenbarte sich ihnen im Inneren. Bei einem solchen Anblick ist es kein Wunder das einige der Streiter erschauderten, Dervyns selbst war es unangenehm, ein kalter Schauer begleitete ihn hinter jeder Ecke hinter der er noch mehr Überreste fand. Und dann mussten sie auch noch mitten durch. Er biss die Zähne zusammen und versuchte nicht daran zu denken, bahnte sich seinen Weg durch den Knochenhaufen mit Bedacht. Die Berge an Überresten flaute ab dafür erblickten sie einen nicht weniger erschreckenden Anblick. Hinter einer Abzweigung fanden sie Folterkammern und Gefängniszellen, wofür konnte Zaron sie gebrauchen, bisher war Dervyn der Meinung er würde seine Opfer allesamt nun mal "Opfern". Er selbst blieb draußen und beobachtete ruhig wie die anderen die Zellen inspizierten, während der Orden den Rücken deckte. Schließlich entschied der König weiter zu gehen und so kamen sie nach einem gewundenen Gang an eine Mauer an, verschlossen aber nicht lange. Nach einer kurzen weile senkte es sich von alleine als wäre es eine Einladung... oder eine Falle? Die Schildträger darunter auch Dervyn schlichen sich mit erhobenen Schilden voran. Die Kammer in der sie sich nun befanden war weitläufig und am hinteren Ende ragte ein riesiger Drachenkopf mit glühenden Augen hervor. Ein Monument so beeindrucken wie groß. Und davor stand Zaron... als Dervyn näher trat bemerkte er ein scheinbar bodenloses Loch vor dem Ophidianer, der zu seiner Verwunderung bisher schwieg und nur beobachtete. Erst als auch die Suromer ihren Weg in die Kammer fanden begann er zu Sprechen. Zu diesem Zeitpunkt jedoch fokussierte Dervyn sich mehr auf die Gegenseite, auch sie wurden begleitet von ihrem Imperator und so stellte er sich schützend an die Flanke. Die Ereignisse die darauf folgten überschlugen sich, es ging alles so schnell. Erst tötete der Imperator den Ophidianer und nahm die Saat an sich, im nächsten stürzte er sich damit auf unseren König. Ein Kampf dessen Echo durch die Höhlen hallte, ein Kampf abseits allen Irdischen, so waren Streiter beider Seiten zum zuschauen verdammt. Nebelhafen nutze die Gelegenheit ihren Bürgermeister zu retten und den Rückzug anzutreten. Während der Kampf sich dem Höhepunkt neigte, stieg eine starke Präsenz aus dem Loch auf. Die bloße Präsenz zwang ein jeden in die Knie, das Brüllen so furchtbar dass die Ohren anfingen zu Bluten.
Der Drache "die Brut" stieg aus dem Loch hervor und vernichtete die beiden Gotteskrieger, die unter Einsatz ihres Lebens ihre Streiter schützten, in einem Zug. Danach brach er aus der Höhle aus und flog davon. Erschüttert blieben die Streiter zurück, die Brut ist erwacht und schlimmer noch, ihr König ist tot. Das rasende Herz Dervyns kam zu einem plötzlichen Stillstand als er den Schrei der Stadthalterin vernahm. Sie hatten versagt... aber zum Trauern blieb nicht viel Zeit, der Krieg zwischen Licht und Dunkelheit brach erneut aus und so ging Surom auf Solgard los. Vergebens versuchte Dervyn zu verhindern das alle das selbe Schicksal teilten wie die beiden Gotteskrieger. So war er gezwungen zum Rückzug. Daheim oder wohl eher zurück im Lager wurden die Vorbereitungen für die Rückfahrt getroffen. Man konnte ein jedem den Schreck ansehen. Bei dem Anblick der Stadthalterin, ballte Dervyn die Fäuste, ihm fehlten die Worte und er fühlte sich machtlos, konnte ihr in dem Moment nicht helfen, also suchte er nach einem anderen Weg und verließ das Lager in Richtung Nebelhafens Lager.
Er kam spät zurück, schlich sich leise aufs Schiff und machte sich an die Mohnsaft Vorräten zu schaffen, griff sich noch eine Flasche Rum und zwei Becher und machte sich auf den Weg zur Kajüte der Stadthalterin. Er wusste wie sehr sie sich wünschte alle nach Hause zu bringen, wohlbehalten, nun war es nicht mehr möglich. Dazu auch noch der König. Er mischte den Mohnsaft in den Rum und reichte ihr ein Becher an, schweigend saßen die Beiden noch eine Weile zusammen bevor sie sich hinlegten. Immerhin mussten sie etwas schlafen. In ihrer Umarmung konnte auch er nicht mehr anders und es flossen Tränen, im stillen, in ihren Armen.

Am Tag danach war es nicht besser, kaum einer schlief und dann war man noch mit den Abreisevorbereitungen beschäftigt.
Noch kurz überprüft ob alle an Bord waren und es konnte losgehen zurück in die Heimat. Zu Beginn der Fahrt versuchte Dervyn mit ein paar Worten die Leute aufzuheitern oder ihnen zumindest für einen Moment die Sorgen zu lindern. Am Abend saß er an Deck mit den Bewahrern, der Stadthalterin und dem Großmeister.
Sie unterhielten sich, konnten sogar lachen, wenn auch nur für einen Moment. Später dann zog sich Dervyn zurück um sich etwas bequemeres anzuziehen und kletterte mit einer weiteren Flasche Rum ins Krähennest hoch. Dort oben sinnierte er weiter über vergangenes. Was ist wenn Zaron sie bloß warnen wollte? Er verurteilte den Streit zwischen Gut und Böse, er zeigte uns Visionen in der jede Stadt unter Asche begraben lag. Vielleicht weil wir uns gegenseitig bekämpfen? Vielleicht war das die Zukunft wenn man sich nicht zusammenreißt und die Gefahr gemeinsam bannt, alleine verlieren wir, gemeinsam könnten wir es schaffen. Serafim und A'groniam bekämpften sich und wurden ausgelöscht. Es muss hart für die Glaubensgemeinschaften sein, aber seiner Meinung nach ist dieser Feind alleine nicht aufzuhalten.
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