[Dschinni-Quest] Dein Wunsch ist mir Befehl
Verfasst: 27 Apr 2026, 16:09
Es begann leise, beinahe belanglos.
Kenneth saß Elira gegenüber, die Finger noch locker um eine Tasse gelegt, während sich ihr Gespräch in ruhigen Bahnen bewegte. Draußen ruhte Solgard in gedämpfter Stille, drinnen war nichts als das leise Knarren des Holzes, ein kaum hörbares Surren des Windes – und dann, fast unmerklich, ein Hauch, der nicht dorthin gehörte.
Elira zuckte zusammen und wandte sich um, als hätte sie etwas gestreift. Auch Kenneth hielt inne, sein Blick glitt instinktiv an ihr vorbei, suchte nach einer Ursache, die sich jedoch nicht zeigte. Für einen Moment blieb alles still, fast zu still, bis sich diese Stille selbst veränderte.
Die Uhr an der Wand begann unruhig zu schlagen. Was eben noch ein gleichmäßiger Takt gewesen war, wirkte plötzlich gehetzt, drängend, als wolle die Zeit selbst sich aus ihrem eigenen Lauf lösen. Das Pendel schwang nicht mehr geduldig, sondern mit einer fast anklagenden Hast und beide konnten nicht anders, als den Blick darauf zu richten.
Elira rief nach Shira, zunächst vorsichtig, dann mit wachsender Unsicherheit, doch die Antwort kam nicht in der Form, die sie erwartet hatte. Stattdessen begann sich die Luft zu verdichten. Aus einem feinen, kaum greifbaren Nebel heraus formte sich eine Gestalt, deren Umrisse nie ganz fest wurden. Sie war da und doch nicht vollständig in dieser Welt verankert, als würde sie nur einen Teil von sich zeigen, während der Rest jenseits des Sichtbaren blieb.
Sul’azir vom Glühenden Sand.
Seine Stimme klang nicht wie ein gesprochenes Wort, sondern eher wie ein Gedanke, der sich seinen Weg bahnte. Sie lag zwischen ihnen, ohne dass klar war, woher sie kam und doch war sie unüberhörbar. Er sprach von Befreiung, von einem Lohn, der ihnen zustand und von Wünschen, die er zu erfüllen gedachte. Seine Worte waren ruhig, fast beiläufig und doch lag in ihnen etwas Forderndes, etwas, das den Moment selbst schwer machte.
Elira war es, die zuerst antwortete. Ihr Wunsch kam ohne Zögern, getragen von einer schlichten, ehrlichen Absicht. Sie wollte die Wälder schützen, das Leben bewahren, das dort wuchs, ganz gleich, ob durch ihre eigene Hand oder durch die seine.
Für einen Augenblick schien die Gestalt still zu verweilen, als koste sie die Worte aus. Dann ein leises Schnippen. Und es sei getan.
Als sich der Blick des Dschinnis Kenneth zuwandte, schien der Raum enger zu werden. Die Stille nahm eine andere Form an, dichter, drängender. Was zuvor nur ein Gespräch gewesen war, wurde plötzlich zu einer Entscheidung, auf die er nicht vorbereitet gewesen war. Seine Worte kamen zögerlich, tastend, als müsse er sie erst selbst finden. Er wünschte sich mehr Sicherheit. Weniger Zweifel. Eine Klarheit in sich selbst, die ihm bislang gefehlt hatte. Ein einfacher Wunsch, könnte man meinen. Ein ehrlicher.
Auch hier folgte nur ein Schnippen. Ein Versprechen. Und dann verschwand die Gestalt so plötzlich, wie sie erschienen war.
Zurück blieb eine Stille, die sich anders anfühlte als zuvor. Schwerer. Bedeutender.
Zunächst schien nichts geschehen zu sein. Kenneth musterte sich selbst, als erwarte er eine Veränderung, die sich greifen ließ, während Elira erleichtert wirkte, beinahe erleichtert genug, um über das Geschehene hinwegzulächeln. Doch diese Ruhe hielt nicht lange. Ein einzelnes Blatt löste sich aus Eliras Haar und sank lautlos zu Boden. Dann noch eines. Und noch eines.
Was zunächst wie ein Zufall wirkte, wurde schnell zu etwas Unübersehbarem. Das dunkle Haar begann sich zu verändern, wurde von einem feinen Grün durchzogen, bis sich die Erkenntnis nicht länger verdrängen ließ: Es waren keine Haare mehr. Es waren Blätter.
Während Elira mit wachsender Panik versuchte zu begreifen, was mit ihr geschah, zog sich Kenneth immer weiter in sich selbst zurück. Sein Blick verlor sich, seine Gedanken schienen sich zu überschlagen, als würden sie nicht mehr in geordneten Bahnen verlaufen.
Es war kein Mangel an Sicherheit, der ihn nun erfasste. Es war zu viel davon.
Oder vielmehr: zu viele Stimmen, die plötzlich Raum bekamen, jede für sich drängend, jede mit einer eigenen Richtung. Entscheidungen zerfielen, bevor sie greifen konnten, und das, was er sich gewünscht hatte, wurde zu etwas, das er kaum fassen konnte.
Der Ruf nach Sul’azir kam beinahe zwangsläufig - und er wurde erhört, als hätte er nur darauf gewartet. Seine Erklärung war einfach, beinahe nüchtern und gerade darin lag ihre Schwere.
Elira hatte sich gewünscht, die Wälder zu schützen. Also war sie ein Teil davon geworden.
Kenneth hatte sich gewünscht, sicherer zu sein. Also hörte er nun alles in sich klarer als je zuvor.
Es waren keine Fehler. Es war die Erfüllung - und sie war nicht ohne Weiteres rückgängig zu machen. Nicht ohne Preis. Sul’azir sprach von einem Amulett, einem verlorenen Relikt, verborgen in einer alten Schatzkammer irgendwo in den Weiten des glühenden Sandes. Sie sollten es finden, sollten es zurückbringen und erst dann würde er gewähren, was sie nun verlangten: Das Zurücknehmen ihrer Wünsche.
Erst dann. Ein Mond blieb ihnen.
Als die Gestalt sich schließlich wieder auflöste, war der Raum erneut still. Doch diese Stille war keine gewöhnliche mehr. Sie trug Gewicht, eine unausgesprochene Ahnung von dem, was kommen würde.
Elira stand noch immer da, die Hände leicht zitternd, während sie prüfte, ob ihr Haar wirklich wieder Haar war, oder ob sich die Veränderung nur verborgen hatte. Kenneth hingegen wirkte, als lausche er etwas, das sich nicht mehr abschalten ließ.
Sie hatten eine Abmachung getroffen.
Und während die Uhr an der Wand wieder ihren gleichmäßigen Takt fand, blieb ein leiser Rest von Unruhe zurück, kaum greifbar, aber unübersehbar. Denn irgendwo zwischen einem Wunsch und seiner Erfüllung lag eine Wahrheit, die sie beide nun begriffen:
Sie hatten sich etwas gewünscht. Und nun würden sie lernen müssen, was es bedeutet, wenn Wünsche tatsächlich wahr werden.
Noch bevor der Tag sein Ende fand, hinterlegte Kenneth eine kurze Notiz auf der großen Tafel in der Unitatis-Festung:
Kenneth saß Elira gegenüber, die Finger noch locker um eine Tasse gelegt, während sich ihr Gespräch in ruhigen Bahnen bewegte. Draußen ruhte Solgard in gedämpfter Stille, drinnen war nichts als das leise Knarren des Holzes, ein kaum hörbares Surren des Windes – und dann, fast unmerklich, ein Hauch, der nicht dorthin gehörte.
Elira zuckte zusammen und wandte sich um, als hätte sie etwas gestreift. Auch Kenneth hielt inne, sein Blick glitt instinktiv an ihr vorbei, suchte nach einer Ursache, die sich jedoch nicht zeigte. Für einen Moment blieb alles still, fast zu still, bis sich diese Stille selbst veränderte.
Die Uhr an der Wand begann unruhig zu schlagen. Was eben noch ein gleichmäßiger Takt gewesen war, wirkte plötzlich gehetzt, drängend, als wolle die Zeit selbst sich aus ihrem eigenen Lauf lösen. Das Pendel schwang nicht mehr geduldig, sondern mit einer fast anklagenden Hast und beide konnten nicht anders, als den Blick darauf zu richten.
Elira rief nach Shira, zunächst vorsichtig, dann mit wachsender Unsicherheit, doch die Antwort kam nicht in der Form, die sie erwartet hatte. Stattdessen begann sich die Luft zu verdichten. Aus einem feinen, kaum greifbaren Nebel heraus formte sich eine Gestalt, deren Umrisse nie ganz fest wurden. Sie war da und doch nicht vollständig in dieser Welt verankert, als würde sie nur einen Teil von sich zeigen, während der Rest jenseits des Sichtbaren blieb.
Sul’azir vom Glühenden Sand.
Seine Stimme klang nicht wie ein gesprochenes Wort, sondern eher wie ein Gedanke, der sich seinen Weg bahnte. Sie lag zwischen ihnen, ohne dass klar war, woher sie kam und doch war sie unüberhörbar. Er sprach von Befreiung, von einem Lohn, der ihnen zustand und von Wünschen, die er zu erfüllen gedachte. Seine Worte waren ruhig, fast beiläufig und doch lag in ihnen etwas Forderndes, etwas, das den Moment selbst schwer machte.
Elira war es, die zuerst antwortete. Ihr Wunsch kam ohne Zögern, getragen von einer schlichten, ehrlichen Absicht. Sie wollte die Wälder schützen, das Leben bewahren, das dort wuchs, ganz gleich, ob durch ihre eigene Hand oder durch die seine.
Für einen Augenblick schien die Gestalt still zu verweilen, als koste sie die Worte aus. Dann ein leises Schnippen. Und es sei getan.
Als sich der Blick des Dschinnis Kenneth zuwandte, schien der Raum enger zu werden. Die Stille nahm eine andere Form an, dichter, drängender. Was zuvor nur ein Gespräch gewesen war, wurde plötzlich zu einer Entscheidung, auf die er nicht vorbereitet gewesen war. Seine Worte kamen zögerlich, tastend, als müsse er sie erst selbst finden. Er wünschte sich mehr Sicherheit. Weniger Zweifel. Eine Klarheit in sich selbst, die ihm bislang gefehlt hatte. Ein einfacher Wunsch, könnte man meinen. Ein ehrlicher.
Auch hier folgte nur ein Schnippen. Ein Versprechen. Und dann verschwand die Gestalt so plötzlich, wie sie erschienen war.
Zurück blieb eine Stille, die sich anders anfühlte als zuvor. Schwerer. Bedeutender.
Zunächst schien nichts geschehen zu sein. Kenneth musterte sich selbst, als erwarte er eine Veränderung, die sich greifen ließ, während Elira erleichtert wirkte, beinahe erleichtert genug, um über das Geschehene hinwegzulächeln. Doch diese Ruhe hielt nicht lange. Ein einzelnes Blatt löste sich aus Eliras Haar und sank lautlos zu Boden. Dann noch eines. Und noch eines.
Was zunächst wie ein Zufall wirkte, wurde schnell zu etwas Unübersehbarem. Das dunkle Haar begann sich zu verändern, wurde von einem feinen Grün durchzogen, bis sich die Erkenntnis nicht länger verdrängen ließ: Es waren keine Haare mehr. Es waren Blätter.
Während Elira mit wachsender Panik versuchte zu begreifen, was mit ihr geschah, zog sich Kenneth immer weiter in sich selbst zurück. Sein Blick verlor sich, seine Gedanken schienen sich zu überschlagen, als würden sie nicht mehr in geordneten Bahnen verlaufen.
Es war kein Mangel an Sicherheit, der ihn nun erfasste. Es war zu viel davon.
Oder vielmehr: zu viele Stimmen, die plötzlich Raum bekamen, jede für sich drängend, jede mit einer eigenen Richtung. Entscheidungen zerfielen, bevor sie greifen konnten, und das, was er sich gewünscht hatte, wurde zu etwas, das er kaum fassen konnte.
Der Ruf nach Sul’azir kam beinahe zwangsläufig - und er wurde erhört, als hätte er nur darauf gewartet. Seine Erklärung war einfach, beinahe nüchtern und gerade darin lag ihre Schwere.
Elira hatte sich gewünscht, die Wälder zu schützen. Also war sie ein Teil davon geworden.
Kenneth hatte sich gewünscht, sicherer zu sein. Also hörte er nun alles in sich klarer als je zuvor.
Es waren keine Fehler. Es war die Erfüllung - und sie war nicht ohne Weiteres rückgängig zu machen. Nicht ohne Preis. Sul’azir sprach von einem Amulett, einem verlorenen Relikt, verborgen in einer alten Schatzkammer irgendwo in den Weiten des glühenden Sandes. Sie sollten es finden, sollten es zurückbringen und erst dann würde er gewähren, was sie nun verlangten: Das Zurücknehmen ihrer Wünsche.
Erst dann. Ein Mond blieb ihnen.
Als die Gestalt sich schließlich wieder auflöste, war der Raum erneut still. Doch diese Stille war keine gewöhnliche mehr. Sie trug Gewicht, eine unausgesprochene Ahnung von dem, was kommen würde.
Elira stand noch immer da, die Hände leicht zitternd, während sie prüfte, ob ihr Haar wirklich wieder Haar war, oder ob sich die Veränderung nur verborgen hatte. Kenneth hingegen wirkte, als lausche er etwas, das sich nicht mehr abschalten ließ.
Sie hatten eine Abmachung getroffen.
Und während die Uhr an der Wand wieder ihren gleichmäßigen Takt fand, blieb ein leiser Rest von Unruhe zurück, kaum greifbar, aber unübersehbar. Denn irgendwo zwischen einem Wunsch und seiner Erfüllung lag eine Wahrheit, die sie beide nun begriffen:
Sie hatten sich etwas gewünscht. Und nun würden sie lernen müssen, was es bedeutet, wenn Wünsche tatsächlich wahr werden.
Noch bevor der Tag sein Ende fand, hinterlegte Kenneth eine kurze Notiz auf der großen Tafel in der Unitatis-Festung:
Ich habe beim Gildentreffen morgen etwas Wichtiges zu berichten!
Ich habe Mist gebaut - Elira aber auch!
gez. Kenneth