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Vom Zerfall und Wiederaufbau

Verfasst: 21 Aug 2025, 15:07
von Thomas84
Wie so häufig, seit dem düsteren Ereignis am Tor zum Kazad, ging Trogadon zu dem Dawi Haldrim, der an den Trümmern Wache stand. Der stämmige Dawi stand wie immer regungslos, ja fast wie in Starre versetzt an der Stelle, wo einmal das große Tor stand. Und allen Dawi, und jenen die ihnen gut gesonnen sind, Schutz und Sicherheit bot. Obwohl er sich nicht zu bewegen schien, ja kaum zu atmen, konnte man bei genauerem Beobachten, in seinen Augen erkennen, dass er dennoch alles in seiner Umgebung, Gutes sowie Schlechtes, genaustens wahr zu nehmen schien.
Trogadon trat an ihn heran und sprach: „Haldrim, Bruder. Ich bin gekommen um dich von deiner Wache abzulösen.“


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Einen Augenblick lang geschah nichts, doch dann regte sich, der wie in Trance versetzte Dawi, ein klein wenig.
Erst war nur ein Grummeln von ihm zu vernehmen, dann sagte er: „Nein, Trogadon. Ich habe mich für diese Aufgabe gemeldet. Und ich werde sie für dem Throng zu Ende bringen.“
Dann war nichts mehr von ihm zu hören und seine Atmung wurde wieder langsamer und flacher. Er schien wieder in denselben Zustand, wir zuvor zu fallen.

Trodadon seufzte leicht. Er machte sich Gedanken um die Wache, die Tag und Nacht, den Eingang zur Kazad bewachte. Dennoch kam er nicht drum herum Haldrims Ehrgefühl und seine dawische Standfestigkeit zur ehren und zu respektieren.

Dann dreht Trogadon sich um zu dem Schutthaufen, der einmal das Tor zum Khul Gathol war und mehrere tausend Jahre hätte überstehen sollen. Traurig und schweren Herzens, bei dem Anblick trat er näher heran. Er wusste, dass bevor die Trümmer des alten Tors nicht beseitig werden, kann nichts Neues Erschaffen werden. Und wenn nicht die stolzen Dawi neues erschaffen, wer sollte es dann machen?

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Er entledigte sich seiner Rüstung und zog sich Kleidung, die für seine Aufgabe angemessen waren, über. Dann legte es alles sorgfältig in seine Tasche und stellte diese ein paar Schritte abseits des Schutts ab. Nun nahm er seine Spitzhacke hervor und trat wieder an die Trümmer heran.

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Er hielt inne. Noch immer war der Geruch von Blut und Verwesung klar zu vernehmen. Sicher, ihm war bewusst, dass der Gestank größten teils von den erschlagenen Minotauren kam. Dennoch lief es ihm eiskalt den Rücken herunter, bei dem Gedanken auch die Überreste seiner Brüder zu finden.
Seine Brüder, die Wachdienst hatten, am Abend des schrecklichen Ereignisses. Jene mutigen Dawi, die standhaft versuchten die Linie zu halten, damit andere lange genug in Sicherheit waren, um die Formationen neu zu bilden. Die Bilder des Chaos an dem furchtbaren Abend spukten immer noch vor seinem geistigen Auge umher. „HALTET DIE REIHEN!!!“ hat er noch gerufen, bevor der Stein des Tors nachgab.
Obwohl, der in die Jahre gekommene Dawi einiges erlebt hatte, aber die schreie seiner Brüder, als sie zerfetzt wurden, der Fall des Tors und das Gemetzel danach, waren einfach zu sehr in seinen Geist gebrannt, als dass er es jemals verdrängen könnte. Und vergessen, ja mit Vergessen, sind die Dawi nun mal nicht gesegnet worden. Er versuchte sich mit den Gedanken zu trösten, dass sie gestorben sind um andere zu Retten. Doch es gelang ihm nicht.


Nicht nur Suromern, die sein Volk immer wieder zu provozieren scheinen, nein auch den verhassten Feinden der Dawi, den verfluchten Drow wurde Einlass gewährt. Dafür sind zwei seines Throng gestorben. Damit jene leben können.
Er spukte aus bei dem Gedanken und murmelte mehr zu sich selbst: „Für das Opfer und diese Geste der Barmherzigkeit, werden wir vermutlich nicht einmal ein Wort des Dankes erhalten“ Wieder spukte er aus und dachte sich still: „Das Wort, jener ist vermutlich eh nichts wert.“

Dann verscheuchte er die trüben Gedanken und sendet ein Stoßgebet an Karaz den Göttervater, dass er ihm die Kraft schenken möge seine Aufgabe zu beenden.

Dann spucke er in seine Hände, hob seine Spitzhacke über den Kopf und lies sie mit der Kraft eines Dawis auf das Geröll hinunter sausen. Beim ersten Schlag, stellten sich ihm noch die Haare im Nacken auf. Immer noch Furcht vor dem, was er von seinen Brüdern finden könnte.

Doch Karaz hatte sein Gebet scheinbar erhört. Denn als er typisch für die Dawi, in einem tranceähnlichen Rhythmus, immer und immer wieder auf den Stein einschlug, verschwand mit jedem Hieb ein Stück seiner Furcht. Und so fuhr er fort. Hieb für Hieb. Schlag für Schlag. Tag für Tag und Nacht für Nacht.
So wird er weiter machen, mit seinen Brüdern, Schwestern und all jenen die den Dawi wohlgesonnen sind. Mit ihnen oder ohne sie, er wird nicht eher ruhen, bis ein neues Tor wieder schützend vor der Stadt steht. Er wird den Schutt des alten Tores beseitigen und falls nötig die Überreste seiner tapferen Brüder bergen und bestatten. Denn, SIE, sind Dawi. Und wenn ein Tor bricht, werden sie nicht eher ruhen bis ein neues, ein stärkeres, ein MÄCHTIGERES TOR aus den Trümmern neu entstanden ist.

Für Karaz!