Gehörnter Ziegenschädel für Golga

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Morloch
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Gehörnter Ziegenschädel für Golga

Beitrag von Morloch »

 
 
Der Wind wähnte sich bestimmt und gleichzeitig sanft durch die Baumwipfel der Geisterwiesen. Wie eine Regentrommel, nur mit anderem Laut und Rhythmus. Das unbedarfte Auge hätte wohl nicht erkannt, welche lauernde Gefahr sich unter dem Spiel der Natur, weiter im Unterholz, bewegte: eine Späherschar der Orks, ihre Leiber mit rauen Ledern und Teilen von Ringrüstungen in Erd- und Waldfarben bedeckt –irgendwo darauf das Symbol des Tryl’hi-Stamms–, in ihren Händen, gesenkt, primitive Speere und Hornbögen.
 
Die Orkvorhut hatte ein bestimmtes Ziel in die ungerade Anzahl ihrer Augen gefasst. Es und die, dem Augenschein nach weniger menschliche, Begleitung, dessen rote Haut nicht minder von Interesse für die wulstige Sicht der schleichenden Orks schien.
 
Bol-wor. Skai-og wor matat?’, unterstellte einer der Orks den Nachgestellten Stärke und vergewisserte sich wohl schon mal bei seinem Scharführer, ob sie vorzugsweise schnell sterben sollten oder es sich vorzusehen galt.
 
Ik sngro dat-zul. Lavar cho.’, zerschmetterte der Scharführer die aufkommende Unruhe. Er wolle die Wandelnden lebendig. Oder sagte er, er habe eine Botschaft für die Reisenden? Die Orksprache war eine schwierige Sprache. Besonders dann, wenn die sonst kehlig-hörbaren Verlautbarungen hier, unter dem Dickicht, hinter einer weniger auffälligen Sprechweise zurücktreten mussten – dem saßen nicht zuletzt die Hauer im Weg, die kurzum eine neue Dialektik förderten, und das genaue Hinhören eines Orks forderten.
 
Die übrige Schar blieb stumm, harrte dem Vorbild des Rudelführers, der langsame Schritte voran machte. Hin zum Rand der Lichtung. Einer der Orkbögen knarzte sachte in Bereitschaft, aber das Knarzen verfloss im Wind, der ohnehin schon Bäume bewegte. Die Speere in der ersten Reihe ‘dirigierten’ Zweige und Äste, sodass sie nicht im Weg hingen… bis die Orks schließlich den verschleiernden Mantel des Dickichts aufgaben und nun, ganz offensichtlich, dem gar nicht unbedarften Golga von Assuan und Tahxxilis auf etwa dreißig Schrittlängen gegenüberstanden.
 
Die Speere hatten wieder mehr Platz 'nach oben' und entsprechend änderten ihre Träger die Waffenhaltung. ‘Goh-zha! Wor ‘zem Urkza.’, raunte der Orkführer, nun wieder besser verständlich, den Bogenträgern zu – und beschwichtigte gleichsam die Gemüter, indem er erwähnte, dass dieses, zunächst friedlich gedachte, Intermezzo nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, als es die knapp bemessene Geduld der Jagd zuließe. Auch die Haltung dieser Waffen entspannte sich, fürs Erste. Der Scharführer bedeutete Golga mit einer gehobenen Hand, in der an einem Seil aufgehängt der ‘bemalte’ Schädel einer Ziege baumelte –und in der anderen ein Orkhorn, das kurz darauf einen leiseren, diplomatischen Klang über die Ebene verhallen sollte–, dass diese Begegnung keinen Zwist mit sich bringen würde.
 
Golga gehörte nicht zu den Feinden des Orkstamms der Tryl’hi. Ob er sich dessen, und der letzten Begegnung inmitten des weiten Waldes, bei der sich die Stammesoberen schützend auf die Seite Golgas –und entgegen den Elfen des Waldes, die ihn aus niederen Gründen wie Beute bedrängten– gestellt hatten, erinnerte?
 
So Golga nicht agierte oder floh, würde ihm der Führer dieser Späherschar den ausgetrockneten, aber zwischen den Augenhöhlen mit einer Blutschrift genährten, Ziegenschädel zum ‘Präsent’ machen. Eine Gepflogenheit der Überbringung von Botschaft. Eine Eigenheit des Teufelsmunds, des Draratûl der Tryl’hi, Morloch.
 
Draratûl schiggt Botschaft.’, würde Golga zu hören bekommen.
 
Und da würde der Schädel nun liegen, zurückgelassen auf einem tellerförmigen Stein auf der Lichtung, umringt von Wald. Die Blutschrift würde, irgendwie, ein paar letzte Tropfen mit der Schwerkraft gehen lassen. Mit geschickter Hand und ausreichendem magischen Verständnis könnte sie den verfolgten Zweck dieser unverhofften Begegnung und Kunde offenbaren und sich zu lesbaren Symbolen, die sich vertikal aneinander reihen, formen.

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'Wichtik-Palava'

In einer der ausgehobenen Augenhöhlen würde eine kleine blassgrüne Flamme wabern und mit einem leisen Atmen auf ihre Existenz aufmerksam machen. Wie eine Aufforderung – oder etwa ein ungewisses Indiz?


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Golga
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Re: Gehörnter Ziegenschädel für Golga

Beitrag von Golga »

„Nein, wir werden heute noch diese Tour zu Ende bringen und dann kehren wir zurück. Wir haben für heute genug gefunden.“

Seine Stimme blieb ruhig und kontrolliert. Jeder Schritt, den er setzte, schien bewusst gewählt, so als lausche er auf den Herzschlag des Waldes selbst. Es war ein klarer, sonniger Tag. Kein Vogel verstummte, kein Zweig knirschte verdächtig. Das Leben des Waldes pulsierte in gewohnter Harmonie, während eine sanfte Brise über die beiden Wanderer strich und wie zur Begrüßung die Blätter über ihnen zum Flüstern brachte.

„Meister…“ – ihre Stimme verriet mehr als ihre Worte. Eine feine, warnende Note klang darin mit.

„Ja, ruhig“, antwortete er leise. „Hätten sie uns angreifen wollen, wären sie anders vorgegangen.“

„Was ist, wenn sie es nicht besser können?“

„Dann wird ihr Lebensfaden heute gekappt.“

Der ruhige, beständige Rhythmus seines schimmernden Tattoos ließ ihre Anspannung ein Stück weit weichen. Er verstellte seinen Rucksack, löste den Druck an den Schultern und atmete ruhig aus – ganz in der Gelassenheit eines Mannes, der sich nicht im Geringsten von äußeren Bedrohungen einschüchtern ließ.

Als der Ork schließlich die Lichtung betrat und den an einem Strick baumelnden Ziegenschädel hob, zuckte für einen flüchtigen Augenblick ein fast amüsiertes, aber ehrliches Lächeln über die Züge des Menschen. Dann ertönte das Horn – kurz, tief, voller Bedeutung. Golga erwiderte es mit einem kaum sichtbaren, respektvollen Nicken. Der Magier hob langsam die Hände, drehte die Handflächen offen in Richtung des Orks – ein bekanntes Zeichen, das selbst unter Feinden verstanden wurde: Es besteht keine Absicht zum Kampf.


„Es sind noch welche versteckt“, sagte Tahxxilis, die Augen wachsam.

„Ja“, erwiderte er ruhig. „Es sind Freunde.“

Er hatte das Symbol des Stammes erkannt – und damit auch die Erinnerungen, die sich unaufhaltsam in sein Bewusstsein drängten.

Die letzte Begegnung war alles andere als friedvoll gewesen. Bedrängt, umzingelt, verraten. Hoch- und Waldelfen hatten ihn eingeschlossen, wie Geier, die auf das erste Zucken des Opfers warten. Nur wenig fehlte, und es wäre zu einem blutigen, schicksalshaften Massaker gekommen. Und doch … zeigte sich an jenem Tag etwas Unerwartetes: neue Verbündete. Fremde, mit denen er kaum etwas gemein hatte – und dennoch trug etwas in ihnen einen Funken, den er bei vielen längst vergeblich suchte.

Tahxxilis nickte. Das Fahrige in ihrer Haltung löste sich ein wenig – doch ihrer Natur entsprechend blieb sie jederzeit bereit. Das Leben ihres Schöpfers wog schwerer als ihr eigenes.
Golga zog sie kurz in sein Blickfeld. Nur ein Wimpernschlag – aber in diesem Moment lag eine stille Wärme in seinen Augen. Viele verachteten die Teufelin. Sie sahen ein Monster, dem man misstrauen, das man vertreiben oder gar vernichten müsse. Doch keiner konnte hinter die Fassade blicken. Nicht jene, die sie lüstern angafften, verklärt von ihrer eigenen Gier – und schon gar nicht jene, die sich moralisch über sie erhoben.
Keiner von ihnen würde je verstehen, was sie für ihn war. Was sie verband, lag weit jenseits dessen, was Worte fassen konnten. 

Golga legte seine rechte Hand über seine Brust und senkte leicht das Haupt – eine Geste, die nur wenigen zuteil wurde. Morloch sprach seine Worte, legte den Ziegenschädel mit der darin verwobenen Nachricht ab und wandte sich schließlich zum Rückzug.
Golga blieb reglos stehen, gewährte dem Ork genügend Zeit und Raum, um sich in das schützende Dickicht zurückzuziehen. Zu schnelle Bewegungen wären in solchen Momenten leicht fehlzuinterpretieren.

Erst als die Lichtung wieder still lag, setzte er sich in Bewegung. Mit bedachter Ruhe verkürzte er den Abstand zum Schädel. Seine magischen Sinne waren längst aktiv – „Ort Wis“ flüsterte Golga kaum hörbar über seine Lippen. Nur ein Hauch – ausreichend, um das Gewebe der arkanen Energie zu prüfen.

Ja… dämonische Essenz war darin verflochten, doch keine Spur einer Falle.

Behutsam hob er den Schädel an. Sogleich setzte sich das eingelagerte Blut in Bewegung, formte Zeichen – klar, scharf, unmissverständlich. Im nächsten Moment bäumte sich das grün leuchtende Auge auf und zersplitterte in einem Funkenregen, mit einem kurzen, unheilvollen Klang in die Luft, als würde etwas vom Reich des Dämonischen zurückgerissen.

Golga blieb vollkommen ruhig.

Sein Blick glitt in jene Richtung, in der die Orks verschwunden waren. Dann hob er den Kopf, sah in den hellblauen, beinahe wolkenlosen Himmel. Schließlich wandte er sich zu seiner Vertrauten.

„Wir werden ihrer Einladung folgen und sie besuchen.“

„Wie Ihr wünscht, Meister.“
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Morloch
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Zwischen Feuer und Fleisch

Beitrag von Morloch »

Der Draratûl, Morloch, fristete gerade in Schatten gehüllt und emotionslos im Saal der großen Hütte. Sein Tiger und ein wohl- oder schlechtdressierter Pavian schmückten die Empore des Häuptlingsthrons, auf den Morloch sich allein der zu ehrenden Tradition wegen nicht setzen würde. Lieber stand er dort, verborgen durch Gottmagie und widmete sich seinem Innersten.
 
Die Kulisse des Orklagers zierte hingegen aufkommende Lautstärke, die typischerweise fremden Besuch implizierte. Dann trat auch schon Opoguk in den Thronsaal – und Golga von Assuan, selbst begleitet von der Teufelin Tahxxilis, folgte ihm. Der Saal offenbarte, augenscheinlich, orkische Abwesenheit. Stattdessen schleuderte der Primat zur ‘Begrüßung’ einen Krug zum Eingang und prustete seine Laute. Für den Törichten womöglich gar nicht so orkunähnlich.


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Opoguk, den die Unergründlichkeiten des Morloch mittlerweile nur noch seltener überraschen konnten, nahm wachend Position am Eingang ein. Er würde den rechten Blick für jede Eventualität einer misslungenen Zusammenkunft von Erzmagier und Orkoberen haben. Golga trat vor den Häuptlingsthron. Eine dämonische Stimme hallte, wie ein unsichtbarer Schleier. Kaum später offenbarte sich der fahlhäutige Draratûl aus dem magischen Gewebe – in seiner Hand das Naggaî, der als Quell der Stimme auszumachen war.
 
 
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Die vier Augen von Mensch und Begleitung und die vieläugige Stammesmakse des Orkschamanen taxierten sich gegenseitig und eher wohlgesinnte Grußfloskeln durchbrachen die bisherige Wortkargheit.
Morloch schlug den Blutband zu. Ein Aufbäumen der Anderswelt. Dann ein weiterer Griff in einen der vielen verschlungenen Beutel, die an den Ork gekettet und gehangen waren, und der einen möglichen Grund dieser Zusammenkunft offenbaren sollte: der Draratûl wog ein geflutetes Eluvren-Phylakterium in seiner flachen Hand und sprach in monotonen Lauten…


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…und tarierte im Zuge dessen die potenzielle Bedeutsamkeit des Relikts für sein Gegenüber aus. Zu einem früheren Zeitpunkt war der Ork neugierig, schließlich handelte es sich bei diesem Gegenstand offenkundig um etwas Besonderes. Etwas, das nicht funkeln musste, um von Interesse, nicht nur für ihn selbst, zu sein. Doch der Zwist mit dem Lichtelfen, Ba’thal, war eingerostet. Lange hatte er ihn nicht mehr in den ‘orkischen Landen’ ausgemacht. Kein Wortgefecht. Kein Kampf. Keine Hatz aus List und Macht. Das Phylakterium verlor für den Ork an Reiz – aber es konnte vielleicht noch als rechtes Argument dienen, wenn es den passenden Augen offeriert würde. 
Golga zeigte sich interessiert, wie der Ork erwartet hatte. Die Größe des Interesses würde jedoch vor allem davon abhängen, wie sich der Lichtelf und Golga in dieser neuen Zeit –und nach dem Vorfall im Feenwald– gegenübersahen.


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Eine Erkenntnis schlauer und, scheinbar, einen Hebel des gegenseitigen Nutzens reicher, stellte der Ork dem Magier in Aussicht, von welch weitreichender Wichtigkeit das Phylakterium für ihn sein konnte, um den Lichtelfen… nun, zu locken. Eine Umkehr der Jagd, die bisher –willentlich oder nicht– für Golga ohne Erfolg war. Die Gedanken beider Sprechenden kreuzten sich. Ein schicksalhafter Umstand, den Golga offenbarte. Ein nützlicher Umstand, der Morloch schließlich vom Phylakterium abbringen können würde, wenn der Mensch das richtige Angebot machte.


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Golga von Assuan war verwoben mit den Geschehen der Welt. Und insbesondere war er situiert im Geplänkel der Menschenstadt, die sich Surom nannte und ihr selbsternanntes “Großreich”, das für die Orks bisher wenig Bedeutung und noch weniger Nutzen besaß, ausrief. Der alt gewordenen Schamane erinnerte sich an einen früheren Konflikt, den der Orkstamm der Tryl’hi mit List, innerem Feuer und geschickten Bündnissen mit anderen Menschen schließlich zu ihren Gunsten lenken konnte. Ein Konflikt vergangener Tage, der den Orkgott sicherlich zufriedenstellte. Doch auch ein Konflikt, den Morloch nicht mehr nähren musste. In seinen Sinn gerieten größere Dinge, eigen und fremd.

Ob die Menschengruppierungen, heute scheinbar in viele Facetten eines dunklen Prismas zersplittert, eine andere Sicht auf die Dinge hegten? Einzelne Begegnungen, zufällig oder nicht, sprachen nicht dafür.


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Wie es das Ansinnen des Draratûl war, stimmte Golga zu, besagte Menschen und den Orkstamm “an einen Tisch” zu führen, gegenseitigen Nutzen auszuhandeln und, wenn das Schicksal es wollte, einem neuen Zeitalter der Tryl’hi -und Surom- den Weg zu bereiten. Opoguk stellte gemeinsames Blutvergießen in Aussicht. Eine Leidenschaft, die er mit dem Schamanen teilte. Der Pavian ruderte aufgeregt mit den Armen.

Dann trennte sich die Zusammenkunft im Orklager in Einvernehmen. Es schien, als hätte der Vorfall im Feenwald den gegenseitigen Respekt weiter getragen, als so manche gemeinsame Schlacht. Golga brachte an, dass dieser jene schicksalhafte, zufällige Tag seinen “Blick auf die Orks” gewandelt habe.. und sie damit “in ein neues Licht rückte”. Ob er dem Schamanen gut zureden und gefallen wollte, oder aber seine Worte ehrlich waren – das wusste nur Golga selbst.


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 Er begann seine Magie zu bündeln… und wie ein Windhauch trug ihn ein gewebter Zauber von diesem Ort. Wie immer folgte ihm die Teufelin dahin, wohin auch er ging: fort.

"Kal Ort Por".
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