Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Rollenspielforum für Geschichten.
Bathor Darez
Beiträge: 104
Registriert: 12 Mär 2025, 22:37
Has thanked: 112 times
Been thanked: 108 times

Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Beitrag von Bathor Darez »

Expedition ins Sumpfland
Aufstiegsquest Jaster - aus der Sicht von Bathor

AKT I

Es war ein schöner, warmer Abend in Solgard. Die letzten Sonnenstrahlen erhellten das Wasser im großen Brunnen am Marktplatz, während Krieger, Magiekundige und Abenteurer sich versammelten, um zur wöchentlichen Dämonenjagd aufzubrechen. Bathor saß auf seinem stattlichen Pferd, den Blick fest auf die Menge gerichtet, und spürte die Vorfreude in der Luft. Um ihn herum summten die Gespräche der Teilnehmer; die Aufregung war greifbar. Diese Jagden waren von einer gewachsenen Tradition geprägt, doch an diesem Abend sollte etwas Außergewöhnliches geschehen.

Plötzlich durchfuhr Bathor eine innere Wärme, die ihn in ihren Bann zog. Es war ein angenehmes Gefühl, ähnlich dem, das er verspürte, wenn seine geliebte Lana an seiner Seite war. Während er diesen Gedanken nachhing, bemerkte er, wie die Menge still wurde. Verwirrte Blicke suchten nach der Quelle dieser plötzlichen Stille. Bathor folgte ihrem Blick und erblickte eine beeindruckende Figur, die aus dem Licht trat. Ein Engel, so schön wie der strahlendste Morgen, dessen blonde Haare im Sonnenlicht schimmerten. Ihr Federkleid war rein und weiß, so unberührt wie der frisch gefallene Schnee.

„Jaster“, sprach der Engel mit einer Stimme, die sowohl sanft als auch mahnend war, „du hast den Weg der Tugenden verlassen. Kehre zu dir selbst und zum Glauben zurück.“ Bathor erstarrte. Sein Herz schlug schneller, als er seinen Bruder Jaster sah, der abseits stand, verloren in seinen Gedanken. Der Engel schien in seinen Augen zu lesen, als ob ihre Worte direkt zu seiner Seele sprachen.

Bathor konnte kaum glauben, was er da sah. Noch nie hatte er einen Engel getroffen, geschweige denn einen, der so direkt mit einem seiner Lieben sprach. Die Schwere der Situation drückte auf sein Herz. Er stieg von seinem Pferd und kniete nieder, das Ankh in seinen Händen fest umschließend. Der Moment war magisch, und dennoch schmerzlich. Ein Teil von ihm wollte die Schönheit und Reinheit dieses Geschehens für immer festhalten, während ein anderer Teil von ihm in Sorge um seinen Bruder zerrissen war.

Die Worte des Engels schwebten weiterhin im Raum, während die Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit zwischen Bathor und Jaster wie Schatten über ihn gingen. Jaster, der einst mit ihm gelacht hatte, der mit entschlossenem Ziel durch die Wälder gezogen war, um Unrecht zu bekämpfen, schien nun eine andere Richtung eingeschlagen zu haben. Bathor hatte es nicht bemerkt – die Anzeichen waren schleichend gewesen, seine Tragödie umso tragischer.

Als der Engel verschwand, wirbelte ein leichter Wind durch die Versammelten. Bathor erhob sich, doch der Zauber dieses Augenblicks blieb in der Luft hängen. Wie ein unerfüllter Schwur nahm er seinen Platz wieder ein, wobei er einen besorgten Blick auf Jaster warf. Waren die Zweifel, die ihn quälten, berechtigt? War sein Bruder wirklich vom rechten Weg abgekommen?

„Krieger! Magiekundige! Lasst uns aufbrechen!“, rief der Anführer der Gruppe, und mit ihm brachen die Kämpfer in fröhliches Gemurmel und Gemurmel des Mutes aus. Doch Bathor bemerkte, dass Jaster in Gedanken versunken blieb, während sie sich auf den Weg machten, um die Dämonen zu jagen. Er dachte über die Worte des Engels nach und was sie für seinen Bruder bedeuteten könnten.

Die Reise führte sie in die tiefen, dunklen Kammern des Turmes, wo die Schatten lebendig wurden und die Dunkelheit flüsterte. Bathor kämpfte tapfer, doch sein Geist war nicht bei der Sache. Immer wieder glitt sein Blick zu Jaster, der wie abwesend seine Klinge schwang, ohne die Freude und den Elan zu zeigen, die er einst besessen hatte. Bathor sah den Schmerz und die Traurigkeit in seinem Bruder, jedoch wusste er nicht, wie er ihm helfen sollte.

Nach Stunden des Kampfes gegen die finsteren Kreaturen, die das Land heimsuchten, fanden sie schließlich am Brunnen wieder.
Bathor schaute an dem Tag ein letztes Mal zu seinem Bruder und er fragte sich selber....
„Jaster, was ist mit dir geschehen? Der Engel… sie hat dich gewarnt.“


 
„Der Schatten in der Oase“
Aufstiegsquest Jaster - aus der Sicht von Bathor

AKT II

Die Sonne stand noch tief über Solgard, als ich das leise Glockenspiel des Rathauses vernahm. Ein weiteres Treffen sollte es werden, so hieß es – ein Austausch darüber, wie wir jenen Banditen, die einst das Schwert gegen die Fischer erhoben hatten, nun Einlass in unser frommes Leben gewähren könnten. Ich war skeptisch, gewiss, aber das Gleichgewicht verlangt nicht nur Strenge, sondern auch Mitgefühl.
 
Wir waren gerade erst eingetroffen, als ein Mann, der mehr Schatten als Mensch zu sein schien, durch die Gassen hetzte. Seine Stimme überschlug sich fast vor Panik:
„Die Oase! Die Menschen… sie sind krank! Sie haben Fieberträume! Bitte, helft uns!“

Mein Blick kreuzte den von Jaster – kühl, entschlossen. Ohne ein Wort folgten wir dem Mann, gemeinsam mit Magiern, Bürgern und weiteren aus dem Orden.
 
Was wir in der Oase vorfanden, erschütterte selbst mein festes Herz: Männer und Frauen lagen matt auf Matten und in den Armen der Ihren, murmelten Worte ohne Sinn, starrten mit leeren Augen in den Himmel. Kinder weinten nicht einmal mehr. Nur das Fieber sprach noch aus ihren kleinen Gesichtern.
 
Ich kniete nieder, legte feuchte Tücher auf heiße Stirnen, betete leise.
„Herr, schenke diesen Seelen Frieden im Geist und Ruhe im Herzen.“

Plötzlich – ein Knall, als habe der Himmel selbst beschlossen, sich zu öffnen.
 
Wir fuhren auf. Die Erde bebte, und Staub stieg auf wie Nebel. Die Höhle, nahe der Oase, war eingestürzt. Jaster und Van de Mork waren dort gewesen... und nun verschüttet. Ich rannte mit anderen zur Unglücksstelle, die Hände blutig vom Räumen des Schutts. Der Schweiß brannte in meinen Augen. Und dann…
 
Die Luft wurde kalt.
Kalt. Inmitten der Wüste.
 
Ich hielt inne. Die Welt um mich verlor ihre Farben. Schatten krochen aus dem Sand, huschten zwischen Palmen, tauchten aus dem Boden auf wie Flüche.
Kreaturen der Dunkelheit.
 
Ich schob zwei fiebernde Kinder hinter einen Brunnen und griff zum Hammer. Kein Gebet mehr – nur mein Herz, mein Wille und das Licht in mir.
„Im Namen des Herrn! Zurück in die Schatten, wo ihr herkommt!“

Wir kämpften. Jeder Schlag hallte in mir wider wie ein Ruf gegen das Vergessen. Ich sah die anderen – Seite an Seite, mutig, entschlossen. Es war, als ob wir selbst das Gleichgewicht gegen die Dunkelheit verteidigten.
 
Dann wurde es still. Zu still.
 
Aus der Tiefe der Höhle drang das Echo von Stahl auf Stahl. Schwerter kreuzten sich, dumpfe Schläge, Schreie wie aus der Seele selbst gerissen. Ich erkannte
Jasters Stimme – nicht in Worten, sondern im Klang seines Kampfes. Kein gewöhnlicher Feind wartete dort unten auf ihn.
 
Ich wusste es – tief in meinem Innersten:
Er kämpfte gegen sich selbst.

Sein Zorn, seine Schuld, seine Zweifel – sie alle hatten Gestalt angenommen. Vielleicht durch dunkle Magie. Vielleicht, weil ein Teil von uns nie wirklich schweigt. Ich konnte ihn nicht sehen. Doch ich fühlte jeden Schnitt, jeden Schrei. Es war, als würden alte Ketten zerreißen.

Und dann – ein Flüstern. So leise wie der Wind, so klar wie das Licht.
„Du hast deine letzte Prüfung bestanden, Großmeister Jaster.“

Ich wusste, es war nicht der Wind.
Ein Engel war bei ihm gewesen.

Als Jaster aus der Höhle trat, das Licht der Oase im Rücken, war da kein Zweifel mehr. Er war nicht nur zurückgekehrt – er war verändert. Nicht härter, nicht zorniger, sondern gereinigt. Die Dunkelheit hatte ihn geprüft. Und er hatte nicht nur überlebt – er hatte gewonnen.
Ich trat zu ihm, legte meine Hand auf seine Schulter.
„Willkommen zurück, Bruder.“
Er sah mich an. Kein Wort musste gesprochen werden. In diesem Blick lag alles – Schmerz, Reue, Gnade… und Stärke.

Ich war stolz.
Nicht nur auf ihn.
Sondern auf das, wofür wir kämpfen.
Für das Licht. Für das Gleichgewicht. Für Solgard.
Bathor Darez
Beiträge: 104
Registriert: 12 Mär 2025, 22:37
Has thanked: 112 times
Been thanked: 108 times

Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Beitrag von Bathor Darez »

„Zwischen den Zeilen der Tugend – im Wandel der Zeiten“
 
Der Raum war still, nur das gleichmäßige Ticken der Sanduhr begleitete Bathors Atem. Die letzten Strahlen der Abendsonne fielen schräg durch das Buntglasfenster seines Studierzimmers, tauchten den Schreibtisch in warmes Gold. Vor ihm lag die heilige Schrift des lichten Herrn, aufgeschlagen an dem Kapitel, das über die Tugenden sprach – nicht in bloßen Worten, sondern in Ruf und Pflicht.
Er hatte sie unzählige Male gelesen. Doch heute… las er sie mit anderen Augen.
Denn er war nicht mehr der gleiche.
Die Ereignisse im Armenviertel hallten noch in ihm nach. Das Dunkel, das über die Oase kroch. Die Krankheit, die Fieberträume, der Kampf gegen die Schatten.
Vorheras, der Zerrspiegel der Arroganz. Und Jaster – Bruder im Geiste – wie er gegen sich selbst kämpfte. Gegen seinen eigenen Zorn.
Und Amarius… wie er mit göttlichem Licht erfüllt zum Hohen Priester aufstieg.
Bathor war Zeuge all dessen gewesen.
 
Und er fragte sich: Was bin ich? Was ist meine Rolle zwischen ihnen?


Rechtschaffenheit 
 
„Handle in der Wahrheit – auch wenn dich Lüge umgibt.“
Bathor erinnerte sich an das erste Treffen mit den Kranken in der Oase. Wie leicht wäre es gewesen, sie abzuweisen – als ehemalige Banditen, Fremde im Glauben. Doch in jedem glühenden Blick eines fiebernden Kindes sah er denselben Schmerz, den auch Bürger Solgards kannten. Er hatte sie behandelt, als seien sie Brüder und Schwestern. Das war Rechtschaffenheit: nicht nur Gesetz, sondern Gerechtigkeit mit Herz.


Tapferkeit

Er spürte wieder den kalten Schweiß auf der Stirn, als die Dunkelheit über sie hereinbrach – mitten in der Wüste. Schattenhafte Gestalten, Kälte in der Luft. Und doch hatte er nicht gezögert, war an die Front gerannt, die Kinder in Sicherheit gebracht.
Doch mehr noch: Tapferkeit war, Jaster zu vertrauen, als dieser in die Höhle ging, um sich seinem inneren Feind zu stellen.
Bathor hatte nicht eingreifen können – er hatte glauben müssen. Still. Stark. Tapferkeit bedeutete manchmal auch: loslassen.


Gerechtigkeit
 
„Nicht das Urteil allein ehrt dich – sondern wie du es sprichst.“
Er hatte gesehen, wie sich selbst Jaster einst fast verlor. Wie der Zorn in ihm wütete, wie sein Griff nach den Tugenden schwankte. Und doch – niemand verurteilte ihn. Weil auch Bathor wusste: Der Kampf gegen das Böse beginnt oft im eigenen Herzen. Und Gerechtigkeit kann nur gedeihen, wenn man das sieht – und verzeiht.


Ehre

Die Ernennung Amarius’ zum Hohen Priester hatte Bathor stolz gemacht – aber auch demütig. Er erinnerte sich an den Moment, als Amarius fast verblutete, als sie seine Wunden versorgten, beteten, weinten. Und nun war dieser Mann der Träger göttlicher Gnade.
Ehre war es, nicht zu beneiden, sondern zu stützen. Ehre war der Schritt zurück – um jemand anderem Raum zum Leuchten zu geben.


Demut

Er sah sich selbst, nach der Schlacht im Armenviertel, wie er vor der Tür des Heilerhauses stand. Schweiß, Staub und Blut klebten an seiner Rüstung. Die Wunden waren tief – nicht nur an Körpern. Auch in Herzen.
Und doch wagte er es kaum, sich einen „Held“ zu nennen. Denn in Wahrheit hatte der Herr gewirkt – durch Engel, durch Glauben, durch andere.
Demut war der Schlüssel, der ihn davor bewahrte, zu vergessen, wem er diente.


Mitgefühl

Die kleinen Dinge. Ein nasses Tuch auf einer Stirn. Ein Gebet für einen Unbekannten. Ein stilles Gespräch mit einem Soldaten, der einen Freund verloren hatte.
Bathor war Paladin, ja. Aber mehr noch war er jemand, der die Seelen sah – nicht nur die Schuld. Jaster hatte einst gesagt: „Du bist das Feuer im Wasser und das Wasser im Feuer.“ Bathor verstand nun, dass Mitgefühl das Wasser war – das auch das wildeste Feuer besänftigen kann.


Opfer

So viele hatten gegeben. Elaine und Pandor, die Schmerzen erlitten. Jaster, der gegen sein Spiegelbild kämpfte.
Doch das größte Opfer war oft unsichtbar.
Es war Bathor selbst, der seine Zweifel verschwieg.
Der seine Sehnsucht nach einem einfachen Leben begrub.
Der sein Leben nicht als sein Eigentum betrachtete – sondern als Werkzeug. Für Solgard. Für den Herrn.


Spiritualität
 
„Sie ist die Summe aller Tugenden – und mehr als jede einzelne.“
In dieser Nacht, mit dem Buch vor sich und den Kerzen fast erloschen, verstand Bathor.
Er war kein Amarius. Kein Jaster. Nicht der Prophet. Nicht der Großmeister.
Er war das Gleichgewicht.
Zwischen Licht und Schatten. Zwischen Urteil und Barmherzigkeit. Zwischen Schwert und Gebet. Zwischen Vergangenheit und Hoffnung.
Und genau dort – zwischen allem – war sein Platz.
Nicht der lauteste. Aber der standhafteste.
Er schlug das Buch zu. Stand auf. Ging zum Fenster. Und blickte über das nächtliche Solgard.
„Herr,“ flüsterte er, „mache mich zu einem Diener, der nicht glänzt – sondern trägt.“
„Lass mich das Gleichgewicht sein, wenn andere straucheln.“
„Lass mich Licht sein – selbst im Zwielicht.“


Und so begann ein neuer Tag für Bathor – lange bevor die Sonne aufging.
Bathor Darez
Beiträge: 104
Registriert: 12 Mär 2025, 22:37
Has thanked: 112 times
Been thanked: 108 times

Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Beitrag von Bathor Darez »

„Die Feder im Gleichgewicht“

Es war still im Haus von Bathor. Nur das Rauschen des Windes zwischen den Dachziegeln und das leise Knistern der Öllampe begleiteten die späte Stunde. Bathor saß aufrecht an seinem schweren Schreibtisch, der aus hellen, schlichtem Holz bestand. Die Fläche war ordentlich – einige kleine Gläser mit getrockneten Kräutern, zwei aufgeschlagene heilige Schriften, eine Rune der Besinnung aus grünem Glas.
In der Mitte jedoch: ein unbeschriebenes Pergament, noch jung, fast feierlich rein.
 
Er atmete tief durch. Die Feder ruhte in seiner rechten Hand, frisch geschnitten, bereit. In der linken Hand hielt er eine zerknitterte Notiz, auf der nur ein einziger Satz stand, den er sich vor Tagen notiert hatte:
„Lehre, nicht mit dem Hammer – sondern mit der Seele.“

Bathor hatte in den letzten Wochen viel gesehen. Dunkelheit, Verzweiflung, Barmherzigkeit. Der Pfad des Paladins war oft schmerzhaft klar – doch für die jungen Seelen, die zu ihm kamen, war es ein Nebel aus Worten und Regeln. Ihnen fehlten nicht die Gebete, sondern die Bilder.
 
Er erinnerte sich an seine eigene Novizenzeit. Wie schwer es war, Mitgefühl zu fühlen, ohne eine Geschichte zu kennen, in der man es erleben konnte. Und so hatte sich in seinem Geist eine Idee geformt: Eine Fabel, eine Erzählung. Keine Wahrheit im weltlichen Sinn – doch wahr in ihrer Lehre.
 
Er würde sie „Im Schatten geboren – im Lichte gewachsen“ nennen.
Ein einfacher Titel. Fast zu poetisch. Und doch trug er alles in sich, was Bathor vermitteln wollte.
Er setzte die Feder an.
„Es war einmal ein Junge, dessen Magen leerer war als sein Herz.“
„Er stahl – nicht aus Bosheit, sondern aus Angst, dass der morgige Tag zu lang sei.“
„Doch eines Tages begegnete er einem, der nicht strafte, sondern fragte.“

Bathor schrieb nicht hastig. Jeder Satz wurde abgewogen, als sei er ein Gebet. Immer wieder hielt er inne, wärmte sich die Finger an der Tasse mit getrockneter Melisse, und blickte in das Licht der Lampe. Der Junge, den er da beschrieb – Lior, so nannte er ihn – war niemand, den er kannte. Kein Waisenjunge der Stadt. Keine reale Gestalt. Und doch war er wahrhaftig – weil er ein Teil von jedem war, der je auf dem Pfad des Lichtes gestrauchelt war.
„Der Junge war kein Sünder“, murmelte Bathor leise, „er war ein Spiegel.“

Kapitel für Kapitel formte sich die Geschichte: Wie Lior aus Angst handelte, dann staunte, dann lernte. Wie er ein altes Brot teilte. Wie er weinte, als er zum ersten Mal betete. Wie er Fehler machte – und dennoch weiterging.
 
Nach jedem Abschnitt schrieb Bathor eine kleine Randnotiz für die Novizen:
  • „Wie würdest du handeln, wenn keiner dich sieht?“
  • „Ist Mut nur das Erheben des Schwertes – oder auch das Neigen des Hauptes?“
Die Tugenden des Herrn flossen nicht als Überschriften ein, sondern als lebendige Prüfungen im Alltag des fiktiven Lior:
Demut, als er erkannte, dass er nicht besser war als jene, die ihn verhöhnten.
Aufrichtigkeit, als er den Paladin nicht belog, obwohl die Wahrheit schwer war.
Gerechtigkeit, als er einem Dieb half, statt ihn zu schlagen.
Mitgefühl, als er dem Jungen half, anstatt ihn anzuprangern.
 
Und während Bathor schrieb, spürte er, wie auch in ihm etwas ruhiger wurde.
Dies war nicht nur eine Lehrgeschichte. Es war seine Art, zu geben. Nicht in Form von Tränken, Waffen oder Schutz – sondern durch Erkenntnis.
„Ein Paladin mag mit Schild und Schwert kämpfen,“ sprach er leise, „doch wer nicht mit Worten heilen kann, der rettet keinen Glauben.“

Als die letzten Worte geschrieben waren, hatte die Nacht längst der Dämmerung nachgegeben. Bathor rollte das Pergament ein, versiegelte es mit grünem Wachs – das Symbol seines Pfades des Gleichgewichts. Dann stellte er es zu den lehrhaften Schriften in der Truhe unter seinem Altar. Möge eines Tages ein junger Novize es öffnen, lesen – und sich fragen, ob auch in ihm ein kleiner Lior lebt.

Er stand auf, streckte sich. Ein letztes Mal blickte er auf das Fenster, durch das nun Licht fiel – nicht das eines flackernden Dochts, sondern das des kommenden Tages.
„Kein Werk der Feder ist klein, wenn es das Herz bewegt,“ sprach er.
Und so begann für Bathor ein neuer Tag, wie immer: in Stille, im Dienst – im Licht.
Bathor Darez
Beiträge: 104
Registriert: 12 Mär 2025, 22:37
Has thanked: 112 times
Been thanked: 108 times

Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Beitrag von Bathor Darez »

Sieben Tage unter dem Auge des Herrn

 
Die Tore Solgards lagen still an jenem Morgen, als Bathor seinen Weg begann.
Die ersten Strahlen der Sonne hatten noch nicht den vollen Glanz erreicht,
doch das warme Flackern der Wachfeuer auf den Zinnen warf lange Schatten auf das Pflaster.
Sein Pferd, ein treuer, dunkler Wallach, stampfte ungeduldig mit den Hufen, als spüre auch es,
dass dies keine gewöhnliche Reise war.
 
Diese sieben Tage waren nicht von einem Befehl diktiert. Sie waren ein Gelübde – ein Weg,
um fern der Stimmen und Aufgaben der Stadt tiefer in den Willen des Herrn zu horchen.



Tag 1 – Wüste

Der Sand der Solgarder Wüste lag wie ein goldenes Meer vor ihm. Kaum hatte er die Stadttore hinter sich gelassen, begann die Hitze zu wachsen.
Die Sonne, gnadenlos und strahlend, schien jede Bewegung zu prüfen. Stundenlang war nichts zu hören außer dem Knirschen des Sandes unter den Hufen.
 
In der flimmernden Ferne tanzten Luftspiegelungen. Bathor ließ den Blick schweifen und erinnerte sich an die Tugend der Geduld.
In der Wüste konnte man das Ziel nicht erzwingen. Jeder Schritt war gleich schwer, gleich wichtig.
 
Als die Sonne in den roten Horizont sank, kniete er nieder, ließ den Sand durch seine Finger rieseln und betete leise:
"Herr, wie der Sand sich der Wüste fügt, so füge auch ich mich Deinem Willen. Lehre mich zu warten, ohne zu verzweifeln."
 
Er schlief ohne Feuer, eingehüllt in den Umhang, unter dem weiten Sternenzelt, dessen Schönheit ihm wie ein stilles Versprechen vorkam.
 


Tag 2 – Im Herzen des Dschungels

Am Morgen wehte ein anderer Wind. Der trockene Hauch der Wüste wich dem feuchten Atem des Dschungels.
Der Boden unter den Hufen seines Pferdes wurde weicher, das Licht fiel gefiltert durch dichte Blätterdächer.
Überall summte, zirpte und rief es – ein Chor des Lebens, in dem der Mensch nur eine Stimme war.

Einmal sah er eine alte Eiche, deren Stamm von Blitzen gespalten war, doch sie trug noch immer frische Blätter.
"Herr, wie dieser Baum will ich stehen – verwundet, doch tragend."
 
Er ritt weiter, hielt oft inne, um den Duft des Harzes, den feuchten Boden und den warmen Schimmer der Sonnenstrahlen auf den Farnblättern zu betrachten. Hier lehrte ihn der Herr Demut: dass selbst der größte Paladin in den Wurzeln der Welt nur ein Reisender ist.
 


Tag 3 – Übergang in das Land der Elfen

Tiefe Bäche schnitten silbern durch das Grün, ihre Stimmen vermischten sich mit dem Lied der Vögel. 
Er spürte Blicke. Unsichtbare Wächter, lautlos wie Schatten, folgten ihm aus den Tiefen des Waldes. Elfen, da war er sicher.
Er konnte sie nicht sehen, aber ihre Gegenwart war wie ein leises Gewicht im Rücken. Bathor griff nicht nach seiner Waffe. 

Bathor legte die Hand auf die Rinde und sprach:
"Herr, bewahre mich davor, mit starker Hand zu nehmen, wo nur ein stiller Gruß gebraucht wird."
 
An diesem Tag ruhte er am Rand einer kleinen Lichtung. Kein Feuer, kein Ruf, nur das gleichmäßige Schnauben seines Pferdes
und das ferne Rascheln von Schritten, die nicht die seinen waren.
 


Tag 4 – Aufstieg zu den Bergen

Der Wald lichtete sich, die freie Stadt Nebelhafen lies er hinter sich und vor ihm erhoben sich die schneebedeckten Gipfel des Nord-Ostens.
Die Luft war klar, scharf und rein. Jeder Atemzug fühlte sich an wie ein Schluck kaltes Quellwasser.
 
Bathor stieg vom Pferd und führte es an den Zügeln bergauf. Der Schnee knirschte unter seinen Stiefeln. Er dachte an die Tugend der Weisheit.
Die Berge lehrten ihn, dass der Weg nach oben nicht nur aus Kraft, sondern aus Bedacht bestand.
 
"Herr, lehre mich, nicht nur zu steigen, sondern zu sehen, wohin ich steige."
 
In der Nacht fand er Schutz zwischen zwei gewaltigen Felsen. Das Mondlicht malte silberne Linien auf den Schnee, und die Stille der Berge legte sich wie eine Decke auf sein Herz.
 


Tag 5 – Im Reich des Frosts

Je weiter er gen Osten zog, desto härter griff der Winter zu. Das Land der Barbaren lag vor ihm – ein Meer aus Eis und Wind.
Die Kälte biss sich durch Kleidung und Haut. Jeder Schritt forderte Willenskraft, jede Stunde war eine Prüfung der Standhaftigkeit.
 
Er errichtete sein Lager tief zwischen Felsen, bedeckt von Schneeverwehungen. Kein Feuer brannte. Er wagte es nicht, Licht zu entzünden,
denn er wusste, dass in diesen Landen Feinde des Herrn umherstreiften.
 
"Herr, halte mein Herz warm, wenn meine Hände erstarren. Lass mich standhaft sein, wenn die Nacht mich prüfen will."
 


Tag 6 – Die Hallen der Zwerge

Am Morgen brach er auf und folgte einem schmalen Pfad, der tiefer in die Berge führte.
Schließlich hörte er sie – das ferne, rhythmische Schlagen von Hämmern auf Metall, das Lied der Zwerge in ihren Schmiedehallen.
 
Bathor trat nicht ein. Er blieb am Rand, dort, wo das Sonnenlicht die Schatten des Höhleneingangs berührte.
Er lauschte, ehrfürchtig, wissend, dass er Gast am Tor einer uralten Macht war.
 
"Herr, lehre mich Ehrfurcht – vor Dir, vor Deiner Schöpfung, vor jenen, die in Deinem Werk ihre Bestimmung gefunden haben."
 


Tag 7 – Heimkehr

Der Rückweg nach Solgard war still. Bathor trug keine neue Waffe, keinen Schatz, kein Zeichen äußerer Macht – und doch wusste er,
dass er reicher heimkehrte, als er aufgebrochen war. Die Wüste hatte ihm Geduld gelehrt, der Dschungel Demut, die Berge Weisheit,
der Frost Standhaftigkeit und die Hallen der Zwerge Ehrfurcht.
 
Als die Türme Solgards am Horizont erschienen, neigte er den Kopf und sprach sein letztes Gebet dieser Reise:
"Herr, möge jeder Schritt, den ich gehe, ein Zeugnis Deines Lichts sein – im Sand, im Laub, im Schnee, im Stein."
 
Und so ritt er heim, das Herz erfüllt von der Gewissheit, dass die Tugenden nicht nur Worte in den Hallen des Ordens sind – sondern Wege,
die man gehen muss, mit offenen Augen und stiller Seele.
Voller Eifer musste Bathor noch am selben Abend alle Eindrücke auf Pergament bringen. So nahm er Feder, Tinte und Pergamant zur Hand, zündete eine Kerze an und schaut aus dem Fenster. Ab und an konnte man ein lächeln vernehmen, als er das Lehrbuch verfasste, in der Hoffnung das es einst gelesen wird. 
Bathor Darez
Beiträge: 104
Registriert: 12 Mär 2025, 22:37
Has thanked: 112 times
Been thanked: 108 times

Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Beitrag von Bathor Darez »

 
Vier Tage bis zur Predigt
 
Die Kerzen in Bathors Schreibzimmer warfen flackernde Schatten über Pergamente und geöffnete Bücher. Der Duft von geschmolzenem Siegelwachs und altem Leder erfüllte den Raum. Seit Hohe Priester Amarius auf seiner wichtigen Reise war, lastete die Verantwortung, die geistlichen Dienste der Kirche zu Solgard aufrechtzuerhalten, schwer auf den Schultern der Ordensmitglieder. Doch Bathor empfand es nicht als Last – eher als heilige Pflicht.
 
Die Predigt, die er in vier Tagen halten würde, sollte vom Tod handeln. Nicht in Furcht und Schrecken, sondern in Trost und Gewissheit. Der Tod war nicht das Ende, sondern die Tür zum Reich des Herrn – eine Wahrheit, die die Gläubigen spüren sollten.
 

Die Sammlung des Wissens

Bathor begann seinen Tag im Archiv des Ordens. Zwischen hohen Regalen, in denen die Heilige Schrift und jahrhundertealte Kommentare lagerten, suchte er gezielt nach Passagen, die den Tod im Lichte des Herrn erklärten.
 
Er entrollte ein Pergament, auf dem in kunstvoller Hand geschrieben stand:
„Der Herr sammelt die Seelen der Gerechten wie ein Hirte seine Herde.“
Er hielt inne, strich mit der Fingerspitze über die vergilbten Buchstaben und schloss die Augen. "Das wird der Herzschlag meiner Predigt sein," dachte er.
 
Mit einem kleinen Stapel Schriften verließ er das Archiv und brachte sie in sein Schreibzimmer. Er markierte Stellen, schrieb Randnotizen, und unterstrich Worte, die er besonders betonen wollte.


Die Ausformung der Gedanken

Der Tisch war nun bedeckt mit Pergamenten, Federkielen und Tintenfässern. Bathor setzte sich, zündete eine frische Kerze an und begann, die Gedanken zu ordnen. Er schrieb Absätze, verwarf sie, schrieb sie erneut.
 
Er wollte, dass die Predigt nicht nur aus heiligen Versen bestand, sondern auch aus seinen eigenen Erfahrungen: von Kameraden, die auf dem Schlachtfeld starben, von Sterbenden, die in seinen Armen den letzten Atemzug machten – und vom Frieden, den er in ihren Augen gesehen hatte, wenn sie den Namen des Herrn auf den Lippen trugen.
 
Er griff zu einem frischen Bogen und schrieb als Überschrift:
„Vom Ende, das kein Ende ist – Eine Betrachtung über den Tod im Lichte des Herrn.“


Das Buch

Bathor wusste, dass Worte, so kraftvoll sie auch in der Predigt gesprochen werden, oft im Wind verwehen. Also beschloss er, ein Buch zu verfassen, das die Predigt begleitete – ein Werk, das die Gläubigen mit nach Hause nehmen konnten.
 
In diesem Buch wollte er nicht nur die Worte der Heiligen Schrift abdrucken, sondern auch eigene Auslegungen und kurze Gebete, die den Leser in dunklen Stunden begleiten sollten.
 
Er schrieb in einer Mischung aus Erzählung und Lehre. Zwischen den Kapiteln fügte er Fragen ein, um den Leser zum Nachdenken zu bringen:
„Hast du den Tod gefürchtet, weil du ihn nicht verstanden hast?“
Am Ende eines jeden Abschnitts stand ein Gebet, schlicht, aber aus tiefem Herzen:
„Herr, lehre mich, den Weg zu sehen, den Du bereitet hast, wenn meine Füße ihn beschreiten müssen.“


Die letzte Hand

Am nächsten Morgen war das Manuskript fertig. Bathor las es ein letztes Mal durch, korrigierte kleine Fehler und ließ dann im Skriptorium des Ordens mehrere Abschriften anfertigen. Die Schreiber arbeiteten mit flinker Hand, während das leise Kratzen der Federn den Raum erfüllte.
 
Als jede Seite getrocknet war, band Bathor die einzelnen Hefte mit einem schlichten grünen Band zusammen – die Farbe des Gleichgewichts, seiner Berufung. Auf das Titelblatt prangte in goldener Tinte:

Der letzte Schritt – Vom Schatten ins Licht

Darunter stand:
Verfasst von Bathor Darez, Paladin des Gleichgewichts, Diener des lichten Herrn.
 
Er legte die fertigen Bücher in eine Truhe aus dunklem Eichenholz. Vier Tage blieben bis zur Predigt. Vier Tage, um im Gebet und in der Stille dem Herrn zu danken, dass Er ihm die Worte geschenkt hatte.
 
In dieser Nacht kniete Bathor lange vor dem Altar seines privaten Gebetsraumes.
„Herr, nimm meine Worte und mache sie zu einem Samen in den Herzen jener, die zuhören werden. Möge aus ihnen Trost wachsen, wo Furcht herrscht, und Glaube, wo Zweifel wohnt.“

Als die Kerzen niedergebrannt waren, wusste Bathor: Er war bereit. Nicht nur für die Predigt – sondern auch, um die Herzen Solgards in diesen Tagen der Abwesenheit von Hohe Priester Amarius im Licht zu halten.
Bathor Darez
Beiträge: 104
Registriert: 12 Mär 2025, 22:37
Has thanked: 112 times
Been thanked: 108 times

Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Beitrag von Bathor Darez »

Die ersten 14 Tage des Bathor als Rechte Hand des Ordens


Die Sonne stand golden über Solgard, als Bathor zum ersten Mal den Platz vor der Kapelle betrat – nicht mehr als einfacher Paladin, nicht mehr als Novize, sondern als rechte Hand Amarius’, des Ordensführers. Der Gedanke ließ sein Herz schwer und leicht zugleich schlagen: schwer von der Verantwortung, die er nun trug, und leicht von der Ehre, die man ihm damit erwiesen hatte.
 
Schon am ersten Tag wartete eine Aufgabe, die seine Hände zittern ließ: Ein Brief im Namen des Ordens. Er saß in der kleinen Schreibstube der Kirche, der Duft von Pergament und geschmolzenem Wachs erfüllte den Raum. Die Feder in seiner Hand wirkte schwerer als jedes Schwert, das er je geführt hatte. „Im Namen des Ordens von Solgard…“ – die Worte formten sich, getragen von Demut und Pflichtgefühl. Jeder Satz musste bedacht, jede Formulierung gewogen sein, denn er sprach nicht mehr nur für sich selbst, sondern für eine ganze Gemeinschaft. Als er das Siegel mit dem Wappen des Ordens in das warme Wachs drückte, spürte er, wie die Bedeutung dieser Rolle sich in sein Herz einbrannte.
 
Wenige Tage später saß Bathor zum ersten Mal im Stadtrat von Solgard. Zwischen alten Magiern, Knut der Handwerker, dem Hauptmann der Stadtwache und seiner Schwester Tonya, ebenfalls waren Gäste aus den Gilden geladen. Doch als das Thema auf die Angriffe der Minotauren kam, schärfte sich sein Blick. Er erinnerte sich an die Schreie am Tor, an die gefallenene Stadtwache, an das gewaltige Ungetüm, das nur durch Knuts Mut und göttliche Fügung bezwungen werden konnte. Mit fester Stimme schilderte er die Erlebnisse, warnte vor weiterer Gefahr und sprach von der Notwendigkeit, die Mauern wie auch den Glauben zu stärken. Manch ein Ratsherr runzelte die Stirn, andere nickten ernst. Und Bathor erkannte, dass Worte im Rat schärfer sein konnten als Klingen – und dass es ebenso seine Pflicht war, diese Worte zu führen.
 
Am zwölften Tag schließlich saß Bathor in der Kirche, die von Kerzenschein erleuchtet war. Die Reihen waren gefüllt, und feierliche Stille lag über dem Raum, nur unterbrochen vom Gesang der Schwestern. An diesem Tag empfingen Kaled und Sigarda ihre Weihe – Bruder und Schwester im Glauben, nun Paladine des Ordens. Bathor saß in der vordersten Reihe, das Haupt erhoben, doch in seinen Augen glänzte ein feines Funkeln. Er lauschte den Gelübden, den Worten des Eids, und sein Herz schwoll vor Stolz. Hier, in diesen Mauern, war er zu dem geworden, was er nun war. Hier hatte er gelernt zu kämpfen, zu glauben, zu dienen. Und nun durfte er Zeuge sein, wie andere denselben Weg beschritten. Als Krotar und Jaster das Schwert zum Schwur erhob, lächelte Bathor. Als Kaled und Sigarda ihre Häupter neigten, spürte er den Stolz, der nicht nur ihm, sondern dem ganzen Orden gehörte. Für einen Moment war sein Herz so erfüllt, dass es schien, als könne es die Mauern der Kirche sprengen.
 
Die ersten vierzehn Tage waren vergangen wie ein Atemzug, und doch fühlte es sich an, als habe er ein ganzes Leben darin gelebt. Vom stillen Schreiber über den Redner im Rat bis hin zum stolzen Bruder im Glauben – Bathor war in seine Rolle hineingewachsen. Und als er in einer stillen Stunde wieder auf der Bank am Brunnen saß, die Hände gefaltet, sprach er ein Gebet: „Herr, gib mir die Stärke, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Lass mich ein Spiegel des Lichts für den Orden sein – so wie meine Geschwister es in mir sahen.“
 
So begann Bathors Weg – nicht mehr nur als Paladin, sondern als rechte Hand, als Wächter, als Stimme des Ordens von Solgard.
Antworten