Gassengeflüster

Rollenspielforum der Orderstadt.
Hier könnt ihr untereinander Nachrichten austauschen, Aushänge verbreiten lassen und die jeweils gültigen und offiziellen Veröffentlichungen der Stadt sehen.
Antworten
Benutzeravatar
Tonya Darez
Beiträge: 137
Registriert: 24 Mai 2024, 13:06
Has thanked: 62 times
Been thanked: 182 times

Gassengeflüster

Beitrag von Tonya Darez »

Von alten Pferden und jungem Gemüse
  
Hannelore!
 Hannelore hatte schon in Silberburg ihren Dienst verrichtet. Dort – unter der Herrschaft König Alirion Damotil's, erster seines Namens – war sie der Wache beigetreten.
Sie hatte in dem gestrengen Regiment der Königlichen Ritter ihre Ausbildung begonnen und ihre Laufbahn hatte dort ihren Weg begründet.
Hannelore hatte den Zenit ihres Alters erreicht, sie hatte bald schon die vier vorne stehen.
Die braunen Haare wurden langsam mit kleinen Grauen Flecken unterwandert.
Die grünen Augen waren stets Aufmerksam, nichts entging ihrem Blick.
Als gute Kämpferin hatte sie sich in zahlreichen Schlachten bewiesen, mit Blut und Schweiß die Stadt geschützt.
Dann kam die Echidna, das stolze Flaggschiff. Die Königin der Schiffe.
Ihre Flucht aus Silberburg, und dann ein anstrengender Neubeginn in Solgard.
Hannelore war zu alt und zu lange im Dienst um sich mit Dummschwätzerei abzugeben.
 So forderte sie ihren Platz am Tor.
Dort, wo sie handeln konnte, sobald es nötig war.
So stand sie, Tagein – Tagaus, je nach Wachdienst am Mäuerchen.
Sie hielt wacht.
Ihre Haut war mittlerweile gebräunt und die Fältchen um ihre Augen sind ein wenig mehr geworden.
Aber sie war unverwüstlich.
Und allein!
Auch wenn ihre Herausragenden Dienste und ihre langjährige Treue unumstößlich waren, so wollte es Tonya nicht so recht gefallen.
Sie war über alle Maßen zuverlässig, niemand hatte jemals irgendwas anderes behaupten dürfen.
Vielleicht genau deswegen, wegen ihrer ruhigen, aber sehr geradlinigen Art und Weise sollte sie dazu Prädestinieren, einen jungen Grünschnabel an die Seite zu bekommen.
 Thalion!
Thalion, gerade erst ins Mannesalter gekommen, dem Flaum entwachsen, und just erst in die Wache eingetreten.
Fast noch ein Knabe, kaum geübt im Umgang mit dem eigenen Schwert.
Aber, er konnte gut Reden!
Er war nett und freundlich, und zu lieb.
Es war das Perfekte Pendant zu ihr.
So wurden beide seit einiger Zeit nur noch gemeinsam in den Dienst geplant.
Auf das Strenge und Charme eine gemeinsame Basis fanden um das Tor bestimmt aber freundlich zu bewachen!
 
Benutzeravatar
Tonya Darez
Beiträge: 137
Registriert: 24 Mai 2024, 13:06
Has thanked: 62 times
Been thanked: 182 times

Re: Gassengeflüster

Beitrag von Tonya Darez »

Sie war starr.
Er hatte sich nicht aufhalten lassen, weder von den Schreien, noch von irgendwas anderem.
Todesmutig war er dem Biest entgegen getreten.
Aber dieser Hammer.
Groß wie ein Mensch, mit einem Kopf wie ein Amboss.
„Für Solga....“, weiter war er mit seinem Ruf nicht gekommen, als der Ambossgleiche Kopf des Hammers den Leib des heranstürmenden traf.
Er prallte gegen die Mauer, riss mit der Wucht des Aufpralles und seinem Körpergewicht die Mauer ein, dieses Geräusch....
Es klang noch immer in ihren Ohren.
Dieses Geräusch wenn Stein einbricht und Knochen bersten.
Trotz des ganzen Lärmes, den Rufen, trotz dem eigenen Blut in den Ohren, hatte sie dieses Geräusch wie gefiltert durch all dieses Tösen, gehört.
Genau gehört.
Sie war starr.
Sie hatte viel erlebt, sie hatte viele Kameraden sterben sehen, sie hatte Kriege überlebt.
Sie war Hannelore, eine gediegene Gardistin, immer treu, immer loyal, immer Kampfbereit.
Ausser heute.
Das nächste Geräusch was ihr durch all diesen Lärm an die Ohren klang, war Knut's Spitzhacke, wie er voller Wut und Verzweiflung auf den Kopf des Minotauren Anführers drosch.
Blut spritzte, Knochen knackten.
Der Hühnenhafte Schmied hatte dem ein Ende gesetzt. Und als sie in das bärtige Gesicht des Schmiedes Blickte, wusste sie, dass er genau so fühlte wie sie.
  
 Entsetzen!
Angst!
Wut!
Trauer!
 Thalion war Tod.
Mutig in erster Front unterlegen gewesen.
Ihr Rekrut, aus dem hätte so vieles werden können.
Der geschwätzige Jüngling, der sie oft dazu gebracht hatte, innerlich zu schmunzeln.
Tod!
Was für eine Verschwendung
Benutzeravatar
Knut Grosmet
Beiträge: 399
Registriert: 04 Apr 2020, 21:31
Wohnort: Solgard
Has thanked: 196 times
Been thanked: 442 times
Kontaktdaten:

Re: Gassengeflüster

Beitrag von Knut Grosmet »

Knut lag in jener Nacht schwer atmend auf der Pritsche, der Geruch von Eisen, Schweiß und Blut noch immer in seiner Nase. Aber was sein Verstand nicht fassen konnte, begann in seinem Traum ein eigenes, schiefes Leben zu führen.

Er sah sich wieder vor dem Tor Solgards. Tonya, seine Frau, vorn zwischen den Wachen, stolz, furchtlos, und dann dieser Moment, in dem Thalion fiel. Knut wollte losschreien, doch im Traum verhedderten sich die Bilder. Das dumpfe Bersten von Knochen, das Splittern von Mauerwerk, es klang wie ein Takt, wie eine Trommel. Und aus dieser Trommel löste sich ein riesiger Minotaurus, der nun, völlig absurd, mit ihm in einem Bergwerk stand, Spitzhacken schwingend, als wären sie Brüder im Schacht.

Knut und MInotaurus bauen Erze ab.png

"Weiter, Knut!", brummte das Ungeheuer, und schon flogen Erzbrocken durch die Luft. Doch kaum hob Knut seine Hacke, saßen sie beide in einer Kaschemme, Bierkrüge vor sich, und der Minotaurus starrte glotzend den weiblichen ihresgleichen hinterher. Knut lachte, aber es war ein Lachen, das im Hals stecken blieb, so trocken, dass es fast schmerzte.

Knut und Minotaurus in Kaschemme.png

Minotaurus liegt unter Fallgitter.png

Dann sprang die Szene wieder. Ein Fallgitter, Eisen schwer wie die Schuld. Darunter das wütende Gesicht des Anführers, eingeklemmt, brüllend, doch nicht mehr bedrohlich, sondern fast lächerlich. Knut hob die Hacke, hieb und... Blut spritzte. Doch als er blinzelte, saßen sie beide schon wieder vor der Mine, Karten in der Hand, als sei alles nur ein harmloses Spiel.

Knut und Minotaurus spielen Karten.png

Die Bilder wirbelten. Ein Regenbogen spannte sich plötzlich über den Himmel, und Knut ritt, lachend wie ein Betrunkener, auf dem Rücken des Minotaurus durch die Wolken. Ein Zauberstab in der Hand, Sterne funkelten, während tief unten Solgard brannte.

Knut mit Minotaurus auf Regenbogen.png

Und da, zwischen den Sternen und den Flammen, sah er Tonya. Wie sie stürzte, wie sie getroffen wurde, wie sie von einer unsichtbaren Faust zur Seite geschleudert wurde. Knuts Herz raste, er wollte zu ihr, doch der Regenbogen zerbrach, das Tor krachte wieder zu, das Geräusch von Knochen und Stein bohrte sich erneut in sein Ohr.

Er erwachte mit einem Schrei, Schweiß rann ihm über die Stirn, und für einen langen Moment wusste er nicht, ob er noch träumte oder wieder wach war.
Alles, was blieb, war dieses wirre Gefühl: Dass er den Minotaurus getötet hatte – und doch ein Teil von ihm nun bei Knut saß, in seinen Träumen, als seltsamer, schrecklich vertrauter Kumpan.
"Melkt der Knut mal einen Stier, trank der Bergmann zu viel Bier." (Unbekanntes Zitat aus einer Kaschemme)

Eine ausführlichere Charakterbeschreibung ist hier zu finden.
Benutzeravatar
Knut Grosmet
Beiträge: 399
Registriert: 04 Apr 2020, 21:31
Wohnort: Solgard
Has thanked: 196 times
Been thanked: 442 times
Kontaktdaten:

Re: Gassengeflüster

Beitrag von Knut Grosmet »

In Solgard spricht man noch immer von dem Angriff vor einigen Tagen. Die Stadtmauern tragen Spuren der Schlacht, und jeder erinnert sich daran, wie die Minotauren vor den Toren standen. Knut, der Bergmann, war es, der im letzten Augenblick das Fallgitter herabließ und so den Anführer der Bestien einklemmen konnte. Mit seiner Spitzhacke zerschlug er dessen Schädel. Seitdem wird er in Solgard der Minotaurenschlächter genannt. Doch Knut war kein Krieger, er war ein einfacherer Arbeiter - alles was er an diesem Abend tat geschah aus einer Art Reflex heraus, um die Stadt und seine Einwohner zu schützen.

Gestern nun versammelte sich der Rat. Magier, Gelehrte, Paladine, Krieger, Händler und die Vertreter der Gewerke nahmen teil. Auch Knut war da, in seiner Rolle als Vertreter der Handwerker. An der Spitze saß Tonya. Es ging um die Frage, was die Angriffe bedeuteten und um die alten Bücher, die sämtliche Städte und Völker erhalten haben. Bücher, die von früheren Zeiten berichten, von Menschen, die schon lange vor ihrer Ankunft dort lebten.

Knut bekommt vorgelesen.png

Knut konnte den Worten nur schwer folgen, denn er selbst kann nicht lesen. Doch Tonya las ihm an jenem Abend vor, nachdem die Ratsgeschäfte vorbei waren. Gestern, als sie gemeinsam in ihrem Bett unter Fellen lagen, schlug sie das alte Buch auf. Sie las leise, mit ruhiger Stimme, von Geschichten aus der alten Welt. Dort war die Rede von einem Stollen, von Dingen, die wohl auch unter Tage verborgen lagen. Knut lauschte aufmerksam, doch die Worte ließen ihn nicht mehr los.

Denn in der Sandgrottenmine, der Mine vor den Toren Solgards, gibt es zwei Stellen, die genau so aussehen. Zwei verschüttete Gänge, die seit jeher gemieden werden. Knut weiß nicht warum, doch seit er Tonyas Stimme gehört hat, nagen die Gedanken an ihm.

Knut schläft neben Tonya ein.png

In der Nacht kam kein Schlaf. Stattdessen ergriffen wirre Träume Besitz von ihm.

Knut vor dem Stollen.png

Er sah sich selbst in der Sandgrottenmine, die Spitzhacke in den Händen. Er hieb gegen das Geröll, Staub stob auf, Steine polterten zu Boden. Hinter der Wand hörte er ein Pochen, dumpf wie ein Herzschlag. Dann ein Krachen, als der Stollen nachgab. Eine gleißende Glut drang hervor, und aus dem Spalt brachen Hörner. Erst ein Paar, dann viele.

Knut öffnet den Stollen mit Minotauren.png

Minotauren, groß wie Berge, quollen aus dem Stollen wie Rauch aus einer Esse. Ihre Augen glühten rot, sie brüllten wie tausend Rinder. Knut stolperte zurück, doch der Boden unter ihm löste sich auf, wurde zu Sand, zu Wasser, zu Schutt. Überall gähnten neue Tunnel, aus denen Hörner ragten.

Knut versinkt in Mine.png

Er schwang seine Spitzhacke, doch der Schlag traf keinen Stein, sondern Fleisch. Blut spritzte, dann verwandelte sich das Wesen in Tonya. Sie sah ihn an, ihre Stimme wie ein Echo aus dem Ratssaal: "Die Bücher, Knut… die Bücher sind der Schlüssel."

Er wollte ihr antworten, doch aus ihrem Mund kam das Brüllen der Bestien. Um sie herum zersplitterte die Welt, die Mine wurde zur Stadt, das Stadttor krachte wieder nieder, und wieder und wieder fiel das Fallgitter, jedes Mal zerquetschte es den Kopf des Minotauren nochmals mehr, bis nur noch eine breiige Masse aus Blut, Haut, Knochen, Hörnern und Gehirnmasse auf den Straßen Solgards lagen.

Dann erwachte Knut schweißgebadet, die Decke schwer auf seiner Brust, und Tonya schlief still an seiner Seite. Neben ihr auf dem Nachttisch lag das verschlossene Buch, als hätte es nur auf ihn gewartet.

Und so beginnt Knut zu ahnen, dass die Schatten der Sandgrottenmine vielleicht mehr bergen könnten, als nur Erz und Gestein.
"Melkt der Knut mal einen Stier, trank der Bergmann zu viel Bier." (Unbekanntes Zitat aus einer Kaschemme)

Eine ausführlichere Charakterbeschreibung ist hier zu finden.
Antworten