Er hatte nie einen Gedanken an seinen Vater verschwendet. Warum auch? Da war kein Herzholz, keine Singstimme, da war rein gar nichts, dass er von ihm hatte, außer den Samen seines Lebens, vielleicht. Der Vater war ein guter Mann gewesen, oder Bär oder Bärserker, was auch immer, davon war er überzeugt, tief in seinem Innersten, irgendwo, ohne dass er viel darüber nachdachte. Warum sollte er jetzt damit anfangen? Der Vater war
Othala, hatte
Segimer ihm geweissagt, das große Loch an seinem Anfang, dass für immer offen bleiben sollte und ohne dass er niemals mit Gewissheit seinen Pfadweg finden konnte.
Das kümmerte ihn wenig, gab es doch so viele Wege und Abenteuer zu erleben und diese verregnete Abenteuerinsel war einer davon, einfach großartig! Sein Pelz und seine Sachen waren bald bis auf die Haut durchnässt, doch dass stört einen dicken Bären nicht, denn wenn sich der fettige Unterpelz einmal vollgesogen hatte, so blieb auch der schön warm und mollig. Mochte das Triefwasser anderen die Laune verderben!
So erkundete er denn die Insel, allein oder in Begleitung der wunderbar schaurigen Truppe von Sorummern und dem treuen Stamm der Trymm’takk. Das war von Anfang an alles gar nicht so übel, drachenreitend auf dem Schiff –
Grimlas Schwinge, den Namen hatte er in Schwerstarbeit erträumt! – und später auf dem Strandlager und es würde großartig enden!
Da waren nun also alle Freunde, Feinde, Schreckgestalten mit
IHM eingesperrt, im Schiff, am Strand, auf der Insel. Keine und keiner konnte fliehen vor seinen bärischen Torheiten und er würde sich schon in die Herzen auch derer einbrummen, die er noch nicht kannte, wie er das immer tat.
Bei vielen war ihm das schon längst gelungen;
Valleron war einfach und klar und zuverlässig, wie immer,
Cataleya wahnsinnig und auf eine neue, noch größere Art von ihrem Glauben besessen,
Rorek effizient,
Aanatus hatte nur Augen für die winzige
Sorsha und die anderen, die würden ihn schon noch kennenlernen! Er bedauerte etwas, das
Alleya nicht dabei war und
Hednar, wo war der überhaupt abgeblieben? Ihn faszinierte zum Beispiel noch diese verrückte Hühnerdämonin
Marleen, einmal hatte er sie zum Lachen gebracht, zum echten Lachen, nicht zum irren. Das fand er gut, diesem
Hühnerfuss musste er noch nahe kommen, im rechten Moment, wenn sie von der passenden Form des Wahnsinns befallen war. Auch dafür würde es viel Zeit geben.
Nur wenn der grimmige Imperator aus seiner Kajüte kam, dann wurde ihm die Weile lang, nicht wegen der unverständlichen und äußerst hochtrabenden Worte, die er ausdünstete, sondern weil alle Sorummer in dessen Gegenwart sich Stöcke tief in den Arsch schoben, bis zum Anschlag, und ihre sonst so schlauen Köpfe und lustigen Wesen ausschalteten und zur seelenlosen Schafsherde wurden.
Auf eine gewisse Art jedoch musste er diesem verdammten Aggronuss auch dankbar sein, denn ohne ihn wären die Sorummer nie im Stande gewesen, so eine lustige Schiffsreise überhaupt auf die Reihe zu kriegen, es fehlte ihnen einfach der Gemeinsinn dafür. Irgendwie ging es auch auf dieser Reise überhaupt nur um den unheiligen Wichtigtuer selbst und dessen wie auch immer leuchtenden Bruder auf Seiten der Sonngärtner.
Ach, ein wie viel besserer Anführer war doch sein geliebter Jothar
Rashka! Wie viel bessere Götter waren doch seine verstritte Ahnensippe, die da oben hockten, soffen und sich von seinen Abenteuern unterhalten ließen, sich nichts vom Sarmatijasch sagen ließen – egal was
Tarabasch glaubte. Die ihm ab und zu in den Arsch traten und immerzu das Leben retteten, damit er weiter für sie hier unten putzig und unterhaltsam sein konnte.
Die meiste Aufmerksamkeit widmete er dann doch den finsteren Alben, weil die sich hier nicht verkriechen konnten. Er war nun einmal leicht zu verzaubern. Unter denen war
Belszerion, die schöne Schneiderin. Er hatte ein Geschäft mit ihr gemacht, ihm war nicht ganz klar, welcher Art. Doch hatte sie ihn sofort beeindruckt, damals, oben im Norden mit ihren hohen Stiefeln, steifgefrorenen Nippelchen, keck unter so einem hauchfeinen Tüddelkleid, sie war einfach die geschmackvollste aller Alben! Man konnte ohne weiteres mit ihr auskommmen.
Sie würde so ein flattriges Kleidchen und solche Stiefel machen für
Freyja! Das wäre ein weiteres Hochzeitsgeschenk auf den großen Batzen seiner Beute für das bald reichste und schönste Sängerweib des Nordens! Er freute sich schon, Freyja darin zu sehen und ihr dann, später, den dünnen Stoff vom Leib zu fetzen. Das alles, nach der Reise, wenn sie zurück waren und wenn der Frühling kam, denn dann würden sie Hochzeit halten, er und sein Immerfrühling, so war es versprochen. Der Jothar hatte seinen Segen geben und der Stamm fieberte dem rauschendsten und heitersten und unvergesslichsten Fest bereits entgegen! Er war fest entschlossen, sich von den Alben entführen zu lassen am Tag seiner Hochzeit und Freyja, seine Freyja würde
ihn retten müssen! Bjornar bedauerte sehr, dass Freyja recht unpässlich war die meiste Zeit auf der Reise, weil sie die See nicht vertrug, und auch nicht den vielen Met, den
Ynge ihr ständig anbot. Dabei war sie doch die einzige Sängerin auf Seiten der Chaoshorde und es war an ihr, das ruhmreiche Lied seiner Abenteuer zu singen!
So aber hatte er viel Zeit mit der besten Albe der Welt, der kleinen
Firlefanz herumzualbern und dabei die Insel zu entdecken. Sie hatten sofort ein Gespür füreinander und teilten unter anderem die Liebe zu den tierischen Bewohnern der Insel. Da waren welche, die er so noch nie gesehen, gerochen und gekostet hatte. Stechkrabben waren zahlreich am Strand und äußerst lecker, wenn man ihnen den Stachel ausriss, bevor man sie über dem Feuer brutzelte, bis das Fleisch knackend aus dem Panzer hervorsprang. Auch Fische waren reich und bunt und schmackhaft. Die Vögel hier waren doof und heiser, kreischten und zischten nur, anstatt zu singen. Am spannendsten waren die Schürzendiebe und die Feuerspucker sowie die Schlingschlangen.
Kein Wunder, auf der Schlangeninsel gab es viele Echsen – er war in ein Land der Zwergdrachen geraten! Hier witterte er seine Gelegenheit, denn eines Tages würde er der erste Drachenbändiger der Neuen Welt sein, das war ihm klar, aller-allerspätestens seit
Rou ihm das Lied vom
Drachen von Arn vorgesungen hatte. Hier auf der Insel konnte er anfangen und üben, denn die kleinen Echsen waren leicht zu fangen, und schwer zu bändigen, aber er machte Fortschritte. Es gelang ihm, einen Spucker und einen Schürzendieb – diese Laufdrachen, die Kleidungsstücke raubten! – einzufangen. Cataleya, die ebenso wie die Trymm’takk insgesamt eine weiche Seite für Firlefanz hatte, baute ein Gehege für die kleine Albenfee und Bjornar fütterte die Wesen mit jeder Art von Fleisch, dass er auf der Insel finden konnte.
Dann geschah das Wunderbarste. Er hatte einen wirklich schönen Ort entdeckt, verborgen hinter Gebüsch und über den Klippen hin zum Sonnenuntergang. Da standen zwei versteinerte, wohlgekleidete Ophidianer, ganz friedlich voreinander und verströmten Ruhe, für immer eingefroren in einem heiligen Ritual um ein Wasserbecken. Sehr hübsch der Ort, jedem Druiden hätte er gefallen. Gern betrachtete er die steinernen Schlangen, denn es bedeutete, dass er recht hatte – auch bei den Ophidianern gibt, oder gab, es solche und solche. Nicht alle oder immer waren diese Schlangenwesen Monster gewesen. An diesem Ort traf er unverhofft auf Firlefanz, die hatte – natürlich – auch die Schönheit erkannt, es war ihr Lieblingsort auf der Insel, und hier hatte sie etwas wunderbares vollbracht. Sein Feuerspucker hatte nämlich in der Gefangenschaft im Lager Eier gelegt! Und sie hatte sie hier vergraben und wollte sie ihm jetzt zeigen, doch als sie das Gelege mit ihren Flinkfingern ausbuddelte, siehe da, waren die kleinen Feuerspuckechsen bereits geschlüpft! Welch Gelächter und Gewusel folgte nun, welch trauriger und lustiger Momente war dieses Geschlüpfe! Traurig, weil einer seiner Rattenfreunde, Knupr oder Knuspr, er wusste nicht mehr welcher, ratzfatz so einem Echsenbaby den garaus machte und es zu verspeisen begann.
Jedenfalls nahm Bjornar schließlich die Schlüpflinge behutsam und vertrauensvoll in seine Obhut – Firlefanz, war zurecht überzeugt, dass Bjornar der beste Drachenvater überhaupt werden würde – und er nahm die kleinen Kriecher gern mit zu sich ins Zelt. Er würde sie nach Hause bringen und in Fjellgat großziehen, dann würde das Haus von Bjornar und Freyja berühmt wegen des Gesanges
und der Drachen. Mit den kleinen konnte er jetzt schon üben, ein Drachenbändiger zu sein. Wie später jeder im Sorum-Lager an
Haldrons zornigem Gebrüll mitbekam, war es nicht zur Freude des Schamanen, dass die kleinen Echsen von nun an auch durch das Stammeszelt am Strand wuselten. Dort war es bereits sehr kuschelig, denn seltsamerweise hatten die riesigen Trymm’takk das kleinste aller Zelt erhalten, kleiner sogar als das der Alben. Einige zogen es deshalb oft vor, auf Grimlas Schwinge zu schlafen. Bjornar aber genoss das Gekuschel, was entstand, wenn die Riesen eng an eng im Zelt aneinander lagen. Ein echtes Rudel halt!
Einmal aber, mitten in der Nacht, war ihm das Ganze dann doch zu stickig, vor allem weil
Tarabaschs fetter Arsch beständig auf seinem Gesicht lag und er Not hatte zu atmen. Also kroch er aus dem Zelt und fand im Lager von Suroms „Heerführern“ nebenan noch Cataleya wach und alleine vor. Sie hatte ihn eingeladen, wenn er mal reden wolle, zu ihr zu kommen. Und wie sie redeten diese lange Nacht! Es war ja einiges Geschehen zwischen den beiden. Hier auf der Insel, fern von allem, und ständig auf der Jagd nach den kreuzgefährlichen Ophidianern, da war nun in der Tiefe der Nacht der Moment, dass sie einander wirklich kennenlernen sollten. Das schmerz- und schicksalshafte Band, dass sie seit jeher aneinander fesselte, saß locker in jener Stunde und Bjornar erlebte etwas, von dem er immer wusste, dass es er es finden würde: eine Cataleya, die echt war und hinter all dem Blut und Wahn und Todesrittertum, fand er… zumindest ein sehr süßes Näschen. „So, wie wir jetzt miteinander reden, so werde ich nie wieder mit dir sprechen.“ Das war einer der hochtrabenden Sätze, die sie in jener Nacht sagte. Da waren auch andere, einfachere, menschlichere. Aber als sie diesen Satz sagte, wusste sie nicht, dass sie gerade zum ersten und einzigen Mal im Leben genau richtig gelegen hatte, was Bjornar anging.
Am nächsten Tag untersuchte Bjornar die Höhle der kranken und verseuchten Ophidianer, die
Tyra ausgekundschaftet hatte; unterwegs war er mit Firlefanz, seiner Glücksalbe, weil die sich gut mit Abführmitteln auskannte. (Oh wie sehr wünschte er sie sich als Hausgeist, mit Freyja, und den vielen Drachen und den Kindern.) Gemeinsam versuchten sie den Grund für das Leiden der Ophidianer herauszufinden. Aber die kranken Schlangen waren schwierige und widerspenstige Patienten. Selbst festgenagelt starben sie lieber, als Still zu halten. Das musste Bjornar anerkennen. Der Rettungsversuch endete darin, dass Bjornar
Gwendolyn und
Joseph durch die stinkende Höhle, durch das Siechenlager, gar den Abort der Ophidianer, schleifte. Doch auch Gewndolyns immense Heilkunde war ratlos vor dem Unheil das diese Schlangenwesen befallen hatte und Bjornar war recht betrübt, wusste er doch, dass die nicht immer so garstig gewesen waren.
Das Hauptgeschäft auf der Insel, war also dem irren Imperator nachzurennen auf der Suche nach Dämonen aus dessen Vergangenheit und dabei zuzusehen, wie der die Sorummer ansteckte mit sein Wahn und sie sichtlich ins Verderben führte. Das Ergebnis war zunächst ein lustiges Jagen, an der Seite seines Stammes, die Schlachtreihen und Schilde hielten stand, auch wenn die Ophidianer zähe Gegner waren. Am Ende waren sie harmlos, geistlos und in den kleinen Grüppchen der in unzähligen Jagden eingespielten Macht der Trymm’takk nicht gewachsen. Stück für Stück wurde die Insel befreit. Bjornar hatte auch die Gelegenheit einmal den Trupp der Sorummer zu jener Frau, die er das
Schlangenhaar nannte, zu führen. Auch die wurde erlegt, hierbei tat er sich durchaus hervor, aber Valleron war schneller, den Schlangenfrauenkopf nahm er. Der hätte sich gut als Trophäe am Giebel seines Hauses in Fjellgat gemacht – und eigentlich brannte Bjornar nur darauf, ihre Geschichte zu erfahren. Da steckte sicher so viel dahinter! So war sie bloß eine weitere Leiche auf dem Weg der Horde und es blieb ihm immerhin, die Standarte der Trymm’takk aufzustellen, am Ort des Triumphes über diese schaurig schönen Feindin.
Schaurig schön war es auch, als die gesamte Truppe eine Vision ihres eigenen Unterganges erlebte. Sie waren von der Macht des Zaron, Zirkon, Divilzion – oder was auch immer – in eine brennende Stadt geträumt worden, die Surom ganz ähnlich sah. Die Kathedrale des Namenlosen brannte da? Den Barbaren jedenfalls erzählte niemand, was die Geschichte dieses Ortes war, nicht mal der Sjaman verstand, was hier vorging und Bjornar schon gar nicht. Die Erlebnisse auf der Insel fühlten sich an, als würde der Imperator seine dumme Herde zur Schlachtbank führen. So war auch die Traumvision ein schönes Gemetzel, da waren sie allesamt versammelt und sahen wie sie gemeinsam verschiedene Tode starben. Verwirrung und Entsetzen war groß unter den Sorummern und Alben und all jenen, die an ihrem Leben hingen. Also wohl allen, außer den stolzen Kriegern der Trymms! Bjornar suchte und suchte und fand den Kadaver von Freyja, wie schön der war! Dahingeschlachtet, geschändet und gefoltert! Tausend Geschichten wert! In der Nähe der Rest des Stammes, sogar der
Blodeik Skjold lag da, gespalten! Bis zuletzt hatte der Skilt ihn hochgehalten, so wie es sein sollte! Sein Bärenherz brummte vor stolz und als er sich selbst fand, dahingemetzelt, mal verbrannt, mal gemeuchelt, oder gevierteilt, immer aber mit dem unzerstörbaren Trotz eines Kriegers im Gesicht, der sein Ende nicht hinnimmt sondern bis zum Schluss streitet und glorreich untergeht! Da wallte ihm die Brust über, das war ihm der schönste Anblick.
Eigentlich wusste er nämlich, dass er schicksalhaft „unsterbig“ war, dazu verdammt, die Ahnen weiter und weiter zu amüsieren, die ließen ihn nicht so leicht von der Angel! Auch die anderen „Mächte“ nicht. Das war ihm klar geworden, spätestens als er erfuhr, dass selbst sein Todfeind
Jaster, der Lebensfeind, der Hirschmörder, dass selbst die Besessene Cataleya nicht in der Lage waren, ihn zu töten. Immer war da wer, der Stamm, die Tierbrüder, ein Freund oder eine Freundliche, selbst die Spinnengöttin und der Namenlose, der Herr mit seinen Engeln und Druidenmacht, notfalls die Ahnen selbst und immer Kovarkarhu… sie alle hielten ein Auge auf ihn und wollten ihn nicht sterben lassen! Egal was geschah, irgendein Schicksal oder Gottgeistahne würde immer auf ihn aufpassen. Wie, wie also sollte er je an die Tafel treten?
Er war noch dreister und unausstehlicher geworden, seitdem ihm dieses Licht aufging, seit Jaster ihn mit größter heiliger Macht nicht gehen ließ, nachdem Cataleya ihn erst erschlug und dann doch dem Ignas befahl, ihn zu verarzten. Deshalb also war der Anblick seines und Freyjas geschundener Körper ihm das Schönste. Deshalb ging er von da an mit noch größerem Schwingschritt und größerem Lachen über die Insel. Ein echtes, wirkliches Abenteuer wartete hier! Nur wenige hätten das verstehen können – ihnen voran seine Wahlschwester Rou und Tarabasch, mit denen er diese Überzeugung seiner eigenen „Unsterbigkeit“ geteilt hatte. Aber Rou war – wiedermal – woanders und Tarabasch meinte, er hätte diese Flausen ihm schon ausgetrieben. Unvorsichtig war Bjornar seit eh und jeh.
Auf der Schlangeninsel gab es noch ein größeres Wunder: Bjornars Weg zu den Drachen lag hier! Ganz nah beim Lager des Chaos gab es eine Höhle, in der Dracheneier fein säuberlich standen, ein prächtiges Nest. Dahin ging er nach der Todesvision mit Freyja und er erzählt ihr, was alles so los gewesen war und vor allem, dass er diese Eier – und wenn es nur eins davon wäre! – bergen würde und ebenfalls mit nach Fjellgat bringen würde. Auch das wäre auszubrüten und dann würden sie beide bald einen ruhmreichen Hausdrachen zum Kind und Freund haben! Witzeleien über Hausdrachen und deren Folgen lagen zwischen den beiden und dann auch etwas Eifersucht, hauptsächlich ob Bjornars doch übergroßer Vertrautheit und Begeisterung von den Schlachtfrauen des Chaos – die Namen Cataleya und Firlefanz vielen einfach zu oft in seiner Erzählung. Doch bald, lag gar nichts mehr zwischen den beiden, den wer oder was konnte auch nur im Ansatz seiner Freyja das Wasser reichen? Seinem Herzgesang, seinem Frühlingsduft, seiner Singstimme? Sie bauten sich ein feuchtes Nest zwischen den Dracheneiern und verbrachten die Nacht darin, glücklich, warm, zärtlich und schauten hoffnungsvoll in ihre gemeinsame Zukunft, denn was sollte so einem gesegneten Heldenpaar schon wiederfahren? Gemeinsam, bis zum glorreichen Ende! Naja, oder bis die Kinder kamen. Wobei sie sich für letzteres alle Mühe gaben.
Mannaz,
der Mensch mehre die Erde. Das hatte doch Segimer gesagt? Bjornar lächelt und wacht über Freyjas Schlaf.
Am nächsten Tag da war der Höhepunkt des Abenteuers auf der Insel: Bjornar sah einen gebändigten Raptoren im Heerlager! Der Stand genau vor dem Zelt der Anführer, die gerade Reden schwingen wollten. War das sein Schürzenjäger-Raptor!? Rot war er geworden und irgendwie… ausgewachsen. Mit Reitzeug gar? Just wollten Aggronium und Hühnerfuss Marlene eine weitere düstere Ansprache halten, sich in den Hasswortwahn hineingeifern… Als ob das nötig wäre, um echte Krieger auf die Schlacht vorzubereiten! Das brauchten eben die doofe Herde an Gläubigen, die mächtig beeindruckt waren. Bjornar aber hatte nur Augen für das fabelhafte Tier, sollten sie doch palavern. Er wurde prompt davongejagt und fand im Gatter seinen Schürzendieb, ganz ähnlich, aber nicht über Nacht erwachsen geworden, auch nicht feurigrot. Der Raptor vor dem Zelt gehörte einem Sorummer! Irgendwer unter denen verstand sich darauf, diese Tiere zu bändigen! Diese Person, die würde er zum Freund und Lehrmeister gewinnen, das war mal klar! Doch als die Rede zuende war, da war das stolze Tier nirgends mehr zu sehen. Später, dachte er. Er schloss sich seinem Stamm an, ein paar Methörner mit Ynge teilend und scherzend.
Dann begann sie auch schon, die große Schlacht, man lief dem Imperator nach, metzelte sich gekonnt hindurch durch die Schlangenkörper, hinunter in den Bauch der Insel, dort war dann ein tiefes, tiefes Loch und da waren auch die Sonnengärtner mit ihrem Heiligen Zwilling vom düsteren Imperator da. Es war ein Drachentempel! Prächtig war der Altar. Davor stand auch die rote Schlange, Zirkelon war sein Name? Saurion? Es wurde geredet und die beiden Heerführer befahlen ausnahmsweise einmal, dass nun Sorummer und Sonngärtner stille halten sollten und nicht übereinander herzufallen hätten. Dann flehte die Schlange Zirkelon um Gnade, und wollte ein Ende haben. Ja, das Verstand Bjornar. Der da wollte erlöst werden von seinem Draugr-Schicksal als Wiedergänger, er wollte nicht mehr die traurigen Leichen seines Volkes befehligen und in der seelenlosen Niederhölle schmoren, am Schicksal dieser Zwei da angekettet. Doch wie enttäuscht war Bjornar, als der Rote seine Erlösung wehrlos in Empfang nahm, sich freudig und ergeben den Kopf abschlagen lies! Pfui Spinne, was für eine Schande was für ein elendiger Wicht! Das Ende hinzunehmen, einfach so, geradezu darum zu flehen. Das war das Widerlichste, was er jemals sah! So ein jämmerlicher Wurm will Drachensohn gewesen sein?
Nun ging es zur Sache und Lichtbruder und Schattenbruder schlugen aufeinander ein. Da gabs was zu sehen und Bjornar ging näher und näher, beinahe fiel er in das bodenlose Loch vor dem Altar, doch der Stamm riss ihn zurück, allen voran Tyra und der Rashka. Das war ärgerlich, weil er nun nichts mehr sah vom gewaltigen Zweikampf des Heldenpaares, aber es war auch nicht überraschend – natürlich war da immer wer, der ihn rettete. Der Stamm vor allen, seine Brüder und Schwestern.
Das war das beste aller Gefühle.
Es wurde noch wilder und eine Götterstimme dröhnte aus dem Loch, so schrecklich, so unverständlich und jenseitig, dass alle, die nicht Willensstark waren keuchten und jammerten und der Ohnmacht nahe waren. Und wer wohl ist der Willensschwächste von ihnen allen? Natürlich
DER Bjornar, wer sonst! Ihm vergingen glatt die Sinne. Nur in einem ist er Willensstark und das hatte ihn die Liebe gelehrt: Darin nämlich, nicht sich selbst zu verlieren. So einer kleinen Ohnmacht, einem Götterschrecken, dem hatte er wahrlich nichts entgegenzusetzen! Auch unterschied es sich doch nicht
wesentlich von seinem normalen Geisteszustand.
Wer weiß, wie lange später, es kann nicht lang gewesen sein, da wurde er vom Jothar auf die Beine gezerrt. Ein Kampf lag in der Luft? Gegen wen ging es nun? Er griff nach seinen Waffen, da waren Sonngärtner Wüstenritter im Scharmützel mit den Wächtern. War es dass? Alles wieder beim Alten? Nein, die flohen kopflos. Licht und Schattenbruder waren verschwunden.
Bjornar wanderte noch immer benommen hin und her während der Schlangentempel bebte und zischte. Es war nicht vorbei? Das Volk des Zaurion war nicht erlöst, trotz seines Opfers? Verräterische Götter, typisch! Zu Schaaren erhoben sich die Ophidianer und panisch flohen die Sorummer, die letzten Rester der Solgardiner, die Nebehalvner um seine listige Wahlschwester waren schon längst davon.
Und wie sich diese Schlangenwiedergänger erhoben! Der Jothar, schon weit weg, kaum zu sehen unter Wurmgeleib, befahl den Rückzug, Tarabasch wehrte mit dem Blodeik Skjold die scharfen Wurfmesser der Ophidianer, schützte den Stamm. Bjornar war weit zurück, mitten unter dem Feind und konnte sehen, zu welchen Massen die Leiber aus der finstren Grube sich erhoben. Etwas traf ihn und er taumelte, die Schlangen schossen auf ihn zu, an ihm vorbei. Den Freunden hinterher. Vor ihm lag ein schmales Tor, und als er es erreichte, blieb er stehen, drehte sich um, griff Tarabaschs Schild fest und nahm seinen Speer. Den Schild hatte er vom Schlachtenbruder geschenkt bekommen, als dieser den Segensschild des Stammes von den Geistern erhielt. Es war das alte, trutzige, kampferprobte Ding, dass den größten Recken seines Stammes, seinen stolzen Freund, unbeirrbar auf seinem sicheren Pfad begleitet hatte. Er hatte Drachenfeuer widerstanden und Zweikämpfe mit Helden und Monstern. Er war der kleine Schutz des Stammes und er, Bjornar, trug ihn jetzt. Die Runen auf Tarabaschs Schild lauteten:
Letzte Verteidigung!
„Lauft, Freunde, Brüder! Ich halte sie auf!“ rief er in die Dunkelheit der Höhle, die aus dem bebenden Tempel führten. Alles hier würde einstürzen. Wenn er nur lang genug stand hielt, dass die Horde des auferstandenen Schlangenvolkes hier begraben bliebe. Die Stelle war gut. Der Tag war gut!
„For Trymmt’akk“ rief er und sein Ruf verging unter dem Beben und Gezischel rings umher.
Trymm’takk,
Tiwaz.
Des Kriegers Opfer, schießt ihm Segimers Orakel der drei Weiber durch den Kopf. Seine dritte Rune.
Lang genug! Nur lang genug. Er hielt den Schild nach vorn, versperrte den Weg mit seinem Riesenleib. Machte sich groß, den Torbogen des Drachentempels auszufüllen.
Jetzt bin ich ein Krieger.
Das der Stamm rauskommt.
Das sie Drachen bändigen.
Den Hirsch heilen.
Das meine Kinder leben können.
Ihm lag noch ihr besonderer Geruch in der Nase, von den Nächten am Julfest, von Freyja. Sie war doch fruchtbar gewesen in dieser Zeit? Und heute, heute war ihr wieder Übel gewesen, am Morgen, wie die letzten Tage der Reise auch. Welcher Tochter der See ist übel wohl, beim Ritt auf den Drachen? Welcher Schwester der Trymm’takk ist ganze fünf Tage übel, allein von Ynges gutem Met?
Er lachte ein schallendes Lachen, so wie nur
DER Bjornar zu lachen vermag. Es war das Lachen des Lebens.
Dann stemmte er sich mit aller Macht gegen den Schild, gegen den Strom der Schlangenleiber und atmete ein, ruhig, wie Aanatus es ihm gelehrt hatte.
Dreimal tief EIN.
EIN..
EIN…
Zum ruhigen Ausatmen kam er nicht mehr. Dieser letzte Atemzug brach sich den Weg als ein Schrei!
Wie sein Vater. Was auch immer es über ihn zu Wissen gab, gewiss war nur: Auch er war nicht sanft davongegangen, in jene gute Nacht.
Trotzdem, gerade weil er am Schluss schrie und brüllte, wie ein Vieh, hatte er sich nicht verloren.
Es schien ihm, dass vor ihm, über ihm, sich sein Brüllen verdoppelte, vervielfachte. Es johlten und tobten die Ahnen. Schlugen die überschäumenden Kelche auf den Tisch.
Was für ein Leben, was für ein Lied!
Willkommen zu Hause, kleiner Bär, brummte
Kovakarhu.
Unten hingegen lag Stille über der Abenteuerinsel.
Später, würden die Weisen des Stammes, Segimer und Haldron der jungen
Tarsnjor die Bedeutung der Runen noch einmmal erklären.
Othala Beginn,
Mannaz Gemeinschaft,
Tiwaz Opfer.
Die Runen lügen nie.
Tarsnjor würde bei dieser Lektion eine einzige Träne in den Schnee fallen lassen, so wie ihr Name es befahl.
Freyja aber?
Oh!
Arme Freyja!
Es war nun an ihr, ihn wahrhaftig und wirklich „unsterbig“ zu machen.
ᚠᛁᚾ
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Bjornar hat einen Soundtrack. Wer mit ihm Spazieren gehen will, hier ist er. Ich empfehle einen sanft, rosigen Sonnenaufgang an einem eisigen Wintermorgen.
Für die Spotify - Junkies: Bjornar.
Andrey Vinogradov – Saga
Myrkur – Spine
Colm R. McGuinness – My Mother Told Me (In Old Norse)
Miracle Of Sound – Skal
The Bass Gang, Ekaterina Shelehova – If I Had a Heart
Bjorth – Vidar
JÚLÍA, Bjarki Ragnarsson – Móðir Ísland
Colm R. McGuinness – Claim Our Kill (Inspired by Warhammer 40k)
Bjorth, Noiduin – Svinfylking
Eivør – Trøllabundin
Corvus Corax – Sverker
Danheim – Ivar's Revenge (Danish Viking Music)
David García Díaz, Andy LaPlegua – River of Knives
AURORA – Nature Boy - Acoustic
OMNIA – I Don't Speak Human
Glum Aleks – Stormheart Jup. KI generiert. Leider geil.
Nightwish – While Your Lips Are Still Red - Theme from the Movie "Lieksa!"
Heldom – Myrkr
Eluveitie – Within the Grove
SKÁLD – Grótti
A Tergo Lupi – Hunt or be hunted Witcher 3 Cover
Aethyrien – Odensjakt, The Wild Hunt
The Skaldic Bard, Farya Faraji – Sons of Mars - Norse Version
The Skaldic Bard – Herr Mannelig (Old Norse)
The Skaldic Bard – Harald Hardrada - 2024 Remake
The Skaldic Bard – Brothers of the North Sea
SKÁLD – Elverhøy
Volfgang Twins – Berserker
Corvus Corax – Gjallarhorni
Volfgang Twins – BARBARIAN BLOOD
Saltatio Mortis – Pray To The Hunter - The Elder Scrolls Online
Brothers of Metal – Kaunaz Dagaz
Peyton Parrish, Saltatio Mortis – God of War
Týr – Ormurinn Langi
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Ich gebe den Thread frei und würde mich über Ingame Posts von Figuren freuen, die hiervon irgendwie bewegt sind.
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