Ankunft: Die neue Welt

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Aanatus
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Am Krankenbett

Beitrag von Aanatus »

Die ganze restliche Nacht und den darauffolgenden Tag, bis zu dessen Abend hin, wo er kurz lustlos und abgelenkt einer Expedition aus reinem Pflichtbewusstsein folgte  und nur aufgrund der Gewissheit, dass Valentina oder Dracon seinen Platz am Krankenbett einnehmen würden,  verbrachte Aanatus am Krankenbett von Sorsha, die in inzwischen trockener Kleidung und gut zugedeckt  unter einigen Fellen und Decken zumeist regungslos ihre Stunden fern ab jeglichen Bewusstsein verbracht hatte. Ab und an ein Zucken der geschlossenen Augenlider und der sehr flache Atem verrieten, dass sie noch am Leben war, wobei Aanatus nicht nur einmal mit einem genauen Blick und  voller Sorge überprüften musste, ob sich ihr Zustand verändert hatte.

Er spannte Tücher als Vorhänge um Sorshas Bettlager, um den Blick – besonders vom recht  offenen Zelteingang her – auf die Bewusstlose zu verhindern, kümmert sich darum, dass Ruhe herrschte und versuchte das Beste, was er als Alchemiekundiger und gerade mal etwas besserer Feldarzt tun konnte, um ihren Zustand zu verbessern. Valentina übernahm seine Wache am Zelteingang, während er selbst sich zumeist nur von Sorshas Lager zum Kessel in der Mitte des Zeltes bewegte, um sich an einem neuen Sud zu versuchen, und zurück zu ihr, um ihr ein paar Tropfen einzuträufeln.  Knoblauch, Ginseng – Alraune zur Stärkung – dazu der ständige Blick, ob die feuchten Tücher, zur Linderung der manchmal Fiebrigen, nicht schon zu wechseln waren. Noch konnte er keine Veränderung bemerken, und am Abend, bei seinem kurzen Treffen mit Gwendolyn, war Aanatus kurz davor, sie um Rat zu bitten. Doch er wusste, dass er vorerst ohne Hilfe auskommen musste: Eine Schwächung Suroms nach außen zu tragen, wäre nicht im Interesse Sorshas gewesen – so schwieg er eisern, wenngleich es ihm widerstrebte. 

Es stand also eine weitere Nacht voller Sorgen an. 

 
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Aanatus
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Zurück in Surom

Beitrag von Aanatus »

Zurück in Surom. Nach einem kurzen Abschied von Sorsha fand sich Aanatus bald bei seiner Mühle. Immerhin stand das Gemäuer noch. Die Tür noch verriegelt. Wohl nichts gestohlen. Müde trat er ein und sichtete die Vorräte. Kein Ginseng… Widerwillig und todmüde beschloss er, schnell auszureiten und ein paar dieser Wurzeln zu sammeln. Dass er dabei auf diese Ella traf und damit wiederum auf ein Rätsel…nun ja….war überraschend.

Als sich das Rätsel als ein Brief in Geheimschrift herausstellte, seufzte Aanatus lange. Er hatte seine Hilfe versprochen, er würde es auch versuchen, aber die Zeit dafür war knapp. Denn Surom befand sich ganz offensichtlich in Zeiten des Umbruchs, vielleicht der Wirren, wohl hoffentlich nicht des künftigen inneren Chaos. Ein interessantes Gespräch mit der Hochmaga Katherine zeigte deutlich die Lage, die sich schon direkt nach dem…Verschwinden…des Imperators langsam entwickelte bzw. sich schon in Entwicklung befand: Von Machtvakuum wurde gesprochen, von künftigen Führungssystemen. 
Aanatus konnte viele Punkte von Katherines Argumentation nachvollziehen, denn auch er sorgte sich zum Beispiel wegen etwaiger innerer Zerwürfnisse und dem dadurch möglichen Machtverlustes von ganz Surom. Aber andererseits war es wohl noch zu früh, in vorschnelle Planungsgedanken zu verfallen, so meinte er und fügte stoisch-müde hinzu, dass sich an seinen zwei „Aufträgen“, Surom tatkräftig zur Seite zu stehen und fürs Sorshas Schutz zu sorgen, ohnehin nichts ändere. Egal, welche Amtsträgerer in Zukunft und mit bzw. in welchem System die Geschicke des Großreiches leiten würden. Dass in selbigem Gespräch auch die Wege bzw. Irrwege des Monarchen angesprochen wurden und die  Hochmaga wohl eine baldige Exkursion ins Auge fasste, war ein deutlich „einfacheres“ Thema, weshalb Aanatus natürlich sofort seine Bereitschaft zur Mithilfe bekundete. 

Man würde sehen, was die Zukunft bringen wird. Nun führte ihn allerdings der Weg endgültig in seine Mühle – in tiefer Dunkelheit erreichte er sie und fand eine Nachricht von Ella in seinem Briefkasten vor. „Eile mit Weile“, murmelte Aanatus. Müde trat er in die Mühle ein, zog den Umhang aus, entledigte sich seiner Rüstung und warf sich einen lockeren Stoffmantel um. Lange betrachtete er die immer noch leicht blutende „Markierung“, den Schnitt für Bjornar – und ließ ihn all den Klamauk vergessen.

 
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Aanatus
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Bogenbau mit neuem Leder

Beitrag von Aanatus »

Die Erkundung mit den Barbaren war erfolgreich gewesen: Tarabasch und Rashka hielten die Frontlinie zusammen und so dicht, dass keine der Gegner zu Yngvildr, Haldron und Aanatus durchbrechen konnte. Gang für Gang wurde freigekämpft und irgendwann, in einer Art Thronsaal oder gar Andachtsraum, fanden sie ihren schwersten Gegner vor: Vielleicht ein Handlanger des Schattenmonarchen, vielleicht auch nicht, auf alle Fälle ein mächtiger Feind. Mit Verwandlungen, Zaubern, Hieben, Irrungen und Wirrungen – und was weiß ich was mehr – versuchte er den Trupp zu besiegen. Doch am Ende triumphierten die 5 und die Gestalt flüchtete unter wildem Geschimpfe.

Nachdem die Beute verteilt wurde und Aanatus endlich zuhause in der Mühle ankam, ließ er noch einen Boten den Säulen Suroms, der Kommandantin und Katherine die Neuigkeiten ausrichten. Erst danach fiel ihm diese seltsame Essenz auf, die ihm wohl Rashka als Beuteteil zugesteckt hatte. Eine seltsame, dunkle Flüssigkeit…Aanatus‘ Interesse war geweckt. Er roch daran, besah es aus der Nähe…tropfte einen Tropfen in Wasser…keine Erkenntnis. Was hatte diese Kreatur denn da in ihren Schatztruhen hinterlassen? Skeptisch tropfte Aanatus einen weiteren Tropfen der Essen in eine Phiole mit Ginsengextrakt. Nichts. Weiter und weiter wurde gemischt. Nichts. Keine Reaktionen. Erst beim Alraunenextrakt tat sich etwas: Der Essenztropfen begann sofort beim Kontakt - ohne sich zu vermischen, nicht einmal zu vermengen -  aufzuzischen und sprang blubbernd auf der Oberfläche des Alraunensud hin und her, bis er verdampfte. Alraune…eine stärkende Pflanze, murmelte er und besah, was er noch in seinem Repertoire hatte und noch nicht zu mischen versucht hatte. Am Ende blieb das Drachenblut und siehe da, auch hier eine Reaktion: Kein Vermischen, aber zumindest ein kurzes Vermengen. Wildes Aufschäumen, als würde die Wirkung potenziert. Doch das Mischen eines Trankes erschien unmöglich. Doch dann der Geistesblitz: Stärke. Drachen. Er griff sich an den Kopf: Als Bogner aus Leidenschaft hätte er da doch sofort an Drachenleder denken müssen, welches den Bogen hinsichtlich seines Schadens verstärkte. Vielleicht konnte man die Essenz dafür nutzen, um selbiges aufzuwerten?

Gesagt, getan – und siehe da: Das Drachenleder ließ sich durch die Essenz einreiben, ohne dabei Schaden zu nehmen. Vielmehr änderte es seine Farbe in ein Schwarz mit einer Art Rot, das etwas aus dem Hintergrund durchzuscheinen schien. Der seltsame Glanz strahlte eine Art Ruhe und Kraft aus – Aanatus wusste, er hatte etwas gefunden, womit sich arbeiten ließ. Er umspannte einen fertigen Kompositlangbogenkorpus damit. Nach einer Trocknungszeit teste Aanatus den Bogen an einer Zielscheibe: Nur mit viel Kraft konnte er ihn spannen, doch nach diesem langen Vorgang flog der Pfeil mit enormer Geschwindigkeit los, traf mit höchster Präzision und durchschlug dabei die rustikale Eichenrückwand der Zielscheibe. Nun war Aanatus klar, was ein Bogner mit diesem Leder tun konnte.

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