…ihre dunklen Locken wehten ihr durch den kalten Nachtwind ins Gesicht während sie ziellos auf dem Rücken des schwarzen riesigen Mustangs durch die Dunkelheit preschte... vieles war geschehen in den letzten Wochen, in denen sie, wenigstens für einen kurzen Augenblick, den Lohn ihrer Aufopferung ernten durfte,...ob es so bleiben würde, hing sicher auch davon ab, was sie aus dieser Gelegenheit machte, ob sie die zukünftigen Bürger davon überzeugen konnte, das A'groniam keine falsche Entscheidung getroffen hatte..
… ein schmerzhafter Stich durchfuhr sie, nicht der erste in der letzten halben Stunde, seit sie ihn ausgerechnet mit ihr zusammen, eng zusammen sitzend in der Taverne gesehen hatte...seit ihrer Aufgabe gab es nur einen Mann in ihrem Dasein, er, der immer da und doch unerreichbar war...die Worte von Soriya schwabten wieder in ihr Gedächtnis... warum auf etwas warten, was man nie haben kann..... sie hatte sich darüber gedanklich ausgelassen und war zu dem untrüglichen Schluss gekommen, das sie recht hatte und so war es schneller gekommen als sie dachte, das er regelrecht in ihr Leben polterte.
…der Abend auf dem Friedhof hatte etwas in ihr geweckt und doch war es wohl vergebens... es schien als wäre dies ihre ganz eigene persönliche Folter, die sie Tag für Tag durchleben musste und der Preis, den sie aber dennoch zu zahlen bereit war, vielleicht hatte es der Dunkle Vater so für sie vorgesehen...wäre sie nicht eine von Ihnen, würde sie vielleicht kämpfen, doch so würde sie sich wie immer wieder auf ihre Aufgaben konzentrieren.
…jeder bekommt was er verdient... schoss es ihr in den Kopf... der Mustang trabte langsam aus, als sie am Ende der Krabbenbucht angekommen war.. sie sprang herunter und zog zuerst ihre Stiefel, dann den Rest ihrer Kleidung aus und ging leichtfüßig durch den kalten Sand...für einige Zeit stand sie so da...unbeeindruckt von der Kälte der Nacht und starrte einfach in die Dunkelheit, dann ging sie weiter, langsam in das eiskalte Wasser, immer weiter bis letztendlich die Wellen über ihrem Kopf zusammenschlugen...
Aufgewühlt
- Sorsha von S.
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Ein Kapitel schließt sich..
Als sich die massiven Tore Suroms hinter ihnen absenkten, fühlte es sich an, als würde eine Welt enden und eine neue – grundlegend andere – beginnen.
Sie verabschiedete sich mit knappen Worten von Aanatus ohne den sie vielleicht nicht zurückgekehrt wäre. Aber sie wollte jetzt allein sein, allein die Geschehnisse der letzten Tage verarbeiten.
Eigentlich sehnte sich jeder Muskel in ihr nach dem vertrauten Heim, nach Wasser, das den Schmutz der letzten Wochen von ihrer Haut spülte.
An der entscheidenden Abzweigung verharrte sie. Ihr Körper wollte nach links, in die Sicherheit, die Gewohnheit des eigenen Heims, doch ihr Geist zwang sie geradeaus. Hinauf zum Tempel.
Jede Stufe, die sie erklomm, fühlte sich an, als trüge sie das Gewicht der gesamten Reise auf den Schultern. Die Luft wurde dünner, die Stille drückender.
Vor dem schweren Vorhang, der das private Gemach des Imperators verbarg, blieb sie stehen. Ihr Herz schlug unnötigerweise einen hohlen Takt gegen ihre Rippen.
Einen winzigen, törichten Moment lang klammerte sie sich an die Hoffnung, der Vorhang sei eine erneute Barriere zwischen den Realitäten – dass sie ihn beiseite schieben würde
und Agroniam dort säße, den Rücken leicht gebeugt über seinen Schriften,das Kratzen der Feder das einzige Geräusch im Raum.
Mit zitternden Fingern schob sie den Stoff beiseite. Der Raum empfing sie mit der Kälte eines Grabes. Sie steuerte auf das große Bett zu, ihre Knie gaben nach,
und sie ließ sich in die Kissen sinken. Den Blick starr an die Decke geheftet, ließ sie es zu: Das Antlitz des Ersten Wächters klomm vor ihrem inneren Auge auf und brannte sich in ihr Gedächtnis.
Sie kniff die Augen fest zu, versuchte jede Linie seines Gesichts zu konservieren, bevor die Zeit sie unweigerlich glatt schleifen würde.
Dann rollte sie sich zur Seite,griff nach dem großen Kissen, vergrub das Gesicht im Stoff und atmete tief ein. Sein Geruch war noch da. Ein schwacher Hauch von dem Geruch, der ihn stets umgab,
verwoben mit dem Duft nach Macht, fast verflogen, aber genug, um den Damm in ihrem Inneren brechen zu lassen.
Die Erinnerungen fluteten über sie hinweg wie eiskaltes Wasser... ihr Ankommen in Nalverot, die Dienerschaft, die Aufgabe, die von Anfang an, entgegen jeder Kritik, mehr für sie war als das,
die zerbrochene Verbindung zu Viego – ein Opfer, dargebracht auf dem Altar der Wiedergeburt Agroniams. Die Entbehrungen...Darivar, der nicht erwiderte Wunsch nach mehr…
das nicht mehr für möglich gehaltene Gefühl ein Kind unter dem Herzen zu tragen, die Geburt..
Und der Augenblick als der erwachsene Agroniam sie “Mutter” genannt hatte, es war nur ein Wort, aber es hatte für sie alles bedeutet.
Sie spürte noch immer das Echo von Astarots Berührung, doch es war Lilliths Berührung, deren Einfluss wie ein dunkler Faden durch ihr Schicksal gewoben war.
Am Ende der Moment, der ihr in ihrem bisherigen Leben die größte Willensanstrengung gekostet und ihr das Herz endgültig aus der Brust gerissen hatte:
Das winzige, warme Bündel, das sie nur Augenblicke nach der Geburt in Lilliths Hände hatte legen müssen.
Heute klangen diese Worte in ihrem Kopf wie blanker Hohn. Eine dunkle Ironie, die ihr die Kehle zuschnürte. Sie begriff es jetzt mit einer Klarheit, die schmerzhafter war als jede Wunde.
Sie waren keine Helden, keine Retter. Sie waren Werkzeuge. Spielbälle, die man mit untrüglicher Präzision dorthin gestoßen hatte, wo man sie brauchte.
Agroniam hatte Visionen gehabt, ja – sie hatte immer darauf gehofft, das er trotz ihrer Warnung nur Schachfiguren zu sein, das Ende kannte, doch nun war sie sicher:
Das Ende, das bittere Finale dieses Plans, hatte man selbst ihm vorenthalten. Er war das Opferlamm gewesen, genau wie sie. Oder war es schlicht seine Natur, sich immer und immer wieder für IHN zu opfern?
Machte es einen Unterschied? Zwei Worte drängten sich in ihren Geist..
Diese Worte waren ihr bisher so leicht über die Lippen gekommen, wie ein Gebet, das man seit der Kindheit kennt. Doch Treue benötigt einen Ankerpunkt,und Unterwerfung erforderte den Glauben,
dass derjenige, dem man sich beugt, den Weg kennt. Kann ich das noch? Die Frage hallte in der Leere des Tempels wider.
Sie würde sein Vermächtnis weitertragen, nicht aus blindem Gehorsam, sondern weil es eine der wenigen Konstanten in ihrem Dasein, ein Überbleibsel war, neben ihren Vertrauten im Zirkel.
Der Pfad vor ihr war in Nebel gehüllt. Doch sie war nicht länger die ergebene Dienerin, die blind vertraute. Sie war eine Frau, die so viel gegeben hatte, der so viel genommen wurde
und nun lernen musste, in einer Welt zu wandeln, deren Regeln und Strukturen sich veränderten, von Mächten geschrieben wurden, die sie weder kontrollieren noch jemals ganz verstehen konnte.
Mit schweren Gliedern und noch schwererem Herzen erhob sie sich und ließ ein letztes Mal den Blick durch den Raum schweifen.
Dann trat sie durch den Vorhang und versiegelte den Raum mit einem Zauber, niemand sollte einen Fuß hineinsetzen und mit seiner Anwesenheit diesen Raum entweihen..
Sie verabschiedete sich mit knappen Worten von Aanatus ohne den sie vielleicht nicht zurückgekehrt wäre. Aber sie wollte jetzt allein sein, allein die Geschehnisse der letzten Tage verarbeiten.
Eigentlich sehnte sich jeder Muskel in ihr nach dem vertrauten Heim, nach Wasser, das den Schmutz der letzten Wochen von ihrer Haut spülte.
An der entscheidenden Abzweigung verharrte sie. Ihr Körper wollte nach links, in die Sicherheit, die Gewohnheit des eigenen Heims, doch ihr Geist zwang sie geradeaus. Hinauf zum Tempel.
Jede Stufe, die sie erklomm, fühlte sich an, als trüge sie das Gewicht der gesamten Reise auf den Schultern. Die Luft wurde dünner, die Stille drückender.
Vor dem schweren Vorhang, der das private Gemach des Imperators verbarg, blieb sie stehen. Ihr Herz schlug unnötigerweise einen hohlen Takt gegen ihre Rippen.
Einen winzigen, törichten Moment lang klammerte sie sich an die Hoffnung, der Vorhang sei eine erneute Barriere zwischen den Realitäten – dass sie ihn beiseite schieben würde
und Agroniam dort säße, den Rücken leicht gebeugt über seinen Schriften,das Kratzen der Feder das einzige Geräusch im Raum.
Doch die Stille war absolut. Sie war nicht friedlich; sie war pure Gewissheit.
Mit zitternden Fingern schob sie den Stoff beiseite. Der Raum empfing sie mit der Kälte eines Grabes. Sie steuerte auf das große Bett zu, ihre Knie gaben nach,
und sie ließ sich in die Kissen sinken. Den Blick starr an die Decke geheftet, ließ sie es zu: Das Antlitz des Ersten Wächters klomm vor ihrem inneren Auge auf und brannte sich in ihr Gedächtnis.
Sie kniff die Augen fest zu, versuchte jede Linie seines Gesichts zu konservieren, bevor die Zeit sie unweigerlich glatt schleifen würde.
Dann rollte sie sich zur Seite,griff nach dem großen Kissen, vergrub das Gesicht im Stoff und atmete tief ein. Sein Geruch war noch da. Ein schwacher Hauch von dem Geruch, der ihn stets umgab,
verwoben mit dem Duft nach Macht, fast verflogen, aber genug, um den Damm in ihrem Inneren brechen zu lassen.
Die Erinnerungen fluteten über sie hinweg wie eiskaltes Wasser... ihr Ankommen in Nalverot, die Dienerschaft, die Aufgabe, die von Anfang an, entgegen jeder Kritik, mehr für sie war als das,
die zerbrochene Verbindung zu Viego – ein Opfer, dargebracht auf dem Altar der Wiedergeburt Agroniams. Die Entbehrungen...Darivar, der nicht erwiderte Wunsch nach mehr…
das nicht mehr für möglich gehaltene Gefühl ein Kind unter dem Herzen zu tragen, die Geburt..
Und der Augenblick als der erwachsene Agroniam sie “Mutter” genannt hatte, es war nur ein Wort, aber es hatte für sie alles bedeutet.
Sie spürte noch immer das Echo von Astarots Berührung, doch es war Lilliths Berührung, deren Einfluss wie ein dunkler Faden durch ihr Schicksal gewoben war.
Am Ende der Moment, der ihr in ihrem bisherigen Leben die größte Willensanstrengung gekostet und ihr das Herz endgültig aus der Brust gerissen hatte:
Das winzige, warme Bündel, das sie nur Augenblicke nach der Geburt in Lilliths Hände hatte legen müssen.
„Ich werde deine Tat nicht vergessen“, hatte der Südwind gesagt.
Heute klangen diese Worte in ihrem Kopf wie blanker Hohn. Eine dunkle Ironie, die ihr die Kehle zuschnürte. Sie begriff es jetzt mit einer Klarheit, die schmerzhafter war als jede Wunde.
Sie waren keine Helden, keine Retter. Sie waren Werkzeuge. Spielbälle, die man mit untrüglicher Präzision dorthin gestoßen hatte, wo man sie brauchte.
Agroniam hatte Visionen gehabt, ja – sie hatte immer darauf gehofft, das er trotz ihrer Warnung nur Schachfiguren zu sein, das Ende kannte, doch nun war sie sicher:
Das Ende, das bittere Finale dieses Plans, hatte man selbst ihm vorenthalten. Er war das Opferlamm gewesen, genau wie sie. Oder war es schlicht seine Natur, sich immer und immer wieder für IHN zu opfern?
Machte es einen Unterschied? Zwei Worte drängten sich in ihren Geist..
Treue... Unterwerfung....
Diese Worte waren ihr bisher so leicht über die Lippen gekommen, wie ein Gebet, das man seit der Kindheit kennt. Doch Treue benötigt einen Ankerpunkt,und Unterwerfung erforderte den Glauben,
dass derjenige, dem man sich beugt, den Weg kennt. Kann ich das noch? Die Frage hallte in der Leere des Tempels wider.
Sie würde sein Vermächtnis weitertragen, nicht aus blindem Gehorsam, sondern weil es eine der wenigen Konstanten in ihrem Dasein, ein Überbleibsel war, neben ihren Vertrauten im Zirkel.
Der Pfad vor ihr war in Nebel gehüllt. Doch sie war nicht länger die ergebene Dienerin, die blind vertraute. Sie war eine Frau, die so viel gegeben hatte, der so viel genommen wurde
und nun lernen musste, in einer Welt zu wandeln, deren Regeln und Strukturen sich veränderten, von Mächten geschrieben wurden, die sie weder kontrollieren noch jemals ganz verstehen konnte.
Mit schweren Gliedern und noch schwererem Herzen erhob sie sich und ließ ein letztes Mal den Blick durch den Raum schweifen.
Dann trat sie durch den Vorhang und versiegelte den Raum mit einem Zauber, niemand sollte einen Fuß hineinsetzen und mit seiner Anwesenheit diesen Raum entweihen..