Tag 10 – Die Schwefelhöhle
Reise Tagebuch
von Bathor Darez
von Bathor Darez
Heute früh bin ich einmal mehr mit Muskelkater erwacht. Doch der Herr sei Dank, es regnete nicht. Die Sonne zeigte sich, und ihre Strahlen taten Körper und Geist spürbar gut. Für einen Moment fühlte sich alles leichter an.
Der Smutje zauberte im Lager einen Fischeintopf, der wahrlich kräftigend war. Dennoch merke ich trotz guter Verpflegung, wie mein Körper abbaut, als würde mir mit jedem Tag ein Stück Kraft entzogen. Vielleicht ist es nicht nur die Mühsal der Reise, sondern auch die Sehnsucht nach der Heimat, nach dem Alltäglichen, nach Ordnung und Verlässlichkeit.
Gegen späten Nachmittag brachen Jaster, ich und einige andere erneut zu einer Erkundung auf. Unser Weg führte uns nach Westen. Es ist erstaunlich, beinahe beunruhigend , wie gut bewacht diese Insel ist. Wir können uns glücklich schätzen, dass das gewonnene Land nicht von den Schlangenwesen zurückerobert wird. Weshalb sie so defensiv agieren, erschließt sich mir bislang nicht.
Als wir eine Höhle erreichten, schlossen sich uns weitere aus dem Lager an: vor allem Magier, Weise und jene, die es noch werden wollen. Kluge Köpfe, wenn es darum geht, das Unbekannte zu erforschen, fast so, als hätten sie geahnt, dass wir auf etwas Besonderes gestoßen waren.
Beim Betreten der Höhle schlug uns ein widerlicher Gestank entgegen: feucht, faulig, krank. Nach kurzen Diskussionen entschieden wir uns, weiter vorzudringen. Was wir fanden, waren kranke Schlangenwesen, zurückgelassen, abgeschrieben, vielleicht als Futter für was auch immer. Es erinnerte mich an den Opfertempel. Doch dies ist nur die Vermutung eines unwissenden Dieners des Herrn; ich halte mich fern von Wahrsagerei und dunkler Magie.
Gefunden haben wir in dieser dunklen, stinkenden Höhle nichts , abgesehen von Dracheneiern und Schwefelasche. Ob diese sich von den kranken Schlangenwesen genährt haben? Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass diese Wesen selbst nur Opfer sind: Figuren auf einem Schachbrett eines mächtigen Wesens. Gerüchte sprechen bereits von einer alten Gottheit, von einem abtrünnigen Drachen, der im Verborgenen seine Fäden zieht. Ich hoffe inständig, dass der Herr uns weist, lenkt und uns die nötige Vernunft schenkt, um diese Zeit zu überstehen.
Während wir noch in der Höhle standen, verließ Arick abrupt die Gruppe. Aus den Gängen waren Wortfetzen zu hören, als sei ihm etwas zugestoßen. Sofort eilten wir hinaus und fanden ihn vor der Höhle stehend. Sein Verhalten missfiel mir. Ich weiß nicht, was mit ihm los ist. Vielleicht hatte er einen schlechten Tag, doch selbst so etwas kann Unruhe stiften und bringt Gefahr für die Gemeinschaft.
Nahe dem Höhleneingang befand sich ein Treppenaufgang, den wir anschließend hinaufstiegen. Oben angekommen provozierte Arick den Magier Livius mit garstigen Worten. Die Antwort kam schnell und ohne Vorwarnung, Arick lag auf den Steinen.
Ich muss gestehen, der Anblick gefiel mir nicht. Vor allem dann nicht, wenn meine Familie angegriffen wird, und schon gar nicht, wenn der Angriff von einem sonst so gebildeten Magier kommt, der üblicherweise seine Worte nutzt statt der ihm gegebenen Macht. Es erzürnte mich, gewiss. Doch durch die Lehren der Tugenden konnte ich mich beherrschen.
Im Auftrag von Dervyn, der heute seiner Rolle als Heerführer gerecht wurde, brachte ich Arick gemeinsam mit Jaster zurück ins Lager. Dort kann er nun seine Wunden lecken. Ich hoffe, er denkt über seine Wortwahl und vor allem über sein Benehmen nach.
Das ist im Wesentlichen alles von Bedeutung für diesen Tag. Möge dieser Spuk bald ein Ende finden.
Ende Tag 10.
