[WQ] Staub und Stille

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Rashka|Brom
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Re: [WQ] Staub und Stille

Beitrag von Rashka|Brom »

Der Regen tropfte zischend ins Lagerfeuer.
Zuerst waren es einzelne Tropfen, die im Sand verdampften, dann legte sich ein feiner Schleier über das Lager. Fackeln begannen zu flackern, Stimmen klangen gedämpfter, als hätte selbst der Regen beschlossen, leiser zu sprechen. Das Feuer knisterte trotzig dagegen an, fraß Holz und Fett, während Bjornar mit geübter Hand Skorpione wendete, als wären sie nichts weiter als Fisch am Spieß.
Aanatus senkte die Fackel, als Rashka aus der Dunkelheit in den Feuerschein trat.
„De Ahnen zur Ehr“, sprach der Jothar. Seine Gestalt blieb halb im Licht, halb im Schatten. Die Flammen tanzten über seine Züge und verliehen ihm etwas Wildes, Archaisches – als sei er selbst Teil eines alten Liedes.
Bjornar schnüffelte, nickte zufrieden.
„Iss gud.“
Er biss herzhaft in einen der gebratenen Skorpione. Niemand widersprach.
Der Regen kühlte die Luft kaum. Die Hitze hing schwer über der Insel und machte es vor allem den Nordleuten schwer. Sie hatten das Gefühl, dass selbst der Dschungel beschlossen hatte, ihnen Steine – oder Schlingen – in den Weg zu legen. Gespräche flossen ineinander: über Flüsse, über Höhlen hinter Wasserfällen, über goldene Schlangenstatuen und Eier. Über seltsame Kreaturen, nicht ganz Fisch, nicht ganz Drache.
„Wyr sollten dem Flusslauf folgen“, warf Rashka ein.
„Leben ist immer am Fluss“, murmelte Aanatus nachdenklich.
Rashka nickte. Der Fluss führte nordöstlich. Diesen Weg würde er einschlagen.
Aanatus rollte eine Skizze aus und reichte sie Haldron. Der beugte sich darüber und brummte. Eine amphibische Kreatur, schlangenförmig, graue Haut, ein zu großer Kopf. Ungefährlich, hieß es. Tot mit einem Schlag.
„Kann ma’s essen?“
Die Frage war ernst gemeint.
Bjornar grinste.
Das Lager füllte sich weiter. Stimmen der Dunkelelfen, fremd und kühl, mischten sich unter das Gemurmel. Sie traten aus dem Regen, musterten das Lager mit jener Selbstverständlichkeit, als gehöre selbst der Schatten ihnen. Nad’diirn blieb schließlich vor Aanatus stehen.
„Kenn ich dich nicht? Einen Kartenzeichner vergisst man nicht so leicht.“
Aanatus nickte, ein schiefes Lächeln auf den Lippen. Wissen wurde geteilt – heute zumindest.

„Bevor wyr losziehn, werdn wyr noch den Segen uus Ahnen erbittn“
Haldron sprach die Runen und verbrannte Kräuter. Auch andere Stimmen erhoben sich, riefen zu ihren Göttern, baten um Segen für das kommende Vorhaben. Die Aufbruchsstimmung war greifbar. Das lose Gerede wich nüchternen Worten.
Der Ausfall wurde eingeteilt. Schnell fanden sich jene, die vorangehen würden. Rashka und Tarabasch nahmen ihre Schilde zur Hand und erklärten sich bereit, die Front zu halten und zu führen. Andere Krieger sollten die Flanken sichern, den Schildträgern den Rücken freihalten. Dahinter: Schützen, Magier, Späher.
Die Kampfgruppe – Barbaren, Dunkelelfen und Bürger Suroms – war nicht unerfahren. Eine grobe Einteilung genügte.
Der Aufbruch stand kurz bevor. Segen waren gesprochen, Riemen nachgezogen, Klingen geprüft.
Rashka trat vor.
„Abmarsch.“
Der Trupp setzte sich in Bewegung. Barbaren und suromische Krieger bildeten die Spitze, Schild an Schild. Dunkelelfen glitten an den Flanken entlang, lautlos, mit gespannten Bögen und flackernder Magie. Der Fluss wartete. Und die Feinde ebenso.
Der Dschungel verschlang sie. Feuchte Hitze, dichte Blätter, Wurzeln wie Fallen. Dann kam der erste Widerstand. Ophidianer. Das Schlangenvolk erwartete sie bereits.
Was folgte, war kein einzelner Kampf, sondern ein zähes Ringen um jeden Schritt Land. Pfeile sirrten aus dem Grün, Klingen prallten gegen Schuppen, Schilde gegen Speere. Die Ophidianer warfen dem Trupp alles entgegen, was sie hatten: Krieger, Gifte, Fallen.
Überall standen die seltsamen Schlangenstatuen – jene, die sie bereits am Strand gesehen hatten. Der Feind kämpfte verbissen um jede einzelne. Immer wieder brach die Front ein, wenn flinke, froschartige Kreaturen aus dem Unterholz hervorstießen, schrien und Chaos in den hinteren Reihen anrichteten. Magische Flammen zerrissen das Dickicht, Dunkelelfenpfeile fanden Kehlen, Barbaren brüllten und drängten vor.
Im grünen Dickicht verlor Zeit ihre Bedeutung.
Schließlich war der Wille des Kampftrupps stärker. Quälend langsam, Schritt für Schritt, gewannen sie Boden. Nach fast zwei Stunden erbitterten Ringens trieben sie den Feind über eine Furt zurück. Erst dann begann das mühsame Säubern des eroberten Gebiets, versprengte Schlangenkrieger wurden gejagt und niedergeschlagen.
Der Kampf verklang. Blut und Regen lagen schwer in der Luft.
„SAMMELN!“ rief jemand.
Sie sammelten sich. Müde Krieger, Magier mit funkelnden Augen, Dunkelelfen im Schatten der Bäume. Nad’diirn maß mit ruhigem die Umgebung, der Umriss einer alten Siedlung jenseits des Flusses.
„Greifenwachen“, rief jemand. Das Ufer des Flusses wurde Kahl gechlagen, wohl um den Wachen bessere Sicht zu gewähren.
Rashka nickte. Bis hierher hatten sie gekämpft.
Aanatus schritt den Pfad ab, zählte Schritte, zeichnete Linien ins Pergament. Wissen, murmelte er, brauche Zeit. Zeit hatten sie nicht – aber sie nahmen sie sich dennoch. Späher meldeten Bewegung im Süden. Die Erschöprung entschied: Rückzug ins Lager. Beute teilen. Wunden lecken.
Zurück im Lager wurde die Beute zusammengeworfen. Beutel klirrten, Hände wechselten Eldelsteine, Schmuck, seltsame Artefakte. Rashka sprach von drei Teilen: für Surom, die Nachtalben und den Stamm der Thrymm’tack. Aanatus legte seinen Anteil dazu – ein stilles Lob für Kommando an der Front. Filifaere, klein wie eine Puppe, aber mit großen Gesten und Worten, erklärte sich feierlich zur Vertretung ihres Volkes.
Es gab Verletzungen, nichts Ungewöhnliches. Die Erschöpfung saß tief. Doch der Erfolg – ein eroberter Teil der Insel – legte eine zufriedene Schwere über das Lager.
Später, als viele sich zurückgezogen hatten, saßen die Thrymm’tack noch am Feuer und teilten Geschichten. Da hüpften plötzlich seltsame Kreaturen aus dem Schatten: Mischungen aus Ente, Huhn und Taube, mit karamellisierten Stücken um den Hals und Schriftrollen an den Füßen. Sie verbeugten sich, übergaben ihre Botschaften – und sprangen dann, als letzten Akt der Höflichkeit, in die Pfanne über dem Feuer.
Verdutzt betrachteten die Barbaren die Schriftstücke. Wer lesen konnte, las. Wer nicht, verlangte Bilder. Die vier Barbaren konnten nicht lesen.
Kurz darauf trat Filifaere stolz in den Feuerschein. Sie hatte die Schriftstücke verfasst. Auf starkem Pergament, gut gegen Mücken, wie sie betonte. Die Gabe ihrer Geschichte musste noch ergründet werden, doch die Barbaren waren dankbar.
Sie teilten das Fleisch der seltsamen Vögel und Met, bis die Nacht vollends hereinbrach.
Später, an Bord der Grimlas Schwinge, sah Rashka in den dunklen Himmel. Ein Soeker stand neben ihm und lauschte.
„Geh zu de Anführern der andern, die nich dabei warn. Wenn de n Imperator findst und vorgelassn wirst, dann och zu ihm. Sonst erfährt er’s sicher von Valleron oder einer der andern Säulen. Sag ihnen das Wyr n Teil vom Dschungel erobert habn – bis zum Fluss im Osten. Und a Stück südöstlich sin wyr uf en Dorf gestoßn, das de Greifen halten. Jeg Empfehl dem Dorf n besuch abszustattn und in erfahrung zu Bringen ob und wie man Zusammn arbeitn kann. Außerdem schlag je vor weiter dem Flusslauf zu folgn, nach Nordostn.“
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