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Der Abend senkte sich langsam über Solgard, als Van die Fensterläden seiner Unterkunft schloss. Die letzten Strahlen der Sonne blieben noch einen Augenblick auf den Kanten der Möbel liegen, als wollten sie sich weigern zu gehen, bevor schließlich das warme Flackern der Kerzen den Raum erfüllte. Der Duft von Wachs, Pergament und getrockneten Kräutern lag in der Luft. Auf dem Tisch waren seine Vorbereitungen ausgebreitet, ordentlich und ohne Hast angeordnet. Stoffbeutel lagen gefaltet nebeneinander, Phiolen standen in einer Reihe, jedes Glas war beschriftet und sicher verschlossen. Daneben das Ersatzgewand, fest zusammengerollt. Es würde sicher bald gebraucht. Van ging die Vorräte noch einmal durch. Getrocknetes Brot, Hartkäse und gepökeltes Fleisch, schlicht aber haltbar. Keine Speisen für Genuss, sondern für Ausdauer. Daneben Salz, einfache Heilmittel und frische Kerzendochte. Dinge ohne Schönheit, aber mit verlässlichem Wert. Dinge, die auf See nicht auffielen, bis man sie dringend brauchte. Sein Blick blieb an einem kleinen Lederbeutel hängen. Darin lagen die Reagenzien. Es war keine große Menge, aber bewusst gewählt.
Ein Geräusch ließ ihn aufschrecken. Holz arbeitete im Wind, irgendwo im Gebäude knarrte es leise. Van hielt den Atem an und lauschte, bis die Stille zurückkehrte. Die Nacht von Solgard hatte ihren eigenen Rhythmus, und er war Teil davon. Er schlief wieder ein, nur um später erneut aufzuwachen, als das gedämpfte Läuten einer Glocke durch die Dunkelheit drang. Fern und kaum greifbar, vielleicht ein Nachtgebet, vielleicht eine Wache. Die Zeit ließ sich nicht zählen, nur fühlen. Der Wind nahm zu und strich durch die Gassen. Ein Fensterladen schlug an, einmal, dann noch einmal. Van öffnete kurz die Augen. Der Mond war weitergezogen, die Schatten im Raum hatten ihre Plätze gewechselt. Gedanken kamen, leise und ungeordnet.
Das Schiff. Das Meer. Die Ophidianer. Bewegungen, die nicht menschlich waren. Stimmen mit fremder Klangfarbe. Er ließ die Bilder kommen und gehen, ohne sie festzuhalten. Der Schlaf kehrte schließlich zurück, tiefer und ruhiger. Als Van erwachte, lag noch immer Nacht über Solgard, doch sie fühlte sich leichter an, als hätte sie getan, was sie sollte. Der kommende Tag war noch unsichtbar, aber nah. Er blieb einen Moment liegen und atmete ruhig.
Dann wusste er: Es war Zeit.
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