Reise ins Ungewisse

Rollenspielforum für Geschichten.
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Van De Mork
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Re: Reise ins Ungewisse

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Unruhe am Strand und Pfahl und Blut

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Als Van wieder zu sich kam, war es bereits früher Abend. Das Licht hatte sich verändert, war weicher geworden. Er hatte beim Schreiben am Nachmittag den Stift aus der Hand gelegt und war eingeschlafen, ohne es zu merken. Ein kurzer Moment der Orientierungslosigkeit folgte und er sah sich in der Kajüte um. Schnell aber realisierte er wieder Zeit und Ort. Dann meldete sich der Hunger und Van dachte an das Nachmittagsgespräch. Der Bugraum, sagte er im Gedanken zu sich selbst. Dort fand er auch noch etwas Essbares. Nichts Besonderes, aber ausreichend. Warm genug, um die Kälte aus dem Körper zu treiben. Danach trat er hinaus auf den Strand. Am Rand des Lagers traf er auf Radesvald. Auch Jaster war dort, ebenso einige Elfen.

Sie standen beisammen, im Gespräch vertieft. Van näherte sich gerade, als Bewegung seinen Blick fesselte. Eine Horde seltsamer Tiere schoss am Lager vorbei. Klein, schnell, schuppig. Wie winzige Drachen schien es, nur ohne Flügel und Feuersturm. Van sah sie nur aus dem Augenwinkel, kaum mehr als huschende Schatten. Verwunderung machte sich breit, gerade als eines dieser Wesen plötzlich zurückschwenkte und sich Jaster von hinten näherte. Mit einem schnellen Ruck riss es ihm den Umhang vom Leib und verschwand im selben Augenblick. Der Versuch, ihnen zu folgen, blieb kurz und erfolglos. Denn noch ehe sich jemand sammeln konnte, stürzten sich erneut Scharen der Inselbewohner auf die Gruppe. Der Kampf entbrannte ohne Vorwarnung. Schwerte trafen wieder auf Fleisch. Van zog sich zurück, während die Krieger die Meute abfingen. Nach und nach strömten weitere Mitreisende an den Strand. Angelockt von Lärm und Geschrei. Kurz unterstützte Van aber er war ohne seinen Kräuterbeutel hinausgegangen. "Wie dumm", sagte er zu sich selbst. Der Kampf verlagerte sich und wurde aufgenommen. Van jedoch wandte sich wieder dem Lager zu.
 
Dort traf er auf Tonya und einige andere. Sie waren in einem Gespräch vertieft, das bereits länger zu dauern schien. Van lauschte eine Weile, dann warf er eine Frage ein. Ob man den Palisadenbau noch angehen würde. Dieser war am Vorabend noch angedacht, konnte aber nicht umgesetzt werden. Es blieb nicht bei Worten. Amarius erschien mit Werkstoffen. Holz, Draht, Nägel, Seile. Mehr folgte. Ohne große Anweisungen begannen alle mit anzupacken. Löcher wurden in den Sand gegraben, angespitzte Pfähle hineingestellt, ausgerichtet, fixiert. Hände wurden schmutzig und Bewegungen schneller. Es war kein schönes Werk, aber ein notwendiges. Pfahl um Pfahl wuchs der Zaun. Als Van gerade den letzten einschlug, bebte der Boden. Zu seiner Linken brach ein Teil des Felsens vom Berghang. Gestein splitterte und Staub wirbelte auf.

Aus dem entstandenen Spalt brachen Minotauren hervor. Der Angriff kam ohne Vorwarnung und Van hatte keine Zeit zu reagieren. Ein harter Schlag traf ihn. Dann Dunkelheit. Als er wieder zu sich kam, lag er im Sand. Stimmen um ihn herum. Gesichter beugten sich über ihn. Die anderen, welche am Bau beteiligt gewesen waren, hatten sich um ihn versammelt. Weiter entfernt tobte noch immer der Kampf. Krieger hielten Ophidianer und Minotauren in Schach. Das Gefecht zog sich bis ins Abenddunkel. Van war benommen. Der Sturz hatte ihn hart getroffen. Sand klebte an seinem Gesicht, eine große Schürfwunde zog sich über seine Wange. Die Nase blutete leicht und jeder Atemzug fühlte sich schwer an. Langsam... mit schleppenden Schritten, zog er sich zurück. Er erreichte das Schiff, fand den Weg unter Deck und schließlich in seine Kajüte. Ohne viele Gedanken ließ er sich in die Hängematte sinken.
 
Es war spät und der Tag hatte seinen Tribut gefordert.


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Van De Mork
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Re: Reise ins Ungewisse

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Der neue Tag brach ruhig an, fast unscheinbar.

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Kein Weckruf und kein plötzlicher Übergang in den Tag. Das Lager und das Schiff fanden langsam in Bewegung. es war als hätten sie sich erst vergewissern müssen, dass die Nacht wirklich vorüber war. Stimmen klangen noch gedämpft und Schritte vorsichtig. Vorsicht, wohl um niemanden aus dem Schlaf zu reißen. Selbst das Arbeiten wirkte zunächst zurückhaltend. Es war ein Morgen, der nicht drängte und auch Van lag noch einen Moment in der Matte und träumte vor sich hin.
 
An Bord setzte bald der gewohnte Ablauf ein, doch es war bereits anders als auf offener See. Werkzeuge wurden geprüft, Tücher und Stoffe gelüftet. Irgendwer sortierte wohl Vorräte, denn Van hörte das Geräusch von niederprasselnden Äpfeln. Und dann ein leises Fluchen. Einige besserten Ausrüstung aus und wiederum andere kümmerten sich um das Trocknen nasser Kleidung. Alles geschah mit einer stillen Selbstverständlichkeit. Niemand sprach von den Kämpfen der vergangenen Tage, doch sie lagen spürbar in der Luft.

Das Frühstück fiel recht schlicht aus. Warmer süßer Brei und grobes Brot. Eine große Portion getrocknetes Obst und ein heißer Trank. Van Goss sich dazu noch einen ordentlichen Schuss Rum hinzu, der den Körper von innen wärmte. Die Mahlzeit wurde ruhig eingenommen, im Stehen oder auf Kisten sitzend, begleitet vom gleichmäßigen Prasseln des Regens und dem Gemurmel der Anwesenden.
 
Nach dem Frühstück zog es Van an den Strand. Der Regen hatte für einen Moment nachgelassen, und im nassen Sand fand er einige Muscheln, die reichlich schwarze Perlen brachten. Geduldig sammelte er sie ein, wog jede kurz in der Hand und verstaute sie. Sie würden sich gut als Köder eignen, dachte er bei sich. So setzte er sich an den Strand und begann zu Angeln.
 
Er verbrachte lange Zeit mit dem Angeln. Wurf um Wurf immer gleichmäßig, ja beinahe meditativ. Der Regen setzte wieder ein, zuerst noch tröpfelnd, aber dann schwerer. Van blieb so lange es irgendwie ging, aber schließlich zwang ihn das Wetter dann doch abzubrechen. Seine Kleidung war durchnässt, das Wasser kroch kalt an ihm herab und ließ seinen Körper leicht bibbern.
 
Die gefangenen Fische nahm er mit und brachte sie zur Kombüse. Der Koch... "Andi Pfanne" nahm sie mit sichtlicher Freude entgegen. Schon beim ersten Blick begann er, von einer Bouillabaisse für die Mannschaft zu sprechen. Voller Vorfreude auf den Duft und die Wärme, die sie bringen würde. Dann holte sich Van frische Kleidung aus seiner Kajüte. Trockener Zwirn aus Leinen, warm und sauber.
 
Van ging noch weiter hinab. Tief im Rumpf entdeckte er ein großes Fass mit Wasser. Mit leisen, magischen Worten erwärmte er es, bis Dampf aufstieg. Dann ließ er sich in das Fass sinken. Das Wasser plätscherte über den Rand, und Van schaute sich verstohlen um, ob ihn wohl jemand entdecken würde. Die Wärme schloss sich um ihn, löste die Anspannung der vergangenen Tage. Für einen stillen Moment existierten nur Wasser, Wärme und Ruhe. Niemand bemerkte ihn.
 
Später trocknete er sich ab und zog die mitgebrachte frische Kleidung an und schnürte aus den Nassen ein kleines Bündel. Er nahm sie mit, um sie zum Trocknen aufzuhängen. Der Rest des Tages verlief ruhig. Van lag entspannt in seiner Hängematte, das Tagebuch in den Händen. Er las, strich über alte Einträge, ergänzte Gedanken. Die Welt draußen rückte in den Hintergrund.
 
Der Regen fiel weiter. Und der Tag verging ohne Hast.

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Van De Mork
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Re: Reise ins Ungewisse

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Ein Abend mit Genuss und Schwierigkeiten

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Der Vorabend brachte für einen Moment Wärme zurück ins Lager. Der Duft der Bouillabaisse zog vom Schiff über den Strand. Würzige Düfte und Noten krochen in die Nase. Eine Art Versprechen von Ruhe nach einem nassen Tag. Andi Pfanne hatte ganze Arbeit geleistet. In Schalen und Bechern dampfte die Suppe. Frischer Fisch, Kräuter, Gemüse und Brühe verbanden sich zu etwas, das mehr war als nur Nahrung. Die Menschen standen beisammen, saßen auf Kisten oder an Tischen. Sie aßen langsam und sprachen leiser als sonst. Für eine kurze Zeit schien der Regen weiter weg.
 
Nachdem gegessen war, sammelten sich alle zur Messe. Barthor hatte dazu gerufen. Der Priester trat vor, der dunkle Himmel über ihnen. Seine Stimme war ruhig, aber fest. Er sprach von der Nacht, die vor ihnen lag. Wie immer von Wachsamkeit und Zusammenhalt. Die Insel war nicht befriedet und der kommende Abend würde kein ruhiger sein. Es ging an die weitere Erkundung der Insel. Jeder wusste das, doch es tat gut, es ausgesprochen zu hören. Drei Gruppen wurden gebildet. Ohne großes Zögern machten sie sich auf den Weg. Es sollte gen Nordosten gehen, hinein in den dichten Wald. Das Licht wurde rasch knapper, das Gelände unübersichtlicher. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Ophidianer auftauchten. Erst Einzelne und wie schon fast gewohnt auch in Scharen. Der Kampf begann erneut, ohne Aufwärmen und ohne Unterlass.
 
Die Gruppen kämpften sich Stück für Stück voran. Zwischen den Wurzeln und dem feuchten Boden schlängelten sie sich voran. Es entbrannte ein Gefecht, wie schon am Tag der Anlandung. Magie blitzte auf und Stahl schlug auf Schuppen. Der Wald schluckte Geräusche, und Schritt für Schritt stemmten sie sich entgegen. Der Vormarsch war einfach sehr mühsam. Einen Fuß vor den anderen und 5 Schritte voraus. Dann wiederum drei Schritte zurück. Gegner um Gegner und Angriff um Angriff. Es war ein langer, harter Kampf. Erst spät erreichten sie die ominösen Statuen, von denen man gesprochen hatte. Auch dort riss der Widerstand nicht ab. Alles, was an Feinden erschien, wurde gestellt und niedergerungen. Erst als es still wurde, kam die offensichtliche Erschöpfung. Erschöpfung, die den Körper durchfuhr.
 
Die Gruppen sammelten sich wieder. An einer Art Lichtung mit offenem Blick in alle Richtungen. Schwer atmend, gezeichnet von Wunden und Erschöpfung. Die Beute wurde zusammengetragen und aufgeteilt, ohne viele Worte. Niemand hatte Kraft für große Gesten. Es war getan. Wieder hatten Sie sich als Gemeinschaft bewiesen. Tatsächlich war es der Zusammenhalt von den Bathor, in seiner Messe sprach. Dieser hatte sie alle getragen. Jeder half jeden und jeder unterstützte nach seinen Kräften. Van zog sich zurück. Dieser Kampf hatte ihn mehr gefordert als die vorherigen. Mehrmals hatten ihn harte Schläge getroffen, sein Körper brannte vor Erschöpfung. Zurück im Lager wusch er sich, entfernte Schmutz, Blut und Schweiß. Danach fand er den Weg in seine Koje.
 
Im Liegen kamen die Gedanken. Über Entscheidungen, die er traf. Vielleicht ein Zögern an der falschen Stelle. Über Fehler, die er gemacht hatte. Vielleicht waren sie vermeidbar und solche, die er vielleicht gerade noch vermieden hatte. Der Kampf hatte Spuren hinterlassen, nicht nur auf der Haut. Irgendwann ließen die Gedanken nach. 

Die Erschöpfung gewann. Van schlief ein.


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Van De Mork
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Re: Reise ins Ungewisse

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Überraschender Morgen

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Der Morgen fühlte sich irgendwie anders an. Für Van hatte der Tag trotz der Schmerzen in seinem Körper zeitig begonnen. Der Regen hatte tatsächlich nachgelassen. Was blieb, war einzig allein der Wind welcher kräftig von der See her über den Strand und das Lager strich. Er trug den Geruch von Meer und nach wie vor vom nassen Holz. Er ließ Planen flattern und Seile singen. Doch über all dem lag ein unerwartetes Licht. Van setzte sich auf das Ruderdeck und schaute über die Masten hinweg gen Himmel.

Der Himmel hatte sich aufgelockert und zwischen den ziehenden Wolken brachen einige Sonnenstrahlen hervor. Sie fielen schräg über das Deck, wärmten sein Gesicht und die Hände nur kurz und dennoch spürbar. Van schloss für einen Moment die Augen und ließ den Wind an sich vorbeiziehen. Nach den Nächten voller Regen, Nebel und Kampf wirkte dieses Licht beinahe fremd. 

Er blieb sitzen, hatte er doch keine Eile. Unter ihm arbeitete das Schiff leise und vertraut. In der Ferne rauschte das Meer ein wenig. Van griff schließlich nach seinem Notizbüchlein, das er stets bei sich trug. Sorgsam schlug er es auf. Die Seiten waren leicht gewellt von der Feuchtigkeit der letzten Tage. Einen Moment grübelte er vor sich hin, doch dann begann er zu schreiben.
 
Keine Berichte, keine nüchternen Zeilen. Worte fanden ihren Weg in eine andere Form. Ein paar Zeilen, die getragen sein sollen von dem was hinter ihm lag. Vom Nebel und vom Strand. Von Feuer, Blut und Regen. Von Entscheidungen, Zweifeln und dem stillen Vorranschreiten. Die Zeilen kamen langsam und er tastete sich heran.



=== === === === === === ===

Aus Nebel traten wir hervor ins das Licht,
das Meer noch schwer, die Küste ohne jede Sicht,
und Stahl entschied, was Worte nicht vermochte.
 
Im Regen stand der Strand, von Feuer wach,
die Nacht war laut, der Morgen still danach,
doch weiter trägt uns die Pflicht, wohin es pochte.
 
Der Sand war Feld, von Kampf und Blut bedeckt,
kein Schritt, der nicht die Spuren weiterträgt,
kein Atemzug, der ohne Last ausgefochten.
 
Wir hielten Stand, wo keiner bleiben wollte,
bis Rauch sich hob und Stille folgen sollte,
und Sieg nur blieb, weil wir nicht weichen mochten.
 
Im Regen wuchs das Lager aus der Not,
aus Pfahl und Tau, aus Hand und hartem Brot,
die Müdigkeit war stiller Baumeister.
 
Die toten Feinde brannten schweigend in der Nacht,
kein Zorn, unsere Pflicht, die Ordnung neu entfacht,
und Asche blieb als letzte Wegesgeister.
 
Der Wald verschloss, was offen schien zuvor,
aus Schatten trat der immer gleiche Chor,
dieser keine Fragen stellte, nur Gewalt.
 
Wir fielen oft und standen wieder auf,
der Weg war schwer, doch nahm er seinen Lauf,
bis selbst der Stein vor unserem Willen hallt.
 
Nun ließ der Regen endlich einmal nach,
der Wind blieb stark, doch Licht brach sanft danach,
ein Streif von Sonne auf dem nassen Holz.
 
Wir gehen weiter, nicht aus Ruhm und Sieg,
sondern weil Pflicht im Innern weiter wiegt,
und jeder Schritt trägt voran – erschöpft, doch stolz.

=== === === === === === ===



Als er den Stift sinken ließ, war das Licht noch da. Ein Strahl verirrte sich tänzelnd auf das Buch. Nicht stark und auch nicht beständig aber ausreichend, um ihm ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Van hielt das Büchlein einen Moment geschlossen in den Händen und sah hinaus aufs Meer.
 
Für diesen Augenblick war es genug.

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Van De Mork
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Re: Reise ins Ungewisse

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Ungewisse Pfade und Opfergaben?

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Der Abend senkte sich langsam über das Lager. Am Strand und entlang der neu errichteten Schutzpalisaden sammelten sich die Abenteurer. Das Holz wirkte noch frisch, der Sand davor war festgetreten vom ständigen Kommen und Gehen. Der Dschungel ringsum lag stiller als an den Tagen zuvor. Die unmittelbare Umgebung war von Feinden befreit worden, zumindest vorerst. Es war kein Frieden, aber ein Aufatmen im Gemüt.
 
Noch vor dem vollständigen Einbruch der Dunkelheit brach man erneut auf. Diesmal folgte man keinen unbekannten Schneisen, sondern schmalen, bereits ausgetretenen Pfaden im Wald. Sie führten weiter ins Landesinnere. Der Weg war mühsam, doch weniger chaotisch als zuvor. Man hielt Abstand, sprach wenig und achtete auf jedes Geräusch.
 
Zunächst führte der Marsch nach Nordwesten. Ein Bergmassiv erhob sich dort, dunkel und schwer gegen den Himmel. Man folgte seinem Verlauf, bis sich vor ihnen ein höherer Abschnitt abzeichnete. In den Fels waren Stufen geschlagen, alt und unregelmäßig, doch eindeutig von Hand geschaffen. Sie führten hinauf bis zu einem Gipfel, der wie ein Kessel aus dem Gestein gehauen war.
 
Oben fanden sie Spuren früherer Anwesenheit. Zwischen Steinen und Geröll lag ein altes Buch, beschädigt, vom Wetter gezeichnet. Die Seiten waren brüchig, doch noch lesbar. Van schaute sich den Text genau an und prägte ihn sich ein.


- - - - - -
>> https://www.dieneuewelt.de/webbuch/?uid=040072d6d <<
- - - - - - 
 
Die Worte ließen keinen Zweifel. Dies war wohl ein Ritualort. Oder zumindest etwas, das dazu gemacht worden war. Auf dem Plateau entdeckten sie einen Brunnenschacht. Schon aus der Entfernung schlug ihnen ein widerwärtiger Gestank entgegen. Die Untersuchung bestätigte, was niemand hatte aussprechen wollen. In der Tiefe lagen Leichen. Alte völlig verweste Leichen, genauso wie jüngst eingeworfene. Es waren viele, zu viele für meinen Geschmack. Der Schacht war tief, und ich konnte nicht erkennen, wie weit er reichte. Alles deutete darauf hin, dass es sich um Opfer oder Opfergaben handelte. Vielleicht um Feinde, aber es schienen viel zu viele aus den eigenen Reihen der Ophidianer zu sein. Der Grund blieb unklar.
 
Niemand hielt sich lange dort auf. Der Ort war schwer von Tod. Die Luft schien selbst die Gedanken zu belasten. Einige wollten weiter die Forschung daran betreiben. Van und ein Teil der Truppe setzten ihren Weg fort und folgten dem Pfad weiter nach Norden. Immer wieder kam es zu Kämpfen, doch keiner blieb zurück. Der Widerstand brach schließlich. Am Ende des Marsches erreichten sie einen breiten Weg. Dieser war befestigt und alt. Er schlängelte sich in beide Richtungen, nach Westen wie nach Osten.
 
Dort hielten sie an. Die Nacht war inzwischen angebrochen. Es wurde entschieden, den Weg nicht weiter zu verfolgen. Zu viele Stunden lagen bereits hinter ihnen, zu viele Kämpfe wurden ausgefochten. Man würde zum Lager zurückkehren und den nächsten Tag abwarten. Ohne viele Worte wandten sie sich um und bahnten sich den Weg zurück.

Der Dschungel schloss sich hinter ihnen, während sie den Rückweg antraten.


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Van De Mork
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Re: Reise ins Ungewisse

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Das Umland und Entdeckungen


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Der nächste Tag begann wie die vorherigen. Eine gewisse Routine hatte sich eingestellt. Wachen wurden abgelöst und schlenderten im immer gleichen Trott umher. Ausrüstung geprüft und kleinere Arbeiten erledigt. Gespräche waren kurz und Bewegungen eingespielt. Das Lager funktionierte, als hätte es sich dem Ort angepasst. Nichts daran war bequem, aber alles notwendig. Der Vormittag verging ruhig.
Regen war ständig zugegen und gelegentlich hielt er auch einmal inne. Aber wenn, dann nur für kurze Zeit. Der Wind blieb wechselhaft. Van nahm die Abläufe wahr, ohne ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es war einer dieser Tage, an denen nichts hervorstach und gerade deshalb Kraft kostete.
 
Am späten Nachmittag jedoch änderte sich die Stimmung. Bewegung kam ins Lager, Stimmen wurden entschlossener. Unter der Führung von Jaster Darez fanden sich einige zusammen, die weiter vorrücken wollten. Der Weg nach Norden sollte weiter freigekämpft werden. Niemand sprach von Heldentum. Es ging um Raum und zm Kontrolle. Vielleicht auch Vorbereitung, denn man wusste ja nicht was uns noch bevorstand. Sie zogen erneut in den Dschungel.

Stück für Stück wurden die Schergen der Ophidianer bekämpft. Kein einzelnes Gefecht war entscheidend, doch jedes nahm dem Feind ein Stück Boden. Der Vormarsch war langsam, aber stetig. Bald stießen sie auf ein Bauwerk. Eine Art Pyramide erhob sich aus dem Grün, fremd und fehl am Platz. Auf ihrer Spitze ruhte eine Sphäre, deren Anblick Unruhe auslöste. Sie war inzwischen auch in der Heimat schrecklich bekannt geworden. War dies der Ursprung des Portals, von dem die ganze Gefahr in der Heimat ausging?
 
Der direkte Weg, eine Treppe... die an den Flanken emporstieg, war versperrt. Eine unsichtbare Kraft hielt sie auf Abstand, davor zog sich ein Wassergraben um das Bauwerk. Der Zugang war blockiert. Stattdessen begann man, sich entlang der Umgebung vorzuarbeiten. Statue um Statue wurde gestellt. Wellen von Verteidigern brachen heran und wurden zurückgedrängt. Der Widerstand war hartnäckig, aber nicht unendlich.
 
Am Ende hatte die Gruppe mehr befreit, als sie zu Beginn erwartet hatte. Ein weiterer Abschnitt des Dschungels lag hinter ihnen. Es war ein Fortschritt, der allen ein gutes Gefühl bescherte. Man bereitete sich bereits auf den Rückweg vor, als Jaster ein Thema ansprach, das ihn seit Tagen beschäftigte. Sein Umhang, der vor ein paar Tagen unglücklich verloren ging. Er war ihm von einer kleinen Kreatur geraubt worden. Einer Art Echse, die an einen Miniaturdrachen erinnerte, nur ohne Flügel. Jaster hatte den Umhang fast schon abgeschrieben.
 
Doch dann entdeckten sie ihn einen Tag später nach dem Raub. Hoch oben auf einem Felsen. Ein Monolith, der aus dem Dschungel ragte. Obendrauf lag der Umhang, deutlich sichtbar. Zu lange thronte dieser bereits dort oben und er sollte geborgen werden. Wo er Jaster doch viel zu bedeuten schien. Der Entschluss war schnell gefasst, er musste zurückgeholt werden. So machte sich die Gruppe auf den Rückweg, um eben jenen Monolith aufzusuchen. Schon kurze Zeit später standen sie davor und schauten alle gebannt nach oben.
 
Eine Elfe, aus der Gruppe, bot schnelle Hilfe an. Geschickt und wendig erklomm sie den Felsen. Oben angekommen zeigte sich, dass der Umhang festhing. Ein kleines gefiedertes Wesen beobachtete die Szene aufmerksam. Ein kurzer Moment der Spannung. Dann ein gezielter Ruck. Der Stoff löste sich. Die Elfe verstaute den Umhang in einem Knäuel, welches sie in eine Umhangtasche stopfte. Dan drehte Sie sich um und sprang. Mithilfe eines Tuches verlangsamte sie den Fall, landete sicher und unversehrt. Ein faszinierendes Spiel wie Van befand. Der Umhang war gerettet. Jaster war sichtlich erleichtert, ja beinahe ausgelassen.
 
Zurück im Lager kam es noch zu einer Diskussion. Es ging um den Ritualort, um seine Bedeutung und darum, wie man mit diesem Wissen umgehen sollte. Meinungen prallten aufeinander und wurden heiß diskutiert. Van hörte zu, so lange es ging. Er war erschöpft, durchnässt vom Regen und schwer von den Eindrücken des Tages. Schließlich zog er sich zurück. Vielleicht würde der nächste Tag mehr Klarheit bringen. Vielleicht auch nur neue Fragen.

So kam die Nacht schneller über ihn als gedacht.


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Übelkeit und Hass auf das Sein


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Der kommende Tag begann unscheinbar. Van suchte am Morgen den Koch auf und fragte nach der Bouillabaisse, die letztens so gut getan hatte. Andy Pfanne reagierte erfreut, als hätte er auf diese Bitte gewartet. Zügig wärmte er ihm ohne Zögern eine Portion auf. Der Duft war vertraut, der Geschmack wie zuvor exzellent. Warm, kräftig, tröstlich. Doch kaum eine Stunde später änderte sich alles.
 
Zunächst war es nur ein leichtes Ziehen im Magen, kaum der Rede wert. Dann wurde daraus ein unangenehmer Druck, der nicht weichen wollte. Van suchte einen ruhigen Ort und versuchte den Körper zur Ruhe zu bringen. Es war vergebens. Die Übelkeit kam in Wellen, begleitet von Schwindel und einem kalten Schweiß, der ihm auf die Stirn trat. Sein Magen rebellierte und rumorte. Er zog sich schmerzhaft zusammen, bis ihm schließlich nichts anderes blieb als sich zu übergeben.
 
Der Rest des Tages verlief verschwommen. Van blieb liegen, einfach kraftlos. Jede Bewegung wurde zur Anstrengung. Hitze und Kälte wechselten sich ab, der Körper fühlte sich schwer an, als läge er unter einer Last. Er konnte das Gefühl nicht abschütteln. Gedanken kamen und gingen, ohne sich festhalten zu lassen. Zeit verlor an Bedeutung.
 
Am Abend drangen Kampfgeräusche an sein Ohr. Rufe, das Aufeinanderprallen von Waffen in der Ferne. Gebrüll und Geschrei hallten von weit her. Normalerweise hätte er sich aufgerafft, aber es ging ihm einfach zu schlecht. Zumindest kam ein Anflug des Versuchs, einen Überblick zu gewinnen. Doch diesmal blieb er liegen. Sein Körper verweigerte den Dienst. Selbst das Aufsetzen erschien unmöglich.
 
Irgendwann wurden die Geräusche leiser. Oder er nahm sie nicht mehr wahr. Der Schlaf kam unmerklich. Schwer und tief, getragen von Erschöpfung.


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Re: Reise ins Ungewisse

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Von Erholung und neuem Terrain


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Der heutige Morgen begann vorsichtig. Van fühlte sich noch schwach, aber nicht mehr ausgeliefert. Das Zittern im Körper war einem dumpfen Nachklang gewichen. Er setzte sich auf und bereitete sich ein einfaches Gebräu. Fein zerstoßene Holzkohle, dazu einige getrocknete Blüten. Dessen Blütenduft selbst in der feuchten Luft des Lagers noch sanft aufstieg. Er goss heißes Wasser darüber, ließ es einen Moment ziehen und trank langsam. Die Wärme breitete sich in ihm aus, ruhig und gleichmäßig. Es war ihm, als würde sie Ordnung schaffen, wo zuvor Unruhe geherrscht hatte. Kurz darauf nahm er ein wenig trockenes Brot zu sich. Jeder Bissen war schlicht und geschmacklos, aber er blieb drin. Und das genügte ihm durchaus.
 
Der Tag stand ganz im Zeichen der Erholung. Van ruhte sich einfach aus. Er ließ den Körper bestimmen, was möglich war. Bis zum späten Nachmittag fühlte er sich deutlich besser. Die Schwere wich und seine Gedanken wurden klarer. Er suchte den vertrauten Ort tief im Rumpf auf, nahm erneut ein Bad und ließ die Wärme ihre Arbeit tun. Danach kleidete er sich frisch ein. Ohne hast und durchaus sorgfältig.
 
Er füllte seine Beutel mit Kräutern und schloss sich dann der Gruppe um Jaster an. Gemeinsam folgten sie dem Pfad weiter nach Westen. Wieder mussten sie sich den Weg freikämpfen. Ophidianer stellten sich ihnen entgegen, doch keiner hielt lange stand. Der Vormarsch war anstrengend, aber kontrolliert. Schließlich erreichten sie eine markante Felsformation. Inzwischen war es Abend geworden, und nach und nach stießen alle Mitreisenden aus dem Lager zu ihnen.

Einige letzte Krieger der Ophidianer wurden niedergerungen, dann war der Weg frei. Am Fuß des Felsens lag eine Höhle offen, daneben führte eine steile, in den Stein geschlagene Treppe nach oben. Zuerst untersuchten sie die Höhle. Dort hielten sich offenbar kranke Ophidianer auf. Ihr Zustand war deutlich sichtbar, ihre Bewegungen träge, ihre Reaktionen verzögert. Nachdem die Höhle gesichert und erforscht war, trat die Gruppe wieder ins Freie.
 
Dann wandten sie sich den Stufen zu. Sie stiegen gemeinsam hinauf, bis sie ein Plateau erreichten. In dessen Mitte stand ein mechanisches Gerät. Es war von fremdartiger Bauart. Mehrere Bahnen aus Metall kreisten um einen gemeinsamen Mittelpunkt. Sie überlagerten sich, griffen ineinander. Wie bei einem künstlichen System aus fliegenden Körpern. Alles drehte sich, alles in ständiger Bewegung. Dies wurde begleitet von einem leisen, unaufhörlichen Geräusch.
 
Mit dem Magoskop untersuchte Radesvald das Gerät. Konnte aber wohl vorerst keine besonders magisch veranlagten Komponenten erkennen. Theorien wurden geäußert und Gedanken geteilt. Möglichkeiten erwogen und wiederum zerstreut. Doch so sehr sie auch suchten, eine klare Erkenntnis stellte sich nicht ein. Das Gerät blieb ein Rätsel.
 
Schließlich brachen sie auf. Der Rückweg führte sie zurück ins Lager. Dort traf Van auf Alira. Die erneute Begegnung erfüllte ihn mit ehrlicher Freude. Sie setzten sich zusammen und Van erzählte von allem, was geschehen war. Vom Pfad, von der Höhle, vom Gerät auf dem Plateau. Alira hörte aufmerksam zu, stellte Fragen, ließ ihn ausreden. Als sie dann innehielten, merkten sie, dass es geworden war. Die Nacht hatte sich längst über das Lager gelegt.
 
Es war Zeit, schlafen zu gehen.


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Van De Mork
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Re: Reise ins Ungewisse

Beitrag von Van De Mork »

Stark im Geiste und von der Qual des Leidens


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Es waren zwei Tage wie im Flug vergangen. Die Zeit dazwischen war vergangen wie viele zuvor. Der Regen war die einzige Konstante in dem immerwährenden Sein.  Arbeiten, Wachen, kurze Vorstöße und die Rückkehr. Ein eingespielter Trott hatte sich eingestellt, fast trügerisch ruhig. Der Strand war vertraut geworden, ebenso das stetige Rauschen der See. Die Salzluft tat aber irgendwie gut. Ein wenig Lagerkoller machte sich breit und man spürte gelegentlich eine gewisse Gereiztheit.
 
An diesem Tag hielten sich die versammelten Abenteurer gerade am Strand auf und es wurde schon langsam dunkel, als sich die Luft veränderte. Zunächst war es nur ein dunkler Schleier, der vom Wasser her aufzog. Doch der Nebel wurde rasch dichter und schwerer. Er kroch über den Sand und umschloss die Menschen. Sichtlinien brachen zusammen, Geräusche wurden dumpf und fern.
 
Dann begannen die Trugbilder. In den Köpfen eines jeden formten sich dieselben Szenen, nur mit seinen liebgewonnenen Mitmenschen.
Sie standen vor den Mauern und Toren Solgards. Doch die Stadt war nicht so wie sie sie kannten. Die Mauern waren geborsten, die Tore zertrümmert. Flammen fraßen sich durch Häuser und Straßen. Der Boden war übersät mit den Toten der Bewohner. Rauch lag über allem und kroch düster in jeden Geist. Schreie schienen noch in der Luft zu hängen, obwohl niemand mehr lebte.
 
Ein Gefühl von Unmut und Schock griff um sich. Herzen wurden schwer und Vans Gedanken taumelten. Für einen Moment drohte Resignation. Zweifel flüsterten und bohrten sich ins Gemüt. Sei all dies unvermeidlich? Würden sie versagen? Was dies ... unser aller Schicksal und alles verloren! Doch die Gruppe blieb standhaft. Einer nach dem anderen stemmte sich gegen diese Offenbarungen. Gegen das, was sich in ihren Geistern festzusetzen versuchte.

ie Priester erhoben ihre Stimmen, sprachen Worte des Zusammenhalts – brachten die Erinnerung und den Mut zur Pflicht. Sie riefen Namen, nannten Bande und erinnerten an das, wofür sie standen. Die Trugbilder sollten nicht tiefer greifen. Sie sollten nicht Besitz ergreifen von der Schwäche, die in jedem wohnte. Doch der Nebel ließ nicht nach, unaufhörlich drangen die niederschmetternden Gedanken in den Kopf.
 
Aus der Asche der Toten erhob sich Bewegung. Erst einzelne Formen, dann größere. Asche verband und verdichtete sich. Knochen zeichneten sich ab. Untote Knochenteile erhoben sich aus dem Grau, einer nach dem anderen, bis sich schließlich ein einziges, gewaltiges, drachenartiges Ungetüm formte. Es war aus Tod gemacht und aus Angst und Verlust. Der Kampf brach aus.
 
Nicht nur gegen das, was sichtbar vor ihnen stand. Nein … ... auch gegen das, was in ihnen wütete. Jeder Schlag und jede Beschwörung, jede Gebetsformel war zugleich ein Widerstand gegen das eigene Innerste. Die Monster griffen an, doch ebenso die Zweifel. Manche wankten, andere schrien. Und wieder andere kämpften schweigend weiter. Es war ein langer Kampf.
 
Am Ende brach der Nebel. Die Trugbilder zerrissen. Die Asche fiel zu Boden und blieb dort liegen – Wie leblos und bedeutungslos alles nun schien. Mit einem Mal standen sie wieder am Strand. Die See rauschte wie zuvor. Der Himmel war grau, aber real. Der Nebelrauch lichtete sich und flüchtete ins Nichts.
 
Alle hatten es überstanden. Doch niemand war unversehrt. Viele waren geschwächt, manche zitterten. Angst lag in den Gesichtern. Einige hatten Tränen in den Augen, ungehindert und ohne Scham. Sie ließen einfach ihren Gefühlen freien Lauf. Es dauerte lange, bis sich der Groll aus den Gedanken löste und der Atem wieder ruhig wurde. Dann trat der König vor.
 
Seine Stimme war fest, getragen von Überzeugung. Er sprach von Stärke, von Gemeinschaft. Auch davon, dass sie mehr seien als die Summe ihrer Ängste. Dass sie geprüft worden seien – und standgehalten hätten. Er schwor sie ein, einen nach dem anderen- Nicht etwas mit Drohungen, sondern mit Gewissheit. Tröstende Worte mit Weitblick. Wir sind eine starke Gemeinschaft. Und wir werden nicht weichen.
 
Die Worte blieben.


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Van De Mork
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Re: Reise ins Ungewisse

Beitrag von Van De Mork »

„Die Wahrheit ist, dass das Leben so außergewöhnlich ist, dass wir es die meiste Zeit nicht ertragen können, hinzusehen. Es ist zu hell und es tut unseren Augen weh. ... Aber die meisten Menschen finden das nie heraus, bis der Boden plötzlich unter ihren Füßen verschwindet.“
(Mark Oliver Everett)


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Der Abend begann ohne Übergang. Zur zwanzigsten Stunde hatten sich alle aus ihren Zelten und Unterkünften an den Strand begeben. Fackeln und Laternen warfen flackerndes Licht auf nassen Sand und unsere Gestalten. Eine beeindruckende Menge an Abenteurern stand, wie schon fast gewohnt, dort versammelt. Rüstungen glänzten matt im Regen, Umhänge hingen schwer und dunkel. Der Regen fiel unaufhörlich, gleichmäßig, als wollte er alles einebnen.
 
Dann erschien unser König – Sarafim. Er trat aus dem Schatten hervor und kam von der Echidna, begleitet von wenigen Getreuen. Das Licht der Fackeln brach sich an seiner Rüstung. Seine Stimme war klar und trug weit über den Strand. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er die Streiter des Lichtes an diesem Abend selbst begleiten würde. Kein Befehl fiel mehr, eine Entscheidung.
 
Der Zug setzte sich in Bewegung, nachdem die Magier all ihre schützenden magischen Worte gesprochen hatten, um der Gruppe maximalen Schutz zu geben. Der Weg führte erneut zum Höhleneingang, den man bereits vor Tagen entdeckt hatte. Wasser rann an den Felswänden herab. Es tropfte unregelmäßig von der Decke. Der Marsch durch die Grotten verlief ohne Gegenwehr. Zu still und zu leicht, befand Van in seinen Gedanken. Die Gänge erzählten ihre eigene Geschichte.

nochen lagen in Haufen, manche zerbrochen, andere noch vollständig. Käfige säumten einige Räumlichkeiten, verrostet und verbogen. Dahinter leere Blicke in die Dunkelheit. Folterräume wurden passiert. Gerätschaften lagen verstreut, als hätte man sie hastig zurückgelassen. Alles hier sprach von Leid. Und davon, dass viele es versucht hatten.
 
Schließlich öffnete sich der Weg zu einer riesigen Halle. Acht mächtige Säulen trugen das Gewölbe. Sie waren mit Rissen durchzogen, vom Alter gezeichnet. Am Giebel prangte das Abbild eines Drachen. Die steinerne Fratze war weit aufgerissen, die Augen leer und dennoch drohend. Van versuchte sich den Namen zu merken, aber die Worte waren recht leise ausgesprochen – Satsujinshar. Vor dem Abbild klaffte ein großes und gemauertes Loch. Aber es schien kein Brunnen zu sein. Aus der Tiefe drangen Geräusche, teils unerklärlich, teils bedrohlich. Dumpf … Unregelmäßig … Als würde etwas atmen.
 
Nach und nach füllte sich die Halle. Weitere Gruppen trafen ein. Die Nebelhafener und dann auch die Suromer. Schritte hallten wider, Stimmen vermischten sich. Schließlich trat König Agroniam mit seinen Gefolgsleuten hervor. Zwei Könige und ein Ort. Die Luft schien schwerer zu werden. Alle schauten sich argwöhnisch an.
 
König Sarafim wich nicht. Am Rand der riesigen Grube kam es zum Duell. Der Abgrund lag direkt neben ihnen, schwarz und unergründlich. Voll gerüstet standen sich die beiden Herrscher gegenüber. Der Kampf begann ohne viel Worte. Stahl traf auf Stahl. Funken sprühten. Jeder Schlag hallte durch die Halle. Kein Nachgeben und kein Zögern. Es war ein Kampf mit voller Kraft, als hinge alles davon ab.
 
Dann veränderte sich etwas. Die Geräusche aus der Tiefe wurden lauter. Ein Schatten bewegte sich ? Etwas Großes? Ja wohl etwas Fremdes. In einem einzigen, unfassbaren Moment zerfiel alles. Die beiden Streiter, noch im Gefecht, lösten sich auf. Kein Blut. Kein Aufschrei. Nur Staub, der langsam zu Boden rieselte.
 
Ein Schock ging durch die Halle. Nicht laut, nicht explosiv, vielmehr wie eine Welle, die allen zugleich den Atem nahm. Sarafim, unser König. Zu Staub zerfallen! Für einen Herzschlag lang schien niemand zu begreifen, was geschehen war. Dann setzte es ein. Leere Blicke. Zittrige Hände. Einige sanken auf die Knie, andere starrten nur in den Abgrund, als könnten sie das Geschehene zurückholen, wenn sie nur lange genug hinsahen.
 
Van spürte, wie sich seine Brust zusammenzog. Kälte kroch ihm den Rücken hinab, obwohl die Luft stickig war. Seine Gedanken wollten fliehen, doch sie fanden keinen Halt. Bilder von Solgard drängten sich auf. Von Mauern, von Licht, von Ordnung. Alles schien plötzlich fragil. Zu leicht auszulöschen. Er merkte, dass er die Fäuste geballt hatte, ohne es zu bemerken. Seine Knie fühlten sich weich an, als hätte der Boden unter ihm an Verlässlichkeit verloren.
 
Niemand sprach. Nicht etwas der Disziplin wegen, sondern aus Ohnmacht. Der Staub, der eben noch zwei Könige gewesen war, lag still auf dem Steinboden. Und in diesem Schweigen lag keine Erkenntnis …
 
Und Van wusste, dass dieser Abend nicht nur einen König gekostet hatte – sondern etwas, das man nicht so leicht ersetzen konnte.


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