Anlandung
Cataleya versteckte sich nciht, sie brauchte nur einen ruhigen Ort, um das Logbuch fortzuführen.
Als die letzten Ophidianer fielen, blieb für Cataleya nur das Nötige, einmal umsehen, wer noch steht, wer schreit, wer schon wieder Befehle brüllt.
Überall Sand, Blut, zerschlagene Schuppenleiber, abgerissene Gliedmaßen, Speere die keinen Besitzer mehr haben.
Suroms Streiter sammeln sich, rufen Namen ziehen Verletzte aus der Linie, suchen nach den eigenen Toten und machen aus dem Strand ein Lager, obwohl der Boden noch warm ist.
Cataleya löst sich aus dieser Bewegung unscheinbar, nun liegt die Führung in anderen Händen.
Ihre Aufgabe, das Schiff sicher zur Insel zu bringen war erfolgreich, jetzt wird die Säule des Krieges übernehmen oder der Imperator selbst.
Sie nimmt sich einen Felsen am Rand des Schlachtfeldes nicht weit weg, nur so weit dass keiner ihr in die Zeilen redet. Der Stein ist zerfressen, kantig, hoch genug und nah genug, dass sie die Banner noch sieht.
Dort sitzt sie halb im Schutz, halb im Blickfeld. Haltung und Schwert griffbereit um jeder zeit den Kampf wieder aufzunehmen.
Ihr Haar ist offen, die Kapuze, welche Sie sich für gewöhnlich tief ins Gesicht zieht irgendwo auf dem Schlachtfeld an der Klinge eines dieser Schlangenwesen.
Ihre Rüstung gezeichnet voller Kratzer, zwischen den Platten Sand und getrocknete Spritzer.
An den Fingern klebt Blut, nicht nur ihres und trotzdem greift sie nach dem Logbuch.
"Die Nachwelt soll erfahren, welch Glorreiche Schlachten Surom schlug."
Mumelt Sie in sich hinein.
Sie schlägt das Kapitänslog auf. Auf dem Knie, gegen den Fels, mit einer Ruhe, die nur aus Erschöpfung kommen kann.
Der Federkiel kratzt über das Pergament, während im Hintergrund noch Rufe laufen.
Sammeln, zählen, sichern, die ersten Verwundeten nach hinten, die Magier zusammen. Das Feld ist offiziell gewonnen aber der Sieg noch verhüllt auf der Insel.
Und genau deswegen schreibt sie.
Weil alles, was eben noch Chaos war, Anker, Landung, Statuen, Schlangenwesen, Gebete, Befehle des Imperators, die Toten;
in ein paar Stunden schon zu Geschichten wird.
Was geschah, wer rief, wer fiel, was auffiel. Sie zieht den Atem durch die Zähne, wenn irgendwo in der Ferne noch ein Gegner röchelt und schreibt trotzdem weiter.
So sitzt sie da; hinter dem Felsen, im Dreck des Sieges, mit dem Zweihänder im Sand wie ein Pfahl, und bindet die Schlacht in Worte.
Tag zwölf im ersten Mond Jahr Zwei
Kapitänslogbuch der Ameda
Ansteuerung der Insel und das Erwachen im Fels
Aufgezeichnet von Cataleya Rho’en, Navigatorin, Führung an Bord im Auftrag der Säule des Krieges
Nebel vor Bug
Der Nebel hängt noch dicht doch erste Anzeichen deuten darauf hin, dass diese Irrfahrt ein Ende findet.
Unter Deck klirrt Metall, oben knarren die Planken und jeder Schritt klingt durch den Schleier.
Der falsche Weg
Marleen fragt es halb im Spott, halb in Sorge: Wieso eigentlich hier lang?
Niemand antwortet sauber. Man antwortet mit Blicken, mit einem kurzen Nicken, mit dem Geräusch von festgezogenen Gurten.
Der Kurs ist gesetzt. Und wenn der Kurs falsch ist, dann lernen wir es mit Blut.
Vorzeichen
Haldron murmelt, da stünde schon ne Statue, einer der Barbaren an Deck der Ameda.
Ein Satz wie ein Stein im Magen, weil Statuen nicht "schon" stehen.
Ich das das Tiefenloot von Aanatus absetzen und es mit Glocken versehen.
Rhonya brüllt meinen Befehl weit vor bis zum Bug.
Heute sitzen die Handgriffe und die Mannschaft scheint sich endlich an den kurzen und knappen Befehlston zu gewöhnen.
Es ist keine zeit für Schmuck, wir sind nicht im Tempel und zünden Weihrauch an.
Glockenschlag des Tiefenloot.
Bram- und Marssegel Raffen, Anker lichte, bis die Ameda zum Stillstand kommt.
Beladen und umsetzen auf die Beiboote, so mein Befehl.
Agroniam Zorn.
Der Imperator, kommt auf Deck und erkundigt sich, warum die Ameda Anker geworfen hat.
Kurze Erklärung, der Kiel würde gleich an den Felsen spalten.
Doch er will den Sieg, Mars- und Bramsegel wieder auf Halbmast, Anker auf Kielhöhe auf.
Der Strand kommt Näher.
Zorn der Ameda
Ich hielt die Ameda so lang als Nötig auf Abstand und ließ sie längsseitig Steuerbord, zwei Salven abfeuern.
Der Zorn verfehlte nicht sein Ziel.
Beben unter Planken
Noch bevor Land in Griffweite ist, pulsiert etwas. Nicht nur Magie. Nicht nur die Manakugel.
Ein dumpfer Ton geht durchs Holz, als ob die Ameda auf etwas aufläuft, das Holz ächzte.
Ich halte den Kurs trotzdem. Es ist der Wille des Wiedergeborenen.
Anker und Befehl
Der Strand liegt vor uns wie eine Falle.
Seile werden geworfen, Hände greifen nach Ketten, und für einen Moment wirkt es, als würden wir uns festnageln, statt zu landen.
Dann kommt Agroniam. Die Augen auf den Küstenstrich, als könne er die Insel schon mit Blicken unterwerfen.
Ein kurzer Ruck geht durchs Schiff, Kette singt, Holz ächzt.
Männer fluchen, Hände brennen; Ab jetzt gibt es kein Zurück.
Schreie vom Geleitschiff der Barbaren
Rashkas Schreie hallen durch den Nebel, sie wollen den Feind als erstes niederstrecken.
Sie rudern als Peitsche sie der Namenlose selbst.
Land
Der Strand wirkt breit, als hätte man ihn extra freigeräumt.
Landung
Wir gehen runter, Schnell, die Übersicht war rasch verloren, Seite an Seite mit meinem Bruder Valleron schlitzen wir eine Schlange nach der anderen.
Der Sand nimmt die Stiefel, der halt ist schwer immer wieder kommen Streiter Suroms zum liegen, wenn der Sand die Füße hält.
Erster Feindkontakt am Ufer
Ophidianer. Viel zu viele, Agroniam gräbt sich seine Eigene Schneise.
Zauber treffen wie Schläge. Pfeile und Äxte sirren an mir vorüber und finden Schuppen.
Nichts zu treffen, wäre wohl schwieriger gewesen.
Die Luft ist voll von Befehlen, Gebeten und fremden Worten, die man nicht versteht und trotzdem spürt.
Statuen und Prioritäten
Ich brülle es, bis die Stimme den letzten erreicht; Nahkämpfer an die Ophidianer, Magier zerstört die Statuen!
Denn die Statuen stehen nicht zum Anschauen. Sie stehen, um zu wirken immer mehr Ophidianer bringen sie hervor,
doch einfache Schwerter sind machtlos.
Und jedes Mal, wenn jemand dorthin schaut, statt dorthin zu handeln, verliert Surom Sekunden.
Gebet und Gegenstoß
Ich werfe Läuterung, Entropie, alles was greift.
Manches trifft mich selbst, manches den Feind, manches nur das Nichts.
Der Strand ist so voll von Magie, dass selbst ein Gebet manchmal nicht weiß, wo es landen soll.
Reagenzien und Realität
Belszerion lacht, Ihre Kräuter gehen zur neige. Die Schlacht fordert, wenn wir siegreich sein wollen.
Ein Lachen, das nur deswegen funktioniert, weil es sonst Schreie wären.
Gefallene
Alina fällt. Dann wieder. Bjornar steckt im Sand fest.
Und Rhonya überrant von der nächsten Welle Sie blieb liegen und entwich so dem nahen Tod.
Jeder Tod ist eine Lücke, und jede Lücke wird sofort gefüllt, nur leider oft vom Feind.
Keine Gnade
Valleron schreit es wie ein Gesetz; KEINE GNADE!
A’groniam stimmt ein, laut genug, dass selbst der Wind es hört.
Ich werfe noch nach Reißt ihnen die Köpfe runter, dass keiner mehr nachwachsen solle.
Der Punkt, an dem es kippt
Irgendwann kippt die Schlacht zu unseren Gunsten ohne dass es sich wie Sieg anfühlt.
Die letzten Ophidianer werfen sich unbeeindruckt in Klingen und Zauber, als hätten sie keinen Begriff von Rückzug.
Dann werden sie weniger, mit jeder zerschlagenen Statue bricht der Feind ein Stück zurück.
Beute, Staub, Schuppen
Reliktstücke. Kristallfragmente. Schlangenschuppen. Grobes Leder. Salitstaub.
Die Hände arbeiten automatisch, weil sie sonst anfangen würden zu zittern.
Und irgendwo nebenbei pulsieren Manakugeln.
Sammeln
Der Imperator rammt die Klinge in den Sand. Sammelt euch!
Valleron zeigt einen Engpass, einen Ort, den man halten kann, einen Ort, an dem man wieder atmet.
Die Ilhares Mizrae in Ihrer unwirtlichen Gestalt als Succubus fragt, ob man nicht besser ein Lager einrichten sollte, wenn der Strand nun sicher ist.
Sicher ist ein Wort das auf dieser Insel seltsam klingt.
Übergabe
Ich trete zu Valleron und spreche leise, damit es nicht nach Schwäche klingt;
Valleron, wir sind an Land. Ab hier hast du und der Imperator das Kommando.
Er dankt mir. Schwester, sagt er. Das Wort sitzt kurz und warm zwischen all dem Blut.
Beben im Fels
Hinter der Gruppe löst sich Gestein. Erst vereinzelt. Dann mehr.
Marleen murmelt Kaiso, sieht auf den Sand vor ihren Füßen, als suche sie darin einen Sinn.
Hier bebts schon, sagt sie.
Das Geschöpf
Dann kommt es.
Schwere Schritte, und das, was aus dem Fels tritt, ist furchteinflößend und widerwärtig zugleich.
Ein Blick reicht, um zu wissen; gefährlich. Aanatus pfeift alarmierend.
Der nächste Schnitt
Der Imperator brüllt Bereitmachen! und hebt die Klinge, als könne Stahl die Insel zurechtweisen.
Mein Abgang
Ich sehe, wie sich alles wieder zusammenzieht, wie eine neue Welle, und ich merke: Ich kann heute nicht mehr der Anker sein.
Die Müdigkeit und die Wachen Augen auf See, lassen Körper und geist zusammenbrechen.
Verstecken
Ich versuche mich zu verbergen. Zwischen Stein und Schatten.
Nun hat es die Säule des Krieges in der Hand, ob wir Siegreich von dieser Insel ziehen und den Zyklus durchbrechen.