Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Rollenspielforum für Geschichten.
Bathor Darez
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Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

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Die Einladung in das Reich der Elfen
Wie alles begann:
Der Herbstwind trug den Duft von frischem Brot, Harz und Wein über den Marktplatz Solgards, als Bathor Darez zwischen den Ständen verweilte. Zwischen den Händlern der Menschen standen jene, die man eher selten in Solgard sah: die Elfen. Ihr Stand war reich geschmückt mit feinen Stoffen, klaren Glasgefäßen und silbern schimmernden Schmuck. Unter ihnen stand Munar Areu, hochgewachsen, mit einem Blick, der zugleich ruhig und uralt wirkte.
 
Munar sprach Bathor an – mit einer Stimme, die klang, als würde sie von fern getragen werden. Er lud ihn ein, Caladlorn zu besuchen, die Heimat seines Volkes, deren Existenz erst seit kurzem wieder bekannt war. „Unsere Stadt war lange verborgen“, erklärte er, „eine Barriere aus alter Magie schützte sie über Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte. Nun aber hat sich der Schleier gelüftet.“

Der Tag des Besuches:Bathor nahm die Einladung an, aus Neugier, aber auch aus Respekt. Wenige Tage später stand er an den Ufern des Sees, der in Caladlorn lag. Er war überwältigt vom Anblick – weiße Häuser, die fast zu leuchten schienen, eingewoben in Wälder, deren Bäume höher waren, als Bathor sie je gesehen hatte. Munar führte ihn über einen breiten Steg, der zu einer großen Plattform aus hellem Holz führte – eine Tanzfläche, umgeben von Sitzplätzen, erst vor wenigen Wochen erbaut. Das Wasser glitzerte darunter, als spiegele es den Himmel selbst.
 
„Hier tanzen wir, bald wird es ein Fest geben“, sagte Munar leise. Bathor nickte, sprachlos.
 
Sie gingen weiter, vorbei an der Handelsbank, die in stetem Austausch mit Solgard stand, und zum Heilerhaus. Dort sprach Munar von seiner Frau, einer Heilerin, die die Kunst der Naturmagie mit heilkundlichem Wissen verband. Bathor lauschte aufmerksam und meinte, dass er eines Tages gern mehr über die elfische Heilkunst lernen würde.
 
Als sie die Taverne erreichten, fiel Bathor erneut die Liebe zum Detail auf. Kein Staubkorn, kein loser Nagel. Die Möbel waren reich verziert, in die Tische zarte Schnitzereien von Tieren und Pflanzen eingearbeitet. Alles schien zu atmen, zu leben.
 
Schließlich führte Munar ihn zum Haus Areu. Bathor wusste nicht, ob er es als Haus, Tempel oder Burg bezeichnen sollte – es war von allem etwas. Riesig, hell, mit hängenden Gärten, die in Etagen angeordnet waren. Blumen, Kräuter und leuchtende Blätter hingen von den Balkonen herab. Im Inneren erstreckte sich eine Halle aus weißem Stein, auf deren Boden kunstvolle Fliesenbilder lagen.
 
„Dies soll die Halle unserer Vorfahren werden“, erklärte Munar. „Die Bildhauer arbeiten bereits an den Statuen.“
 
Als Zeichen des Dankes überreichte Bathor eine Topfpflanze aus seinem eigenen Garten – ein Meisterwerk seiner Pflege: hellweiße Blüten, umrahmt von kräftigen, grünen Blättern. Munar nahm sie mit ehrlicher Freude entgegen und schenkte Bathor im Gegenzug mehrere Flaschen elfischen Eisweins, „vom ersten Frost des Nordwindes geküsst“, wie er sagte.
 
Nach einem langen Gespräch über das Leben, den Glauben und die Zeit verabschiedeten sie sich mit aufrichtigem Respekt.
 
Spät in jener Nacht lag Bathor in seinem Quartier. Der Kerzenschein flackerte, als er noch einmal die heilige Schrift aufschlug. Seine Gedanken wanderten zurück zu den weißen Hallen, den stillen Wassern und dem Frieden, der in Caladlorn herrschte.
Ein Volk, verborgen durch Magie, bewahrt in Reinheit.
Und Bathor fragte sich leise, ob der Herr wohl selbst seine Hand über jene gelegt hatte, die so lange im Verborgenen lebten.
 
Mit diesen Gedanken schloss er die Augen – und der Duft des elfischen Weines mischte sich mit dem Wachs der erlöschenden Kerze.
Bathor Darez
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Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

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Samhain

Der Abend senkte sich düster über Solgard. Schwarze Wolken türmten sich am Horizont, als das Heer und die Freiwilligen sich am Haupttor sammelten. Ihre Gesichter waren ernst, ihre Augen entschlossen. Auch die Bewahrer waren zugegen, angeführt von Meister Livius, Männer und Frauen des Wissens, die die Geheimnisse der Magie besser verstanden als jeder Krieger.
 
Wir wussten, dass der Weg uns zum Orkwald führen würde, zu jener alten Ruine, in der sich der Brunnen befand, der Schlüssel, so hieß es, um die Wilde Jagd zu besiegen. Ich spürte, dass diese Nacht keine gewöhnliche Schlacht bringen würde.
 
Der Marsch begann. Mit jedem Schritt, den wir dem Wald näherkamen, nahm der Wind zu. Erst ein Säuseln, dann ein Heulen, schließlich peitschte der Regen uns entgegen. Die Tropfen wurden schwer, wie Stein. Über uns zuckten Blitze, und fern grollte der Donner, als würde die Welt selbst warnen, uns fernzuhalten.
 
Kurz vor dem Felsmassiv, das den Orkwald einrahmte, begann der Spuk. Schatten lösten sich aus der Dunkelheit. Geister, blass und verzerrt, ihre Augen leer, ihre Stimmen ein Chor des Schmerzes. Es wurden immer mehr. Das Heer formierte sich, Schilde erhoben, Gebete hallten durch den Sturm. Stahl traf auf das Unbegreifliche, und doch drangen wir vor.
 
Als wir den Rand des Orkwaldes erreichten, offenbarte sich uns das Herz der Finsternis. Dort, zwischen Nebel und Blitzen, stand  ein Jäger. Groß, von übernatürlicher Präsenz, sein Antlitz verborgen unter einem Helm aus Geweihen. War er der Anführer? 
 
Hinter ihm, zwischen den Geisterschleiern, sah ich Gesichter, die mir das Herz brachen. Tonya, Jaster. Und andere, Bewohner Nebelhafens, Suroms. Allesamt gefangen in der wilden Jagd, ihr Wille gebrochen von der Melodie, die sie in den Bann zog.
 
Ich suchte den Blick von Livius, doch seine Augen waren leer vor Sorge. Worte halfen nicht. Kein Gebet, kein Flehen erreichte die Verlorenen. Herne, der Jäger, ließ es nicht zu.
 
Also fasste ich einen Entschluss und lief zu Livius.
„Jemand muss das Horn finden. Wenn es der Schlüssel ist – dann liegt unsere Hoffnung dort.“
 
Livius nickte, blickte zu Cillian. „Du bist flink und klug – geh. Finde das Horn. Wir halten sie auf.“
 
Während Cillian sich in die Schatten schlich, lenkten Vario und ich den Feind ab. Wir stürzten uns in den Kampf gegen die Geister, unsere Waffen erhoben, unsere Herzen voller Glauben. Der Boden bebte unter dem Zorn der Gefallenen, und doch hielten wir stand.
 
Minuten vergingen wie Stunden. Dann kam Cillian zurück – erschöpft, aber ohne Horn. Ein Schrei hallte durch den Sturm: „Oben! In der Ruine – bei der Geisterkriegerin!“
 
Ich sah hinauf und erkannte den silbernen Glanz des Horns, das im Licht der Blitze schimmerte.
„Dann holen wir es!“ rief ich.
 
Doch bevor wir losstürmen konnten, erhob Herne seine Stimme.
„Jaster! Kämpfe!“
 
Und Jaster, mein Bruder, wandte sich Pandor zu, sein Blick leer, sein Schwert erhoben. Der Bann war stärker als jeder Wille.
 
In der Verwirrung nutzte Livius die Gelegenheit. Mit Elira an seiner Seite öffnete er ein Portal – eine zitternde, leuchtende Schwelle. „Schnell, Bathor! In die Ruine!“
 
Ich nickte, griff mein Schild fester und stürmte vor. Elira folgte, unsichtbar durch Magie.
 
Oben in der Ruine fand ich sie, die Frau mit dem Horn. Schön und furchteinflößend zugleich, eine bekannte Suromerin, eine Erscheinung aus Traum und Tod. Neben ihr ein Wolf, größer als ein Oger, mit Augen aus Feuer. Er stürzte sich auf mich.
 
Ich stemmte mein Schild gegen seine Fänge, die Zähne scharrten über Metall. Meine Arme zitterten. Ich versuchte, das Horn zu ergreifen, vergeblich. Der Wolf drängte mich zurück, die Kräfte schwanden.
 
„Elira!“ rief ich keuchend. „Jetzt!“
 
Sie löste ihren Zauber, erschien und griff nach dem Horn. Sie blies hinein, so fest sie konnte.
Doch der Klang brachte nicht Erlösung, sondern Chaos. Die Geister wurden zahlreicher, der Sturm lauter, das Licht flackerte.
 
„Zerstör es!“ brüllte ich, während ich den Wolf von mir stieß. Elira warf das Horn zu Boden, trat darauf, doch nichts passierte. Das Artefakt blieb unversehrt.
 
Ich löste mich mit letzter Kraft vom Wolf und griff es, rannte hinab, hin zum Brunnen. Das Wasser schimmerte silbern, fast lebendig. Ich hielt das Horn hinein.
 
Ein Schmerz durchfuhr mich, wie Tod selbst. Es sog an mir, an meiner Seele, mein Atem stockte. Ich fühlte, wie das Leben wich, doch ich hielt durch. Dann ließ ich los. Das Horn sank hinab, verschwand im Glanz.
 
Ein Schrei der Geister zerriss die Luft. Ich fiel auf die Knie, dann zu Boden. Die Welt wurde schwarz.
 
Als ich wieder zu mir kam, war alles Kampf. Stahl, Magie, Feuer. Lana beugte sich über mich, reichte mir einen Trank. Ich trank, hustete, Blut und Wasser füllten meinen Mund. Doch ich lebte.
 
Ich sah Livius auf der oberen Ebene der Ruine,  Elira und die anderen Bewahrer an seiner Seite, Verwundete ringsum. Ich schleppte mich die Treppe hinauf, das Schild fest in der Hand.
 
Ich sah Herne und nach kurzer Zeit kamen Geister mit Fenrik, als Geisel.
Ich sprang vor, rammte mein Schild in die Brust eines der Geister, doch Herne stellte mir ein Bein. Ich fiel, hörte noch, wie Livius zauberte, Fenrik verschwand.
 
Herne brüllte vor Zorn, griff mich und riss mich mit sich hinab. Wir stürzten durch die Luft, prallten auf den Boden.
 
Ich sprach noch ein Gebet, als er mich packte. Er schleppte mich in Richtung des Brunnens, immer wieder tauchte er meinen Kopf in diesen, das Wasser schnitt wie Glas. Ich rang nach Luft, griff nach meinem Silbermesser, stach , einmal, zweimal, doch er lachte nur. Bewusstlos sackte ich zusammen und das Messer glitt zu Boden.
 
Dann kam Vario. Er griff mein Messer, rammte es in Hernes Leib, immer und immer wieder. Der Geist schrie, ließ von mir ab.
 
Jaster, frei vom Bann, stand plötzlich dort, sein Schwert erhoben. Mit letzter Kraft stieß er Herne in den Brunnen.
 
Ein gleißendes Licht, dann Stille.
 
Ich spürte Hände, die mich wegzogen. Van, Kaled. Ich hustete Wasser, spuckte, atmete. Langsam kehrte Farbe in mein Gesicht. Über mir donnerte der Himmel ein letztes Mal.
 
Und dann, ein Beben. Die Erde bebte, der Brunnen leuchtete. Einer nach dem anderen wurden die Geister hineingezogen. Vario warf den letzten Gegenstand – einen Ritualdolch – hinterher.
 
Das Portal schloss sich.
 
Ich sank in den nassen Boden, blickte zum Himmel.
Der Regen ließ nach. Der Sturm brach.
 
Solgard hatte die Nacht überlebt.
Doch der Preis war hoch.
 
Und das Lied der Wilden Jagd, es klang noch lange in meinem Kopf nach.
Bathor Darez
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Re: [WQ] Tag 1 - Aufbruch

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Tag 1 – Aufbruch mit der Echidna

Reise-Tagebuch
von Bathor Darez

Am heutigen Tage wurde die Echidna im Hafen von Solgard beladen. Ich war von Beginn an anwesend und habe die Verladung der Ausrüstung, Waffen und Vorräte mit im Blick behalten. Das Schiff machte einen soliden Eindruck, die Mannschaft arbeitete diszipliniert, wenn auch spürbar angespannt. Niemand von uns weiß, was uns jenseits des bekannten Horizonts erwartet. An Bord befinden sich Vertreter nahezu aller tragenden Kräfte Solgards: Heer, Orden, Abtei, Axiom, Bewahrer, Unitatis und das Volk der Elfen. Die Vielzahl an Namen und Rängen verdeutlicht die Bedeutung dieser Reise. Neben mir sind unter anderem Heerführer Dervyn Grahl, Statthalterin Tonya Darez, Bruder Amarius, Vertreter der Bewahrer und Areu sowie der König selbst mit seiner Ordenswache anwesend. Eine solche Zusammenkunft habe ich in dieser Form bislang nicht erlebt.
 
Unser Auftrag ist klar: Wir brechen ins Unbekannte auf, um die Heimat der Ophiander zu finden. Sollten diese weiterhin versuchen, unsere neue Heimat zu bedrohen oder zu zerstören, sind wir bereit, ihnen entschlossen entgegenzutreten. Niemand an Bord täuscht sich darüber, dass diese Reise auch den Tod bringen kann.
 
Vor der Abfahrt ließ der König die Besatzung an Deck antreten. Seine Rede war ruhig, aber eindringlich. Er sprach von Mut, von der Kraft Solgards und von der Dankbarkeit gegenüber all jenen, die bereit sind, alles zu riskieren, um unsere Heimat zu schützen. Besonders bemerkenswert war die Truhe, die er mitgebracht hatte: edle Umhänge, bestimmt für die Streiter Solgards. Jeder von uns nahm einen entgegen, als Zeichen der Zusammengehörigkeit und zur gegenseitigen Erkennung. Ich gestehe, dass mich dieser Moment mehr berührt hat, als ich erwartet hätte.
 
Im Anschluss sprach Bruder Amarius mit den Ordensgeschwistern ein Gebet. Auch ich verharrte still, dankte dem Herrn und bat um eine sichere Überfahrt und um die Weisheit, im richtigen Moment richtig zu handeln. Es tat gut, diesen Augenblick der Sammlung zu haben, bevor wir Solgard hinter uns ließen.
 
Nach diesen Vorbereitungen übergab der König die Befehlsgewalt offiziell an Tonya. Sie nahm diese ruhig und selbstverständlich an. Der König zog sich daraufhin in seine Kabine zurück, was die Verantwortung auf den Schultern der Führung spürbar schwerer machte.
 
Es folgte die Einteilung der Aufgaben und Kabinen. Wachen wurden festgelegt, Zuständigkeiten geklärt. Ich übernahm meine Pflichten ohne weiteres Zögern. Einige zogen sich zur Ruhe zurück, andere, mich eingeschlossen, blieben an Deck oder nahmen ihre Posten ein.
 
Als die Echidna schließlich den Hafen verließ, blickte ich noch einmal zurück auf Solgard. Ich weiß nicht, wann, oder ob, wir zurückkehren werden. Doch ich bin entschlossen, meinen Teil zu tun, um diese Stadt und ihre Menschen zu schützen.
 
Der Kurs ist gesetzt. Das Meer liegt offen vor uns.
 
Ende des ersten Tages.


*angefügt findet man einen Zettel mit einer Liste in dem Tagebuch*

Passagierliste:
  • Dervyn Grahl (Heerführer Solgard)
  • Bathor Darez (Hauptmann der Stadtwache Solgard/Unitatis)
  • Van de Mork (Axiom)
  • Ephraem Zelatus (Unitatis)
  • Jaster Darez (Unitatis)
  • Tonya Darez (Statthalterin Solgards / Unitatis)
  • Kenneth Tirwald (Unitatis)
  • Arick Darez (Unitatis)
  • Alviron Darez (Unitatis)
  • Talanvor Asturien (Unitatis)
  • Amarius Darez (Unitatis)
  • Sigarda von Eichwacht (Abtei)
  • Radesvald (Axiom)
  • Adriella
  • Luvius Quintus (Bewahrer)
  • Fenrik Winthal (Bewahrer)
  • Shira (Bewahrer)
  • Wenzel
  • Elira Raureif (Bewahrer)
  • Fel Maris (Bewahrer)
  • Varyariel (Bewahrer)
  • Bathal (Bewahrer)
  • Munar Areu (Areu)
  • Llamyril Farwynn (Areu)
  • Nymrael Fenvi (Areu)
  • Cylandra Saelinore (Areu)
  • Aelithril Faelwyn (Areu)
  • Aslilian Saelinore (Areu)
  • Arvo Wellenklang
  • König Serafim Sala, samt Ordenswache
Bathor Darez
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Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Beitrag von Bathor Darez »

Tag 2 – an Bord der Echidna

Reise Tagebuch
von Bathor Darez
 
Ich bin heute ausgeschlafen aufgewacht wie schon lange nicht mehr. Das gleichmäßige Wackeln des Schiffes hat mich aus dem Schlaf geholt. Sanft, fast vertraut. Es erinnerte mich an mein altes Hausboot, an die Zeit, in der ich meine Geschwister in Solgard wiederfand. Vielleicht ging diese Ruhe aber noch tiefer. Vielleicht ist es eine Erinnerung, die älter ist als jedes bewusste Bild, als läge mir diese Bewegung seit jeher im Blut. Die Schaukelei störte mich nicht. Sie gab mir Halt.
 
Das Frühstück war einfach, aber gut: Eier mit Speck und ein Apfel. Der Smutje versteht sein Handwerk, oder er erfüllt es mit echter Freude. Beides nährt mehr als nur den Körper. Es ist lange her, dass unsere Seeleute sich wieder hinaus auf das offene Meer wagten. Zu groß waren die Gefahren, zu dicht der Nebel um unsere neue Heimat. Wir haben uns lange abgeschottet, aus Notwendigkeit, nicht aus Feigheit.
 
Während ich aß, ließen mich die Gedanken nicht los.
Wenn wir siegen – lichtet sich dann der Nebel?
Wird Handel mit anderen Inseln möglich?
Werden mehr Menschen ihren Weg nach Solgard finden?
Oder ist diese Reise der Anfang unseres Untergangs?

zu viele Fragen. Antworten darauf liegen nicht in meiner Hand. Nur der Herr kennt den Weg, und er wird ihn uns zeigen, wenn die Zeit gekommen ist. Heute spüre ich seine Nähe besonders stark. Nicht laut, nicht fordernd, eher wie eine stille Gewissheit. Als säße ich auf seinem Schoß. Als hielte er dieses Schiff und jeden Einzelnen an Bord in seinen Armen.
 
Am Abend hielt ich eine Messe. Nicht, um falsche Hoffnung zu geben, sondern um der Angst ihren Platz zu nehmen. Ich sprach offen. Vom Tod. Vom Verlust. Davon, dass diese Überfahrt kein Pilgergang ist und kein Versprechen auf Rückkehr. Dass das Meer fordern wird und nehmen kann. Dass der Tod mit uns reist, ob wir ihn anerkennen oder nicht.
 
Doch ich sprach auch vom Licht. Davon, dass wir nicht allein fahren. Dass kein Gebet im Sturm ungehört bleibt. Dass wir mehr sind als einzelne Seelen auf Holz und Eisen. Manche weinten. Andere standen schweigend da. Beides war richtig.
 
Ich bat sie, Dank auszusprechen. Jetzt. Nicht erst, wenn alles vorüber ist. Dankbarkeit ist kein Abschluss, sie ist Schutz.
So verschieden wir sind in Glaube, Herkunft und Ausrichtung: Uns eint das Leben. Und dieses Leben schützen wir.
 
Nach der Messe sprach ich gemeinsam mit Tonya noch mit den Elfen. Sie baten um Unterstützung beim Aufbau einer Wehranlage in ihrer Heimat, um sich gegen kommende Kämpfe zu schützen, für den Fall, dass wir nach dieser Expedition zurückkehren. In ihren Reihen fehlt es offenbar an einem Elementaristen. Wofür dieser genau gebraucht wird, weis ich nicht. Tonya sagte zu, dass man sich nach unserer Rückkehr erneut zusammensetzen werde, um alles Weitere zu besprechen.

Der Abend endete ruhig. Das Meer liegt dunkel um uns, doch mein Herz ist fest.
Ich weiß nicht, was uns erwartet.
Aber ich weiß, warum ich hier bin.

Ende des zweiten Tages
Bathor Darez
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Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

Beitrag von Bathor Darez »

Tag 3 – Zwischen Ruhe und Schrecken

Reise Tagebuch
von Bathor Darez

Der dritte Tag auf See begann ruhig. Die Verpflegung bestand heute aus Bohnen mit fettem Speck. Eine einfache, aber kräftige Mahlzeit, die den Magen füllt und die Kraft gibt. Geschmacklich würzig und überraschend gut. Die Versorgung an Bord ist weiterhin zufriedenstellend.
 
Ich selbst habe erneut tief und fest geschlafen. Das Schaukeln des Schiffes wirkt auf mich beruhigend; andere hingegen leiden sichtbar unter der See. Mehrere Besatzungsmitglieder zeigen deutliche Anzeichen von Seekrankheit: Erbrechen, blasse Gesichter, Schwäche und anhaltende Übelkeit. Dieser Umstand ist nicht zu unterschätzen. Sollten wir die Insel erreichen, werden einige unserer Leute bereits geschwächt an Land gehen. Dies ist bei der weiteren Planung zu berücksichtigen.
 
Am Abend fiel mir erneut die ungewöhnliche Ruhe von Tonya auf. Sie wirkt seit Tagen in sich gekehrt und angespannt. Ein Zwischenfall ereignete sich, als jemand sie in, hoffentlich, unbedachter Weise als „Diktatorin“ bezeichnete. Jeder Versuch, das Gespräch zu lenken oder in meiner Funktion als Hauptmann Anregungen zu geben, wurde schroff unterbunden. Wäre sie nicht meine Schwester, würde ich dieses Verhalten wohl anders bewerten. Dieser Gedanke ließ mich trotz allem kurz schmunzeln, wenn auch mit Bitterkeit.
 
Kurz vor Sonnenuntergang änderte sich die Lage schlagartig. Das Schiff hob sich plötzlich, als würde es von unten getroffen. Ich verlor den Halt, stürzte und rutschte bis zur Reling, konnte mich jedoch festhalten. Dabei zog ich mir mehrere blaue Flecken zu, jedoch keine ernsthaften Verletzungen.
 
Das Schiff wankte mehrfach schwer, als würde es gerammt, bis sich aus dem trüben Wasser eine gewaltige Seeschlange zeigte. Die Kanonen an Steuerbord wurden umgehend geladen, um das Schiff zu verteidigen. Noch bevor wir das Feuer eröffnen konnten, tauchte das Ungeheuer erneut ab. Für einen kurzen Moment kehrten Ruhe, Zuversicht und ein trügerisches Gefühl von Sicherheit ein.
 
Diese währte nicht lange. Erneut hob sich das Schiff, diesmal so stark, dass ich durch den halben Laderaum geschleudert wurde. Meine Rüstung bewahrte mich vor Schlimmerem. Wir konnten das Wesen mit mehreren Kanonenkugeln treffen, doch seine Angriffe auf den Rumpf waren heftig. Infolge der Erschütterungen gingen mehrere Personen über Bord. Dem Herrn sei Dank konnten alle geborgen werden.
 
Nach einer weiteren Salve gelang es uns, das Ungeheuer auf Distanz zu halten. Ob es getötet wurde oder sich lediglich zurückgezogen hat, um seine Wunden zu lecken, ist ungewiss. Die Möglichkeit eines erneuten Angriffs besteht weiterhin.
 
Sigarda erlitt bei den Ereignissen eine Kopfverletzung. Ich versorgte die Wunde und nähte sie. Dennoch wird ihr diese Verletzung Kraft rauben, zumal sie ebenfalls unter Seekrankheit leidet. Ich mache mir Sorgen um sie, doch sie ist körperlich widerstandsfähig und vor allem stark im Glauben.
 
Nun liege ich in meiner Kajüte und versorge meine eigenen kleineren Wunden. Meine Ohren brannten lange vom Donnern der Kanonen. Dank der Hilfe einer Elfe, die eine Form der Klangweberei anwandte, ist das Pfeifen inzwischen verschwunden und mein Gehör hat sich weitgehend erholt.
 
Während ich diese Zeilen schreibe, denke ich an die vielen Seelen an Bord der Echidna.
Gehen wir den richtigen Weg?
Oder steuern wir unserem Untergang entgegen?
 
Möge der Herr über uns wachen und uns die Kraft geben, die kommenden Tage zu bestehen.
 
Ende Tag 3.
Bathor Darez
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Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

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Tag 4 – Ankunft auf der fremden Insel

Reise Tagebuch
von Bathor Darez

Der Morgen begann im dichten Nebel. Die Sicht war stark eingeschränkt, kaum mehr als wenige Schritt. Wer sich an Deck aufhielt, spürte sofort die Feuchtigkeit auf der Haut, selbst die Umhänge und Mäntel wurden schwer und klamm. Die Nässe schien sich in alles zu setzen, Kleidung, Holz, Gedanken.

Ich ließ das Frühstück ausfallen. Mir fehlte der Hunger. Ob es die Feuchtigkeit war, die bis in die Knochen kroch, oder die Unruhe vor dem Ungewissen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht bin ich doch kein Seemann, wie ich es mir in den letzten Tagen eingeredet habe. Oder es ist schlicht die Anspannung vor dem, was uns erwartet. Ich vermag es nicht genau zu benennen.

Während ein Teil der Mannschaft draußen Wache hielt, zog ich mich zunächst in meine Kajüte zurück. Später versammelten wir uns zum mittäglichen Gespräch auf dem Oberdeck. In diesem Moment rief einer der Elfen plötzlich:
„Land in Sicht.“

Mit bloßem Auge konnte ich nichts erkennen. Zlata reichte mir ein Fernrohr. Erst dadurch offenbarte sich das Ziel unserer Reise: eine Insel mit markanten Bergen, Flora und Fauna, die an einen dschungelartigen Bewuchs erinnerte. Je näher wir kamen, desto klarer wurde das Bild und desto bedrohlicher.

Noch bevor wir anlanden konnten, sahen wir sie: die Schlangenwesen. Hunderte von ihnen, verteilt entlang des Strandes.

Die Landung erfolgte unter Kampfbedingungen. Wir gingen an Land und stellten uns den Wesen entschlossen entgegen. Der Widerstand war heftig, doch unsere Reihen hielten stand. Mit Mut und Entschlossenheit gelang es uns, die Schlangenwesen zurückzuschlagen und den Strand zu sichern.

Unmittelbar nach der Sicherung begann Zlata damit, Pläne für ein erstes Lager zu entwerfen. Ich unterstützte beim Aufbau eines ersten Zeltes, einer Feuerstelle sowie einfacher Sitzgelegenheiten. Parallel dazu wurden Wachposten eingeteilt, während andere damit begannen, die Leichen der gefallenen Schlangenwesen zu bergen und zu verbrennen. Der Geruch war beißend und widerwärtig, doch es erschien uns notwendig. Verwesung hätte größere Gefahren nach sich gezogen.

Nach Abschluss dieser Arbeiten kehrte ich erschöpft, hungrig und durchnässt an Bord der Echidna zurück. Das Innere des Schiffes fühlte sich trocken und beinahe warm an. Dort wurde Haferbrei ausgegeben. Nach den Ereignissen dieses Tages schmeckte er wie eine Mahlzeit aus den feinsten Küchen.

Nun lege ich mich zur Ruhe. Die Müdigkeit sitzt tief in den Gliedern. Doch vor allem empfinde ich Dankbarkeit. Heute haben wir den Strand erobert und keinen einzigen Toten in unseren Reihen zu beklagen.

Dafür danke ich dem Herrn.

Ende Tag 4.
Bathor Darez
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Tag 5 – Nachhall des Kampfes
Reise Tagebuch
von Bathor Darez
 
Der Kampf des gestrigen Tages hat seine Spuren hinterlassen. Heute Morgen bin ich deutlich später erwacht als sonst. Es wunderte mich, dass Jaster nicht wie gewohnt an meinem Bett stand und mit einem Topf Lärm machte, um mich aus dem Schlaf zu reißen. Vermutlich ist auch er ausgelaugt. Die Seekrankheit hat ihm zugesetzt, und die Kämpfe haben niemanden unberührt gelassen.
 
Das Frühstück fiel karg aus. Wohl aufgrund der Anstrengungen der vergangenen Tage gab es lediglich getrocknetes Fleisch und etwas Brühe. Beides war nicht sonderlich schmackhaft, doch es erfüllte seinen Zweck und gab zumindest ein wenig Kraft zurück.
 
Einige der Mitreisenden waren bereits wach und bemühten sich, so etwas wie Normalität entstehen zu lassen. Zelte wurden errichtet, Feuerstellen ausgehoben und ein erster Wall gezogen. Dieser Wall wird uns gewiss noch von Nutzen sein, sollte es erneut zu Angriffen kommen. Andere Ordensgeschwister begannen mit dem Aufbau unserer Wanderkapelle, damit jeder Gläubige einen Ort der Ruhe und des Friedens finden kann.
 
Dorthin zog es mich zuerst. Ich kniete vor dem Ankh, senkte den Blick und sprach lange mit dem Herrn. Es war kein bittendes, kein forderndes Gespräch, sondern eines voller Ehrlichkeit. Der Herr schenkte mir Mut, Zuversicht und die Kraft, mich den kommenden Aufgaben zu stellen.
 
Wir haben sie gefunden.
Wir haben die Insel betreten, unter großen Anstrengungen.
Und wir haben gesiegt. Vorerst.
 
Doch ich bin kein Narr. Ich weiß, dass dies erst der Anfang war. Der Beginn von etwas Großem. Etwas, das Verlust bringen wird, Leid und Trauer. Wir werden noch viel betrauern müssen auf dieser Expedition. Doch wir tun dies für unsere Zukunft. Für die Zukunft unserer Kinder und der Kinder, die nach ihnen kommen. Ohne diese mutigen Menschen, die heute hier stehen, wird es kein Morgen geben.
 
Die Frage bleibt: Wem stellen wir uns wirklich?
Ist es ein Dämon des Namenlosen?
Eine abtrünnige Gottheit eines fremden Volkes?
Oder ist es der Namenlose selbst, der Schrecken über alles Leben bringen will?
 
Gefühlt erzählt jeder eine andere Geschichte. Welche davon wahr ist, werden wir in den kommenden Tagen oder Wochen erkennen müssen.
 
Der restliche Tag verlief ruhig. Die Erschöpfung lag über dem Lager wie ein schwerer Schleier. Jeder versuchte, Kraft zu sammeln, so gut es ging.
 
Morgen werden wir beginnen, die Insel zu erkunden. Dann werden wir mehr erfahren – ob wir bereit sind oder nicht.
 
Ende Tag 5.
Bathor Darez
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Tag 6 – Danke für die Opferbereitschaft und Auskundschaften
Reise Tagebuch
von Bathor Darez

Heute fiel es mir leichter aufzustehen als an den Tagen zuvor. Der Körper scheint sich langsam an die Anstrengungen zu gewöhnen. Zum Frühstück gab es Brot mit Schinken – schlicht, aber gut. Es tat gut, wieder etwas Solides im Magen zu haben.
 
Das Lager am Strand nimmt zunehmend Gestalt an. Zelte, Feuerstellen und Befestigungen fügen sich zu einem Bild von Ordnung inmitten der Fremde. Es sieht gut aus, beinahe beruhigend. Dennoch ziehe ich weiterhin meine Kajüte vor. Das Schiff gibt mir eine Ruhe, die ich an Land noch nicht finde.
 
Der Tag war erneut geprägt von harter Arbeit. Wir festigten das Lager weiter, verstärkten den Wall und sorgten für klare Zuständigkeiten. Schweiß floss reichlich, und die Müdigkeit saß vielen tief in den Knochen.
 
Am Nachmittag ergriff ich die Initiative und sprach einige Worte im Namen des Herrn. Keine lange Messe, sondern ein Innehalten. Ich sprach von Dankbarkeit – dafür, dass wir noch vollständig sind. Davon, dass kein Schritt im Lichte verloren geht, auch wenn er uns durch Dunkelheit führt. Ich erinnerte daran, dass wir nicht allein sind und dass der Herr jede aufrichtige Tat sieht, selbst jene, die im Stillen geschieht. Es war gut zu sehen, wie manche kurz innehielten, den Blick senkten oder einfach tief durchatmeten.
 
Im Anschluss ergriff Fräulein Maris das Wort. Ihre Worte waren klug gewählt und regten zum Nachdenken an. Sie sprach mit einer Klarheit, die Mut machte, ohne falsche Sicherheit zu versprechen.
 
Kurz darauf teilte Bruder Jaster drei Trupps ein, um weitere Teile der Insel zu erkunden. Es bedeutete erneut Blut, Schweiß und Tränen. Der Vormarsch durch feindliche Reihen war mühsam und fordernd, doch wir hielten stand. Schritt für Schritt gewannen wir weiteres Land, wenn auch zu einem Preis, der sich in Erschöpfung und Wunden zeigte.
 
Nach dem Rückzug ins Lager sprachen wir ein kurzes Gebet. Nicht laut, nicht feierlich, nur ehrlich. Dann holte mich die Müdigkeit ein. Sie kam plötzlich und ohne Widerstand.
 
Ich kehrte zurück an Bord der Echidna, legte mich in meine Koje und spürte, wie der Schlaf mich rasch einholte.
 
Für heute sollen diese Zeilen genügen.
 
Ende Tag 6.
*anbei liegt eine Skizze, vermutlich wird diese das gewonnene Land zeigen*

Bild
Zuletzt geändert von Bathor Darez am 15 Jan 2026, 22:15, insgesamt 2-mal geändert.
Bathor Darez
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Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

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Tag 7 - Der Opfertempel
Reise Tagebuch
von Bathor Darez

Der Morgen brach ruhig an. Zu ruhig für eine Insel wie diese. Kein Ruf aus dem Dickicht, kein fernes Kreischen, nur das leise Atmen des Lagers und das Rauschen des Meeres. Eine Stille, die nicht tröstet, sondern prüft. Man erzählte sich, dass am gestrigen Tage eine Höhle entdeckt worden sei, oder zumindest etwas, das einem Eingang glich. Dicht überwuchert von Ranken und Wurzeln, so fest umschlungen von der Wildnis, dass vorerst kein Durchkommen möglich ist. So sehr ich das Volk der Waldelfen schätze, ihre Ehrfurcht vor jeder Pflanze ist uns hier eher ein Hindernis. Ein entschlossenes Feuer hätte uns gewiss rasch Klarheit verschafft. Doch noch hielten wir Maß.
 
Die Mahlzeit war schlicht, aber stärkend: Eintopf mit Kartoffeln. Warm, sättigend, und genau das, was ein Mann braucht, der weiß, dass der Tag noch Forderungen an ihn stellen wird.
 
Gegen den frühen Abend brachen einige von uns erneut auf, mich eingeschlossen. Wir zogen hinaus, um der Insel ein weiteres Stück ihres Geheimnisses zu entreißen. Dabei stießen wir auf etwas, das man nur als Tempel bezeichnen kann, oder besser: einen Opfertempel. Der Gestank war kaum zu ertragen, faulig und schwer, als läge der Tod selbst noch in der Luft. Dort fanden wir verkrüppelte Ophiander. Ein Anblick, der Wut weckt und den Entschluss härtet.
 
Ein Teil der Spähtruppe drang weiter vor, bis hin zu einem größeren Weg. Aus der Ferne erhebt sich dort ein gewaltiger Tempel, monumental und bedrohlich zugleich. Ein Ort, der Bedeutung trägt und Gefahr verspricht.
 
Später kehrte ich noch einmal zu dem Opfertempel zurück. Gesprächsfetzen erreichten mein Ohr, Worte über nekromantische Drachen. Leider hatte ich zu wenig vom vorangegangenen Gespräch mitbekommen, um mir ein klares Bild zu machen. Doch die Saat der Unruhe ist gelegt. Ich bin gespannt, welche Geschichten man sich morgen darüber erzählen wird und welche Wahrheiten sich darin verbergen.
 
Der Zusammenhalt unter uns ist weiterhin stark. Wir stehen Schulter an Schulter. Die Stimmung jedoch ist gedämpft, wohl aus Angst vor dem Ungewissen. Und doch ist es eine Angst, die uns nicht lähmt, sondern wachsam macht. Wir wissen, warum wir hier sind. Wir tragen diese Bürde nicht nur für uns selbst, sondern für jene, die nach uns kommen sollen. Für die nächste Generation, damit sie leben kann, wo wir heute kämpfen.
 
Nun lege ich mich zur Ruhe. Die Jagd hat ihren Tribut gefordert, und die Müdigkeit lastet schwer auf meinen Gliedern. Doch mein Wille ist fest. Morgen wird ein neuer Tag sein und wir werden ihm entgegentreten.
 
Ende Tag 7.

*ebenfalls wird man unter dem Text eine Skizze finden*
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Bathor Darez
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Re: Die Suche nach dem Glauben - Bathor Darez

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Tag 9 - Die rote Schlange
Reise Tagebuch
von Bathor Darez

Der achte Tag verstrich ungewöhnlich ruhig. So ruhig, dass mir kaum Worte dafür bleiben. Vielleicht liegt es auch daran, dass es mir zunehmend schwerfällt, all das Erlebte in dieses Buch zu schreiben. Manche Dinge lasten schwerer auf der Seele, als dass Tinte sie tragen könnte.
 
Heute jedoch, am neunten Tage seit unserem Aufbruch, führte uns unser Weg zu jener Pyramide, von der bereits gemunkelt wurde. Sie gleicht in ihrer Form und ihrem Aufbau stark jenen Bauwerken aus dem Zwergenreich, massiv und alt. Um sie versammelt fanden wir Minotauren und Schlangenwesen, als hätten sie diesen Ort zu ihrem Heiligtum erklärt. Wir griffen an. Der Kampf zog sich hin, fühlte sich an wie Stunden, auch wenn es wohl kaum mehr als eine gewesen sein mag. Zeit verliert im Gefecht jede Bedeutung.
 
Meine Knochen fühlen sich nach diesem Tage schwer an. Der Regen, der uns seit Tagen begleitet, kriecht tief in Muskeln und Gelenke. Ich weiß, dass mich der Muskelkater noch lange begleiten wird. Doch Schmerz ist ein vertrauter Gefährte geworden, einer, den man hinnimmt, solange das Ziel vor Augen bleibt.
 
Nachdem wir einige der Kreaturen niedergerungen hatten, erreichten uns Schreie und Kampfgeräusche, nicht von hier, sondern aus der Heimat. Aus Solgard. Wir gehen davon aus, dass diese Pyramide als eine Art Portal dient und dass von hier aus jene Kreaturen nach Solgard entsandt wurden. Der Gedanke schnürt mir die Brust zu. Ich hoffe inständig, dass Lana gemeinsam mit den Gardisten standhalten konnte, oder zumindest die Bürger rechtzeitig in die Feste der Unitatis brachte.
 
Dervyn versuchte auch heute wieder, mich bloßzustellen. Wie so oft. Dabei vergisst er, in welchem desolaten Zustand er mir die Stadtwache hinterlassen hat. Dennoch zweifle ich nicht an Lana. Ich weiß, dass sie in meiner Vertretung gute Arbeit leisten wird. Und doch nagt die Frage an mir: War es der richtige Weg, die Stadtwache zurückzulassen? Hätte ich in Solgard bleiben müssen? Ich finde darauf keine klare Antwort. Also bleibt mir nur, mein Vertrauen in den Herrn zu legen, und in jene, die ich ausgebildet und zurückgelassen habe.
 
Während der Kämpfe begegneten wir zudem einer roten Schlange, größer und mächtiger als die anderen. Sie schien eine Art Anführer der Schlangenwesen zu sein. Ihre Worte waren voller Gift: Sie sprach davon, dass wir falschen Göttern folgen würden und es nur einen wahren gebe. Auch Surom war an diesem Ort anwesend. Damit bestätigt sich, was ich befürchtet habe: Die Ketzer sind ebenfalls auf dieser Insel gelandet, und mit mehr Seelen, als mir lieb ist.
 
Ich bete, dass wir hier nicht bald an zwei Fronten kämpfen müssen. Unsere Kräfte sind nicht unendlich, unser Wille stark, aber selbst der stärkste Wille kann brechen, wenn er zu sehr geprüft wird.

Möge der Herr uns führen, denn der Pfad vor uns wird dunkler, und die Schatten werden länger.

Ende Tag 9
 
*auf der nächsten Seite sieht man eine gezeichnete Karte*
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