Kuriosität: außerplanmäßiger Handel in Solgard

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Ella Sturmwacht
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Kuriosität: außerplanmäßiger Handel in Solgard

Beitrag von Ella Sturmwacht »

 
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Hallo,
Ich werde diesen Thread in den nächsten Tagen oder Wochen weiterführen und würde mich über Beteiligung freuen.
Wer also gerne was 'gesehen' haben möchte, als aufmerksamer Händler, misstrauische Wache, Schwarzhändler oder was ihr euch sonst vorstellen könnt, melde sich gerne per PN bei mir. Ich muss nicht im Detail wissen, was euch vorschwebt. Mir ist die OOC-Absprache nur äußerst wichtig, damit alle Charaktere spielbar bleiben. Wir finden zueinander, versprochen! [ Wenn nicht, mache ich alleine weiter :p]

Ella



An den Landungsstegen Nebelhafens herrschte reges Treiben.
Schiffszimmerer, Fischer, Schiffsjungen und Laufburschen, Seil- und Segelmacher sowie Kaufleute gingen ihrem Tagwerk nach. Auch Schmuggler und Schieber waren unter ihnen, besprachen sich oder tauschten Informationen aus.
Viele von ihnen grüßten die Rothaarige beiläufig. Sie hoben die Hand oder neigten ihr vor dem nächsten Handschlag kurz die Stirn zu. Ella hatte sich hier im Hafen einen Namen gemacht in den letzten Wochen.  Der Nebel hatte sich gelichtet, seit die 'Wunderschön' nahezu unbeschadet zurückgekehrt war. Schiffe konnten nun gezielt die Insel ansteuern und Ella konnte konkret Waren am Festland anfragen. Ein Unterfangen, was zuvor nur auf Glück beruhte, denn die Menschen, die zufällig auf die Insel kamen, hatten meist nur das Notwendigste bei sich.
Den Rotschopf quälte schon lange das Verlangen nach einem bestimmten Stück, dass der Zufall ihr nicht in die Hände treiben würde.
  
Kurz nachdem sich der Nebel legte hatte sie den Auftrag aufgegeben und war nun gekommen, um sich danach zu erkundigen. Die Neuigkeiten, die sie erhielt, waren ernüchternd. Darlas, ihre Kontaktperson, war abgetaucht, weil er angeblich zu viel Dreck am Stecken hatte. Ein hagerer Kerl, den sie mit Darlas in Verbindung brachte, verwies sie ohne Worte und nur durch das Recken des Kinns an einen Fischer, der am Kai notdürftig seine Netze flickte.
  
'Watt willst du hab`n?, fragte er schroff. Ella mochte die Arbeiter im Hafen. Sie sprachen aus, was sie dachten und man wusste stets, woran man bei ihnen war.
'Ein besonderes Ausstellungsstück. Darlas.', antwortete Ella, ohne zu viel preis zu geben.
'Ah, datt. Hat er jesacht. Kommt in vier Tag'n mit der 'Salzbart', wenn der Wind hält. Solgard', entgegnete der Fischer, sprang auf sein Boot und verschwand in der Bootshütte.

 
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Was zum Henker? Wieso Solgard? Der Rotschopf senkte die Lider, legte den Kopf in den Nacken und zog entnervt die salzige Seeluft durch die geschlossenen Zähne.
Als die Nacht hereinbrach huschte eine in schwarz gekleidete, zierliche Person durch die Gassen des Hafenviertels Solgards und erkundigte sich bei verschiedenen Personen nach einem Schiff namens 'Salzbart'.

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Ella Sturmwacht
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Re: Kuriosität: außerplanmäßiger Handel in Solgard

Beitrag von Ella Sturmwacht »

 
Im Solgarder Hafen erklang am frühen Morgen eine Glocke mit einem einzelnen, hellen Schlag. Segel waren am Horizont gesichtet worden. Zur gleichen Zeit drang das dumpfe Dröhnen eines Horns ans Festland und versetzte die Hafenarbeiter in Bereitschaft. Ein Seemann lenkte den Blick auf die Segel, beschattete die Augen und hob den Kopf, um den Stand der Sonne zu prüfen. Es würde noch etwa fünfundvierzig Minutenläufe dauern, bis das Schiff festmachen würde, denn der Kurs war frei und die Sicht ungetrübt.
Ella wandte sich vom Kai ab und lenkte den Blick auf einen Händler, der aus der Hafenmeisterei heraus trat. Sein Obergewand wog schwer und leuchtete in tiefem Purpur. Die Ärmel waren aus schimmernder Seide gearbeitet und in sattem Blau gehalten. Seine Hose schmiegte sich passgenau an die Beine. An den Fingern trug er mehrere Ringe mit Einsätzen aus tiefschwarzem, unheilvoll wirkenden Granat. Ella sprang zur Seite, als mehrere hölzerne Karren auf sie zurollten, geschoben von flinken Schiffsjungen. Als sie suchend nach dem auffälligen Kaufmann Ausschau hielt, war dieser fort.

Die 'Salzbart' lief in den Hafen ein und offenbarte dem Rotschopf ihre Namensherkunft. Der Bug lief breit und stumpf ins Wasser und trug Ablagerungen aus Salz vor sich her, die Gischt und Wellengang hinterlassen hatten, und die sich bis unter das Vorderdeck zogen. Dahinter stieg ein Schiff aus hellem Holz auf, von Sonne und Wind ausgeblichen und stumm von vielen Jahren der Seefahrt berichtend.
Als die Ladung der 'Salzbart' gelöscht wurde, schärfte Ella die Sinne. Sie schnappte Gesprächsfetzen auf und betrachtete die Handelszeichen der hölzernen Kisten und Truhen, die Laufburschen mit Karren davonfuhren. Beiläufig warf sie den Namen 'Darlas' ein, in der Hoffnung auf eine Reaktion oder irgendeinen Hinweis auf dessen Verbleib.
Sie bekam keine Antwort und fand keinen Anhaltspunkt, wo sie mit der Suche nach ihrer Bestellung weiter machen konnte. Doch musste sie sich eilen, bevor die Waren auf die Marktplätze verteilt wurden und der Erfolg ihrer Suche in weite Ferne rücken würde.
Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als forscher vorzugehen, sich weiter zu offenbaren und so ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

 
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Zlata Kovacs
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Re: Kuriosität: außerplanmäßiger Handel in Solgard

Beitrag von Zlata Kovacs »

Der Solgarder Hafen. Er war schmutzig, geschäftig, laut und weitreichend mit Menschen besetzt, die 'Häh?!' für eine adäquate Antwort in einem zivilisierten Gespräch hielten. Fragte man Zlata, so gab es eigentlich viele logische Gründe, diesen Teil Solgards zu meiden. Gleichzeitig war der Hafen jedoch das lebendige, pochende Herz des lokalen Handwerks und Arbeitertums.

Ein Zwiespalt.

Zu behaupten, dass Zlata hier her gehörte, wäre eine durchschaubare Lüge gewesen. Dennoch fühlte sie sich hier, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotze, mittlerweile zuhause. Die Menschen im Hafen waren zumeist fleißig und verlässlich. Leere Worte und prätentiöser Prunk fanden kaum Nährboden. Von Wert war, was man essen, trinken oder lieben konnte, was Groschen brachte oder den Rücken schonte, was verlässlich und stabil war. Das war eine gute Basis für Verbrüderung. Die buchschlaue Tüftlerin mochte diesen Pragmatismus. Das sie jedoch auch zurück gemocht wurde, das hatte sie letztlich Knut zu verdanken. Der ruppige Bergmann hatte ihr das nötige Vokabular des gemeinen Arbeiters vermittelt. Genug jedenfalls, dass man 'das blasse, dürre Mädchen', den 'seltsamen Bücherwurm' erst als nützlichen Fremdkörper, dann sogar als Vertreterin im Rat akzeptiert hatte. 

Zlata war anders, aber nützlich.
 
"Heh Zlata, wird dich interessieren, dass die Salzbart eingelaufen is'."
"Häh?" Erwiderte sie schelmisch und spürte, wie ihre Mundwinkel, wie von unsichtbaren Fäden gezogen, nach oben wanderten. Sie blickte in das verständnislose Gesicht des Böttchers. Grund genug, den plötzlichen Anflug von Humor schnell wieder zu vergessen.
"SAAALZ-BARRRT! Der Handelskahn, nach dem de dich erkundigt hast, Mädchen." Bellte der Mann mit den Schraubstockhänden zurück. "Weiß ja nicht worum es geht, aber nachdem de den halm' Hafen verrückt gemacht hast, muss es ja wichtig sein."
Zlata spürte ein Kitzeln in ihrer Nase, die darauf hin unwohl wackelte. "...ich habe nicht..."
"Ach lass gut sein, erzähl kein' Scheiß. Hier treiben sich nicht so viele dürre, blasse Mädchen mit Feuerkopf rum, die nach obskuren Waren fragen, eh?" Brummte der Alte ungeduldig. "Geht mich ja auch garnischt an, was de suchst, weißte? Is' jedenfalls da."
 
Die Tüftlerin nickte das Gespräch artig ab und bedankte sich. Sie hatte gelernt, dass es einen Punkt in Gesprächen gab, in denen die Wahrheitsfindung nicht an erster Stelle stand. Ohnehin gab es da ein viel größeres Mysterium, welches ergründet werden wollte. 

Wer gab sich als sie aus und welche Handelsware konnte so geheim und wichtig sein, dass man dafür ihre Identität stahl?
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Tonya Darez
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Re: Kuriosität: außerplanmäßiger Handel in Solgard

Beitrag von Tonya Darez »

Der Hafen war wohl der rupppigste und ehrlichste Ort Solgards.
Wellen schlugen gegen die Kaimauern, lautes Treiben, Tags wie Nachts.
Lautes Brüllen, schlechte Gerüche, hier und da ein Rempler, wenn man nicht schnell genug aus dem Weg kam.
Wenn man gegen all dies nichts hatte, war der Hafen ein Traum.
Schiefe Hütten, Bierduft, Glimmstängel-Rauch, geschäftiges Treiben.
Die Mitarbeiter des Hafens kannten Tonya's Macken schon lange.
Ein Bier und ein Rum und ein Glimmstängel und die Seefahrerin war zufrieden.
Oft saß sie rauchend irgendwo am Hafen herum und beobachtete.
Seit Knut nicht mehr da war, waren ihre Besuche ein wenig seltener geworden, aber ganz abgebrochen waren sie nie.
Für die Leute im Hafen war sie nicht „das Fräulein Statthalterin“, sondern schlicht und ergreifend Tonya. Die die sich im Walross herum trieb, die alle Kosten der Schenke weiter trug, ohne etwas dafür zu verlangen.Die Bier- und Schnapslieferungen ankommen ließ, die die stillschweigend irgendwie immer wieder eine kleine gute Tat vollbrachte.
Sie zahlte die Gehälter der Schenkenmitarbeiter, schenkte ein offenes Ohr, wann immer, wer immer eines brauchte.
Es war nicht so, als würden die Mitarbeiter ihr nichts zurück geben.
Sie wurde mit Informationen versorgt.
Sie bekam mit, was in der Bollwerkzunft gerade passierte, was gebraucht wurde, was in Planung war.
Nicht, das Zlata nicht zuverlässig wäre, aber hin und wieder waren die Hafenarbeiter schneller als die Vertreterin des Handwerkes.
So auch dieses Mal.
„Heh, hast'e gehört, de Rotschopf hat irjendwas mit'm Schiff“, der Mann stand grinsend und schulternzuckend vor ihr.
„Wie, was mit welchem Schiff?“
„Na, keene Ahnung, hat uff 's Schiff jewartet, jetzt isset da. Wat die will weiß keener so jenau“
„Ah, ja, hat sie erzählt, ich danke dir“, nickte die schwarzhaarige ab und lächelte. Ein gutes Starkbier wechselte den Besitzer. Beide waren zufrieden.
  
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