[Dschinni-Quest] Dein Wunsch ist mir Befehl

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Kenneth Tirwald
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[Dschinni-Quest] Dein Wunsch ist mir Befehl

Beitrag von Kenneth Tirwald »

Es begann leise, beinahe belanglos.

Kenneth saß Elira gegenüber, die Finger noch locker um eine Tasse gelegt, während sich ihr Gespräch in ruhigen Bahnen bewegte. Draußen ruhte Solgard in gedämpfter Stille, drinnen war nichts als das leise Knarren des Holzes, ein kaum hörbares Surren des Windes – und dann, fast unmerklich, ein Hauch, der nicht dorthin gehörte.

Elira zuckte zusammen und wandte sich um, als hätte sie etwas gestreift. Auch Kenneth hielt inne, sein Blick glitt instinktiv an ihr vorbei, suchte nach einer Ursache, die sich jedoch nicht zeigte. Für einen Moment blieb alles still, fast zu still, bis sich diese Stille selbst veränderte.

Die Uhr an der Wand begann unruhig zu schlagen. Was eben noch ein gleichmäßiger Takt gewesen war, wirkte plötzlich gehetzt, drängend, als wolle die Zeit selbst sich aus ihrem eigenen Lauf lösen. Das Pendel schwang nicht mehr geduldig, sondern mit einer fast anklagenden Hast und beide konnten nicht anders, als den Blick darauf zu richten.

Elira rief nach Shira, zunächst vorsichtig, dann mit wachsender Unsicherheit, doch die Antwort kam nicht in der Form, die sie erwartet hatte. Stattdessen begann sich die Luft zu verdichten. Aus einem feinen, kaum greifbaren Nebel heraus formte sich eine Gestalt, deren Umrisse nie ganz fest wurden. Sie war da und doch nicht vollständig in dieser Welt verankert, als würde sie nur einen Teil von sich zeigen, während der Rest jenseits des Sichtbaren blieb.

Sul’azir vom Glühenden Sand.

Seine Stimme klang nicht wie ein gesprochenes Wort, sondern eher wie ein Gedanke, der sich seinen Weg bahnte. Sie lag zwischen ihnen, ohne dass klar war, woher sie kam und doch war sie unüberhörbar. Er sprach von Befreiung, von einem Lohn, der ihnen zustand und von Wünschen, die er zu erfüllen gedachte. Seine Worte waren ruhig, fast beiläufig und doch lag in ihnen etwas Forderndes, etwas, das den Moment selbst schwer machte.

Elira war es, die zuerst antwortete. Ihr Wunsch kam ohne Zögern, getragen von einer schlichten, ehrlichen Absicht. Sie wollte die Wälder schützen, das Leben bewahren, das dort wuchs, ganz gleich, ob durch ihre eigene Hand oder durch die seine.

Für einen Augenblick schien die Gestalt still zu verweilen, als koste sie die Worte aus. Dann ein leises Schnippen. Und es sei getan.

Als sich der Blick des Dschinnis Kenneth zuwandte, schien der Raum enger zu werden. Die Stille nahm eine andere Form an, dichter, drängender. Was zuvor nur ein Gespräch gewesen war, wurde plötzlich zu einer Entscheidung, auf die er nicht vorbereitet gewesen war. Seine Worte kamen zögerlich, tastend, als müsse er sie erst selbst finden. Er wünschte sich mehr Sicherheit. Weniger Zweifel. Eine Klarheit in sich selbst, die ihm bislang gefehlt hatte. Ein einfacher Wunsch, könnte man meinen. Ein ehrlicher.

Auch hier folgte nur ein Schnippen. Ein Versprechen. Und dann verschwand die Gestalt so plötzlich, wie sie erschienen war.

Zurück blieb eine Stille, die sich anders anfühlte als zuvor. Schwerer. Bedeutender.

Zunächst schien nichts geschehen zu sein. Kenneth musterte sich selbst, als erwarte er eine Veränderung, die sich greifen ließ, während Elira erleichtert wirkte, beinahe erleichtert genug, um über das Geschehene hinwegzulächeln. Doch diese Ruhe hielt nicht lange. Ein einzelnes Blatt löste sich aus Eliras Haar und sank lautlos zu Boden. Dann noch eines. Und noch eines.

Was zunächst wie ein Zufall wirkte, wurde schnell zu etwas Unübersehbarem. Das dunkle Haar begann sich zu verändern, wurde von einem feinen Grün durchzogen, bis sich die Erkenntnis nicht länger verdrängen ließ: Es waren keine Haare mehr. Es waren Blätter.

Während Elira mit wachsender Panik versuchte zu begreifen, was mit ihr geschah, zog sich Kenneth immer weiter in sich selbst zurück. Sein Blick verlor sich, seine Gedanken schienen sich zu überschlagen, als würden sie nicht mehr in geordneten Bahnen verlaufen.

Es war kein Mangel an Sicherheit, der ihn nun erfasste. Es war zu viel davon.

Oder vielmehr: zu viele Stimmen, die plötzlich Raum bekamen, jede für sich drängend, jede mit einer eigenen Richtung. Entscheidungen zerfielen, bevor sie greifen konnten, und das, was er sich gewünscht hatte, wurde zu etwas, das er kaum fassen konnte.

Der Ruf nach Sul’azir kam beinahe zwangsläufig - und er wurde erhört, als hätte er nur darauf gewartet. Seine Erklärung war einfach, beinahe nüchtern und gerade darin lag ihre Schwere.

Elira hatte sich gewünscht, die Wälder zu schützen. Also war sie ein Teil davon geworden.

Kenneth hatte sich gewünscht, sicherer zu sein. Also hörte er nun alles in sich klarer als je zuvor.

Es waren keine Fehler. Es war die Erfüllung - und sie war nicht ohne Weiteres rückgängig zu machen. Nicht ohne Preis. Sul’azir sprach von einem Amulett, einem verlorenen Relikt, verborgen in einer alten Schatzkammer irgendwo in den Weiten des glühenden Sandes. Sie sollten es finden, sollten es zurückbringen und erst dann würde er gewähren, was sie nun verlangten: Das Zurücknehmen ihrer Wünsche.

Erst dann. Ein Mond blieb ihnen.

Als die Gestalt sich schließlich wieder auflöste, war der Raum erneut still. Doch diese Stille war keine gewöhnliche mehr. Sie trug Gewicht, eine unausgesprochene Ahnung von dem, was kommen würde.

Elira stand noch immer da, die Hände leicht zitternd, während sie prüfte, ob ihr Haar wirklich wieder Haar war, oder ob sich die Veränderung nur verborgen hatte. Kenneth hingegen wirkte, als lausche er etwas, das sich nicht mehr abschalten ließ.

Sie hatten eine Abmachung getroffen.

Und während die Uhr an der Wand wieder ihren gleichmäßigen Takt fand, blieb ein leiser Rest von Unruhe zurück, kaum greifbar, aber unübersehbar. Denn irgendwo zwischen einem Wunsch und seiner Erfüllung lag eine Wahrheit, die sie beide nun begriffen:

Sie hatten sich etwas gewünscht. Und nun würden sie lernen müssen, was es bedeutet, wenn Wünsche tatsächlich wahr werden.

Noch bevor der Tag sein Ende fand, hinterlegte Kenneth eine kurze Notiz auf der großen Tafel in der Unitatis-Festung:

 
Ich habe beim Gildentreffen morgen etwas Wichtiges zu berichten!
Ich habe Mist gebaut - Elira aber auch!

gez. Kenneth

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Elira Raureif
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Re: [Dschinni-Quest] Dein Wunsch ist mir Befehl

Beitrag von Elira Raureif »

Wie sage ich ihm das?

Diese Frage quälte sie seit dem vergangenen Abend. Sie war ihr im Kopf herumgegangen, als sie verschreckt und erschöpft nach Hause gelaufen war. Sie hatte sie vor der Türe im dunklen Garten warten lassen, sicher gute zehn Minuten lang, verloren zwischen würziger, noch kühler Luft eines Frühlingsabends und den eigenen rasenden Gedanken.

Wie sage ich ihm das?

Doch als hätte das Universum selbst sie erhört, hatte Elira an jenem Abend gar keine Antwort darauf benötigt. Fenrik hatte nach Anderem als Reden der Sinn gestanden, und die größtenteils bereits gelöschten Kerzen im Häuschen brachten nicht genug Licht, um ihn einen genauen Blick auf ihr Haar werfen zu lassen. Die Sache war aufgeschoben, und blieb es auch am nächsten Tag, als der Mann früh, noch vor ihr, aufstand und sich irgendwohin aufmachte, um Dinge zu erledigen, die sie vermutlich nicht ganz verstehen würde. Wichtige Dinge. Irgendetwas mit Geld. Elira war im Haus zurück geblieben, und die Frage mit ihr.

Wie sage ich ihm das?

Elira betrachtete sich im Spiegel, musterte den schwachen grünlichen Schimmer im vormals rein schwarzen Haar, wie eine sachte Erinnerung an die Abmachung mit dem Wüstenwesen. Die Frage blickte ihr über die Schulter.

Wie sage ich ihm das?

Sie seufzte, verschmähte ihr Frühstück, und ging in den Garten hinaus, wo Beete, Stauden und Wiesenblumen auf ihre Zuwendungen warteten. Die Frage hüpfte neben ihr her und störte beim Aufsammeln von Käfern von den ersten zarten Kartoffelpflanzen.

Wie sage ich ihm das?

Kenneth hatte es leicht. Er hatte einen Plan, und darüber hinaus konnte er dem Großmeister gegenüber einfach Bericht erstatten, so, wie man es eben machte, wenn man ein Mann mit Schwert in einer Organisation war, in der Befehle gebrüllt und mit eben jenen Schwertern hantiert wurde. Dies und das ist passiert, und so sieht es aus, und sicher würde der Großmeister dann irgendetwas sagen wie 'Wir rücken aus, hussa!' und die Sache wäre für Kenneth erledigt.

Aber sie? Wie?

Mit einem Witz einsteigen, um die Spannung zu nehmen?

'Hallo Fenrik, ich wäre beinah ein Baum geworden. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, hahah...'


Oder lieber mysteriös verbleiben?

'Hallo Fenrik, es gibt da ein kleeeeines Problem das vielleicht zu einem sehr großen Problem werden wird.'

Oder gleich mit der Quintessenz einsteigen, ohne Vorworte?

'Hallo Fenrik, wenn ich und Herr Kenneth in einem Monat kein Amulett des Dschinni finden, werde ich zu einem Baum werden.'

Oder ein Gespräch über Gefühle beginnen und dann unauffällig zum richtigen Thema überleiten?

'Hallo Fenrik, würdest du mich auch lieben wenn ich ein Schmetterling wäre? Oder ein Regenwurm? Oder ein Baum? Apropos Baum...'

Sie wälzte all diese Möglichkeiten im Kopf, verwechselte dabei abgelenkt Erdbeeren mit mit Tomaten, fluchte, pflanzte alles nochmal um und setzte sich schließlich frustriert zwischen die Beete. Es gab überhaupt keine gute Lösung. Sie würde improvisieren müssen. Und dann konnte man bestenfalls auch gleich Livius dazu holen, der in Eliras Überzeugung sowieso nichts zu tun hatte außer Shira bei den Hochzeitsvorbereitungen zu stören. Shira wollte sie natürlich nicht stören. Genau, so würde sie es machen. Die Druidin nickte sich selbst zu und kehrte in Haus zurück, auf dem Weg kleine Bröckchen von Erde über die frisch ausgeklopften Teppiche verteilend.

Etwas später wird ein kleines Briefchen Livius erreichen.


"Livius,

Ich glaube ich habe ein Problem. Es hat mit Bäumen zu tun. Und dem Dschinni. Herr Kenneth hat auch ein Problem. Können wir bitte reden?

Elira."
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Elira Raureif
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Re: [Dschinni-Quest] Dein Wunsch ist mir Befehl

Beitrag von Elira Raureif »

Am nächsten Tage liegt im Turm der Bewahrer ein Zettel aus, beschriftet in der akkuraten Schrift Eliras:

"Liebe Freunde,

Leider hat mir und Herrn Kenneth der Dschinni aufgelauert, den Fenrik irgendjemand freigelassen hat, als wir versucht haben, die Welt nicht wegen Livius untergehen zu lassen. Leider hat er uns angeboten, Wünsche zu erfüllen. Und leider haben wir uns etwas gewünscht. Unerwarteterweise hatte sich das als Falle entpuppt, und nun haben wir einen Monat Zeit, das Amulett des Dschinni zu finden und ihm zu geben, sonst werde ich in einen Baum verwandelt und Herr Kenneth wird durchdrehen und vermutlich irgendwann versuchen, irgendjemandes Gesicht zu fressen.

Die Suche solle in der Pyramide beginnen. Nachdem Fenrik, Livius und der Großmeister uns deswegen angeschrieen beraten haben, haben wir beschlossen, dass wir ihm nicht einfach so sein Amulett geben, sondern versuchen herauszufinden, ob man ihn wieder in seine Lampe bekommt, oder ihn irgendwie sonst unter Kontrolle kriegt, bevor er uns erneut reinlegt. Deswegen ist nach der Hochzeit von Shira und Livius ein Ausflug in die Pyramide geplant. Das wird sehr aufregend gefährlich.

Fenrik sagt außerdem, ich solle mich entschuldigen. Entschuldigung.

gez. Elira

P.S.: Ich habe jetzt grünliche Haare. Das finde ich eigentlich ganz hübsch."
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Kenneth Tirwald
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Re: [Dschinni-Quest] Dein Wunsch ist mir Befehl

Beitrag von Kenneth Tirwald »

Der Abend begann mit einem Geständnis, das sich anfühlte wie das vorsichtige Ziehen an einem losen Faden – nur dass am Ende nicht ein Knopf, sondern ein ganzes Geflecht aus Problemen in den Händen lag. Kenneth und Elira rückten nach und nach mit der Wahrheit heraus: Ein Dschinn, zwei unbedachte Wünsche und nun ein sehr konkreter Preis. Ein verlorenes Amulett, irgendwo in oder jenseits einer alten Pyramide und ein Monat Zeit – sonst würden die „erfüllten“ Wünsche in ihrer vollen, unerwünschten Konsequenz Realität werden. Eliras bereits leicht verändertes Äußeres lieferte einen ersten Vorgeschmack darauf, dass diese Drohung alles andere als leer war.

Was folgte, war keine ruhige Strategiebesprechung, sondern ein regelrechtes Donnerwetter. Das von Elira im Vorfeld befürchtete Gebrüll blieb keineswegs aus – im Gegenteil. Besonders Livius ließ seinem Ärger freien Lauf, mal scharfzüngig, mal mit theatralischer Ironie, die genauso schnell in offene Wut umschlug. Sein scheinbares Lob entpuppte sich als Falle und als Elira darauf hereinfiel, kam die verbale Keule umso härter. Fenrik zeigte sich kaum milder: kühl, streng und sichtlich genervt von der gesamten Situation, ließ er keinen Zweifel daran, dass er das Verhalten der beiden für unverantwortlich hielt. Jaster wiederum wählte einen anderen Ton – weniger laut, aber nicht weniger deutlich. Seine Worte trafen wie gezielte Hammerschläge: ruhig, direkt und mit der unmissverständlichen Botschaft, dass Kenneth und Elira die Konsequenzen ihres Handelns selbst tragen müssen.

So saßen die beiden schließlich da wie zwei Kinder, die beim Naschen erwischt wurden – nur dass ihre „Nascherei“ ein freigesetztes, realitätsverzerrendes Wesen war. Immer wieder suchten sie Blickkontakt zueinander, als könnten sie sich gegenseitig Rückhalt geben, während sie gleichzeitig von drei Seiten in die Mangel genommen wurden. Die Dynamik erinnerte stark an ein Geschwisterpaar, das von gleich mehreren strengen Vaterfiguren zurechtgewiesen wird: Fenrik der strenge Bewacher, Livius der scharfzüngige Lehrmeister und Jaster der ernüchternde Realist.

Inhaltlich kristallisierte sich trotz des Tumults ein erster Plan heraus. Der Dschinn verlangt sein Amulett zurück – also würde man genau dort ansetzen. Doch statt ihm einfach zu geben, was er will, entstand die Idee, das Amulett selbst zur Falle zu machen: präpariert, gebunden, vielleicht sogar als neues Gefäß genutzt, um den Dschinn erneut zu bannen. Ergänzend dazu kam der Vorschlag, den alten Tempel unter der Pyramide erneut aufzusuchen, insbesondere die verbliebenen Mimir-Köpfe zu befragen, um mehr über das Amulett und mögliche Schwächen des Dschinns zu erfahren. Schutz- und Bannkreise wurden ebenso diskutiert wie Täuschungsmanöver, um die Aufmerksamkeit des Wesens zu umgehen oder es gezielt in Sicherheit zu wiegen.

Am Ende blieb ein Plan, der mehr aus vorsichtigen Ansätzen als aus fertigen Lösungen bestand: Nach der anstehenden Hochzeit soll die Gruppe zur Pyramide aufbrechen, Informationen sammeln und darauf aufbauend eine Falle vorbereiten. Begleitet wird dieses Vorhaben von der klaren Ansage, dass weitere Fehler nicht toleriert werden – und dass man Kenneth und Elira im Zweifel eher überwacht als unterstützt.

Der Abend endete schließlich nicht mit Erleichterung, sondern mit Konsequenzen. Elira erhielt Hausarrest, Kenneth wurde der Zutritt zum Garten untersagt und selbst ihre Kommunikation wurde auf Gespräche „über den Zaun“ reduziert. Während die anderen sich verabschiedeten, blieb vor allem eines zurück: das Gefühl, ordentlich den Kopf gewaschen bekommen zu haben – und die Gewissheit, dass der eigentliche Ärger mit dem Dschinn gerade erst begonnen hat.
 
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Varyariel
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Re: [Dschinni-Quest] Dein Wunsch ist mir Befehl

Beitrag von Varyariel »

"...in einen Baum... verwandelt...?", echoete die Waldelfe die Worte auf dem Zettelchen in ihren Händen leise, während ihr Haupt bedächtig langsam erst zur einen, dann noch langsamer zur anderen Seite wippte.
Ganz so, als würde ein eigenartiger oder verwunderlicher Gedanke sehr viel leichter greifbar werden, wenn man ihm nur genug Gelegenheit gab, einmal zur Schieflage zu finden oder frei im geneigten Schädel von der einen zur anderen Seite herumzurollen. Das Geschriebene danach mochte nicht zu sehr viel mehr Verständnis beitragen. Der Wunsch sein Leben als Baum fortführen zu können, war noch durchaus vernünftig... aber wieso wollte der Junge mit dem klangvollen Nachnamen die Gesichter anderer verzehren?

Ein kleines Kopfschütteln scheuchte mögliche Mutmaßungen fort, ausführlichere Erklärungen würden sicher zur richtigen Zeit folgen.

Was die Schwarz-, oder nun Grünhaarige?, wohl viel mehr benötigte war vielleicht doch eher Zuversicht. So fand ein weiteres Zettelchen zu der Botschaft von Elira, welche natürlich an Ort und Stelle gelassen wurde:

Elira,

ich vermute an eindringlicheren Worten über die Konsequenzen eures Handelns wird es am Vorabend wohl kaum gemangelt haben. Sie haben gewiss ihre Berechtigung und mögen auch wichtig sein, um eine mögliche Wiederholung solcher Geschehnisse zu vermeiden, aber Geschehenes lässt sich mit ihnen auch nicht rückgängig machen und vermutlich seid ihr euch all dessen ohnehin schon längst bewusst geworden. Über den Wunsch Kenneths möchte ich kaum mutmaßen, aber zumindest der Deine ist doch von schöner Natur, law? Das sollte zumindest gesagt sein, finde ich.
Manch ein Anderer hätte sich von der Gier nach Gold, Macht oder Ansehen verzehren lassen bei einer solchen Gelegenheit.

Ich wüns- *hier pausiert die Feder scheinbar kurz, ein kleiner Fleck länger eingezogener Tinte ziert das unvollendet Wort, sich wohl beim Schreiben dazu entschlossen es zu unterlassen*
Damit sollte man zu dieser Zeit sicher vorsichtiger sein... selbst in Schriftform!
Es wäre jedoch zu begrüßen, würden Andere auch so denken wie du.

Da das Wesen eines Dschinnis aber allem Anschein nach nicht aus dem Bedürfnis der reinen Gutmütigkeit handelt, ist der Gedanke euch von seinem Einfluss zu befreien und ihn an weiteren Verhandlungen dieser Art zu hindern sicher kein Schlechter. Auch wenn es einen erneuten Abstieg in diese Pyramide bedeutet. Da Warnungen im Voraus häufig wertvoller sind, als im Nachhinein: Ich hoffe einem jeden, der sich diesem Vorhaben anschließt ist nun bewusst, dass es der Sicherheit aller zuträglich ist, nichts anzufassen oder zu entwenden?

Und ich möchte dir zumindest in einem Gewissheit geben, sollte, entgegen all unser Bestrebungen, das Werk des Dschinnis zur Vollendung finden, so brauchst du keine Sorge um dein Wohlergehen in dir tragen. Dir soll ein sicherer Ort im Eryn, vielleicht sogar in Lóriendor so du möchtest, ein neues Heim und jedes Axtblatt von dir ferngehalten werden.
Auch die Furcht vor Einsamkeit soll dich nicht plagen! Nicht nur ich, ganz bestimmt ebenso Shira oder auch andere Lindhil, werden dir Gesellschaft leisten so häufig du sie benötigst.


Varyariel

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