Am Morgen eines Frühlingstages, dessen Wetter mehr an Spätherbst denn an Frühling erinnerte, zwängte sich ein breiter, von zwei Ochsen gezogener Karren durch die Gassen Solgards. Er war voll beladen - mit langen, sehr schwer aussehenden Kisten, Möbeln (hauptsächlich Stühlen, Tischen, und einigen gefährlich über die Ränder des Karrens ragenden Bücherregalen), einem großen Öltuch, das die Ladung schützen sollte, aber halb herabgerutscht war und es nicht tat, und schließlich drei grimmig in den windigen Nieselregen starrenden Tagelöhnern. Einer der Männer hatte seine Füße auf einem der aufgeladenen Polsterstühle abgelegt. Die anderen interessierten sich nicht dafür.
Der Karren rollte unbeirrt voran, nahm drei Matschpfützen und ein Blumenbeet mit, und kam schließlich an einem der steinernen Hafenhäuser zum Stehen, wo die Tagelöhner eine gewisse unmotivierte Abladeaktivität entwickelten. Der Polsterstuhl behielt zwei dreckige Stiefelabdrücke.
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Stunden später waren die Tagelöhner verschwunden. Drinnen war es still. Es roch es nach billigem Wachs, neuem Teppich, Holz und etwas...Fremdem. Der fremde Geruch ging von einem ausladenden Gerät aus, das in Obergeschoss des Hafenhauses aufgebaut war: Ein für die gewöhnliche Abenteurernase ungewohntes olfaktorisches Gemisch aus Metall, schwerem Öl und Tinte.
Drei Augenpaare starrten aus dem Zwielicht auf das Gerät.
"Es wirkt... eigenartig."
"Geheimnisvoll."
"Irgendwie lebendig."
"Nun gruselt es mich. Lasst uns Licht machen."
Einige Augenblicke später wurde es im Raum heller.
Drei Augenpaare starrten auf das nun gut beleuchtete Gerät.
"Wisst ihr wie man es bedient?"
"Ich weiß es nicht."
"Es kann ja nicht so schwer sein. Man muss sicher die Platte hier...AU AUA AU!"
"Alles in Ordnung??"
"Was ist, was ist passiert??"
"If habe mif den Fingef gequefscht!"
"Es wird nicht besser, wenn du ihn dir in den Mund steckst."
"Dof."
"Sicher gibt es eine Gebrauchsanleitung."
"Irgendwo unten lag ein Schema...glaube ich."
"Gehen wir es suchen."
"Ja.... warum gehen wir rückwärts?"
"Es sieht immer noch irgendwie lebendig aus."
Von Schnattervögeln
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Re: Von Schnattervögeln
"Ich glaube es ist fertig."
Im mystischen Zwielicht des Raumes - bedingt durch zugezogene Vorhänge mit etwas peinlich anmutenden Röschen auf dem billigen Stoff - wurde es seit längerer Zeit erstmals wieder still. Es roch nach Tinte, Papier, Öl und purer Nervosität. Die Presse stand erstmals seit Stunden still. Mit Lösungsmittel und Tinte beschmierte Finger rollten das letzte, knisternd frische Blatt zusammen und legten es in eine der auf dem Boden verteilten Transporttaschen.
"Sind wir sicher?"
"Ich denke schon."
"Vielleicht könnten wir doch das mit den kalten Händen..."
"Nein!"
Zwei Augenpaare starrten dem dritten empört entgegen.
"Wir drucken es nicht alles neu!"
"Aber es klingt nekromantisch!"
"Nichts hierdran klingt nekromantisch!"
"Fein, fein, dann nicht!"
Schweigen. Erst aufgeladen, dann - weil keiner der Dreien in der Lage war, länger als zwei Minuten lang angespannt auszusehen - rastlos. Jemand rückte die Transporttaschen zurecht. Dann wurde die Stille mit einem Hüsteln wieder gebrochen.
"Wir stellen also zu?"
"Ja. Wir...stellen zu. Ruft die Männer zusammen!"
"Welche Männer?"
"Ich meine die Postboten."
"Das sind aber keine Männer. Das sind zwei Jungs vom Hafen und die Fischfrau."
"Ich glaub das ist deren Mutter."
"Sie könnte unsere Mutter sein."
"Es sind jedenfalls keine Männer."
"Ich wollte nur...Männer klingt eindrucksvoller, wisst ihr?"
"Ja."
"Wir brauchen für die Zukunft bessere Postboten."
"Ja."
Nur einige Stunden tauchten in den ersten Briefkästen der Inselbewohner zusammengerollte Zeitungen auf - unbestellt, womöglich ungewollt, und hier und da leicht nach Fisch riechend.
Im mystischen Zwielicht des Raumes - bedingt durch zugezogene Vorhänge mit etwas peinlich anmutenden Röschen auf dem billigen Stoff - wurde es seit längerer Zeit erstmals wieder still. Es roch nach Tinte, Papier, Öl und purer Nervosität. Die Presse stand erstmals seit Stunden still. Mit Lösungsmittel und Tinte beschmierte Finger rollten das letzte, knisternd frische Blatt zusammen und legten es in eine der auf dem Boden verteilten Transporttaschen.
"Sind wir sicher?"
"Ich denke schon."
"Vielleicht könnten wir doch das mit den kalten Händen..."
"Nein!"
Zwei Augenpaare starrten dem dritten empört entgegen.
"Wir drucken es nicht alles neu!"
"Aber es klingt nekromantisch!"
"Nichts hierdran klingt nekromantisch!"
"Fein, fein, dann nicht!"
Schweigen. Erst aufgeladen, dann - weil keiner der Dreien in der Lage war, länger als zwei Minuten lang angespannt auszusehen - rastlos. Jemand rückte die Transporttaschen zurecht. Dann wurde die Stille mit einem Hüsteln wieder gebrochen.
"Wir stellen also zu?"
"Ja. Wir...stellen zu. Ruft die Männer zusammen!"
"Welche Männer?"
"Ich meine die Postboten."
"Das sind aber keine Männer. Das sind zwei Jungs vom Hafen und die Fischfrau."
"Ich glaub das ist deren Mutter."
"Sie könnte unsere Mutter sein."
"Es sind jedenfalls keine Männer."
"Ich wollte nur...Männer klingt eindrucksvoller, wisst ihr?"
"Ja."
"Wir brauchen für die Zukunft bessere Postboten."
"Ja."
Nur einige Stunden tauchten in den ersten Briefkästen der Inselbewohner zusammengerollte Zeitungen auf - unbestellt, womöglich ungewollt, und hier und da leicht nach Fisch riechend.
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Re: Von Schnattervögeln
Irgendwo in einem unscheinbaren Haus, das der ein oder andere als "Bruchbude" bezeichnen könnte, war es still. Die Stille war deswegen so außergewöhnlich, da es die Stunden zuvor alles andere als das gewesen war: Es hatte gerattert, geklappert, geknallt und geflucht.
Die ersten Geräusche waren von einer schweren Presse gekommen, das letzte abwechselnd von einer der drei anwesenden Personen, immer dann, wenn sich einmal wieder jemand den Finger einklemmte oder dem anderen auf den Fuß trat. Es war dabei gar nicht so, dass es hier eng wäre, nein. Für Bruchbudenverhältnisse war der Raum sogar recht weitläufig. Die natürliche Neugier der drei Anwesenden, gepaart mit ebenso natürlicher Unachtsamkeit, sorgten allerdings immer wieder für Gedrängel, Geschiebe, und zertrampelte Zehen.
Der Laune tat all das jedoch keinen Abbruch. Drei zufriedene Gesichter lächelten im kerzenbeleuchteten Dunkel der späten Stunde, die mit zusammengerollten Zeitungen gefüllten Säcke betrachtend.
"Ich denke es ist richtig gut geworden dieses Mal."
"Letztes Mal auch."
"Ja, aber dieses Mal haben wir eine Seite mehr."
"Das sind sehr viele Buchstaben."
"Das sind wichtige Informationen!"
"Aber vielleicht liest es deswegen jemand nicht."
"Der jemand wohnt nicht zufällig mit dir zusammen und wir kennen alle seinen Namen...?"
"...ist ja gut."
Ob zu viel oder nicht - am nächsten Morgen werden alle Besitzer von Briefkästen eine gerollte Zeitung in eben jenen finden, die manch einer als "Schmierblatt" bezeichnen würde. Vermutlich die selbe Person, die auch von Bruchbuden spräche.
Die ersten Geräusche waren von einer schweren Presse gekommen, das letzte abwechselnd von einer der drei anwesenden Personen, immer dann, wenn sich einmal wieder jemand den Finger einklemmte oder dem anderen auf den Fuß trat. Es war dabei gar nicht so, dass es hier eng wäre, nein. Für Bruchbudenverhältnisse war der Raum sogar recht weitläufig. Die natürliche Neugier der drei Anwesenden, gepaart mit ebenso natürlicher Unachtsamkeit, sorgten allerdings immer wieder für Gedrängel, Geschiebe, und zertrampelte Zehen.
Der Laune tat all das jedoch keinen Abbruch. Drei zufriedene Gesichter lächelten im kerzenbeleuchteten Dunkel der späten Stunde, die mit zusammengerollten Zeitungen gefüllten Säcke betrachtend.
"Ich denke es ist richtig gut geworden dieses Mal."
"Letztes Mal auch."
"Ja, aber dieses Mal haben wir eine Seite mehr."
"Das sind sehr viele Buchstaben."
"Das sind wichtige Informationen!"
"Aber vielleicht liest es deswegen jemand nicht."
"Der jemand wohnt nicht zufällig mit dir zusammen und wir kennen alle seinen Namen...?"
"...ist ja gut."
Ob zu viel oder nicht - am nächsten Morgen werden alle Besitzer von Briefkästen eine gerollte Zeitung in eben jenen finden, die manch einer als "Schmierblatt" bezeichnen würde. Vermutlich die selbe Person, die auch von Bruchbuden spräche.
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Re: Von Schnattervögeln
"Hochzeit! Hochzeit! Sonderausgabe, nur im Schnatterer!"
"Ist die Braut mit dem Tarcil durchgebrannt? Bringt Euch auf Stand!"
"Wer hat wen geheiratet? Wer hat was getragen? Der Schnatterer weiß es!"
"Gnä' Frau, Ihr seht nicht aus als würde Euch die Ehe drohen, so lest doch zumindest von der Hochzeit andrer Leute!"
"Alles über die Hochzeit des Jahrzehnts, was Ihr nie wissen wolltet!"
Das Geschrei von Straßenjungen, die ungebetene Zeitungen nach links und rechts in Briefkästen verteilten und manch einem unvorsichtigen Passanten in die Hand drückten, hallte plötzlich und schrill durch die Gassen Solgards. Zumeist waren die Schreihälse schnell genug, sich von der ein oder anderen erzürnten Hand wegzuducken - manchmal auch nicht, und dann gab es Gejammer und demonstratives Geheule, das nur zu schnell erneut mit Phrasendreschen ersetzt wurde.
Einige Augenpaare folgtem dem Geschehen derweil aufmerksamer als andere.
"Ist das eine gute Idee, sie so herumschreien zu lassen?"
"Ich weiß es nicht. Aber es kostet weniger."
"Was kostet weniger?"
"Sie sagten, wenn sie schreien dürfen was sie wollen, kostet es weniger."
"Oha. Ich verstehe."
"Ja."
"Ja."
"Sie sollten..."
"Ich mag es nicht so recht. Das mit dem 'Was Ihr nie wissen wolltet.'"
"Die Leute wollen es doch wissen."
"Eben. Ich glaube das ist Ironie."
"Ah."
"Ja."
Schweigen kehrte ein, während dem sich entfernenden Geschrei gelauscht wurde.
"Vielleicht sollten wir ihnen doch wieder mehr bezahlen."
"Das dachte ich mir auch."
Ob die Bezahlung kam, bleibt derweil verborgen. Doch die Zeitungen kamen - nach und nach, über Umwege, auch in die Briefkästen außerhab der Grenzen Solgards.
"Ist die Braut mit dem Tarcil durchgebrannt? Bringt Euch auf Stand!"
"Wer hat wen geheiratet? Wer hat was getragen? Der Schnatterer weiß es!"
"Gnä' Frau, Ihr seht nicht aus als würde Euch die Ehe drohen, so lest doch zumindest von der Hochzeit andrer Leute!"
"Alles über die Hochzeit des Jahrzehnts, was Ihr nie wissen wolltet!"
Das Geschrei von Straßenjungen, die ungebetene Zeitungen nach links und rechts in Briefkästen verteilten und manch einem unvorsichtigen Passanten in die Hand drückten, hallte plötzlich und schrill durch die Gassen Solgards. Zumeist waren die Schreihälse schnell genug, sich von der ein oder anderen erzürnten Hand wegzuducken - manchmal auch nicht, und dann gab es Gejammer und demonstratives Geheule, das nur zu schnell erneut mit Phrasendreschen ersetzt wurde.
Einige Augenpaare folgtem dem Geschehen derweil aufmerksamer als andere.
"Ist das eine gute Idee, sie so herumschreien zu lassen?"
"Ich weiß es nicht. Aber es kostet weniger."
"Was kostet weniger?"
"Sie sagten, wenn sie schreien dürfen was sie wollen, kostet es weniger."
"Oha. Ich verstehe."
"Ja."
"Ja."
"Sie sollten..."
"Ich mag es nicht so recht. Das mit dem 'Was Ihr nie wissen wolltet.'"
"Die Leute wollen es doch wissen."
"Eben. Ich glaube das ist Ironie."
"Ah."
"Ja."
Schweigen kehrte ein, während dem sich entfernenden Geschrei gelauscht wurde.
"Vielleicht sollten wir ihnen doch wieder mehr bezahlen."
"Das dachte ich mir auch."
Ob die Bezahlung kam, bleibt derweil verborgen. Doch die Zeitungen kamen - nach und nach, über Umwege, auch in die Briefkästen außerhab der Grenzen Solgards.