Bjornar

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Bjornar
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Schildsegen

Beitrag von Bjornar »

Blodeik Skjold_mini.png
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Der Kreis stand still.
Trymm’takk atmete vereint.
Lebenssog des Steinvolks.
Die Runen waren geschnitten,
Machtmale der Erde,
mit kalten Nägeln geritzt.
Tarabasch hielt den Schild,
Blutholz der Eiche,
schwer an der Schulter.
Bereit war der Blodeik Skjold,
gewaltig zur Wehr.

Haldron kniete tief,
Wortweber zwischen den Welten.
Seine Stimme sank, wie Samen,
in dunkle Furchen.
Uruz zog kühn die Kraft,
band Tierfeuer, Erdträume, Lebenswut.
Rashkas Brust hob sich,
Schmiedebalg des Stamms.
Yngvildr stand lauschend,
Jägeraugen unerbittlich und scharf.
Kein Ruf verließ sie,
ihr Schweigen ging um.
Freyjas Hände ruhten dann,
Saiten verstummten am Liederholz,
Stille vollendete den Zauber.
Leise lauschte der Stamm,
wartend wie Wald auf den Schnee.

Sjá! Es erschien das Goldfell der Tiefe,
flammend still im Höhlenlicht.
Welcher Wille spannt dieses Herz?
Welcher Gletscher härtet diese Glieder?
Welche Wärme wallt in diesem Pelz?
Der Raum zog sich zusammen.
Dort stand der Wahrer von Hunger und Wut,
Kovakarhu, Haltegeist, mächtige Waage.

Screenshot 2026-01-06 202657.png


Tarabasch sank.
Knie fand den Fels.
Den Schild erhoben,
als kenne er kommende Hände.
Das Schicksalsholz suchte den Arm.
Die Pranke ruhte auf ihm,
Der Pfand der Tiefe,
schwer und sicher.

Solkrs Ross hob jäh den Kopf.
Die Luft spannte sich,
das Atemseil der Welt erzitterte.
Der Donner ging hindurch,
Herzschlag der Wolken,
tief und geschlossen,
Himmlischer Hieb!
Blutholz ächzte unter der Sturmpranke.
Das Schutzeisen hielt stand,
Der Schlag blieb im Schild,
Wetterwort im Stammkern,
Halt, der nicht weicht.

Dann lösten sie sich aus mächtigem Griff.
Ehrenpranken gaben den Recken frei,
sanft wie der Frühling.

Tarabasch stand wieder.
Der Schild lag fest an seinem Arm,
Lastfreund, Stammesstolz.

Er sah ihn an,
wie ein Seher sieht.
In seinem Blick lag was kommen würde:
ferne Hände, stärker, klarer noch
als die seinen und zur Stunde namenlos.
Stolz will er warten auf jene,
die würdiger sind als er,
der Schildträger selbst.

Blodeik Skjold_Ritual.png

Ich aber war unten.
Hände im Staub,
Pfoten erinnernd.
Atem schwer.
Ich roch --- sie!
Erdbrot, Harzlicht, Winterfell.
Herzholz sogar?
Und etwas in mir legte sich nieder,
Bärenschlaf unter den Rippen.

Sie wusste.
Mein Leib lachte.
Schwester im Dunkel.
Mutter ohne Namen.
Kovarkarhu, nur Nähe,
Waldheim im Brustraum.
Wie Boden, der birgt und bedeckt,
auch wenn man fortgeht.

Bleib doch, sagte ich.
Bei mir.
Bewohne mein Heim!
Meine Brust.

Sie sah mich an,
Waldesblick der mich kennt,
weil er einst frei ging zwischen Wurzeln und Sternen.

Dann verschwand sie.
Verflog, Fernsicht im Dunst.

Der Kreis atmete wieder.
Stein blieb Stein,
Trymm'takk stand stark,
sicher im Schild-Segen.

Ich lag wach,
und still,
und schwieg,
und staunte.

Blodeik Skjold_mini.png
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Musik: Wardruna "Himinndotter " - dass gesamte Album "Birna" (2025) ist der großen Geister-Bärin gewidmet.
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Bjornar
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Oh, Firlefanz von Fillefarz!

Beitrag von Bjornar »

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Oh Firlefanz vom Stamm der Fillefarz!!! (Meine Zunge ist zu dick fürs Albengeflüster.)
"Filifaere" sagst du, lavendelig der Katzenblick, doch in meinem Ohr: ein Silbenspringfisch!
Grimluvængir knarrt unter mir, oben zieht Cataleya die Ameda stur durch den Nebel,
Valleron zählt Hände und Klingen, Rhonya schlingt Knoten, wie geschwind sie sich windet!

Da bist du.... schon weg, unfassbar: hinter Taurollen, ein allerlistigster Lauerschatten;
du wendest dich schnell, wie erschreckt von der Welt, und ich, zu groß für kleine Gefühle,
halte mich an der Reling fest, schnüffle, lege den Kopf schief, gluckse, ganz unkriegerisch,
und geh auf alle Viere, um kleiner zu wirken: ein Riese zwar, für dich aber kein Albenfresser!

Ich tu, als sähe ich dich nicht, denn Größe kann wegsehen und vor allem drübersehen;
dann such ich in Taschen und hol einen Keks, trete zurück, beobachte reglos.
Die Falle schnappt. Du nimmst ihn langsam, greifst würdevoll nach der „edlen Gabe.“
Und ohne Zeremoniell stopfst du ihn ein, schreitest davon wie eine Herrscherin im Triumphzug.

Später hör ich dein Krümelwerk, gierig und zart vernaschst du Nattis Nusstaler;
und dann legst du, mit listigem Kichern, mir einen Wunsch an die Füße, als wär’s nur ein Spiel:
Drei volle Tage nicht ins Wasser zu fallen! Das war dein Zauberspruch und wie er wirkte!
Sirenen sangen, Wellen wogten, doch ich blieb! Am vierten Tag erst war die See wieder Sieger.

Denn am Strand, bei den Ophidianern, im Sand, wo drohende Statuen tödlich wachten,
da rutschte ich doch, während Cataleya brüllte, Magie flog, und der blutige Sieg erstritten ward.
Das Chaos hatte seinesgleichen gefunden, wir mittendrin und die Stämme so ruhmreich verfilzt!
Und ich dachte im Fallen: Deine Zauber sind ehrlich; sie reichen, bis das Leben sie verlacht.

Auf der Insel dann machst du Quartier für die grausame Mistelfee und misst Zeltwände mit Blicken;
„Wo ist die ganze Seide, das Brokat, die Wandteppiche…?“ sagst du, verzweifelt, als wär’s dein Tod.
Ich bring dir, stolz wie ein Kater vor die Schwelle, ofidelische Schlangenhaut — fein, frisch gehäutet;
du sagst „Ach, tatsächlich! Vielen Dank“, und ich sag ganz schlicht: „Du hast da was!“ Es war nur Blut.

Du wischst es ab, unschuldig, als wischtest du Staub von den Sternen; die Wange bleibt rot.
Wir grinsen, so richtig und überhaupt nicht nett, wir sind Jungtiere, die ihre Krallen lieben lernen.
Du willst mich umgarnen als „Stammes-Gelehrten“; ich lache und sag dir, so sauber ich kann:
„Gelehrter? Nein! Gelehrig? Manchmal!“ Und außerdem: „Nicht Herr Bjornar. DER Bjornar genügt.“




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O Firlefanz von Fillefarz.png





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Wenn du dich konzentrierst, wird deine Stimme noch fiepsiger, und auch du verknotest Namen:
„Bringritz vom Thrymm’el’Track…“ Ich nicke, das ist Ynge!, und Missverstehen bedeutet Nähe.
Du beschautest alles neugierig, notierst es eifrig, ein Schreybselschlau bist auch du noch obendrein!
Und in einer winzigen Papierrolle faltest du die Ordnung der Dinge ins Chaos deiner Riesenrobe.

Dann räuberische Raptoren! Schürzendiebe! Cataleya will sie rösten; wir beide ... eher nicht.
„Im Gebüsch halt stecken sie“, sagst du; „Richtung Wald dort hinten“. Und ich: „Dann schauen wir.“
Wir ziehen Schlingen, graben Fallgruben-Netze im Sandesstrand, mehr List als des Namenlosen Feuer,
weil Bändigen schöner ist als Asche, und Fangen mehr verspricht als der schnelle Bratenduft.

Und als der Minotaur kommt, wird das Lager ein Waffengeschrei; du verschwindest erst hinter mir,
„Das Böse ist gekommen, uns das Abenteuer zu vermiesen!“ und zack! und flitz! bist schon wieder vorn.
Ich schütte Rüstung und Plunder ins Licht, verhedder mich, brauch wieder ewig mit dem Hardpelz,
und lach dann doch, weil deine helfenden Finger an meinen Riemen filifizzeln: „Ay, wie sie kitzeln!“

Da rufst du, *fiepst* du, grell wie ein Falkenkücken, hell wie ein Honig-Stachel: „Auf in den Schmerz!
Ich stimm ein! Was ist ein Abenteuer ohne Schmerz? Glückskindern wie uns, ist er das Schönste!
Und was Schlimmeres kann auch nicht geschehen. Der Minotaur ist bereits gefallen, starb schmerzlos schnell!
In meinen Stiefelschnüren: ein Brezelknoten, wie er dir gefällt! Kam ich deswegen zu spät, vielleicht?

Yngvildrs Meisterschuss, Rashkas Wutschnabel, Marleens Macht. Sie redet schon wieder von Regeln und Gründen,
während Valleron zählt, wer noch steht und Tarabasch ist kaum staubig geworden.
Und du, Firlefanz, stehst in deinem Fluchmantel, zu schlau für dich selbst, genau richtig für mich.
Deine Neugier hat bereits neue Geschichten erfunden, es gibt keine Pause für rasende Recken.

Und als du winktest und sagtest, als wär’s das Normalste der Welt im Blut und im Regen:
„Ich habe ein gutes Mittel gegen Verstopfungen!“, da wusste ich: Das ist unser Lied!
Zu viel Ernst gibt’s genug auf See und dem orpheanischen Eiland; wir sind der kleine Trotz dagegen,
Kekse, Krümel, Knoten, Schlangenhaut und ein Zauber, der ganze drei Tage hielt, trotzdem man Alben

NIEMALS

NICHT

TRAUEN

SOLLTE…



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Bjornar
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Unsterbig

Beitrag von Bjornar »


Er hatte nie einen Gedanken an seinen Vater verschwendet. Warum auch? Da war kein Herzholz, keine Singstimme, da war rein gar nichts, dass er von ihm hatte, außer den Samen seines Lebens, vielleicht. Der Vater war ein guter Mann gewesen, oder Bär oder Bärserker, was auch immer, davon war er überzeugt, tief in seinem Innersten, irgendwo, ohne dass er viel darüber nachdachte. Warum sollte er jetzt damit anfangen? Der Vater war Othala, hatte Segimer ihm geweissagt, das große Loch an seinem Anfang, dass für immer offen bleiben sollte und ohne dass er niemals mit Gewissheit seinen Pfadweg finden konnte.

Das kümmerte ihn wenig, gab es doch so viele Wege und Abenteuer zu erleben und diese verregnete Abenteuerinsel war einer davon, einfach großartig! Sein Pelz und seine Sachen waren bald bis auf die Haut durchnässt, doch dass stört einen dicken Bären nicht, denn wenn sich der fettige Unterpelz einmal vollgesogen hatte, so blieb auch der schön warm und mollig. Mochte das Triefwasser anderen die Laune verderben!

So erkundete er denn die Insel, allein oder in Begleitung der wunderbar schaurigen Truppe von Sorummern und dem treuen Stamm der Trymm’takk. Das war von Anfang an alles gar nicht so übel, drachenreitend auf dem Schiff – Grimlas Schwinge, den Namen hatte er in Schwerstarbeit erträumt! – und später auf dem Strandlager und es würde großartig enden!

Da waren nun also alle Freunde, Feinde, Schreckgestalten mit IHM eingesperrt, im Schiff, am Strand, auf der Insel. Keine und keiner konnte fliehen vor seinen bärischen Torheiten und er würde sich schon in die Herzen auch derer einbrummen, die er noch nicht kannte, wie er das immer tat.
Bei vielen war ihm das schon längst gelungen; Valleron war einfach und klar und zuverlässig, wie immer, Cataleya wahnsinnig und auf eine neue, noch größere Art von ihrem Glauben besessen, Rorek effizient, Aanatus hatte nur Augen für die winzige Sorsha und die anderen, die würden ihn schon noch kennenlernen! Er bedauerte etwas, das Alleya nicht dabei war und Hednar, wo war der überhaupt abgeblieben? Ihn faszinierte zum Beispiel noch diese verrückte Hühnerdämonin Marleen, einmal hatte er sie zum Lachen gebracht, zum echten Lachen, nicht zum irren. Das fand er gut, diesem Hühnerfuss musste er noch nahe kommen, im rechten Moment, wenn sie von der passenden Form des Wahnsinns befallen war. Auch dafür würde es viel Zeit geben.
Nur wenn der grimmige Imperator aus seiner Kajüte kam, dann wurde ihm die Weile lang, nicht wegen der unverständlichen und äußerst hochtrabenden Worte, die er ausdünstete, sondern weil alle Sorummer in dessen Gegenwart sich Stöcke tief in den Arsch schoben, bis zum Anschlag, und ihre sonst so schlauen Köpfe und lustigen Wesen ausschalteten und zur seelenlosen Schafsherde wurden.
Auf eine gewisse Art jedoch musste er diesem verdammten Aggronuss auch dankbar sein, denn ohne ihn wären die Sorummer nie im Stande gewesen, so eine lustige Schiffsreise überhaupt auf die Reihe zu kriegen, es fehlte ihnen einfach der Gemeinsinn dafür. Irgendwie ging es auch auf dieser Reise überhaupt nur um den unheiligen Wichtigtuer selbst und dessen wie auch immer leuchtenden Bruder auf Seiten der Sonngärtner.
Ach, ein wie viel besserer Anführer war doch sein geliebter Jothar Rashka! Wie viel bessere Götter waren doch seine verstritte Ahnensippe, die da oben hockten, soffen und sich von seinen Abenteuern unterhalten ließen, sich nichts vom Sarmatijasch sagen ließen – egal was Tarabasch glaubte. Die ihm ab und zu in den Arsch traten und immerzu das Leben retteten, damit er weiter für sie hier unten putzig und unterhaltsam sein konnte.

Die meiste Aufmerksamkeit widmete er dann doch den finsteren Alben, weil die sich hier nicht verkriechen konnten. Er war nun einmal leicht zu verzaubern. Unter denen war Belszerion, die schöne Schneiderin. Er hatte ein Geschäft mit ihr gemacht, ihm war nicht ganz klar, welcher Art. Doch hatte sie ihn sofort beeindruckt, damals, oben im Norden mit ihren hohen Stiefeln, steifgefrorenen Nippelchen, keck unter so einem hauchfeinen Tüddelkleid, sie war einfach die geschmackvollste aller Alben! Man konnte ohne weiteres mit ihr auskommmen.
Sie würde so ein flattriges Kleidchen und solche Stiefel machen für Freyja! Das wäre ein weiteres Hochzeitsgeschenk auf den großen Batzen seiner Beute für das bald reichste und schönste Sängerweib des Nordens! Er freute sich schon, Freyja darin zu sehen und ihr dann, später, den dünnen Stoff vom Leib zu fetzen. Das alles, nach der Reise, wenn sie zurück waren und wenn der Frühling kam, denn dann würden sie Hochzeit halten, er und sein Immerfrühling, so war es versprochen. Der Jothar hatte seinen Segen geben und der Stamm fieberte dem rauschendsten und heitersten und unvergesslichsten Fest bereits entgegen! Er war fest entschlossen, sich von den Alben entführen zu lassen am Tag seiner Hochzeit und Freyja, seine Freyja würde ihn retten müssen! Bjornar bedauerte sehr, dass Freyja recht unpässlich war die meiste Zeit auf der Reise, weil sie die See nicht vertrug, und auch nicht den vielen Met, den Ynge ihr ständig anbot. Dabei war sie doch die einzige Sängerin auf Seiten der Chaoshorde und es war an ihr, das ruhmreiche Lied seiner Abenteuer zu singen!

So aber hatte er viel Zeit mit der besten Albe der Welt, der kleinen Firlefanz herumzualbern und dabei die Insel zu entdecken. Sie hatten sofort ein Gespür füreinander und teilten unter anderem die Liebe zu den tierischen Bewohnern der Insel. Da waren welche, die er so noch nie gesehen, gerochen und gekostet hatte. Stechkrabben waren zahlreich am Strand und äußerst lecker, wenn man ihnen den Stachel ausriss, bevor man sie über dem Feuer brutzelte, bis das Fleisch knackend aus dem Panzer hervorsprang. Auch Fische waren reich und bunt und schmackhaft. Die Vögel hier waren doof und heiser, kreischten und zischten nur, anstatt zu singen. Am spannendsten waren die Schürzendiebe und die Feuerspucker sowie die Schlingschlangen.
Kein Wunder, auf der Schlangeninsel gab es viele Echsen – er war in ein Land der Zwergdrachen geraten! Hier witterte er seine Gelegenheit, denn eines Tages würde er der erste Drachenbändiger der Neuen Welt sein, das war ihm klar, aller-allerspätestens seit Rou ihm das Lied vom Drachen von Arn vorgesungen hatte. Hier auf der Insel konnte er anfangen und üben, denn die kleinen Echsen waren leicht zu fangen, und schwer zu bändigen, aber er machte Fortschritte. Es gelang ihm, einen Spucker und einen Schürzendieb – diese Laufdrachen, die Kleidungsstücke raubten! – einzufangen. Cataleya, die ebenso wie die Trymm’takk insgesamt eine weiche Seite für Firlefanz hatte, baute ein Gehege für die kleine Albenfee und Bjornar fütterte die Wesen mit jeder Art von Fleisch, dass er auf der Insel finden konnte.


Unsterbig_Bjornar und die Echsen.png


Dann geschah das Wunderbarste. Er hatte einen wirklich schönen Ort entdeckt, verborgen hinter Gebüsch und über den Klippen hin zum Sonnenuntergang. Da standen zwei versteinerte, wohlgekleidete Ophidianer, ganz friedlich voreinander und verströmten Ruhe, für immer eingefroren in einem heiligen Ritual um ein Wasserbecken. Sehr hübsch der Ort, jedem Druiden hätte er gefallen. Gern betrachtete er die steinernen Schlangen, denn es bedeutete, dass er recht hatte – auch bei den Ophidianern gibt, oder gab, es solche und solche. Nicht alle oder immer waren diese Schlangenwesen Monster gewesen. An diesem Ort traf er unverhofft auf Firlefanz, die hatte – natürlich – auch die Schönheit erkannt, es war ihr Lieblingsort auf der Insel, und hier hatte sie etwas wunderbares vollbracht. Sein Feuerspucker hatte nämlich in der Gefangenschaft im Lager Eier gelegt! Und sie hatte sie hier vergraben und wollte sie ihm jetzt zeigen, doch als sie das Gelege mit ihren Flinkfingern ausbuddelte, siehe da, waren die kleinen Feuerspuckechsen bereits geschlüpft! Welch Gelächter und Gewusel folgte nun, welch trauriger und lustiger Momente war dieses Geschlüpfe! Traurig, weil einer seiner Rattenfreunde, Knupr oder Knuspr, er wusste nicht mehr welcher, ratzfatz so einem Echsenbaby den garaus machte und es zu verspeisen begann.

Unsterbig_Echsengelege.png


Jedenfalls nahm Bjornar schließlich die Schlüpflinge behutsam und vertrauensvoll in seine Obhut – Firlefanz, war zurecht überzeugt, dass Bjornar der beste Drachenvater überhaupt werden würde – und er nahm die kleinen Kriecher gern mit zu sich ins Zelt. Er würde sie nach Hause bringen und in Fjellgat großziehen, dann würde das Haus von Bjornar und Freyja berühmt wegen des Gesanges und der Drachen. Mit den kleinen konnte er jetzt schon üben, ein Drachenbändiger zu sein. Wie später jeder im Sorum-Lager an Haldrons zornigem Gebrüll mitbekam, war es nicht zur Freude des Schamanen, dass die kleinen Echsen von nun an auch durch das Stammeszelt am Strand wuselten. Dort war es bereits sehr kuschelig, denn seltsamerweise hatten die riesigen Trymm’takk das kleinste aller Zelt erhalten, kleiner sogar als das der Alben. Einige zogen es deshalb oft vor, auf Grimlas Schwinge zu schlafen. Bjornar aber genoss das Gekuschel, was entstand, wenn die Riesen eng an eng im Zelt aneinander lagen. Ein echtes Rudel halt!

Einmal aber, mitten in der Nacht, war ihm das Ganze dann doch zu stickig, vor allem weil Tarabaschs fetter Arsch beständig auf seinem Gesicht lag und er Not hatte zu atmen. Also kroch er aus dem Zelt und fand im Lager von Suroms „Heerführern“ nebenan noch Cataleya wach und alleine vor. Sie hatte ihn eingeladen, wenn er mal reden wolle, zu ihr zu kommen. Und wie sie redeten diese lange Nacht! Es war ja einiges Geschehen zwischen den beiden. Hier auf der Insel, fern von allem, und ständig auf der Jagd nach den kreuzgefährlichen Ophidianern, da war nun in der Tiefe der Nacht der Moment, dass sie einander wirklich kennenlernen sollten. Das schmerz- und schicksalshafte Band, dass sie seit jeher aneinander fesselte, saß locker in jener Stunde und Bjornar erlebte etwas, von dem er immer wusste, dass es er es finden würde: eine Cataleya, die echt war und hinter all dem Blut und Wahn und Todesrittertum, fand er… zumindest ein sehr süßes Näschen. „So, wie wir jetzt miteinander reden, so werde ich nie wieder mit dir sprechen.“ Das war einer der hochtrabenden Sätze, die sie in jener Nacht sagte. Da waren auch andere, einfachere, menschlichere. Aber als sie diesen Satz sagte, wusste sie nicht, dass sie gerade zum ersten und einzigen Mal im Leben genau richtig gelegen hatte, was Bjornar anging.

Unsterbig_Bjornar und Cata.png


Am nächsten Tag untersuchte Bjornar die Höhle der kranken und verseuchten Ophidianer, die Tyra ausgekundschaftet hatte; unterwegs war er mit Firlefanz, seiner Glücksalbe, weil die sich gut mit Abführmitteln auskannte. (Oh wie sehr wünschte er sie sich als Hausgeist, mit Freyja, und den vielen Drachen und den Kindern.) Gemeinsam versuchten sie den Grund für das Leiden der Ophidianer herauszufinden. Aber die kranken Schlangen waren schwierige und widerspenstige Patienten. Selbst festgenagelt starben sie lieber, als Still zu halten. Das musste Bjornar anerkennen. Der Rettungsversuch endete darin, dass Bjornar Gwendolyn und Joseph durch die stinkende Höhle, durch das Siechenlager, gar den Abort der Ophidianer, schleifte. Doch auch Gewndolyns immense Heilkunde war ratlos vor dem Unheil das diese Schlangenwesen befallen hatte und Bjornar war recht betrübt, wusste er doch, dass die nicht immer so garstig gewesen waren.

Das Hauptgeschäft auf der Insel, war also dem irren Imperator nachzurennen auf der Suche nach Dämonen aus dessen Vergangenheit und dabei zuzusehen, wie der die Sorummer ansteckte mit sein Wahn und sie sichtlich ins Verderben führte. Das Ergebnis war zunächst ein lustiges Jagen, an der Seite seines Stammes, die Schlachtreihen und Schilde hielten stand, auch wenn die Ophidianer zähe Gegner waren. Am Ende waren sie harmlos, geistlos und in den kleinen Grüppchen der in unzähligen Jagden eingespielten Macht der Trymm’takk nicht gewachsen. Stück für Stück wurde die Insel befreit. Bjornar hatte auch die Gelegenheit einmal den Trupp der Sorummer zu jener Frau, die er das Schlangenhaar nannte, zu führen. Auch die wurde erlegt, hierbei tat er sich durchaus hervor, aber Valleron war schneller, den Schlangenfrauenkopf nahm er. Der hätte sich gut als Trophäe am Giebel seines Hauses in Fjellgat gemacht – und eigentlich brannte Bjornar nur darauf, ihre Geschichte zu erfahren. Da steckte sicher so viel dahinter! So war sie bloß eine weitere Leiche auf dem Weg der Horde und es blieb ihm immerhin, die Standarte der Trymm’takk aufzustellen, am Ort des Triumphes über diese schaurig schönen Feindin.

Schaurig schön war es auch, als die gesamte Truppe eine Vision ihres eigenen Unterganges erlebte. Sie waren von der Macht des Zaron, Zirkon, Divilzion – oder was auch immer – in eine brennende Stadt geträumt worden, die Surom ganz ähnlich sah. Die Kathedrale des Namenlosen brannte da? Den Barbaren jedenfalls erzählte niemand, was die Geschichte dieses Ortes war, nicht mal der Sjaman verstand, was hier vorging und Bjornar schon gar nicht. Die Erlebnisse auf der Insel fühlten sich an, als würde der Imperator seine dumme Herde zur Schlachtbank führen. So war auch die Traumvision ein schönes Gemetzel, da waren sie allesamt versammelt und sahen wie sie gemeinsam verschiedene Tode starben. Verwirrung und Entsetzen war groß unter den Sorummern und Alben und all jenen, die an ihrem Leben hingen. Also wohl allen, außer den stolzen Kriegern der Trymms! Bjornar suchte und suchte und fand den Kadaver von Freyja, wie schön der war! Dahingeschlachtet, geschändet und gefoltert! Tausend Geschichten wert! In der Nähe der Rest des Stammes, sogar der Blodeik Skjold lag da, gespalten! Bis zuletzt hatte der Skilt ihn hochgehalten, so wie es sein sollte! Sein Bärenherz brummte vor stolz und als er sich selbst fand, dahingemetzelt, mal verbrannt, mal gemeuchelt, oder gevierteilt, immer aber mit dem unzerstörbaren Trotz eines Kriegers im Gesicht, der sein Ende nicht hinnimmt sondern bis zum Schluss streitet und glorreich untergeht! Da wallte ihm die Brust über, das war ihm der schönste Anblick.


unsterbig_Todesvision.png


Eigentlich wusste er nämlich, dass er schicksalhaft „unsterbig“ war, dazu verdammt, die Ahnen weiter und weiter zu amüsieren, die ließen ihn nicht so leicht von der Angel! Auch die anderen „Mächte“ nicht. Das war ihm klar geworden, spätestens als er erfuhr, dass selbst sein Todfeind Jaster, der Lebensfeind, der Hirschmörder, dass selbst die Besessene Cataleya nicht in der Lage waren, ihn zu töten. Immer war da wer, der Stamm, die Tierbrüder, ein Freund oder eine Freundliche, selbst die Spinnengöttin und der Namenlose, der Herr mit seinen Engeln und Druidenmacht, notfalls die Ahnen selbst und immer Kovarkarhu… sie alle hielten ein Auge auf ihn und wollten ihn nicht sterben lassen! Egal was geschah, irgendein Schicksal oder Gottgeistahne würde immer auf ihn aufpassen. Wie, wie also sollte er je an die Tafel treten?
Er war noch dreister und unausstehlicher geworden, seitdem ihm dieses Licht aufging, seit Jaster ihn mit größter heiliger Macht nicht gehen ließ, nachdem Cataleya ihn erst erschlug und dann doch dem Ignas befahl, ihn zu verarzten. Deshalb also war der Anblick seines und Freyjas geschundener Körper ihm das Schönste. Deshalb ging er von da an mit noch größerem Schwingschritt und größerem Lachen über die Insel. Ein echtes, wirkliches Abenteuer wartete hier! Nur wenige hätten das verstehen können – ihnen voran seine Wahlschwester Rou und Tarabasch, mit denen er diese Überzeugung seiner eigenen „Unsterbigkeit“ geteilt hatte. Aber Rou war – wiedermal – woanders und Tarabasch meinte, er hätte diese Flausen ihm schon ausgetrieben. Unvorsichtig war Bjornar seit eh und jeh.

Auf der Schlangeninsel gab es noch ein größeres Wunder: Bjornars Weg zu den Drachen lag hier! Ganz nah beim Lager des Chaos gab es eine Höhle, in der Dracheneier fein säuberlich standen, ein prächtiges Nest. Dahin ging er nach der Todesvision mit Freyja und er erzählt ihr, was alles so los gewesen war und vor allem, dass er diese Eier – und wenn es nur eins davon wäre! – bergen würde und ebenfalls mit nach Fjellgat bringen würde. Auch das wäre auszubrüten und dann würden sie beide bald einen ruhmreichen Hausdrachen zum Kind und Freund haben! Witzeleien über Hausdrachen und deren Folgen lagen zwischen den beiden und dann auch etwas Eifersucht, hauptsächlich ob Bjornars doch übergroßer Vertrautheit und Begeisterung von den Schlachtfrauen des Chaos – die Namen Cataleya und Firlefanz vielen einfach zu oft in seiner Erzählung. Doch bald, lag gar nichts mehr zwischen den beiden, den wer oder was konnte auch nur im Ansatz seiner Freyja das Wasser reichen? Seinem Herzgesang, seinem Frühlingsduft, seiner Singstimme? Sie bauten sich ein feuchtes Nest zwischen den Dracheneiern und verbrachten die Nacht darin, glücklich, warm, zärtlich und schauten hoffnungsvoll in ihre gemeinsame Zukunft, denn was sollte so einem gesegneten Heldenpaar schon wiederfahren? Gemeinsam, bis zum glorreichen Ende! Naja, oder bis die Kinder kamen. Wobei sie sich für letzteres alle Mühe gaben. Mannaz, der Mensch mehre die Erde. Das hatte doch Segimer gesagt? Bjornar lächelt und wacht über Freyjas Schlaf.


Unsterbig_Freyja und Bjornar im Echsennest.png


Am nächsten Tag da war der Höhepunkt des Abenteuers auf der Insel: Bjornar sah einen gebändigten Raptoren im Heerlager! Der Stand genau vor dem Zelt der Anführer, die gerade Reden schwingen wollten. War das sein Schürzenjäger-Raptor!? Rot war er geworden und irgendwie… ausgewachsen. Mit Reitzeug gar? Just wollten Aggronium und Hühnerfuss Marlene eine weitere düstere Ansprache halten, sich in den Hasswortwahn hineingeifern… Als ob das nötig wäre, um echte Krieger auf die Schlacht vorzubereiten! Das brauchten eben die doofe Herde an Gläubigen, die mächtig beeindruckt waren. Bjornar aber hatte nur Augen für das fabelhafte Tier, sollten sie doch palavern. Er wurde prompt davongejagt und fand im Gatter seinen Schürzendieb, ganz ähnlich, aber nicht über Nacht erwachsen geworden, auch nicht feurigrot. Der Raptor vor dem Zelt gehörte einem Sorummer! Irgendwer unter denen verstand sich darauf, diese Tiere zu bändigen! Diese Person, die würde er zum Freund und Lehrmeister gewinnen, das war mal klar! Doch als die Rede zuende war, da war das stolze Tier nirgends mehr zu sehen. Später, dachte er. Er schloss sich seinem Stamm an, ein paar Methörner mit Ynge teilend und scherzend.

Dann begann sie auch schon, die große Schlacht, man lief dem Imperator nach, metzelte sich gekonnt hindurch durch die Schlangenkörper, hinunter in den Bauch der Insel, dort war dann ein tiefes, tiefes Loch und da waren auch die Sonnengärtner mit ihrem Heiligen Zwilling vom düsteren Imperator da. Es war ein Drachentempel! Prächtig war der Altar. Davor stand auch die rote Schlange, Zirkelon war sein Name? Saurion? Es wurde geredet und die beiden Heerführer befahlen ausnahmsweise einmal, dass nun Sorummer und Sonngärtner stille halten sollten und nicht übereinander herzufallen hätten. Dann flehte die Schlange Zirkelon um Gnade, und wollte ein Ende haben. Ja, das Verstand Bjornar. Der da wollte erlöst werden von seinem Draugr-Schicksal als Wiedergänger, er wollte nicht mehr die traurigen Leichen seines Volkes befehligen und in der seelenlosen Niederhölle schmoren, am Schicksal dieser Zwei da angekettet. Doch wie enttäuscht war Bjornar, als der Rote seine Erlösung wehrlos in Empfang nahm, sich freudig und ergeben den Kopf abschlagen lies! Pfui Spinne, was für eine Schande was für ein elendiger Wicht! Das Ende hinzunehmen, einfach so, geradezu darum zu flehen. Das war das Widerlichste, was er jemals sah! So ein jämmerlicher Wurm will Drachensohn gewesen sein?

Nun ging es zur Sache und Lichtbruder und Schattenbruder schlugen aufeinander ein. Da gabs was zu sehen und Bjornar ging näher und näher, beinahe fiel er in das bodenlose Loch vor dem Altar, doch der Stamm riss ihn zurück, allen voran Tyra und der Rashka. Das war ärgerlich, weil er nun nichts mehr sah vom gewaltigen Zweikampf des Heldenpaares, aber es war auch nicht überraschend – natürlich war da immer wer, der ihn rettete. Der Stamm vor allen, seine Brüder und Schwestern.
Das war das beste aller Gefühle.

Es wurde noch wilder und eine Götterstimme dröhnte aus dem Loch, so schrecklich, so unverständlich und jenseitig, dass alle, die nicht Willensstark waren keuchten und jammerten und der Ohnmacht nahe waren. Und wer wohl ist der Willensschwächste von ihnen allen? Natürlich DER Bjornar, wer sonst! Ihm vergingen glatt die Sinne. Nur in einem ist er Willensstark und das hatte ihn die Liebe gelehrt: Darin nämlich, nicht sich selbst zu verlieren. So einer kleinen Ohnmacht, einem Götterschrecken, dem hatte er wahrlich nichts entgegenzusetzen! Auch unterschied es sich doch nicht wesentlich von seinem normalen Geisteszustand.

Wer weiß, wie lange später, es kann nicht lang gewesen sein, da wurde er vom Jothar auf die Beine gezerrt. Ein Kampf lag in der Luft? Gegen wen ging es nun? Er griff nach seinen Waffen, da waren Sonngärtner Wüstenritter im Scharmützel mit den Wächtern. War es dass? Alles wieder beim Alten? Nein, die flohen kopflos. Licht und Schattenbruder waren verschwunden.
Bjornar wanderte noch immer benommen hin und her während der Schlangentempel bebte und zischte. Es war nicht vorbei? Das Volk des Zaurion war nicht erlöst, trotz seines Opfers? Verräterische Götter, typisch! Zu Schaaren erhoben sich die Ophidianer und panisch flohen die Sorummer, die letzten Rester der Solgardiner, die Nebehalvner um seine listige Wahlschwester waren schon längst davon.

Und wie sich diese Schlangenwiedergänger erhoben! Der Jothar, schon weit weg, kaum zu sehen unter Wurmgeleib, befahl den Rückzug, Tarabasch wehrte mit dem Blodeik Skjold die scharfen Wurfmesser der Ophidianer, schützte den Stamm. Bjornar war weit zurück, mitten unter dem Feind und konnte sehen, zu welchen Massen die Leiber aus der finstren Grube sich erhoben. Etwas traf ihn und er taumelte, die Schlangen schossen auf ihn zu, an ihm vorbei. Den Freunden hinterher. Vor ihm lag ein schmales Tor, und als er es erreichte, blieb er stehen, drehte sich um, griff Tarabaschs Schild fest und nahm seinen Speer. Den Schild hatte er vom Schlachtenbruder geschenkt bekommen, als dieser den Segensschild des Stammes von den Geistern erhielt. Es war das alte, trutzige, kampferprobte Ding, dass den größten Recken seines Stammes, seinen stolzen Freund, unbeirrbar auf seinem sicheren Pfad begleitet hatte. Er hatte Drachenfeuer widerstanden und Zweikämpfe mit Helden und Monstern. Er war der kleine Schutz des Stammes und er, Bjornar, trug ihn jetzt. Die Runen auf Tarabaschs Schild lauteten: Letzte Verteidigung!

„Lauft, Freunde, Brüder! Ich halte sie auf!“ rief er in die Dunkelheit der Höhle, die aus dem bebenden Tempel führten. Alles hier würde einstürzen. Wenn er nur lang genug stand hielt, dass die Horde des auferstandenen Schlangenvolkes hier begraben bliebe. Die Stelle war gut. Der Tag war gut!
„For Trymmt’akk“ rief er und sein Ruf verging unter dem Beben und Gezischel rings umher.

Trymm’takk, Tiwaz. Des Kriegers Opfer, schießt ihm Segimers Orakel der drei Weiber durch den Kopf. Seine dritte Rune.
Lang genug! Nur lang genug. Er hielt den Schild nach vorn, versperrte den Weg mit seinem Riesenleib. Machte sich groß, den Torbogen des Drachentempels auszufüllen.

Jetzt bin ich ein Krieger.
Das der Stamm rauskommt.
Das sie Drachen bändigen.
Den Hirsch heilen.
Das meine Kinder leben können.

Ihm lag noch ihr besonderer Geruch in der Nase, von den Nächten am Julfest, von Freyja. Sie war doch fruchtbar gewesen in dieser Zeit? Und heute, heute war ihr wieder Übel gewesen, am Morgen, wie die letzten Tage der Reise auch. Welcher Tochter der See ist übel wohl, beim Ritt auf den Drachen? Welcher Schwester der Trymm’takk ist ganze fünf Tage übel, allein von Ynges gutem Met?

Er lachte ein schallendes Lachen, so wie nur DER Bjornar zu lachen vermag. Es war das Lachen des Lebens.

Dann stemmte er sich mit aller Macht gegen den Schild, gegen den Strom der Schlangenleiber und atmete ein, ruhig, wie Aanatus es ihm gelehrt hatte.


Unsterbig_Bjornars Last Stand.png


Dreimal tief EIN.
EIN..
EIN…

Zum ruhigen Ausatmen kam er nicht mehr. Dieser letzte Atemzug brach sich den Weg als ein Schrei!
Wie sein Vater. Was auch immer es über ihn zu Wissen gab, gewiss war nur: Auch er war nicht sanft davongegangen, in jene gute Nacht.

Trotzdem, gerade weil er am Schluss schrie und brüllte, wie ein Vieh, hatte er sich nicht verloren.

Es schien ihm, dass vor ihm, über ihm, sich sein Brüllen verdoppelte, vervielfachte. Es johlten und tobten die Ahnen. Schlugen die überschäumenden Kelche auf den Tisch.
Was für ein Leben, was für ein Lied!
Willkommen zu Hause, kleiner Bär, brummte Kovakarhu.

Unten hingegen lag Stille über der Abenteuerinsel.

Später, würden die Weisen des Stammes, Segimer und Haldron der jungen Tarsnjor die Bedeutung der Runen noch einmmal erklären.
Othala Beginn, Mannaz Gemeinschaft, Tiwaz Opfer.
Die Runen lügen nie.
Tarsnjor würde bei dieser Lektion eine einzige Träne in den Schnee fallen lassen, so wie ihr Name es befahl.

Freyja aber?

Oh!
Arme Freyja!


Es war nun an ihr, ihn wahrhaftig und wirklich „unsterbig“ zu machen.




Saltatio Mortis
I Pray To The Hunter



ᚠᛁᚾ





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Bjornar hat einen Soundtrack. Wer mit ihm Spazieren gehen will, hier ist er. Ich empfehle einen sanft, rosigen Sonnenaufgang an einem eisigen Wintermorgen.

Für die Spotify - Junkies: Bjornar.



Andrey Vinogradov – Saga
Myrkur – Spine
Colm R. McGuinness – My Mother Told Me (In Old Norse)
Miracle Of Sound – Skal
The Bass Gang, Ekaterina Shelehova – If I Had a Heart
Bjorth – Vidar
JÚLÍA, Bjarki Ragnarsson – Móðir Ísland
Colm R. McGuinness – Claim Our Kill (Inspired by Warhammer 40k)
Bjorth, Noiduin – Svinfylking
Eivør – Trøllabundin
Corvus Corax – Sverker
Danheim – Ivar's Revenge (Danish Viking Music)
David García Díaz, Andy LaPlegua – River of Knives
AURORA – Nature Boy - Acoustic
OMNIA – I Don't Speak Human
Glum Aleks – Stormheart Jup. KI generiert. Leider geil.
Nightwish – While Your Lips Are Still Red - Theme from the Movie "Lieksa!"
Heldom – Myrkr
Eluveitie – Within the Grove
SKÁLD – Grótti
A Tergo Lupi – Hunt or be hunted Witcher 3 Cover
Aethyrien – Odensjakt, The Wild Hunt
The Skaldic Bard, Farya Faraji – Sons of Mars - Norse Version
The Skaldic Bard – Herr Mannelig (Old Norse)
The Skaldic Bard – Harald Hardrada - 2024 Remake
The Skaldic Bard – Brothers of the North Sea
SKÁLD – Elverhøy
Volfgang Twins – Berserker
Corvus Corax – Gjallarhorni
Volfgang Twins – BARBARIAN BLOOD
Saltatio Mortis – Pray To The Hunter - The Elder Scrolls Online
Brothers of Metal – Kaunaz Dagaz
Peyton Parrish, Saltatio Mortis – God of War
Týr – Ormurinn Langi


*
*
*


Ich gebe den Thread frei und würde mich über Ingame Posts von Figuren freuen, die hiervon irgendwie bewegt sind.
:metal: :) :metal:


*
*
*
Zuletzt geändert von Bjornar am 24 Jan 2026, 23:53, insgesamt 11-mal geändert.
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Tyra
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Re: Bjornar

Beitrag von Tyra »

Mitten in der Nacht schlich Tyra durch den Nebel hinab zum Lager von Nebelhafen.
Die Feuer brannten nur noch schwach am Lagerfeuer , doch ihre Schritte waren fest.
Als sie Rou, der Bürgervertreterin, gegenüberstand, brach es aus ihr heraus:

Bjornar dey Jung… er wurde überrollt.
Als vi in dey Schlangenhöhle käympften, rief er noch: ‚Freunde, lauft!‘ Jeg wollte eym mit mey ziehen aber die Schlangenmenschey sie rissen den Jung unter sich.
Vi sahen ihn ney mehr.
mussten raus, bevor sie us alley hatten.“

Stille lag über dem Lager.

Rou zögerte nicht lange und sprach mit barbarischen Worten. „Vi kommen mit eynem Suchtrupp meyt .“
Sie fragte alle im Lager ob sie sich betreidigen wollten

Und so zogen sie los:

Rou schwer gerüstet mit dem Bogen
Thyra, besaß auch einen Bogen
Pandor, der stärkste Kämpfer ihrer Reihen.
auch Ella war dabei gewesen
Josef, standhaft wie ein Fels.

Gwendolyn zog es vor lieber ihm Lager zu bleiben

Die Höhle verschlang sie wieder.
Alles wurde gründlich abgesucht , die Kerkergänge , die Knochenhaufen wo die ganzen Toten lagen

Immer riefen sie seinen Namen

Bild

Sie kämpften sich vorwärts durch endlose Gänge, vorbei an zerborstenen Knochen und schwarzem Gestein.

Bild


Obsidianer stürzten aus den Schatten, ihre Augen glühten.
Stahl traf Stein, Pfeile sirrten, laute Schreie

Dann kam der Skelettdrache um die Ecke er hatte sie entdeckt .

Bild

Seine Knochen knackten wie alter Frost , sein Atem war Tod und dampfte aus seinen Nasenlöchern .
Sie hielten ganz lange stand verwundet, erschöpft, aber lebend.

Immer wieder rief Tyra Bjornars Namen in die Finsternis.

Jung wo bist dey denn *brüllte sie laut in die Dunkelheit der Höhle hinein

Doch sie fand ihn nicht.

Zu viele Feinde.
Zu wenig Kraft.


Schwer geschwächt mussten sie umkehren, Tyra bedankte sich entkräftet bei Ihnen und versprach ihren Einsatz dem Jothar mitzuteilen
der Trupp aus Nebelhafen ging ins Lager zurück auch völlig geschwächt .

Die Suche wurde auf den nächsten Tag vertagt mit Verstärkung.

Traurig schlurfte sie zurück ins Lager blutverschmiert und verzweifelt sackte sie neben ihrem Mann zusammen auf dem Schiff der Grimlars Schwinge .

Ihr Blick war Richtung Himmel gerichtet leer , Tränen rinnen der doch so starken Hünin über das Gesicht und wütend meinte sie zu sich selbst .

Jeg klopp eym dey Zäyne weych , wenn dey mey über dey Weyg läuft , das schwöyr jeg bey dey Ahn

hob noch einmal ihr Methorn und trank einen grossen Schluck daraus .

Morjen geht es endley heym nach Fjelgat *murmelte sie traurig
und mit dieser Traurigkeit schlief sie in den Armen Ragnars ein
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Tarabasch
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Re: Bjornar

Beitrag von Tarabasch »

Stille – Versagen – Unsterblichkeit

Es ward still geworden an Deck von Grimlas Schwinge. Es ward still geworden im Lager und dem Zelt der Barbaren. Es ward still geworden auf der Insel.

Eine Stimme fehlte. Und ihr Vermissen war lauter als das Urgebrüll des goldenen Bären selbst. Eine Stimme die ihn all zu oft zur Weißglut gebracht hatte, ihm aber jene Geduld gelehrt hat, den Träger der Stimme nicht an Ort und Stelle mit bloßen Händen zu erwürgen.
Gesprochen in wirren Sätzen, welche ihm, mit stolz vorgetragenem Unsinn und Ungehorsam, neue Sichtweisen eröffneten. Die Stimme eines Schützlings, eines Waffenbruders, eines Freundes…

Tarabasch, der stolze Werager Thrymm’tracks, Berserker und Skilt des Stammes, hatte sein Gesicht in eine seiner groben Pranken vergraben und saß schweigend und verwundet, auf einer der Ruderbänke. Gepeinigt von einer üblen Befürchtung, einer bösen Vorahnung.

Als sie am Vorabend von der finalen Schlacht zurückgekommen waren, und Chaos und Wut der Gewissheit wichen, hatte ihn die Meldung wie ein Schlag getroffen.

Der „Jung“ war nicht zurückgekehrt, er war nicht unter den Barbaren des Thrymm’tack, er stand nicht dümmlich grinsend und quasselnd vor ihm, wie es sonst der Fall gewesen wäre.

Da kam kein aufmunterndes
„Tara! Hast veldig bra gerauft, bist ein Hiebmeister, Schmerzverteiler, Schildheld!“
kein freundschaftliches Klopfen auf die Schultern, kein treuer, einfältiger Blick.

Der Skilt war außer sich, der Bär in ihm brüllte fordernd und gequält nach seinem kleinen Bruder und war im Begriff entfesselt zu werden.
Der Berserker ergriff seine Streitaxt und stürmte zurück an jenen Ort, wo er Bjornar das letzte Mal gesehen und seine Stimme vernommen hatte.

Doch es war kein durchkommen möglich, nicht alleine, nicht für ihn, er musste weichen, sich erneut besiegt zurück ziehen.

Der Johtar hatte den Befehl erteilt, dass sich der Stamm von der geschlagenen Schlacht ausruhen sollte, um wieder zu Kräften kommen. Erst dann sollte ein Suchtrupp entsandt werden.
Womöglich eine Entscheidung der Vernunft, aber keine mir der Tarabasch so einfach leben konnte und dennoch gab es da nichts was er hätte tun können, er hatte versagt.

Der Blodeik Skjold lag zu seinen Füßen, jener Schild den er trug um den Stamm zu beschützen, nicht nur den Johtar sondern einen jeden Einzelnen seiner Brüder und Schwestern.
Der Schild war stark und ungebrochen, doch der Seele des Skilt war eine tiefe Wunde geschlagen worden. Sie würde heilen, doch es würde eine Narbe bleiben. Diese Narbe und womöglich nur noch Erinnerungen.

Würde er die Stimme des gutmütigen Bruders jemals wieder vernehmen? Er würde sie vermissen, auf immerdar…

Dann plötzlich blickte der Skilt auf. Als ob jemand eine tröstende Hand auf seine Schultern legte, sah er hinaus auf das offene, grenzenlose Meer und ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen, er schüttelte den Kopf.

Ney myn Frend, wenn dey gefalln bist, dann sitzt dey schon bej den Ahnen, an der Tafel des Urfars, mit Met in der ejnen und ejnem prallen Wejb in der andren Hand. Og wyr hier untn im Rejch der Lebendn, wyr werdn dejne Heldntat besingen, dann bist dey unsterblich.
Og wenn myn Zejt gekommen is, dann werdn wyr uus wiedr sehn…


Bild
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Aanatus
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Abschied von Bjornar

Beitrag von Aanatus »

Am nächsten Morgen machte die Kunde im Lager der Suromer die Runde, dass Bjornar wohl während des Rückzuges im Kampf heldenhaft gefallen war. Man erzählte sich von einem Suchtrupp, der an den Wellen an Gegner gescheitert war, Bjornar oder was auch immer von ihm übriggeblieben war, zu bergen. Schuldbewusst lauschte Aanatus den morgendlichen Gerüchten, denn er war direkt nach dem nächtlichen Kampf schwerst gezeichnet von den Tagen auf dieser verfluchten Insel in sein Bettlager gefallen. Nicht mal aus seiner Rüstung hatte er sich geschält...totmüde und kraftlos hatten ihn die ersten Schlafstunden seit Tagen gefangen gehalten. Verpasst hatte er den Rettungsversuch - dafür gab es keine Ausrede. Er schlich noch einmal im Morgengrauen ins Zelt zurück, wo Sorsha noch schlief, auch unruhig und noch blasser als sonst, und auch die anderen Zirkelmitglieder noch im Bettlager verweilten.


Voller Trübsal nahm Aanatus seinen Bogen und seinen Köcher, legte den Waffengurt an und stapfte im Halbdunkel des Morgens davon. Am Steinkreis angekommen hielt er inne und atmete lange ein und aus. Inmitten der Szenerie der mächtigen Steine erinnerte er sich daran, als er Tarabasch damals am Steinkreis der Heimatinsel angetroffen hatte. Blutverschmiert. Wild dreinblickend. Als er von dem Ritual der Berserker vernahm, der Prüfungen, die die wilden Kämpfer vor ihrem Gott und all den Ahnen abzuleisten hatten. Und wie selbiger Tarabasch später zu ihm kam, und erfragte, ob er diesen großen, ungezogenen, aber doch so großherzigen, Lümmel namens Bjornar unterstützen könnte, eben diesen Weg gehen und bestehen zu können. Kurz lächelte Aanatus mit traurigen Augen bei dieser Erinnerung. Als er damals dachte, er würde Bjornar Vernunft im Kampfe beibringen müssen, damit dieser eines dieser schrecklichen Monster besiegen konnte. Und als es dann jedoch darum ging, dem Jungen einen Hauch von Vernunft in die Rübe zu bringen. Ein großer Kampf. Ein verzweifelter Kampf. Aanatus musste mit gequältem Gesicht auflachen, als er sich erinnerte, wie jedes lehrende Wort aus seinem Mund in den Ohren Bjornars angekommen war, in dessen Kopf - viel zu schnell - verarbeitet wurde und dann Bjornars Mund wieder verlassen hatte: Umgewandelt in einen Kauderwelsch, einen Buchstabensalat, einen semantischen Wahnsinn...gepaart mit Taten, fernab jeglicher Vernunft. Auch entsann sich Aanatus dessen, dass er schon am ersten Tag der "Unterweisung" die Idee über Bord geworfen hatte, zusammen mit Bjornar die Insel zu bereisen, um so für ihn Erfahrungen zu sammeln. Analytisch kalkulierend, eines einstigen Expeditionsleiters gleich, hatte er die Chance, dass bei diesem Versuch beide zu Tode kommen, als zu hoch eingeschätzt und alle gemeinsamen Exkursionen abgesagt. Das Schmunzeln der Handwerksbundler hatte er jetzt noch in Erinnerung, die kurz davor waren, Wetten abzuschließen, wie schnell und wie sehr dieses Duo gemeinsam in die nächstbeste Sch**** treten werden. Ein bald schon ausgesprochener Stadtbann, den Bjornar in Nebelhafen kassierte, bestätigte dies.

Aanatus beließ es bei sichereren Wegen: Zum Beispiel, als er Bjornar beizubringen versuchte, zuerst zu denken und dann erst zu reden: Einatmen. Ausatmen. Und wie Bjornar Aanatus beibrachte, nicht vorschnell zu urteilen und schon gar nicht vorschnell aufzugeben.


Wie sehr sich Aanatus nun in diesem Moment wünschte, diesen seltsamen Riesen vor sich stehen zu haben. Er mochte ihn. Er mochte ihn wirklich. Er mochte ihn so, dass Bjornar der Grund dafür war, dass Aanatus ein einziges Mal eine Bitte von Tarabasch abgeschlagen hatte, als Tarabasch ihm in Fjellgat sagte, er solle Bjornar wegen einer Ungezogenheit körperlich züchtigen. Das konnte Aanatus nicht - so oft es auch in seinem ganzen Körper gekribbelt hatte, als ihn die "Dumpfbacke", wie Aanatus den Grobschlächtigen manchmal im Spaß nannte, zur Weißglut getrieben hatte.  

Nun stand er im Steinkreis und trat einen Schritt in Richtung des Eingangs. War es das Schuldbewusstsein oder belog er sich selbst, was erwartete er sich? Dass ein Trupp fähiger Krieger etwa Bjornar "übersehen" hatte? Und er allein...er würde ihn finden und davor Horden dieser Ophidianer töten? Dennoch trat er in die Höhle hinein, geduckt, Stufe für Stufe die Dunkelheit als seinen Schutz verwendend. Erinnerungen an den gestrigen Kampf wurden wach. Der Knall eines Explosionstrankes. Das Losstürmen der Barbaren und einzelner Wächter gegen die Solgarder. Er selbst flankierte diese Bewegung, sich zwischen Sorsha und dem abrückenden Solgarder Tross positionierend. Dann Ophidianer von allen Seiten. Die Jäger wurden zu Gejagten. Er rannte zurück, holte Sorsha, zog die Geschwächte, vom Kampfausgang der Gottgleichen immer noch Schockierte, mit sich.

Wo war der Lümmel denn da gewesen - zu weit weg von seinem Jothar? Wieder seltsame Dinge denkend, sagend, tuend? Wie schon vorher, als er gefährlich nahe an diesem gemauerten Loch dieser Todeshöhle gestanden war?  Oder verschaffte er denen, die noch lebten, Zeit - um eben entkommen zu können? 

"Er hatte doch Zeit - wie wir - um auch zu laufen", murmelte Aanatus und seine Stimme verhallte leise in der ersten Höhle. Vielleicht belog er sich damit. Vielleicht hatten sie sich selbst die Zeit genommen, als sie sich der Jagd nach Solgardern hingaben. Vielleicht...vielleicht...In Verzweiflung und Wut, mehr über sich selbst, entkam ihm ein Brüllen.

"DUMPFBACKE?!"

Nur sein Echo.

"BEWEG DICH HIERHER, SONST..."

Aanatus' Stimme versagte. Stattdessen das ferne Gepolter alarmierter Ophidianer. Das Kratzen von Klauen. Er wischte sich trotzig über die feuchten Augen und verharrte mit sturem Blick nach vorne schauend. Dann Schritte hinter sich. Schwer und polternd. Barbaren mit starren Gesichtern. Das Schluchzen der Bardin. Ein neuer Versuch, Bjornar ausfindig zu machen. Kurze Worte des Jothars und des Forsjaman - man stimmte sich auf einen harten Kampf ein. Und jeder würde das Letzte dafür geben. Ganz hinten schloss sich Aanatus dem Trupp an.


Bjornars Tod.jpg


Bald schon hatte man sich tief in die Höhle gekämpft. Bald schon, war das vormals Ungewisse traurige Gewissheit, als man den Jungen bleich in einem Knochenhaufen liegend fand. Lautes Wehklagen der Bardin. Ein Singsang des Forsjaman begleitete den Trupp, der den Leichnam barg...bis zum Höhleneingang, wo die einen ihn beweinten und die anderen auf ihn tranken. Das Nordvolk würde ihren Gefallenen mit allen Ehren gehen lassen - zu den Ahnen an einer Tafel...weit weg von dieser verfluchten Schlangeninsel würde sich Bjornar wiederfinden. Weit weg von diesem düsternen Leid. Während das Nordvolk den Gefallenen zum Transport herrichtete, hob Aanatus erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit den Blick. Mit feuchten Augen näherte er sich vorsichtig dem Körper Bjornars, um einen Blick aus der Nähe auf ihn zu erhaschen. Für Gewissheit. Für einen stillen Abschied. Nun war es an ihm selbst, mehrmal ein- und auszuatmen. Die Kiefer pressten sich aneinander, als er den Blick abwandt und wartete, bis sich der Barbarentross in Bewegung setzte. Weit hinten folgte er aus Respekt, den Blick betrübt am Boden vor sich haltend.


Als die Barbaren den Leichnam bis zur Sphere gebracht hatten und mit ihm dort verschwunden waren, führte der Weg von Aanatus zurück ins Lager. Es war schon dunkel - wie lange war er weg gewesen? Wohl einen ganzen Tag, denn am Morgen hatte er das Lager verlassen und nun war die Nacht schon hereingebrochen. Er stapfte zum Zelt des Zirkels, blickte nicht links und nicht rechts. Wer weiß, wer von den Seinen schon abgereist war. Oder wer von ihnen schlief oder gar noch wach da lag. Er schälte sich aus der Rüstung. Beim Anblick seines unbeschadeten, rechten Unterarms wurde sich Aanatus bewusst, dass Bjornar der erste gefallene Freund war, der im gleichen Trupp wie er kämpfte. Keine seiner Expeditionen hatte ein solches Opfer gefordert, kein Auftrag Suroms danach... So nahm er nach der Tradition seiner Heimat seinen Dolch aus dem Stiefel, setzte die Klinge an die Haut seines rechten Unterarms und schnitt sich eine klaffend tiefe "Markierung" in das eigene Fleisch.

Als das Blut dunkelrot zu rinnen begann,  murmelte Aanatus: "Gute Reise, mein Freund!"



 
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Haldron
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Re: Bjornar

Beitrag von Haldron »

Bjornars Tod – Der, der zurückblieb

Bjornar blieb zurück, damit andere leben konnten.

Wo er genau fiel, weiß niemand. Es gab keinen Zeugen seines letzten Standes, keinen Blick auf den Augenblick seines Todes. Nur die Gewissheit, dass er sich dem Feind stellte, um den Rückzug zu sichern. Er opferte den eigenen Weg, damit der Stamm weitergehen konnte.

Heute kehrten sie zurück, um ihn zu suchen.

Rashka ging voran, Yngvildr an seiner Seite. Tarabasch und Aanatus der Mensch und Freund des Stammes, hielt die Nachhut. Freyja trug den Schmerz still in sich, und Haldron folgte – nicht um zu richten, sondern um zu finden, was geblieben war.

Die Höhlen der Schlangen empfingen sie erneut mit feuchter Finsternis und dem Gestank des Todes. Schlangenwesen stellten sich ihnen entgegen, als hätten sie den Ort bewacht. Der Kampf war hart, doch zielgerichtet. Nicht aus Zorn – aus Pflicht.

Sie fanden Bjornar nicht dort, wo sie Kämpften.
image.png

Sie fanden ihn weiter Abseits. Als wäre er noch ein letztes Stück gegangen, getragen von bloßem Willen. Sein Leib zeigte die Spuren vieler Schläge. Kein Zweifel blieb, dass er mehr als einen Feind mit sich genommen hatte.

Keiner fragte, wie lange er gekämpft hatte.
Keiner fragte, ob er gerufen wurde.
Sie bargen ihn voll Wut und Trauer.
Trugen ihn hinaus aus der Tiefe, zurück durch Stein und Blut, zurück ins Licht. Zurück nach Hause.

Zuhause wurde er aufgebahrt.

Nicht mit Prunk, nicht mit großen Worten – sondern so, wie es einem Krieger gebührt. Gereinigt vom Blut der Höhlen, in Felle gebettet, die Hände ruhig gefaltet. Fackellicht zeichnete harte Schatten über sein Gesicht. Er wirkte friedlich so.

Haldron stand lange bei ihm.

Mehr Trauer lag in ihm, als er je eingestanden hätte. Mehr, als er gezeigt hätte.
Der Junge hatte ihn mehr als einmal an den Rand des Wahnsinns getrieben – mit Ungeduld, mit Fragen, mit einem Trotz, der an Unreife grenzte.
Und doch… tief in seinem Inneren hatte Haldron ihn gemocht. Vielleicht mehr, als einem Schamanen gut tat.
Doch die Trauer wich zurück.
Nicht, weil sie geringer wurde – sondern weil etwas anderes sie verdrängte.

Wut.

Wut über seinen Tod.
Wut über das Chaos, das ausgebrochen war.
In Haldrons Augen trugen die Solgarder eine Mitschuld. Ihr Eingreifen, ihr falsches Licht, ihre Einmischung hatte den Lauf der Dinge gebrochen.
Zaron wurde niedergestreckt. Danach entflammte der Kampf zwischen Licht und Dunkelheit – ein Kampf, der nie hätte geführt werden müssen.
Und am Ende stand Satsujinshar.

Befreit.
Entfesselt.

Der Ruf, der die Schlangewesen zum letzten Gefecht sammelte, hallte bis in diese Halle nach.
Doch selbst das war nicht das Ende seiner Wut.

Denn da waren noch die Drachen. Satsujinshar allen vorran.

Die alten Feinde.
Jene, deren Schatten nun schon wieder über dem Stamm lagen.
Ihr Wirken, direkt oder indirekt, hatte das nächste Opfer gefordert.
Bjornar war nicht der Erste. Und er würde nicht der Letzte sein – wenn nichts geschah.
Haldron wandte den Blick nicht vom aufgebahrten Leib ab.

Seine Trauer war still.
Seine Wut war es nicht.

Und irgendwo tief in ihm begann sich etwas zu formen – kein Schrei, kein Schwur. Nur die kalte Gewissheit, dass Blut Antworten bringen würde, wo Worte versagt hatten.


 
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Tyra
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Re: Bjornar

Beitrag von Tyra »

Der Nebel hing schwer über den Hügeln von Fjelgat, als Tyra nach Wochen der Qual und der etlichen Schlachten endlich wieder das Tor des Dorfes erreichte.
Ihre Stiefel waren vom Marsch zerrissen, ihr Fellumhang vom Regen durchtränkt, und in ihren Augen lag eine Mischung aus Trauer, Wut und tiefer Verzweiflung.
Jeder Schritt fühlte sich an, als würde er sie weiter von dem entfernen, was sie einst gewesen war.
Ohne zu zögern ging sie direkt zum Gemeinschaftshaus.
Dort kam ihr Ynge entgegen im Keller .
Sie erkannte sofort, dass etwas nicht stimmte.

Tyra…“, begann sie vorsichtig.

Ihre Stimme war rau vom Wind und vom Met.

„Vi haben Bjornar gefunden. Tot.
Er seyd nun bey dey Ahn
Und vi haben ihn mitjebracht nach Fjelgat
.“
Tyra schluckte und fuhr fort, als würde jedes Wort aus einer offenen Wunde kommen und sank dabei auf die Knie hinab :

"Jeg hab dey halbe Nacht mit iynen jesucht.
Pandor hat jekämpft wie ein WilyderUnd alley Neybelhafener , auch dey Rou , nur dey Gwendolyn bleyb da … aber in der Höhle gab es keyn weiterkimm
Keyn Weg durch.
Jeg… jeg musste abbrechen.


Ihre Hände ballten sich

Jeg mach mir schwere Vorwürfe, Ynge. hätt iyn retten sollen und heymbringen und eym vor dey Zäyne kloppen vi jeg jesacht hab

Still fragte sie Tyra, ob sie ihn sehen wollte.

Sie nickte ihr zu, und so führte Ynge sie zu dem Ort, an dem Bjornar lag, in seinem Zuhause.
Der Leichnam war sauber hergerichtet, sein Gesicht ruhig, fast friedlich.
Tyra beugte sich zu dem Jung herunter.

Ihre Stimme brach:

Jung… es tut mey leyd, dass jeg dey ney retten konnte.
Es waren zu veyle, und eigentley wollt jeg dey ein vor dey Zähne kloppen… aber das kann jeg ney mehr.“
Dey warst eyn Dummkopf aber eyn leyber
, *sie streifte ihm noch einmal über das Haar


Dann zog aus ihrer Tasche ein Ahornblatt, das sie auf der Insel neben einem Baum fand , als sie nach ihm suchte.
Vorsichtig legte sie es seitlich in die Felltasche seines Umganges.

Danach errhob sie sich

Ohne ein weiteres Wort ging sie mit Ynge nach draußen.
Vor dem Haus blieben sie stehen.
Ein letzter Blick, ein stilles Nicken und sie trennten sich.


Tyra trat vor ihr Fernglas, blickte in den Himmel und flüsterte:
Bild

Viel später ging sie allein zum Ahnenbaum wo er oft mit seinen Bären die Zeit verbracht hatte.
Sie war froh, wieder zuhause zu sein, aber eins war sicher sie würde nie wieder die selbe sein .
Tyra legte sich ins Gras und starrte in den Himmel und schrie

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Ein Schluck Met wurde aus dem Horn genommen was sie danach in den Himmel hielt

Skoll mey Jung pass da obeyn auf alle auf

Eine Träne lief ihr über die Wange und tropfte auf das Ahornblatt an ihrer Rüstung und blieb dort lange liegen.
Wie ein stilles Versprechen.
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Rashka|Brom
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Re: Bjornar

Beitrag von Rashka|Brom »

Er saß auf einer Bank, die mit Fellen bedeckt war, und blickte nachdenklich auf den leeren Krug in seiner Hand. In der Mitte der hohen Halle von Fjellgat brannte ein kleines Lagerfeuer. Das Knacken des Holzes und das gelegentliche Aufstieben von Funken waren die einzigen Geräusche im Raum. Von draußen drang das Wehen eines trägen Windes herein, der vom Meer her salzige Luft mit sich brachte.

Die vergangenen Zehnttage auf der Insel der Schlangen hatten Anstrengung und Veränderung gebracht. Schlachten, die sein Volk voller Wut und Kampfgeschick in vorderster Reihe geführt hatte. Seite an Seite mit Suromer und den Nachtalben – Kampf und das Blut der Feinde hatten sie zumindest für diese kurze Zeit geeint.

Er verwarf den Gedanken wieder.

Dann hörte er diese Stimme, fast schon lästig vertraut, in seinen Gedanken:
„Ehh, min Johtar, Ehrengruß. Ick will de was fragn …“

Ein Bild tauchte vor seinem inneren Auge auf: Bjornar, grinsend und gut gelaunt, wie er neben ihm trat, während er gedankenverloren am Ufer stand und angelte. Er hatte wissen wollen, wie man ein Berserker wurde, und erzählt, dass Tarabasch ihn geschickt hatte. Grimmig – vielleicht mit zu harschen Worten – hatte er die Fragen halbherzig beantwortet. Und wie so oft hatte er die Gabe besessen, Dinge so zu verstehen, dass sie mit Sicherheit falsch waren.

Ein leises Knacken riss ihn aus diesen Gedanken. Als er auf den hölzernen Krug in seiner Hand hinabsah, zog sich ein feiner Riss durch das Holz.

Er stellte den Krug beiseite, zog einen anderen heran und schenkte sich Bjorr ein – das herbe Schwarzbier seines Volkes, leicht mit Honig gesüßt. Ein tiefer Schluck. Dann erhob er sich und ging zum Feuer hinüber. Er warf einige Holzscheite nach und folgte den Funken mit dem Blick, wie sie nach oben tanzten und im Schatten des Daches verglühten. Das Flackern der Flammen vertrieb die Dunkelheit nur ein kleines Stück, doch es genügte, um Erinnerungen wachzurufen.

Der Strand der Schlangeninsel.
Tagesanbruch.
Die Sonne, die kam, um die Schatten zu vertreiben.

Wieder hallte eine Stimme in seinen Gedanken:
„Ehrengruß, min Johtar. Wat machst dey …?“

Er hatte einfache Kampfübungen ausgeführt. Als Bjornar dazugekommen war, hatten sie miteinander gerungen. Ein guter Kampf. Der Junge hatte sich gemacht. Er hatte all seine Erfahrung aufbringen müssen, um ihn am Ende in den Sand zu schicken.

„S’ hat Spaß gemacht. Det sollten wir öfter machen“, hatte Bjornar gesagt.

Und er hatte recht gehabt.

Grimmig sah er hinab in die Flammen, nahm einen kräftigen Schluck aus dem Krug und schüttete den restlichen Inhalt ins Feuer.
„… Der letzte Schluck für die Gefallenen.“

Dann warf er auch den Holzkrug hinterher. Ein scharfes Zischen erklang, als das Holz verbrannte.

Bild

Bjornar würde eine große Lücke im Stamm hinterlassen. Schritt für Schritt war er zu einem beachtlichen Werager geworden. Er hatte die Tiere verstanden wie kaum ein anderer, war fast schon ein halber Soeker gewesen. Mehr noch: Er hatte es verstanden, den Stamm auf seine eigene Weise zu erheitern – oder Zorn und Wut in dem einen oder anderen zu wecken. Nicht immer hatte er alles begriffen, doch auf seine Art war er ein feiner Sohn Sarmatijaschs gewesen.

Er war ehrenhaft gefallen.
Und als solcher würde er seinen Weg in die Hallen der Ahnen finden.

Eines Tages – dessen war er sich sicher – würden sie sich wiedersehen. Sie würden an der Tafel sitzen, Fleisch und Met teilen und über jene Tage lachen, die längst vergangen waren.

Er wandte den Blick von den Flammen ab und stapfte zur Tür. Dort nahm er einen schweren Fellumhang von der Wand und legte ihn sich über die Schultern. Dann trat er hinaus in die Nacht.

Ein Schneetreiben empfing ihn. Der Schnee knirschte unter seinen Schritten, als er sich einem Haus am Rande von Fjellgat näherte. Aus einem Fenster drang schwacher Kerzenschein. Er blieb stehen und betrachtete das Haus eine ganze Weile.

Freyja war wohl dort drinnen. Sicher war er sich nicht. Hören konnte er nichts und sehen auch nicht.

Dort lag der geschundene Körper seines Kampfbruders – bis sie ihn in einigen Tagen verabschieden würden. Er würde Boten aussenden: nach Nebelhafen, nach Surom, zu den Nachtalben. Er kannte nicht alle, mit denen Bjornar zu tun gehabt hatte, doch es würde sich weit genug herumsprechen.

So wie es sollte.

Er nickte dem Haus knapp zu und sprach leise Worte. "Halt myr einen Platz an der Ahnentafel frei Brodir!"
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Gwendolyn
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Re: Bjornar

Beitrag von Gwendolyn »

Gwendolyn bekam nicht wirklich mit, was Rou auf der Brücke mit der Barbarin besprach. Sie hatte Torres mit heißem Meerwasser gebadet und ihn möglichst gründlich vom Dreck befreit. Nach dem Bad hat sie Torres in mehreren dicken Decken eingewickelt und einem warmen Wasserschlauch dazwischen gelegt, damit er sich wieder aufwärmen konnte. In der Zeit war sie zum Feuer gekommen, um zu hören, was die anderen noch erzählten und um kurz zu berichten, wie es Torres ging. Auch sie wollte sich kurz strecken und anwärme, ehe sie Torres weiter versorgte. Die letzten Tage waren für sie alle kräftezehrend, körperlich und auch psychisch hatten sie alle massiv gelitten. Die Bilder des brennenden Nebelhafen hat sie bis jetzt erfolgreich auf die Seite geschoben. Es war einfach, ständig etwas zu tun.
Der Tag danach war hektisch im Lager. Alles packe, brachte seine Sachen an Bord und half, wo noch zu helfen war. Sie war damit beschäftigt, das Heilerlager zu ordnen, Torres reisefertig zu bekommen und auf ihre eigenen Sachen dabei nicht zu vergessen. Immer wieder hatte sie dabei Pans Stimme im Ohr “GWEN SCHAU AUF DICH, WENN DU LIEGST LIEGEN WIR ALLE!!”.

Erst am Schiff in einem Gespräch mit Thrya erfuhr sie, dass einige aus dem Lager Nebelhfens gestern Abend noch ausgezogen sind, um Bjornar zu suchen. Er hat sich zum Schluss noch gegen die Schlangen gestellt? Ob sie ihn gefunden hatte oder nicht, bekam Gwen nicht mehr mit. Ihr Blick ging starr Richtung Insel zurück und es zog sich alles in ihr zusammen. 
So viele Erinnerungen schossen ihr durch den Kopf

Der ungestüme Jungspund, dem der Handwerkerbund bei seiner Bransala Gemeinschaftssinn beibringen sollte.
Der Hitzkopf, der bei so mancher Baumrodung den Kopf verlor und rasend durch den Wald brauste, bis er jemanden fand, den er zur Rechenschaft ziehen konnte.
Der Nebelhafenbann, weil er eine Bewohnerin mit der Waffe bedroht hat.
Die Sorge um den weißen Hirschen, den er seit einiger Zeit vermisste.
Die Schwabbel die er im Bad des Handwerkerhauses aufzog.
Jaster, den er zum Erzfeind auserkoren hatte, nachdem dieser den weißen Hirsch getötet hat.
Ophidianer, die er heilen wollte.

Bei mancher Idee von ihm konnte man nur lachend den Kopf schütteln. Ab und an war er wie ein zu groß gewachsenes Kind; Stur, trotzig, dem Ziel hinterher, egal wie. Auch wenn so mancher Gedanke hinter seinen Taten Edel war, die Umsetzung war oft eher tollpatschig und unbeholfen. Man musste ihn einfach gern haben, den großen Tölpel.

Bei ihrem Blick in die Ferne entfuhr ihr das eine oder andere Schluchzen und die Tränen hörten nicht mehr auf zu rollen.
Er war es, der für sie die Flöte für den Zugang zu Fjellgat besorgt hat.
Er war es, der sich um das Numenbäumchen gekümmert hat, als sie es nicht konnte.
Er war es, der, wann immer er da war, ein Stück Leichtigkeit mitgebracht hat.

Sie ging in den Laderaum und holte einige Dinge. Am Weg in den Lagerraum gab sie Grimbald Bescheid, sich bitte darum zu kümmern, dass Torres den vorbereiteten Brei zu sich nahm. Sie hatte für den Abend noch zwei Portionen gerichtet, die er nach und nach essen sollte.
Wieder zurück auf Deck stellte sie die Kerze auf einem Unterteller mitten auf den Bug. Drum herum ließ sie Mehl rieseln und formte es zu einem Mandala, das aussah wie ein Bär. Dafür ließ sie sich alle Zeit der Welt. Sie hockte wohl Stundenlang an diesem Mandala und schob immer wieder die Linien zurecht, bis sie mit dem Bildnis zufrieden war. Neben das Mandala legte sie einige Gegenstände, die mit Bjornar verband. Die Flöte, ihren Haarschmuck, den Schulterpelz, ein paar Drachenknochen, die sie auf der Insel erst von ihm erhalten hat… Bjornar würde nie vergessen werden. Zuhause würde der ausgestopfte Bärenkopf seines ersten Reitbären, den Davind ihm damals gemacht hat, einen Ehrenplatz erhalten. Es würde lange dauern, bis sie nicht in jedem Waldstück und vor allem in Fjellgat darauf wartete, dass Bjornar ums Eck sprang mit irgendeiner wirren Idee.

Bärenmandala.png
 
Deine Wurzel findest du in dir,
indem du dich auf die innere Reise begibst
und in Dein Seelenreich eintauchst. (Lufh-Foal)
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