Cataleya saß in der gedämpften Stille ihres Sessel, nur unterbrochen vom Kratzen der Feder eines Schreibgehilfen hinter der Tür und dem leisen Flackern der Kerzen,
deren Schatten an den Wänden zuckten wie vergessene Geister. Das Pergament in ihren Händen war sauber beschriftet, sachlich… abweisend.
Sie las es erneut. Dann ein drittes Mal.
Ihre Augen, sonst kühl und berechnend, verengten sich zu dunklen Schlitzen aus Messerklinge und Zorn.
„Nicht der ihre Krieg!“
murmelte sie leise, und der Klang dieser Worte war nichts anderes als bitterer Spott in einem goldenen Kelch.
„Sind es doch Ihre Schiffe, die vor Anker liegen und nicht ein Geschmeide mehr handeln!"
„Handelsgilde? Noch nicht einmal mehr Worte vermögen sie zu handeln."
„und so wüsste ich nicht, was wir mit einem offiziellen Mitglied der suromer Führung zu besprechen hätten.“
Sie legte das Schreiben nieder, glatt, als wäre es aus Glas und könnte zerspringen.
Doch ihr Inneres kochte. Nicht in Empfang nehmen. Zeit überdenken. Wenn überhaupt.
War es Angst bei ihm? Oder war es Arroganz?
Beides war gefährlich.
Cataleya stand auf, hob das Haupt, streckte sich mit der Präzision eines Dolches, der in der Dunkelheit sein Ziel sucht.
Sie trat zum Schreibtisch, das alte Pergament lag bereit. Blut ihrer letzten Verse war getrocknet, doch dieses Mal würde sie mit Tinte schreiben. Noch.
Sie zündete eine neue Kerze an, als Symbol für den erneuten Versuch.
Nicht um zu bitten, sondern um zu warnen. Das Schreiben begann ruhig, sachlich.
Doch wer es lesen würde, würde den Druck in jeder Zeile spüren wie das Flattern schwarzer Schwingen über einer belagerten Stadt.
Sie besiegelte es noch und ließ es trocknen.
Als sie das Schriftstück an einen ihrer Getreuen übergab. Einen schweigsamen Boten in schlichten Farben, sprach sie leise:
„Geh nach Nebelhafen. Gib es in der Bank ab, dort soll es den Bürgermeister erreichen.
Kein Aufsehen, kein Gerede. Und kehr nicht um, ehe du weißt, dass es übergeben wurde.“
Der Bote neigte ehrfürchtig den Kopf.
Cataleya trat zurück und sah dem Schatten des Mannes an der Wand nach, als er ging.
Dann wandte sie sich dem Altar zu, nicht für ein Gebet. Sondern um zu lauschen, ob Lilith etwas dazu sagte.
*An Bürgermeister Torres.*
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Tag 01 im siebten Mond des ersten Jahr
An den Bürgermeister Joshua Torres
und die ehrwürdige Gemeinschaft der Greifen zu Nebelhafen
Nebelhafens Neutralität war stets, ein Bollwerk der Ruhe zwischen lodernden Fronten. Diese Rolle respektiere ich stets und gedenke auch jetzt, sie zu achten.
Doch dies ist kein Bittbrief der Politik. Dies ist kein Griff nach Verbündeten in der Diplomatie. Dies ist eine Warnung.
Ein Schatten wandelt unter uns. Kein Reich und kein Banner führt er. Und doch oder gerade deshalb ist er eine Bedrohung für jeden, der atmet.
Was ich gesehen habe und mir offenbart wurde, betrifft nicht nur Surom.
Es betrifft auch Euch, Nebelhafen die Greifen. Denn wenn dieser Schatten, wie ich befürchte, nicht von dieser Welt stammt,
wenn er sich durch Schleier und Zeit frisst wie Motten durch Seide dann ist Eure Neutralität nur ein Papier im Wind.
Und der Sturm, der kommt liest keine Verträge.
Ich glaube mit allem Ernst, den mein Amt und mein Glaube tragen, dass Ihr über Wissen verfügt. Wissen, das nie ausgesprochen wurde. Alte Bruchstücke von Wahrheit.
Ich ersuche kein Bündnis. Ich fordere kein Versprechen.
Ich bitte lediglich um Worte unter vier Augen, in Stille frei von politischen Gewändern.
Jenerer etwas begegnet ist, dass sich nicht in Blut niederschreiben lässt.
Etwas, das auch Euch begegnen wird ob Ihr wollt oder nicht. Ich bringe Euch keine Forderung, aber vielleicht einen Schlüssel.
Oder zumindest den Mut in eine Tür zu blicken, die längst in Euren Katakomben steht. Wählet weise.
Denn dieser Schatten kennt diese Welt besser, als jene die sie nicht mehr verlassen können.
Admo uh rucho dlo-ischmo lá-loho,
Templerin des Entfesselten, treue Dienerin Lillith
Führerin des Glaubens der Totenwacht Cataleya Rho'en