Die ganze restliche Nacht und den darauffolgenden Tag, bis zu dessen Abend hin, wo er kurz lustlos und abgelenkt einer Expedition aus reinem Pflichtbewusstsein folgte und nur aufgrund der Gewissheit, dass Valentina oder Dracon seinen Platz am Krankenbett einnehmen würden, verbrachte Aanatus am Krankenbett von Sorsha, die in inzwischen trockener Kleidung und gut zugedeckt unter einigen Fellen und Decken zumeist regungslos ihre Stunden fern ab jeglichen Bewusstsein verbracht hatte. Ab und an ein Zucken der geschlossenen Augenlider und der sehr flache Atem verrieten, dass sie noch am Leben war, wobei Aanatus nicht nur einmal mit einem genauen Blick und voller Sorge überprüften musste, ob sich ihr Zustand verändert hatte.
Er spannte Tücher als Vorhänge um Sorshas Bettlager, um den Blick – besonders vom recht offenen Zelteingang her – auf die Bewusstlose zu verhindern, kümmert sich darum, dass Ruhe herrschte und versuchte das Beste, was er als Alchemiekundiger und gerade mal etwas besserer Feldarzt tun konnte, um ihren Zustand zu verbessern. Valentina übernahm seine Wache am Zelteingang, während er selbst sich zumeist nur von Sorshas Lager zum Kessel in der Mitte des Zeltes bewegte, um sich an einem neuen Sud zu versuchen, und zurück zu ihr, um ihr ein paar Tropfen einzuträufeln. Knoblauch, Ginseng – Alraune zur Stärkung – dazu der ständige Blick, ob die feuchten Tücher, zur Linderung der manchmal Fiebrigen, nicht schon zu wechseln waren. Noch konnte er keine Veränderung bemerken, und am Abend, bei seinem kurzen Treffen mit Gwendolyn, war Aanatus kurz davor, sie um Rat zu bitten. Doch er wusste, dass er vorerst ohne Hilfe auskommen musste: Eine Schwächung Suroms nach außen zu tragen, wäre nicht im Interesse Sorshas gewesen – so schwieg er eisern, wenngleich es ihm widerstrebte.
Es stand also eine weitere Nacht voller Sorgen an.
Ankunft: Die neue Welt
- Aanatus
- Beiträge: 335
- Registriert: 10 Feb 2024, 22:35
- Has thanked: 230 times
- Been thanked: 532 times
Zurück in Surom
Zurück in Surom. Nach einem kurzen Abschied von Sorsha fand sich Aanatus bald bei seiner Mühle. Immerhin stand das Gemäuer noch. Die Tür noch verriegelt. Wohl nichts gestohlen. Müde trat er ein und sichtete die Vorräte. Kein Ginseng… Widerwillig und todmüde beschloss er, schnell auszureiten und ein paar dieser Wurzeln zu sammeln. Dass er dabei auf diese Ella traf und damit wiederum auf ein Rätsel…nun ja….war überraschend.
Als sich das Rätsel als ein Brief in Geheimschrift herausstellte, seufzte Aanatus lange. Er hatte seine Hilfe versprochen, er würde es auch versuchen, aber die Zeit dafür war knapp. Denn Surom befand sich ganz offensichtlich in Zeiten des Umbruchs, vielleicht der Wirren, wohl hoffentlich nicht des künftigen inneren Chaos. Ein interessantes Gespräch mit der Hochmaga Katherine zeigte deutlich die Lage, die sich schon direkt nach dem…Verschwinden…des Imperators langsam entwickelte bzw. sich schon in Entwicklung befand: Von Machtvakuum wurde gesprochen, von künftigen Führungssystemen.
Aanatus konnte viele Punkte von Katherines Argumentation nachvollziehen, denn auch er sorgte sich zum Beispiel wegen etwaiger innerer Zerwürfnisse und dem dadurch möglichen Machtverlustes von ganz Surom. Aber andererseits war es wohl noch zu früh, in vorschnelle Planungsgedanken zu verfallen, so meinte er und fügte stoisch-müde hinzu, dass sich an seinen zwei „Aufträgen“, Surom tatkräftig zur Seite zu stehen und fürs Sorshas Schutz zu sorgen, ohnehin nichts ändere. Egal, welche Amtsträgerer in Zukunft und mit bzw. in welchem System die Geschicke des Großreiches leiten würden. Dass in selbigem Gespräch auch die Wege bzw. Irrwege des Monarchen angesprochen wurden und die Hochmaga wohl eine baldige Exkursion ins Auge fasste, war ein deutlich „einfacheres“ Thema, weshalb Aanatus natürlich sofort seine Bereitschaft zur Mithilfe bekundete.
Man würde sehen, was die Zukunft bringen wird. Nun führte ihn allerdings der Weg endgültig in seine Mühle – in tiefer Dunkelheit erreichte er sie und fand eine Nachricht von Ella in seinem Briefkasten vor. „Eile mit Weile“, murmelte Aanatus. Müde trat er in die Mühle ein, zog den Umhang aus, entledigte sich seiner Rüstung und warf sich einen lockeren Stoffmantel um. Lange betrachtete er die immer noch leicht blutende „Markierung“, den Schnitt für Bjornar – und ließ ihn all den Klamauk vergessen.
Als sich das Rätsel als ein Brief in Geheimschrift herausstellte, seufzte Aanatus lange. Er hatte seine Hilfe versprochen, er würde es auch versuchen, aber die Zeit dafür war knapp. Denn Surom befand sich ganz offensichtlich in Zeiten des Umbruchs, vielleicht der Wirren, wohl hoffentlich nicht des künftigen inneren Chaos. Ein interessantes Gespräch mit der Hochmaga Katherine zeigte deutlich die Lage, die sich schon direkt nach dem…Verschwinden…des Imperators langsam entwickelte bzw. sich schon in Entwicklung befand: Von Machtvakuum wurde gesprochen, von künftigen Führungssystemen.
Aanatus konnte viele Punkte von Katherines Argumentation nachvollziehen, denn auch er sorgte sich zum Beispiel wegen etwaiger innerer Zerwürfnisse und dem dadurch möglichen Machtverlustes von ganz Surom. Aber andererseits war es wohl noch zu früh, in vorschnelle Planungsgedanken zu verfallen, so meinte er und fügte stoisch-müde hinzu, dass sich an seinen zwei „Aufträgen“, Surom tatkräftig zur Seite zu stehen und fürs Sorshas Schutz zu sorgen, ohnehin nichts ändere. Egal, welche Amtsträgerer in Zukunft und mit bzw. in welchem System die Geschicke des Großreiches leiten würden. Dass in selbigem Gespräch auch die Wege bzw. Irrwege des Monarchen angesprochen wurden und die Hochmaga wohl eine baldige Exkursion ins Auge fasste, war ein deutlich „einfacheres“ Thema, weshalb Aanatus natürlich sofort seine Bereitschaft zur Mithilfe bekundete.
Man würde sehen, was die Zukunft bringen wird. Nun führte ihn allerdings der Weg endgültig in seine Mühle – in tiefer Dunkelheit erreichte er sie und fand eine Nachricht von Ella in seinem Briefkasten vor. „Eile mit Weile“, murmelte Aanatus. Müde trat er in die Mühle ein, zog den Umhang aus, entledigte sich seiner Rüstung und warf sich einen lockeren Stoffmantel um. Lange betrachtete er die immer noch leicht blutende „Markierung“, den Schnitt für Bjornar – und ließ ihn all den Klamauk vergessen.
- Aanatus
- Beiträge: 335
- Registriert: 10 Feb 2024, 22:35
- Has thanked: 230 times
- Been thanked: 532 times
Bogenbau mit neuem Leder
Die Erkundung mit den Barbaren war erfolgreich gewesen: Tarabasch und Rashka hielten die Frontlinie zusammen und so dicht, dass keine der Gegner zu Yngvildr, Haldron und Aanatus durchbrechen konnte. Gang für Gang wurde freigekämpft und irgendwann, in einer Art Thronsaal oder gar Andachtsraum, fanden sie ihren schwersten Gegner vor: Vielleicht ein Handlanger des Schattenmonarchen, vielleicht auch nicht, auf alle Fälle ein mächtiger Feind. Mit Verwandlungen, Zaubern, Hieben, Irrungen und Wirrungen – und was weiß ich was mehr – versuchte er den Trupp zu besiegen. Doch am Ende triumphierten die 5 und die Gestalt flüchtete unter wildem Geschimpfe.
Nachdem die Beute verteilt wurde und Aanatus endlich zuhause in der Mühle ankam, ließ er noch einen Boten den Säulen Suroms, der Kommandantin und Katherine die Neuigkeiten ausrichten. Erst danach fiel ihm diese seltsame Essenz auf, die ihm wohl Rashka als Beuteteil zugesteckt hatte. Eine seltsame, dunkle Flüssigkeit…Aanatus‘ Interesse war geweckt. Er roch daran, besah es aus der Nähe…tropfte einen Tropfen in Wasser…keine Erkenntnis. Was hatte diese Kreatur denn da in ihren Schatztruhen hinterlassen? Skeptisch tropfte Aanatus einen weiteren Tropfen der Essen in eine Phiole mit Ginsengextrakt. Nichts. Weiter und weiter wurde gemischt. Nichts. Keine Reaktionen. Erst beim Alraunenextrakt tat sich etwas: Der Essenztropfen begann sofort beim Kontakt - ohne sich zu vermischen, nicht einmal zu vermengen - aufzuzischen und sprang blubbernd auf der Oberfläche des Alraunensud hin und her, bis er verdampfte. Alraune…eine stärkende Pflanze, murmelte er und besah, was er noch in seinem Repertoire hatte und noch nicht zu mischen versucht hatte. Am Ende blieb das Drachenblut und siehe da, auch hier eine Reaktion: Kein Vermischen, aber zumindest ein kurzes Vermengen. Wildes Aufschäumen, als würde die Wirkung potenziert. Doch das Mischen eines Trankes erschien unmöglich. Doch dann der Geistesblitz: Stärke. Drachen. Er griff sich an den Kopf: Als Bogner aus Leidenschaft hätte er da doch sofort an Drachenleder denken müssen, welches den Bogen hinsichtlich seines Schadens verstärkte. Vielleicht konnte man die Essenz dafür nutzen, um selbiges aufzuwerten?
Gesagt, getan – und siehe da: Das Drachenleder ließ sich durch die Essenz einreiben, ohne dabei Schaden zu nehmen. Vielmehr änderte es seine Farbe in ein Schwarz mit einer Art Rot, das etwas aus dem Hintergrund durchzuscheinen schien. Der seltsame Glanz strahlte eine Art Ruhe und Kraft aus – Aanatus wusste, er hatte etwas gefunden, womit sich arbeiten ließ. Er umspannte einen fertigen Kompositlangbogenkorpus damit. Nach einer Trocknungszeit teste Aanatus den Bogen an einer Zielscheibe: Nur mit viel Kraft konnte er ihn spannen, doch nach diesem langen Vorgang flog der Pfeil mit enormer Geschwindigkeit los, traf mit höchster Präzision und durchschlug dabei die rustikale Eichenrückwand der Zielscheibe. Nun war Aanatus klar, was ein Bogner mit diesem Leder tun konnte.
Nachdem die Beute verteilt wurde und Aanatus endlich zuhause in der Mühle ankam, ließ er noch einen Boten den Säulen Suroms, der Kommandantin und Katherine die Neuigkeiten ausrichten. Erst danach fiel ihm diese seltsame Essenz auf, die ihm wohl Rashka als Beuteteil zugesteckt hatte. Eine seltsame, dunkle Flüssigkeit…Aanatus‘ Interesse war geweckt. Er roch daran, besah es aus der Nähe…tropfte einen Tropfen in Wasser…keine Erkenntnis. Was hatte diese Kreatur denn da in ihren Schatztruhen hinterlassen? Skeptisch tropfte Aanatus einen weiteren Tropfen der Essen in eine Phiole mit Ginsengextrakt. Nichts. Weiter und weiter wurde gemischt. Nichts. Keine Reaktionen. Erst beim Alraunenextrakt tat sich etwas: Der Essenztropfen begann sofort beim Kontakt - ohne sich zu vermischen, nicht einmal zu vermengen - aufzuzischen und sprang blubbernd auf der Oberfläche des Alraunensud hin und her, bis er verdampfte. Alraune…eine stärkende Pflanze, murmelte er und besah, was er noch in seinem Repertoire hatte und noch nicht zu mischen versucht hatte. Am Ende blieb das Drachenblut und siehe da, auch hier eine Reaktion: Kein Vermischen, aber zumindest ein kurzes Vermengen. Wildes Aufschäumen, als würde die Wirkung potenziert. Doch das Mischen eines Trankes erschien unmöglich. Doch dann der Geistesblitz: Stärke. Drachen. Er griff sich an den Kopf: Als Bogner aus Leidenschaft hätte er da doch sofort an Drachenleder denken müssen, welches den Bogen hinsichtlich seines Schadens verstärkte. Vielleicht konnte man die Essenz dafür nutzen, um selbiges aufzuwerten?
Gesagt, getan – und siehe da: Das Drachenleder ließ sich durch die Essenz einreiben, ohne dabei Schaden zu nehmen. Vielmehr änderte es seine Farbe in ein Schwarz mit einer Art Rot, das etwas aus dem Hintergrund durchzuscheinen schien. Der seltsame Glanz strahlte eine Art Ruhe und Kraft aus – Aanatus wusste, er hatte etwas gefunden, womit sich arbeiten ließ. Er umspannte einen fertigen Kompositlangbogenkorpus damit. Nach einer Trocknungszeit teste Aanatus den Bogen an einer Zielscheibe: Nur mit viel Kraft konnte er ihn spannen, doch nach diesem langen Vorgang flog der Pfeil mit enormer Geschwindigkeit los, traf mit höchster Präzision und durchschlug dabei die rustikale Eichenrückwand der Zielscheibe. Nun war Aanatus klar, was ein Bogner mit diesem Leder tun konnte.
- Aanatus
- Beiträge: 335
- Registriert: 10 Feb 2024, 22:35
- Has thanked: 230 times
- Been thanked: 532 times
Von Blutfehden und Druidenjagden
Nachdem Aanatus das Kartenwerk fertiggestellt und die anderen Abschriften sorgsam in seinem Bücherregal verstaut hatte, widmete er sich seinen Notizen zum Bogenbau und dem Schützendasein. Er notierte seine Gedanken der letzten Jagd, wo er den neuen Bogen mit diesem seltsamen Leder verwendet hatte. Das Zittern und Kribbeln seines linken Unterarms, beim Griff nach dem Bogen. Das fast schon unerträgliche Aufwallen der Energie, als seine Hand den Langbogen umschloss. Die Euphorie, beim Griff mit der Rechten zum Köcher. Der drängende Wunsch, seinen Pfeil ein Ziel finden zu lassen und die Euphorie beim Loslassen des Geschosses. Der stechende Blick, der Flugbahn folgend – um sich währenddessen mit einer schnellen Beinbewegung in eine neue Position zu bringen. Für ihn war das seit seinen ersten kläglichen Bogenschussversuchen eine nahezu heilige Kunst gewesen, etwas, was es Tag für Tag zu perfektionieren galt. Wofür er sich einschränkte, seinem Körper und Geist Prüfungen auferlegte, oft genug dabei versagte, aber immer wieder mal dazulernte. Doch diese Ektase, dieses Verlangen, fast schon rastlos zu sein, nach neuen „Zielen“ zu suchen – das wurde stärker und stärker. Nicht von heute auf morgen, sondern langsam und stetig. Lag es also an diesem neuen Leder? Nein. Denn er kannte das Gefühl von anderen Bögen, die mit anderem Leder bespannt sind, weit vor dem Fund dieser seltsamen Monarchenessenz. Verstärkte dieses neue Leder das ihm schon länger bekannte Gefühl? Vermutlich. Doch ein jeder guter Bogen würde dies „leisten“. Lag es also an seinem linken Unterarm, der einst in der Solgarder Kanalisation von dem Dämonenprinzen fast bis zur Unkenntlichkeit zermalmt wurde? Der danach – eines Wunders gleich – von einem lichten Solgarder Priester, dann von Gwendolyn, Soryia und Ruweena, und schlussendlich von diesem düsteren Kräuterweib geheilt wurde. Womöglich. Denn es hatte sich einiges geändert seither. Die Ruhelosigkeit, das seltsame Kribbeln bei Einwirkung von arkaner oder klerikaler Magie, seine plötzliche Abneigung gegen magisches Reisen…
Erneut strich er über den Bogen und wischte die Gedanken beiseite. Stattdessen genoss er das Gefühl der aufkeimenden Vorfreude. Er würde ausreiten. Seine Runden ziehen. Diesen Radesvald suchend, der ihm noch „etwas schuldete“. Wie oft er schon erfolglos nach diesem Druiden gesucht hatte, seit dieser sein Plappermäulchen zu weit aufgerissen hatte. Außer in Begleitung von Heerscharen war er nie zu sehen, wohl war er sonst immer versteckt hinter den Mauern Solgards, vermutete Aanatus. Doch irgendwann wird sich „ein Mann der Natur“, wenn er denn einer sei, doch auch mal aus der Stadt rauswagen. Also ritt er in den Elfenwald, der Bogen griffbereit geschultert, die Sinne wachsam. Bald schon hörte er das Geräusch einer Axt, die auf Holz traf. Just von der Stelle kommend, wo Aanatus vor einigen Wochenläufen den Solgarder Paladin beim Kahlschlag ertappte. Voller Tatendrang gab er also seinem Pferd einen Schenkeldruck und preschte los. Doch kein Paladin und auch kein Druide wurde ihm gewahr, sondern ein anderer Erzfeind: Munar Areu!
Beim Anblick des Hochelfen griff die linke Hand instinktiv zum geschulterten Bogen, die rechte Hand war schon auf dem Weg zum Köcher. Aanatus wusste, dass der ungerüstete Elf ihn vermutlich längst schon gehört hatte, auch wenn er mit dem Rücken zu ihm stand. Ein schneller Pfeil von hinten – ins Genick? Zu einfach, das würde weder seinem Kampfesdrang, noch seinem Moralkompass dienlich sein. So gab er sich zu erkennen…keine abgedroschene Floskel wie „So sieht man sich wieder“, ein einfaches „Mhm, so fleißig?“ kam aus seinem Mund. Der Elf erwiderte, dass es sich um Baumpflege handle, denn die meisten Gäste, so meinte er, würden mehr wildern, als hier für einen gesunden Wald zu sorgen. Eine Gemeinsamkeit, dachte sich Aanatus, die Hand zuckte jedoch weiter in Richtung Köcher, doch bevor der Pfeil ergriffen wurde, hörte er sich selbst antworten, dass die Sorge nach einer gesunden Natur eine Gemeinsamkeit sei, die eventuell Vergangenes vergessen lassen könne. So wie der deeskalierende Satz ausgesprochen war, hoffte er, dass Munar hochmütig und von oben herab eine Erwiderung formulieren würde – doch zu seiner Überraschung blieb dies aus. Stattdessen antwortete in weisen Worten: „Freunde werden zu Feinden, Feinde zu Freunden .... der ein oder andere verschwinde spurlos und taucht wieder auf, als wäre nie etwas gewesen.“
Aanatus seufzte und die aufgeregt zitternde Hand, die vorhin noch über den geschulterten Bogen gestrichen hatte, entspannte sich. Der Hochelf sprach Wahres. Die Zeiten standen auf Veränderung. Manche fielen diesen zum Opfer, manche werden es noch tun. Andere – und das sah er in Surom – krochen wieder aus der Versenkung, wie Munar es sagte, „als wäre nie etwas gewesen“, mitsprechend, mitbestimmend, teils auch fordernd, als hätten sie das Leid und die Last all der Monate mit sich getragen. Doch sie waren weg gewesen. Anderen trugen derweilen die Last. Andere litten. Andere hatten Verluste zu beklagen. Eben die hielten – gemeinsam! - alles am Laufen. Für wen? Für die Stadt…für das Reich…und nicht, um eine Bühne für einzelne Selbstdarsteller und deren Kurzauftritte bereitzuhalten.
Der Hochelf hatte Recht, wiederholten sich Aanatus im Gedanken. „Feinde werden zu Freunde“, widmete er sich dem nächsten Ausspruch Munars. Freunde…ein großes Wort. Feinde jedoch auch. Noch nicht zu Ende gedacht, wurde er von Munars nächstem Satz unterbrochen, in dem Aanatus gefragt wurde, „ob in Surom ebenfalls ein Brand entfacht worden sei – wegen dieser Lücke“. Beim Wort „ebenfalls“ schmunzelte Aanatus kurz. Das klang danach, was er schon vermutet hatte, nämlich dass das klerikale Machtmonopol Solgards nun … Probleme … bekommen würde, seinen Machtanspruch zu halten, mehr noch, seine Legitimation an sich zu wahren. So hoffte er zumindest.
Doch antwortete Aanatus selbst nicht über die Zustände Suroms, erwähnte nur, dass dort die Toleranz gegenüber Säkularen, wie er es selbst war, ungleich höher als in Solgard sei. Wieder keine Spitze des Hochelfen, nur die Frage, weshalb Aanatus als Agnostiker denn überhaupt für Surom ritt. Die Antwort war einfach und er nannte sie dem Elfen: Weil ihm ein neutrales Leben verwehrt wurde und Surom ihn mit überraschend offenen Armen aufgenommen hatte. Und er dort das Glück hatte, in einen Zirkel aufgenommen worden zu sein, dessen Ziele er vertritt und dessen Gildenmeisterin er mit seinem Leben zu schützen als erfüllende Aufgabe übernommen hat. Danach wieder keine Spitze des Elfen. Wie schon auf der Schlangeninsel verhielten sich die Hochelfen denkbar anders als die Solgarder, bemerkte Aanatus.
Und so kam es, dass Aanatus Munar anbot, die Blutfehde zwischen dem Schützen und dem Hause Areu mit dem heutigen Tag zu beenden – auch fügte er hinzu, dass Munar gerne ablehnen könne und er ihn dennoch nicht ungerüstet niederstrecken würde. Es solle eine freie, ungezwungene Entscheidung sein. Und der Hochelf willigte ein. Nur noch etwaige Bündnisse sollten sie – ohne die alten Emotionen – zu Feinden machen, ansonsten laufe man sich neutral über den Weg. Ein überraschender Ausgang eines überraschenden Treffens.
Erneut strich er über den Bogen und wischte die Gedanken beiseite. Stattdessen genoss er das Gefühl der aufkeimenden Vorfreude. Er würde ausreiten. Seine Runden ziehen. Diesen Radesvald suchend, der ihm noch „etwas schuldete“. Wie oft er schon erfolglos nach diesem Druiden gesucht hatte, seit dieser sein Plappermäulchen zu weit aufgerissen hatte. Außer in Begleitung von Heerscharen war er nie zu sehen, wohl war er sonst immer versteckt hinter den Mauern Solgards, vermutete Aanatus. Doch irgendwann wird sich „ein Mann der Natur“, wenn er denn einer sei, doch auch mal aus der Stadt rauswagen. Also ritt er in den Elfenwald, der Bogen griffbereit geschultert, die Sinne wachsam. Bald schon hörte er das Geräusch einer Axt, die auf Holz traf. Just von der Stelle kommend, wo Aanatus vor einigen Wochenläufen den Solgarder Paladin beim Kahlschlag ertappte. Voller Tatendrang gab er also seinem Pferd einen Schenkeldruck und preschte los. Doch kein Paladin und auch kein Druide wurde ihm gewahr, sondern ein anderer Erzfeind: Munar Areu!
Beim Anblick des Hochelfen griff die linke Hand instinktiv zum geschulterten Bogen, die rechte Hand war schon auf dem Weg zum Köcher. Aanatus wusste, dass der ungerüstete Elf ihn vermutlich längst schon gehört hatte, auch wenn er mit dem Rücken zu ihm stand. Ein schneller Pfeil von hinten – ins Genick? Zu einfach, das würde weder seinem Kampfesdrang, noch seinem Moralkompass dienlich sein. So gab er sich zu erkennen…keine abgedroschene Floskel wie „So sieht man sich wieder“, ein einfaches „Mhm, so fleißig?“ kam aus seinem Mund. Der Elf erwiderte, dass es sich um Baumpflege handle, denn die meisten Gäste, so meinte er, würden mehr wildern, als hier für einen gesunden Wald zu sorgen. Eine Gemeinsamkeit, dachte sich Aanatus, die Hand zuckte jedoch weiter in Richtung Köcher, doch bevor der Pfeil ergriffen wurde, hörte er sich selbst antworten, dass die Sorge nach einer gesunden Natur eine Gemeinsamkeit sei, die eventuell Vergangenes vergessen lassen könne. So wie der deeskalierende Satz ausgesprochen war, hoffte er, dass Munar hochmütig und von oben herab eine Erwiderung formulieren würde – doch zu seiner Überraschung blieb dies aus. Stattdessen antwortete in weisen Worten: „Freunde werden zu Feinden, Feinde zu Freunden .... der ein oder andere verschwinde spurlos und taucht wieder auf, als wäre nie etwas gewesen.“
Aanatus seufzte und die aufgeregt zitternde Hand, die vorhin noch über den geschulterten Bogen gestrichen hatte, entspannte sich. Der Hochelf sprach Wahres. Die Zeiten standen auf Veränderung. Manche fielen diesen zum Opfer, manche werden es noch tun. Andere – und das sah er in Surom – krochen wieder aus der Versenkung, wie Munar es sagte, „als wäre nie etwas gewesen“, mitsprechend, mitbestimmend, teils auch fordernd, als hätten sie das Leid und die Last all der Monate mit sich getragen. Doch sie waren weg gewesen. Anderen trugen derweilen die Last. Andere litten. Andere hatten Verluste zu beklagen. Eben die hielten – gemeinsam! - alles am Laufen. Für wen? Für die Stadt…für das Reich…und nicht, um eine Bühne für einzelne Selbstdarsteller und deren Kurzauftritte bereitzuhalten.
Der Hochelf hatte Recht, wiederholten sich Aanatus im Gedanken. „Feinde werden zu Freunde“, widmete er sich dem nächsten Ausspruch Munars. Freunde…ein großes Wort. Feinde jedoch auch. Noch nicht zu Ende gedacht, wurde er von Munars nächstem Satz unterbrochen, in dem Aanatus gefragt wurde, „ob in Surom ebenfalls ein Brand entfacht worden sei – wegen dieser Lücke“. Beim Wort „ebenfalls“ schmunzelte Aanatus kurz. Das klang danach, was er schon vermutet hatte, nämlich dass das klerikale Machtmonopol Solgards nun … Probleme … bekommen würde, seinen Machtanspruch zu halten, mehr noch, seine Legitimation an sich zu wahren. So hoffte er zumindest.
Doch antwortete Aanatus selbst nicht über die Zustände Suroms, erwähnte nur, dass dort die Toleranz gegenüber Säkularen, wie er es selbst war, ungleich höher als in Solgard sei. Wieder keine Spitze des Hochelfen, nur die Frage, weshalb Aanatus als Agnostiker denn überhaupt für Surom ritt. Die Antwort war einfach und er nannte sie dem Elfen: Weil ihm ein neutrales Leben verwehrt wurde und Surom ihn mit überraschend offenen Armen aufgenommen hatte. Und er dort das Glück hatte, in einen Zirkel aufgenommen worden zu sein, dessen Ziele er vertritt und dessen Gildenmeisterin er mit seinem Leben zu schützen als erfüllende Aufgabe übernommen hat. Danach wieder keine Spitze des Elfen. Wie schon auf der Schlangeninsel verhielten sich die Hochelfen denkbar anders als die Solgarder, bemerkte Aanatus.
Und so kam es, dass Aanatus Munar anbot, die Blutfehde zwischen dem Schützen und dem Hause Areu mit dem heutigen Tag zu beenden – auch fügte er hinzu, dass Munar gerne ablehnen könne und er ihn dennoch nicht ungerüstet niederstrecken würde. Es solle eine freie, ungezwungene Entscheidung sein. Und der Hochelf willigte ein. Nur noch etwaige Bündnisse sollten sie – ohne die alten Emotionen – zu Feinden machen, ansonsten laufe man sich neutral über den Weg. Ein überraschender Ausgang eines überraschenden Treffens.
- Aanatus
- Beiträge: 335
- Registriert: 10 Feb 2024, 22:35
- Has thanked: 230 times
- Been thanked: 532 times
Suromer Geschehnisse
So einige Dinge waren geschehen und einmal mehr wunderte sich Aanatus, was nicht alles passieren konnte, wenn man nur die Augen aufmachte, die Ohren spitzte und die Welt betrachtete. Diese Unruhe, die da herrschte, wenn man dabei etwas entdeckte, was vielleicht gar nicht hätte entdeckt werden sollen – ein altbekanntes Gefühl voller Aufregung und Adrenalin. Dazu gab es noch die eine oder andere mehr oder weniger latente Drohung, auch etwas, was er zwar nicht sonderlich vermisst hatte, ihm wohl aber gut bekannt war.
Am Ende jedoch war dann alles so, wie es sich Aanatus als guten Ausgangspunkt für noch Folgendes vorgestellt hatte: Denn es schien, als hätte er Cataleya verdeutlichen können, dass er sie und ihre Qualitäten schätzte und sie dabei aber auch erinnern konnte, dass er in ihrer gemeinsamen Geschichte nie durch Drohungen und Zwang zu etwas zu motivieren war, sondern vielmehr durch offene Zusammenarbeit basierend auf gegenseitigem Respekt. Man philosophierte sogar über den Glauben, ein seltener Moment für Aanatus, sich diesem Thema zu widmen und … wie wundersam harmonisch verlief auch dieses Gespräch. Vielleicht lag es daran, dass er in einem unachtsamen Moment der Wächterin etwas verraten hatte, was er vorher noch niemandem gesagt hatte: dass sein letzter Auftrag in Surom lag und dass selbiger ohnehin mit seinem Tod verbunden war. Etwas, was im Stimmen zugeflüstert hatten und etwas, was er auch tief in seinem Herzen fühlte, jedoch bei sich behielt, um die Einen nicht zu sorgen und die Anderen nicht zu falschen Interpretationen hinreißen zu lassen. Etwas, was ihm eine unendliche Leichtigkeit bescherte – jetzt, wo er die anfängliche Furcht vor dem Unvermeidlichen überwunden hatte. Oder war es der gemeinsame Wunsch, in Surom das Trennende zu überwinden und in gemeinsamer Stärke das Großreich erblühen zu lassen und seine Gegner erzittern zu lassen? Für ein Schoßhündchen Sorshas, wie Cataleya ihn (und er widersprach ihr nicht ansatzweise, schmunzelte nur) nannte, habe er nicht nur ein Auge für seine Herrin, sondern eben für das System, in der sie sich bewegte. Wuff, machte Cataleya. Wuff, antwortete Aanatus. Er würde – und das tat er schon am nächsten Tag – mit Sorsha sprechen. Wegen und für Surom. Und wegen des Zwerges, dem er am Ende des Gesprächs am Hauptplatz zu Surom die versöhnliche Hand reichte und die selbiger annahm: Um ihr Kennenlernen, damals in Nebelhafen, abzuhaken und die Erinnerungen daran…beiseite zu wischen. Dies sei ihm gewährt, denn er tat wohl einiges für Surom. Und er schlug seine Hand nicht aus. Doch die schiefe Optik, nun, die würde Sorsha erst am nächsten Tag …. berichtigen, zumindest soweit gehend, dass er Dulgat in Bälde kontaktieren würde, so nahm sich Aanatus vor. Wie in jedem Gespräch mit der Statthalterin führte selbiges zur Einsicht und – er hoffte, das galt auch für sie – auch zu neuen Blickwinkeln und neuer Motivation & Energie. Letzteres konnte Sorsha dieser Tage wohl gut gebrauchen, das erkannte er, und auch wenn er noch nicht wusste, wie er es bewerkstelligen sollte, auch darum wollte er sich kümmern.
Doch als sie ging, kam erst die Unruhe, die ihn in ruhigen Stunden mit sich selbst heimsuchte. Dann zog es ihn wieder fort, auf die Jagd, weniger nach einem konkreten Ziel, als versucht, diese Ruhelosigkeit abzuschütteln. Er wollte schnell und unbekannt reiten, ließ die Kette zuhause und rüstete sich in einfachem Leder. Nur ein Reiterbogen. Proviant für 4 Tage und sein bestes Pferd, Artemis. Dazu der Dolch im Stiefel, Schild am Rücken und die einhändige Streitaxt im Waffengurt. Waidmanns Heil.
Am Ende jedoch war dann alles so, wie es sich Aanatus als guten Ausgangspunkt für noch Folgendes vorgestellt hatte: Denn es schien, als hätte er Cataleya verdeutlichen können, dass er sie und ihre Qualitäten schätzte und sie dabei aber auch erinnern konnte, dass er in ihrer gemeinsamen Geschichte nie durch Drohungen und Zwang zu etwas zu motivieren war, sondern vielmehr durch offene Zusammenarbeit basierend auf gegenseitigem Respekt. Man philosophierte sogar über den Glauben, ein seltener Moment für Aanatus, sich diesem Thema zu widmen und … wie wundersam harmonisch verlief auch dieses Gespräch. Vielleicht lag es daran, dass er in einem unachtsamen Moment der Wächterin etwas verraten hatte, was er vorher noch niemandem gesagt hatte: dass sein letzter Auftrag in Surom lag und dass selbiger ohnehin mit seinem Tod verbunden war. Etwas, was im Stimmen zugeflüstert hatten und etwas, was er auch tief in seinem Herzen fühlte, jedoch bei sich behielt, um die Einen nicht zu sorgen und die Anderen nicht zu falschen Interpretationen hinreißen zu lassen. Etwas, was ihm eine unendliche Leichtigkeit bescherte – jetzt, wo er die anfängliche Furcht vor dem Unvermeidlichen überwunden hatte. Oder war es der gemeinsame Wunsch, in Surom das Trennende zu überwinden und in gemeinsamer Stärke das Großreich erblühen zu lassen und seine Gegner erzittern zu lassen? Für ein Schoßhündchen Sorshas, wie Cataleya ihn (und er widersprach ihr nicht ansatzweise, schmunzelte nur) nannte, habe er nicht nur ein Auge für seine Herrin, sondern eben für das System, in der sie sich bewegte. Wuff, machte Cataleya. Wuff, antwortete Aanatus. Er würde – und das tat er schon am nächsten Tag – mit Sorsha sprechen. Wegen und für Surom. Und wegen des Zwerges, dem er am Ende des Gesprächs am Hauptplatz zu Surom die versöhnliche Hand reichte und die selbiger annahm: Um ihr Kennenlernen, damals in Nebelhafen, abzuhaken und die Erinnerungen daran…beiseite zu wischen. Dies sei ihm gewährt, denn er tat wohl einiges für Surom. Und er schlug seine Hand nicht aus. Doch die schiefe Optik, nun, die würde Sorsha erst am nächsten Tag …. berichtigen, zumindest soweit gehend, dass er Dulgat in Bälde kontaktieren würde, so nahm sich Aanatus vor. Wie in jedem Gespräch mit der Statthalterin führte selbiges zur Einsicht und – er hoffte, das galt auch für sie – auch zu neuen Blickwinkeln und neuer Motivation & Energie. Letzteres konnte Sorsha dieser Tage wohl gut gebrauchen, das erkannte er, und auch wenn er noch nicht wusste, wie er es bewerkstelligen sollte, auch darum wollte er sich kümmern.
Doch als sie ging, kam erst die Unruhe, die ihn in ruhigen Stunden mit sich selbst heimsuchte. Dann zog es ihn wieder fort, auf die Jagd, weniger nach einem konkreten Ziel, als versucht, diese Ruhelosigkeit abzuschütteln. Er wollte schnell und unbekannt reiten, ließ die Kette zuhause und rüstete sich in einfachem Leder. Nur ein Reiterbogen. Proviant für 4 Tage und sein bestes Pferd, Artemis. Dazu der Dolch im Stiefel, Schild am Rücken und die einhändige Streitaxt im Waffengurt. Waidmanns Heil.