[Barbaren] Fjellgat

Rollenspielforum für Fjellgat.
Hier könnt ihr untereinander Nachrichten austauschen, Aushänge verbreiten lassen und die jeweils gültigen und offiziellen Veröffentlichungen der Stadt sehen.
Benutzeravatar
Rashka|Brom
Beiträge: 259
Registriert: 07 Jan 2021, 19:42
Has thanked: 176 times
Been thanked: 375 times

Re: [Barbaren] Fjellgat

Beitrag von Rashka|Brom »

Bild

Die Prüfungen, die am Rande des blutigen Pfades, auf ihn und den ganzen Stamm warteten, wurden zahlreicher. Beim letzten Treffen des Stammes war vieles geschehen, sie besprachen die bevorstehenden Verhandlungen mit den Suromern und wie sie auf deren Forderungen reagieren wurden. Außerdem war Gor nach einigen Monden plötzlich wieder aufgetaucht und Bjornar hatte ebenfalls seine Bransla abgeschlossen. Zudem wurde Yngvildr ausgeschickt, um ebenfalls ihren Wert zu beweisen und als Släkting in den Stamm aufgenommen zu werden. Er brummte nachdenklich und rief Vogar zu sich herein.
"Sag de anneren Wachen das alle Bewohner Fjellgats in vier Tagn zum Thing erscheinen sollen!"

Versteckt:Versteckten Text anzeigen
Mittwoch den 26.03. ab 20 Uhr in Fjellgat am Thingplatz
Benutzeravatar
Rashka|Brom
Beiträge: 259
Registriert: 07 Jan 2021, 19:42
Has thanked: 176 times
Been thanked: 375 times

Re: [Barbaren] Fjellgat

Beitrag von Rashka|Brom »

Das Erbe der Bluteiche

Bild

Einst, als die Thrymm’tack noch in Grimlas Hain lebten, wuchs am Rande des Dorfes eine Eiche mit schwerem, dunkelrotem Holz. Ein gewaltiger Baum, durchtränkt vom Blut der Eisriesen, die in der Blutfehde gegen die Kinder Sarmatijaschs gefallen waren – und vom Blut zahlloser Nordmänner, die ihr Leben für ihr Volk gaben. Die Bluteiche war mehr als nur ein Baum; sie war ein Symbol des Lebens, der Macht und der Erinnerung.

Kaum etwas war über ihre Entstehung bekannt. Fragte man in Grimlas Hain nach, so wusste fast niemand, wann der Baum gewachsen war. Meist hörte man nur die Geschichte, die Bluteiche habe schon immer dort gestanden, lange bevor die Thrymm’tack die alte Ruine fanden und sich dort niederließen.

Eines Tages, als Rashka von einer Jagd zurückkehrte, führte ihn sein Weg an der Bluteiche vorbei. Ohne genau zu wissen, warum, schnitt er sich einen armdicken Ast ab. Das Holz war schwer und vibrierte vor Kraft, als trüge es die Geister der Gefallenen in sich. Dieses Stück Holz war nicht nur ein Relikt – es war ein Stück Geschichte, auch wenn Rashka nicht recht wusste, was ihn dazu bewegt hatte, den Ast mitzunehmen.

Viele Monde später brach das Unheil über Grimlas Hain herein. Drachenhorden brannten das Land nieder; das Feuer fraß alles, was sich ihm entgegenstellte. Die Thrymm’tack mussten fliehen und ließen ihre heiligen Stätten, ihre Hallen und ihre Geschichten zurück. Nur wenige schafften es, wichtige Dinge zu retten. Unter ihnen war Rashka, der den Ast der Bluteiche tief in seinen Habseligkeiten verbarg – ein stilles Zeugnis einer Vergangenheit, die nicht verloren gehen durfte. Als sie auf ihrer Flucht die lichterloh brennende Bluteiche passierten, hielt Rashka die Tasche, in der sich der Ast befand, fest an seine Brust gedrückt.

Nicht nur die Thrymm’tack flohen, auch viele andere Völker. Nach erbitterten Kämpfen in der alten Zwergenbinge und der späteren Flucht aus Winterberg setzten schließlich alle die Segel gen neue Lande. Die wenigen Thrymm’tack und anderen Kinder Sarmatijaschs, die überlebt hatten, fanden sich verstreut auf Schiffen der Elfen, Amazonen und Greifen wieder. Unter ihren wenigen Habseligkeiten befand sich auch der Ast der Bluteiche – jenes Baumes, der einst am Rand von Grimlas Hain gestanden hatte und von dem nun nichts als Asche geblieben war.

Einige Winter vergingen, bis der Stamm in der Ferne eine neue Heimat fand. Dort stieß Rashka wieder auf den Ast der Bluteiche. Zur Erinnerung an die vergangenen Tage beschloss er, aus diesem Relikt etwas Bleibendes zu erschaffen. So brachte er den Ast zu Falk, dem schweigsamen Holzarbeiter, und zu Janika, deren Finger flink und geschickt waren. Er trug ihnen auf, sorgsam und mit Bedacht Bretter aus dem schweren Holz zu sägen – stark genug, um selbst großer Gewalt zu widerstehen.

Und so machten sich die beiden ans Werk. Lange arbeiteten sie an dem schweren Holz, schnitten, sägten und glätteten es, bis schließlich vier feste, rötlich schimmernde Bretter entstanden.
Benutzeravatar
Rashka|Brom
Beiträge: 259
Registriert: 07 Jan 2021, 19:42
Has thanked: 176 times
Been thanked: 375 times

Re: [Barbaren] Fjellgat

Beitrag von Rashka|Brom »

Nachdem die Wachen Fjellgats angewiesen wurden, die Eingänge des Dorfes stärker zu kontrollieren, erhalten sie weine weitere Aufgabe.
Jeder Barbar, der das Dorf betritt, wird darauf hingewiesen, dass zur Wochenmitte eine Versammlung stattfindet. Jeder der etwas auf sich hält, solle sich gerüstet und bewaffnet, während der Abendstunden im Johtarhaus einfinden.

Versteckt:Versteckten Text anzeigen
Mittwoch den 10.09. ab 20 Uhr im Johtarhaus in Fjellgat.
Benutzeravatar
Haldron
Beiträge: 66
Registriert: 18 Mär 2021, 22:02
Has thanked: 3 times
Been thanked: 186 times

Re: [Barbaren] Fjellgat

Beitrag von Haldron »

Die Wachen erzählen jedem im Fjellgat die Neuigkeiten

Die Paladine Solgards haben den Krieg zu uns gebracht.
Ihre Ankunft verheißt kein Licht, sondern Blut, Eisen, Lug und Trug.
Verlasst das Dorf nur gerüstet und seit stets Wachsam.


Der Skilt hat den Krieg ausgerufen und niemand wird verschont!

ChatGPT Image 17. Sept. 2025, 22_21_45.png
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Benutzeravatar
Rashka|Brom
Beiträge: 259
Registriert: 07 Jan 2021, 19:42
Has thanked: 176 times
Been thanked: 375 times

Re: [Barbaren] Fjellgat

Beitrag von Rashka|Brom »

Als die Barbaren nach Fjellgat zurückkehrten, suchte eine der Wachen den Johtar, den Forsjaman und den Skilt auf, um Bericht darüber zu erstatten, was während ihrer Abwesenheit geschehen war.

„De Wälder um de Gletschersee wurdn schwer gerodet. Wyr konntn nich nach dem Rechten sehn, da wyr Fjellgat schützn mussten. De Drakken im Westen war ruhig, und von de Dawi war nix zu sehn.
Ach – und de Hedwig set wieder im Dorf. De Hathran, wo ihr vor einigen Monden beim Drakkenclan befreit habts. Se ist im Gästehaus untergebracht, seits wieder in Fjellgat set.“


Rashka nickte langsam, dann deutete er mit einer knappen Handbewegung zur Tür.
„Bring de junge Hathran zu uns. Je will mit ihr palavern.“

Wenig später wurde Hedwig zu den Dreien geführt. Rashkas Blick ruhte prüfend auf ihr.
„Sprech. Wo bist gwesn – und warum kimmst jetzt zurück?“

Die junge Frau setzte sich ihnen gegenüber. Einen Moment schwieg sie, als sammle sie ihre Gedanken, dann begann sie ruhig zu sprechen.

„Je musst Fjellgat verlassn, um en Nachricht zu schickn. De Geister hier im Norden sin in Ufruhr, und es war schwer, welche zu findn, die myr helfn wolltn.
Je bin nun zurückkommn, um euch zu danken, dass ihr mey befreit habts.“


Sie senkte kurz den Blick, dann hob sie ihn wieder.
„Zum Dank will je Wissn mit euch teiln. Es gibt altes Wissen von meinem Stamm. De Hathrans habens bewahrt und an andere weitergebn.
Je werd euch die Worte geben, die je von meiner Mutter empfangn hab. Ihr müsst selbst herausfindn, was sie bedeutn – und wie ihr det Wissn anwendet.“


Die junge Hathran erhob sich und trat zum Feuer. Aus einem kleinen Kräuterbeutel nahm sie getrocknete Blätter und Gräser und warf sie in die Flammen. Dicker, beißender Rauch stieg auf und waberte durch den Raum.

Im Rauch begann sich ihr Schatten zu verzerren und zu tanzen. Ein leises Summen begleitete ihre Bewegungen, als stimme sie sich selbst auf das Kommende ein. Dann senkte sich ihre Stimme, wurde tiefer, fremder, fast nicht mehr ganz die ihre.

„Dickhaut der Älteren,
geboren aus den Häuten zweier Feinde.

Das erste ist das Fleisch des Zorns –
geboren im Krieg, getränkt im Blut der Seinen.
Schnell heilt es, narbenreich und hart.

Das zweite Fleisch ist Grollen aus Höhlen –
gefallen mit Blick gen Sonne,
geschliffen vom Sand der Ödnis.
Doch sein Herz schlägt noch im Stein.

Gekocht im Sud der Tausend Tränen,
gebunden bei Mond,
mit Nadeln aus Knochen.“


Bild
Benutzeravatar
Rashka|Brom
Beiträge: 259
Registriert: 07 Jan 2021, 19:42
Has thanked: 176 times
Been thanked: 375 times

Re: [Barbaren] Fjellgat

Beitrag von Rashka|Brom »

Blauer Pfeifenrauch hing schwer unter der Decke und mischte sich mit dem Geruch von Bier und Met. Tarabaschs Pfeife glomm träge, während er daran zog. Auch Yngvildr und Haldron entzündeten ihre Pfeifen und ließen den Rauch langsam aus den Lungen steigen.

„De Ahnen zu Ehr“, murmelte Rashka und nickte knapp in die Runde.

Die Hathran. Wieder einmal eine Hathran. Gerettet aus Gefahr – und bezahlt mit Rätseln statt Antworten. Worte von Fleisch, Zorn und Groll, von Häuten zweier Feinde, geboren aus Krieg und Ödnis. Kein klarer Weg, nur Andeutungen, wie es diese Weiber liebten.

Sie sprachen lange über die Worte der Hathran und versuchten, deren Sinn zu ergründen. Sicher war nur eines: Etwas musste erschlagen werden. Darüber war man sich schnell einig. Doch was erschlagen werden sollte, lag noch im Nebel.

„Wyr sollns selber erratn“, hatte sie gesagt.

Fleisch des Grollens aus Höhlen, gefallen mit Blick zur Sonne, geschliffen vom Sand der Ödnis. Vermutet wurden die Einaugen oder die Drochsal – beide im Wüstenreich des Südens zu finden. Nach langem Hin und Her entschieden sie schließlich, dass die Einaugen, die Zyklopen, die richtige Wahl seien.

Das Fleisch des Zorns jedoch gab mehr Rätsel auf. Im Kampf geboren, narbenreich und schnell heilend. Wieder wurde diskutiert, doch keine klare Antwort gefunden. Yngvildr sprach davon, dass sich die Schamanen der Trolle und Oger selbst heilen konnten.

Fast wie aus einem Mund brummten Tarabasch und Rashka:
„De Trolle heilen sich och ohne Zauber der Schamanen.“



Der Ejnaug in der Sonne

Der Sand brannte unter den Füßen, als sie die Stufen aus der Tiefe hinter sich ließen. Die Sonne stand tief, doch ihr Licht schnitt noch scharf über die Felsen.

„Da!“, knurrte Haldron und deutete mit dem Stab nach oben.

Er stand dort wie ein Stück der Welt selbst:
Ein gewaltiger Zyklop, ein Ejnaug, größer als jene, die sie zuvor erschlagen hatten. Seine Haut war von der Sonne gebrannt und rissig wie verwitterter Stein, der Leib übersät mit alten Narben. In seiner Faust hielt er einen Hammer aus Felsbrocken, so groß wie ein Amboss.

Der Zyklop brüllte, als er sie erblickte – ein Laut, der von den Felswänden widerhallte. Dann flog der erste Stein.

Gemeinsam stürmten sie voran, die Äxte erhoben, bereit zum Schlag. Noch ehe der Kampf richtig begann, schlugen die Pfeile der Jägerin tief in die Schulter des Riesen. Der Hammer des Zyklopen krachte in den Boden, wo eben noch einer von ihnen gestanden hatte.

Yngvildr wich zur Seite und jagte Pfeil um Pfeil in den Leib des Ejnaugs, während Tarabasch von der Flanke her angriff und die mächtigen Hiebe des Riesen mit seinem Schild abfing.

Haldron rief die Kräfte der Ahnen an. Dunkle Wolken zogen zusammen, und ein Blitz schlug zuerst ins Erdreich, dann zuckte er in den Leib des Zyklopen. Der Ejnaug taumelte, brüllte vor Zorn, riss einen Fels aus dem Boden und schleuderte ihn blindlings. Staub und Splitter erfüllten die Luft.

Haldron hob den Stab, sein Griff leuchtete kurz auf – der nächste Stein verfehlte Rashka nur um Haaresbreite.

Dann kam der Moment. Unter den vereinten Angriffen der Jagdgruppe brach der Zyklop ein. Er sank auf die Knie, sein einzelnes Auge starrte zur untergehenden Sonne. Noch einmal hob er den Hammer – dann trennte Tarabaschs Axt Kopf und Leib.

Stille.
Nur der Wind im Sand.

Die Haut des Feindes wurde mit geübten Handgriffen rasch abgezogen.

„Jau“, brummte Rashka und blickte zum Himmel. „Gefalln mit Blick zur Sonne.“



Fleisch des Zorns – die Höhlen der Trolle

Doch das Rätsel war noch nicht vollendet.

Tief in den Höhlen folgten sie dem Gestank von Moder und Blut. Dort fanden sie die Trolle – mehrere, groß gewachsen, mit dicker, graugrüner Haut. Kaum hatten sie die Fremden gewittert, stürmten die Bestien heran.

Der Kampf war roh und eng. Keulen krachten gegen Schilde, Krallen rissen durch Leder. Einer der Trolle wurde niedergestreckt, doch schon schlossen sich seine Wunden wieder. Ein anderer brüllte vor Schmerz – nur um Sekunden später erneut anzugreifen.

„Seht ihr!“, rief Yngvildr. „Se heilen sich!“

Rashka schlug einem Troll die Axt tief in den Hals, Tarabasch spaltete einem anderen den Schädel. Haldron ließ die Höhlendecke erzittern, während Steinsplitter auf die Feinde niederregneten. Erst als sie die Trolle gnadenlos niederhielten und ihnen Gliedmaßen abschlugen, blieb die Heilung aus.

Als der letzte Troll röchelnd zu Boden ging, war die Höhle still.

„Fleisch des Zorns“, knurrte Tarabasch. „Aus Höhlen. Jau.“

Die Häute wurden abgezogen – zäh, schwer, narbenreich.

Bild



Der Sud der tausend Tränen

Zurück in Fjellgat legten sie die Felle auf den Tisch. Regenwasser war gesammelt worden – „der Sud der tausend Tränen“, wie sie nun überzeugt waren. Salz wurde hinzugegeben, Feuer darunter entfacht.

„Gekocht im Sud“, murmelte Rashka. „Un gebundn bej Mond.“

„Salz härtet“, brummte Haldron. „Wie Tränen.“

Yngvildr nickte langsam. „Un Nadeln aus Knochn… zum Vernähn.“

Als der Mond aufstieg, kochte das Leder. Knochen wurden geschliffen, zu Nadeln geformt. Die Felle lagen im Salzwasser, während draußen die Nacht über das Land kroch.

„Wyr kochn se yber Nacht“, entschied Rashka schließlich.
„Un wenn der Mond am höchsten steht“, ergänzte Tarabasch,
„vernähn wyr de Häute. Haut an Haut. Feind an Feind.“

Ob es genau das war, was die Hathran gemeint hatte, wusste keiner.

Aber die Ahnen sahen zu.
Und das genügte.
Benutzeravatar
Rashka|Brom
Beiträge: 259
Registriert: 07 Jan 2021, 19:42
Has thanked: 176 times
Been thanked: 375 times

Re: [Barbaren] Fjellgat

Beitrag von Rashka|Brom »

Rashka saß am Tisch und betrachtete die Karte, die vor ihm lag. Schwere Schritte kamen die Stufen hinauf und betraten den kleinen Raum. Als er aufsah, nickte er den beiden Eintretenden grüßend zu. „De Ahnen zur Ehr.“

Tarabasch schlenderte in den Raum und ließ sich an der Seite auf einen einfachen Hocker nieder. Das Holz des Bodens und des Hockers knarrte unter seinem Gewicht. „Was steht an, myn Johtar?“

Rashka antwortete nicht sofort. Sein Finger glitt langsam über die Karte, blieb im Norden stehen.

„Der Norden ist immer oben“
, murmelte er schließlich.

Ein breites Grinsen zog sich über Tarabaschs Gesicht. „So soll’s sejn.“

Rashka nickte langsam. „So auch wyr.“

Dann wanderte sein Finger nach Süden. Weit nach Süden.
Sein Blick verfinsterte sich.

„Je weiter de runter gehst … desto niederträchtiger werdns.“

Haldron, der Forsjaman, war nahe des Aufgangs stehen geblieben und blickte grimmig drein. Fast konnte man meinen, es sei kühler geworden, seit der Schamane die Hütte betreten hatte.

„De Krig gegen de ehemaligen Herrn der Insel wurd geschlagen. Wyr solltn uns unsern Dingen zuwendn“, sagte Rashka ruhig.

Dann hob er den Blick.

„Und mit den Kerlen dort hamn wyr noch wat zu klärn.“

Das genügte, um Tarabaschs Blut hochkochen zu lassen. Er schlug die Faust in seine Handfläche – ein dumpfer Klang. Haldron nickte schweigend. Rashka griff nach seinem Vaenkniv und rammte die Klinge in die Karte.

„Je schwör’s …“, sagte er leise, „… dass je det klärn werd. Uf min Vaenkniv.“

„Macht euch bereit, wyr reitn los!“

Die Reitbären wurden zurechtgemacht und einige Sachen gepackt. Tyra stieß ebenfalls dazu, als sie von der Aufbruchsstimmung hörte. Mit Bogen und schlechter Laune bewaffnet schloss sie sich den anderen an.

Die Steppe empfing sie mit brennender Hitze. Der Boden flimmerte, als lägen überall Pfützen – doch kein Wasser war weit und breit zu sehen. Jeder Atemzug war trocken und heiß, und die Nordleute hatten das Gefühl auszutrocknen. Die Bären stapften schwer durch den Sand, doch selbst sie wirkten unruhig unter der gnadenlosen Sonne.

„Jeg hass de Hitz“, knurrte Tarabasch und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht.

Rashka antwortete nicht. Sein Blick glitt wachsam über die Weite. Alles wirkte still – vielleicht zu still. Eine Weile ritten sie durch die Steppe, ohne jemanden zu entdecken.

Da hob Haldron seinen Stab und rief den anderen zu:
„So fyndn wyr keynen, wenn wyr wie ufgeschreckte Hennen umherrennen!“

Rashka nickte und hob die Hand.
„Wyr suchn de Oase und de Steinbruch in’r Nähe. Da sind manchmal welche am Arbeiten. Und steigt von de Bärn ab – sonst sehens uns von weit her.“

Ein Murren ging durch die Gruppe. „Zu Fuß?“

Widerwillig gehorchten sie. Unweit des Steinbruchs stiegen sie ab und bewegten sich im Schatten des Berges voran.

Es war Haldron, der sie zuerst bemerkte. Zwei Gestalten – kaum mehr als Schatten im flirrenden Licht. Zwei Frauen. Alle hielten inne. Rashkas Augen verengten sich. „Umringt se.“

Der kleine Trupp war eingespielt. Jeder bewegte sich schnell und zielsicher. Die beiden Frauen wurden umstellt, Waffen blitzten auf. Ein paar Worte wurden gewechselt – dann ging alles schnell. Die Waffen sprachen. Eine Explosion hallte vom Berghang wider. Feuer riss die Luft auseinander, Staub und Hitze schlugen wie eine Faust. Rashka wurde zur Seite geschleudert, der Boden traf ihn hart. Tarabasch kreuzte die Waffen mit einer der Frauen – der Kampf war kurz und blutig. Als Rashka sich wieder aufrichtete, schmeckte er Blut und Sand auf der Zunge. Er spuckte beides aus, seine Augen glühten.

„Verdammts Weyb …“

Doch es war vorbei. Die eine lag reglos vor Tarabasch. Die andere rang nach Atem, gefangen in einem Käfig aus Magie. Haldron hatte schnell gehandelt und sie außer Gefecht gesetzt. Tyra hatte den Bogen gespannt, musste aber keinen Pfeil lösen.

„Mitnehmn. Alle beide.“

Die Gefangenen wurden gefesselt und zu den Reitbären gebracht. Widerwillig, aber schließlich traten sie den Rückweg nach Fjellgat an.

Fjellgat lag still unter grauem Himmel, als sie zurückkehrten.

Die Dorfbewohner sahen ihnen entgegen. Haldron kündigte sie an:
„De Johtar kimmt zurück – mit Gefangene!“

Den beiden Solgarderinnen wurden grimmige und neugierige Blicke zuteil. Sie wurden durchsucht und zur Zelle nahe des Hafens gebracht. Die Zelle roch nach altem Blut, Schweiß und etwas, das schon lange dort gewesen war. Rashka blieb vor den Gitterstäben stehen und zog die Tür auf.

„Rein da!“

Die kleinere der beiden – die mit dem roten Haar – hielt seinem Blick stand und redete unaufhörlich.

„Je geb euch en Wahl“, sagte er. „Eine geht. Bringt de Botschaft.“

Er deutete auf die andere.

„Oder beide bleiben – und je bring euch Papier und Kohle für en Nachricht.“

Ein Moment verstrich. Die Blonde hob den Blick. Ruhig, trotz des Schmerzes. „Ich bleibe. Soll Zlata heimgehen.“

Rashka musterte sie lange, dann schüttelte er den Kopf.

„De Rothaarige is Stadthalterin. Du bist vermutlich ney höher im Rang. Entweder gehst du – oder ihr bleibt beide.“

Er trat näher an die Gitter und wartete. Die beiden Frauen flüsterten miteinander, dann nickte die Blonde und trat vor.

„Ich überbringe die Nachricht.“

„Sag deinen Leuten, was heut geschehen is. Und sag … dass je Recht sprechen werd für den Tod des weißen Hirsches.“


Eine Pause.

„Vor’m Thing.“

Seine Stimme wurde leise – aber schwer.

„Ihr habt zwei Tag. Dann wird entweder dey Stadthalterin oder en anderer vorm Thing stehn.“


Bild
Benutzeravatar
Zlata Kovacs
Beiträge: 49
Registriert: 07 Apr 2025, 16:18
Has thanked: 79 times
Been thanked: 82 times

Re: [Barbaren] Fjellgat

Beitrag von Zlata Kovacs »

"De Unschuld stirbt in jedem Krieg als Erstes."
 
Die Worte des bärenartigen Hünen Rashka kreisten unaufhörlich in Zlatas Gedanken. Es waren die bittersüßen Worte eines erfahrenen Anführers, vorgetragen mit unerschütterlicher Gravitas. Eine vermeintlich weise Lektion aus einem harten Leben. Diese Worte tarnten sich als Axiom, als unumstößliche, grundlegende Wahrheit. Sie dienten jedoch nur als selbsterteilte Erlaubnis zu Gräultaten. Verlorene Unschuld bedingt Kriege, bedingt verlorene Unschuld. Rashkas Worte waren eine Rechtfertigung, sie auf Solgarder Grund zu entführen, obwohl sie die Fürsprecherin einer diplomatischen Lösung im Solgarder Rat gewesen war.
 
"De Unschuld stirbt in jedem Krieg als Erstes."
 
Natürlich hatte Zlata sofort erkannt, auf welch wackligen Beinen die vermeintliche Logik des Barbaren stand. Ein rhetorischer Kunstgriff, dem sich die meisten Machthaber und Autokraten bedienten. Wächter, Magokraten, Paladine, Patriarchen, sie alle hatten ihre eigenen Scheinaxiome. "Intellekt gewährt Herrschaft. Tugend bedingt Recht. Frauen sind Mütter." Diese Herrscher fußten ihre Autorität auf einer heiligen Doktrin. Sie anzuzweifeln war Sünde.
Nicht zuletzt deshalb hatte die junge Gelehrte sich nicht die Mühe gemacht, zu diskutieren. Doch es war nicht die Unschuld, die gestorben war, als die vier Barbaren sie und Amrali am Steinbruch überwältigt und in eine nach Exkrementen und Sekreten stinkende Zelle geworfen hatten. Den Luxus der Unschuld hatte Zlata in den Trümmern ihres vergangenen Lebens zurückgelassen, noch bevor sie vor über einem Jahr Fuß auf diese Insel gesetzt hatte.

Nein, Unschuld war es nicht gewesen, die sie zum wohlwollenden Fürsprecher der Barbaren im Rat gemacht hatte. Es war das Vertrauen auf etwas viel Wertvolleres gewesen.
"Die Logik starb in diesem Krieg als Erstes."
 
Flüsterte Zlata zu sich selbst. Aus Rashkas Mund zu hören, dass er keinen Plan hatte um diesen Krieg zu beenden, hatte ihr einen eiskalten Schauer den Rücken herab gejagt. "Jeg folg dem blutigen Pfad." hatte er geantwortet. Das war ein wahres Axiom. Unumstößlich, nicht negierbar, keines Beweises nötig. So lange Rashka lebte, würde es keinen Frieden geben. Doch auf dem blutigen Pfad war für Logik kein Platz, wenn sie nicht als Waffe diente.

Unterbewusst tastete Zlata nach der angeschärften Tonscheibe in ihrem Ärmel, den sie aus der Schnapsflasche in ihrer Zelle geschlagen hatte. Die Reste der Flasche hatte sie im Heu verscharrt. Ihre Finger waren eisig kalt von der bitteren Kälte der Nordens, doch das war kein Vergleich zu der eisigen Leere, die ihr in Bauch und Brust klaffte. Solgards Antwort würde kommen, so viel Stand fest. Es würde nicht die Tugend des Mitgefühls sein, welche die Paladine in den Norden führen würde. Es würde keine Logik geben, kein Recht und ganz gewiss keine Gewinner. Die einzige Wahl, die sie hatte, war die Wahl ihres Scheiterns.
Antworten